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	<title>Rauhfasler &#187; Fragmente</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Desiderate</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 10:17:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimnisse]]></category>
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		<description><![CDATA[Was ich gerne verstehen würde: Die String-Theorie. Die Differenz zwischen der Schwachen Kraft, der Starken Kraft und der Gravitation &#8212; und mehr noch ihren gemeinsamen Ursprung. Den Dissens zwischen Darwin und Lamarck. Den Unterschied zwischen der hinterhältigen Wiederholung der eigenen Angewohnheiten und Nietzsches ewiger Wiederkehr des Gleichen. Das Gefühlswetter und die Aerodynamik der inneren Segelfliegerei. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/09/tomate.jpg" class="floatbox" rev="group:4986 caption:`Tomate. Aus: TOMATO CULTURE. A PRACTICAL TREATISE ON THE TOMATO, ITS HISTORY, CHARACTERISTICS, PLANTING, FERTILIZATION, CULTIVATION IN FIELD, GARDEN, AND GREENHOUSE, HARVESTING, PACKING, STORING, MARKETING, INSECT ENEMIES AND DISEASES, WITH METHODS OF CONTROL AND REMEDIES, ETC., ETC.  By WILL W. TRACY, New York 1907`"><img class="rand size-medium wp-image-4989" title="Tomate. Aus: TOMATO CULTURE. A PRACTICAL TREATISE ON THE TOMATO, ITS HISTORY, CHARACTERISTICS, PLANTING, FERTILIZATION, CULTIVATION IN FIELD, GARDEN, AND GREENHOUSE, HARVESTING, PACKING, STORING, MARKETING, INSECT ENEMIES AND DISEASES, WITH METHODS OF CONTROL AND REMEDIES, ETC., ETC.  By WILL W. TRACY, New York 1907" src="/wp-content/uploads/2009/09/tomate-273x300.jpg" alt="Tomate. Aus: TOMATO CULTURE. A PRACTICAL TREATISE ON THE TOMATO, ITS HISTORY, CHARACTERISTICS, PLANTING, FERTILIZATION, CULTIVATION IN FIELD, GARDEN, AND GREENHOUSE, HARVESTING, PACKING, STORING, MARKETING, INSECT ENEMIES AND DISEASES, WITH METHODS OF CONTROL AND REMEDIES, ETC., ETC.  By WILL W. TRACY, New York 1907" width="273" height="300" /></a></p>
<p>Was ich gerne verstehen würde:</p>
<ul>
<li>Die String-Theorie.</li>
<li>Die Differenz zwischen der Schwachen Kraft, der Starken Kraft und der Gravitation &#8212; und mehr noch ihren gemeinsamen Ursprung.</li>
<li>Den Dissens zwischen Darwin und Lamarck.</li>
<li>Den Unterschied zwischen der hinterhältigen Wiederholung der eigenen Angewohnheiten und Nietzsches ewiger Wiederkehr des Gleichen.</li>
<li>Das Gefühlswetter und die Aerodynamik der inneren Segelfliegerei.</li>
<li>Die Hintergedanken der Evolution, beispielsweise bei der Entwicklung von lithotrophen Organismen.</li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ein Fisch</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Sep 2009 10:01:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
		<category><![CDATA[Einsamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schweigen]]></category>
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		<category><![CDATA[Stille]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein sonderbarer Grundbestandteil des Lebens ist &#8211; das Schweigen. Daran kann eigentlich kaum ein Zweifel bestehen. Andererseits läßt sich aber nur schwer weiteres sagen als dieser eine, dürre Satz. Schweigen. Wenn man versucht, in das Schweigen einzudringen und an ihm verschiedene Substanzen zu unterscheiden, betritt man schnell den Bereich jener Art von Spekulationen, die einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/09/accoleia1.jpg" class="floatbox" rev="group:4848 caption:`Accoleius Lariscolus denarius. Ein Denar mit dem Abbild der Göttin Acca Larentia`"><img src="/wp-content/uploads/2009/09/accoleia1-300x159.jpg" alt="Accoleius Lariscolus denarius. Ein Denar mit dem Abbild der Göttin Acca Larentia" title="Accoleius Lariscolus denarius. Ein Denar mit dem Abbild der Göttin Acca Larentia" width="300" height="159" class="rand size-medium wp-image-4877" /></a></p>
<p>Ein sonderbarer Grundbestandteil des Lebens ist &#8211; das Schweigen. Daran kann eigentlich kaum ein Zweifel bestehen. Andererseits läßt sich aber nur schwer weiteres sagen als dieser eine, dürre Satz. Schweigen. Wenn man versucht, in das Schweigen einzudringen und an ihm verschiedene Substanzen zu unterscheiden, betritt man schnell den Bereich jener Art von Spekulationen, die einem den Mund verkleben und jedem Zuhörer die Ohren, so daß am Ende nur peinliche Ratlosigkeit übrigbleibt. So ist es mit dem Schweigen &#8211; oder auch, wenn man so will, mit der Stille, die ja das außenliegende Produkt von zuviel Schweigen ist.</p>
<p>Vielleicht können wir uns Hilfe von Tacita erhoffen, der Göttin des Schweigens. Man brachte ihr Fische, denen man das Maul zugenäht hatte, als Opfergabe dar. Nur so war überhaupt dem schweigsamen Wesen der Göttin genüge zu tun, die auch den Beinamen &#8250;Muta&#8249; trug: Tacita Muta, die stumme Schweigende. Die Göttin, die aus eigenem Willen niemals redet, denn sie ist ja die Schweigende; die aber, selbst wenn sie sich äußern wollte &#8211; was ganz abwegig ist &#8211;  es nicht könnte, da sie obendrein noch stumm ist. Ein doppelt stilles, von Grund auf sprachloses Wesen, ein Fisch mit vernähtem Maul. <span id="more-4848"></span></p>
<p>Aber kann man sich von so einer Hilfe erhoffen? Was könnte es geben, daß gegen die Stille hilft, wenn sie erst einmal begonnen hat, um sich zu greifen? Die Stille breitet sich nämlich ganz von selbst aus. Und mit dem Reden ist es nicht so, wie mit anderen Fertigkeiten, derer man sich sicher sein kann. Zum Beispiel das Fahrradfahren oder Schwimmen: man verlernt es nie mehr, wenn man es einmal gelernt hat. Aber das Reden, das Zusammensetzen von Wörtern, verlernt man schnell, wenn sich das Schweigen erst einmal festgesetzt hat. Die Verbindung zwischen den Wörtern und ihren Bedeutungen wird immer lockerer bis es als fast unmöglich erscheint, mit den eigenen Worten bis dahin zu gelangen, wo die wirklichen Dinge und Begebenheiten sich befinden und abspielen. Die Dinge machen Geräusche, aber sie geben nie einen Satz von sich. Und genau das erscheint einem, um den sich die Stille zu einer öligen Atmosphäre verdichtet hat, das angemessene und richtige zu sein: In einer Welt, die so rätselhaft und unerschwinglich ist wie diese, die einzige, die wir haben: in einer solchen Welt muß man Schweigen. Wer redet, ist geradezu eine tragische Gestalt, weil er nicht sieht, wie sehr er im Irrtum ist. Der Versuch, eine Welt, die derart Immun gegen jede Bedeutung ist, mit Worten auffüllen zu wollen, nimmt sich aus wie das Anrennen eines Tropfens gegen eine durchgängig imprägnierte, steil abfallende Fläche.</p>
<p>Tacita Muta, wie soll man sich retten aus der Sprachlosigkeit, der Stille, die zuerst im Kopf einsetzt? Was ist deine Gegengabe für den geknebelten Fisch, den man dir opfert? In dir hat man nicht bloß die Sachwalterin des Todes gesehen, sondern auch die Verkörperung des fruchtbaren Landes, der Erde, den Inbegriff einer Mutter. Aber sollte etwas entstehen können in dem tiefen Kohlenloch der Sprachlosigkeit, sollte daraus etwas hervorgehen? Ist das nicht bloß eine Abwandlung des Todes, oder auch der Inbegriff des Totseins: nichts mehr sagen zu können?</p>
<p>Aber dann: entsteht aus der Bedeutungslosigkeit, die sich für einen, der nichts zu sagen weiß, wie ein schwarzes Tuch über alle Dinge gebreitet hat, vielleicht am Ende doch etwas? Vielleicht wird er jenen Mut der Verzweiflung besitzen, der ihn in die Lage versetzt, wider besseres Wissen sprechen zu können. Trotz der beeindruckenden Stille, die sich um ihn gebreitet hat, fängt er zu sprechen an. Auch wenn das Schweigen der Dinge oder der Gegebenheit jedes Wort Lügen straft, auch wenn man sich unter Menschen ohnehin nicht eigentlich verstehen kann: es ist möglich, Worte zu machen, weil die Sprache gar keinen notwendigen Bezug auf irgendetwas hat.</p>
<p>So erweist Tacita ihre Gnade, wenn man ihr nur Fleißig fischmäuliges, festvergarntes Schweigen geopfert hat; sie zeigt sich als Mutter. Und so entsteht aus dem Schweigen am Ende vielleicht etwas Gesprochenes, ein Wortgebilde auf wackeligen Beinen, das nicht von sich behaupten kann, in anständigen Verhältnissen auf die Welt gekommen zu sein.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Botschaften, Zeichen, Warnungen</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/botschaften-zeichen-warnungen-2</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 14:06:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
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		<category><![CDATA[Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[Calvino läßt in einem Roman eine seiner Figuren sagen: &#0187;Ich gelange zur Überzeugung, daß mir die Welt etwas mitteilen will, durch Botschaften, Zeichen, Warnungen. &#8230; An manchen Tagen erscheint mir alles, was ich erblicke, bedeutungsschwanger: voller Botschaften, die zu definieren, in Worte zu fassen und anderen mitzuteilen mir schwerfallen würde, aber die sich mir gerade [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/09/graffiti.jpg" class="floatbox" rev="group:4811 caption:`Graffiti`"><img src="/wp-content/uploads/2009/09/graffiti-300x216.jpg" alt="Graffiti" title="Graffiti" width="300" height="216" class="rand size-medium wp-image-4814" /></a></p>
<p><a href="/2007/botschaften-zeichen-warnungen/" target="_blank" title="längeres Zitat mit Quellenangabe">Calvino</a> läßt in einem Roman eine seiner Figuren sagen:</p>
<blockquote><p>&#0187;Ich gelange zur Überzeugung, daß mir die Welt etwas mitteilen will, durch Botschaften, Zeichen, Warnungen. &#8230; An manchen Tagen erscheint mir alles, was ich erblicke, bedeutungsschwanger: voller Botschaften, die zu definieren, in Worte zu fassen und anderen mitzuteilen mir schwerfallen würde, aber die sich mir gerade deswegen als entscheidend darstellen.&#0171;</p></blockquote>
<p>Wenige Texte kommen mir so regelmäßig bei unterschiedlichen Gelegenheiten in den Sinn, wie diese Passage. Nicht im Wortlaut zwar, sondern in der Form einer symbolisch gewordenen Erinnerung, die ohne Details auskommt. Eine Erinnerung aber, die in ihrer dahingestammelten Form umso mehr Bedeutung an sich gebunden hat. <span id="more-4811"></span></p>
<p>Es gibt wirklich Botschaften, die der Wirklichkeit in ihren verborgenen Winkeln eintätowiert wurden: Geheimnisse, Rätsel und verwirrende Prophezeihungen. Es gibt überall an der äußeren und inneren Wirklichkeit Ungereimtheiten und Unvollkommenheiten, die erst ihre Schönheit ausmachen &#8211; Schönheit entsteht erst durch das Vorhandensein von Makeln, weil erst sie jemanden wirklich zum hingebungsvollen Betrachter machen können.</p>
<p>Allerdings ist es keine leichte Angelegenheit mit jenen Zeichen und Botschaften, schon gar nicht mit den Warnungen. Man begibt sich in den Bereich der Unwahrscheinlichkeit, wenn man sie um sich und an sich selbst bemerkt. Es ist nämlich, wenn es um solche Dinge geht, unmöglich zu sagen: &#0187;Ganz sicher verhält es sich so und so.&#0171; Denn bei den Zeichen, Botschaften und Warnungen liegt nichts auf der Hand. Alles ist das Ergebnis gleichsam von Sterndeuterei, von Auslegung, die rein willkürlich &#8211; und gerade deshalb insbesondere Notwendig ist.</p>
<p>Die Sterndeuterei im Bereich der Alltagsbegebenheiten ist notwendig für einen selbst. Sie ist notwendig für mich wie irgendeine andere Tätigkeit des Stoffwechsels. Ohne sie wäre die Wirklichkeit nur aus glatten, abweisenden Flächen zusammengesetzt, an denen man völlig haltlos abrutschen müßte. Nicht so, daß es irgendwem auffallen und das man als haltloser Mensch äußerlich erkennbar werden würde; so aber, daß man nach einer langen Strecke schließlich in der Gleichgültigkeit landen würde. </p>
<p>Wenn man den Geheimnissen, der Schönheit wie auch der Schrecklichkeit in der Welt nachspürt, wird die Welt dadurch nicht unbedingt ein angenehmerer Ort (immerhin befindet sich der einzige Ort, an dem Frieden zu gewinnen ist zweifingerbreit hinter den eigenen Rippenbögen), aber sie wird dadurch ein bedeutsamer Ort und vielleicht bis auf Weiteres eine Heimat.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Stille wider uns</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jan 2008 14:45:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewußtseinssturz]]></category>
		<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
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		<category><![CDATA[Stille]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Welt ist aus Stille geformt. Auf den ersten Blick ist das eine nicht besonders einleuchtende Behauptung, insbesondere für Städter, um die es kaum je still ist. Aber es verhält sich doch so. Ebenso, wie der Satz wahr ist, daß wir und alles Leben aus Wasser geformt sind. Selbtverständlich kommt es bei der Beziehung des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://armish.linux-sevenler.org/blog/"><img class="rand alignnone size-full wp-image-779" title="Solitude" src="/wp-content/uploads/2008/09/solitude.jpg" alt="" width="449" height="299" /></a></p>
<p>Die Welt ist aus Stille geformt. Auf den ersten Blick ist das eine nicht besonders einleuchtende Behauptung, insbesondere für Städter, um die es kaum je still ist. Aber es verhält sich doch so. Ebenso, wie der Satz wahr ist, daß wir und alles Leben aus Wasser geformt sind.</p>
<p>Selbtverständlich kommt es bei der Beziehung des Lebens zum Wasser gerade auf die Stoffe an, die zum Wasser hinzutreten und es in eine bestimmte Form bringen: die Form eines Menschen beispielsweise. Wir brauchen uns meistens nicht darum zu kümmern, daß wir eigentlich nur ein System von chemischen Reaktionen in wässriger Lösung sind, nur selten wird unsere Herkunft aus dem Wasser augenscheinlich, bei einer Geburt zum Beispiel oder wenn einer Schnupfen hat. Aber wir können sogar auf Nahrung für eine lange Zeit verzichten, nur auf Wasser nicht, weil das Wasser in hinsicht auf den Körper eben unser Grundstoff ist. <span id="more-778"></span></p>
<p>Mit der Stille, dem Baustoff der Welt, verhält es sich nun aber gerade umgekehrt wie beim Wasser: Die Stille steht außerhalb des Menschen, ist nicht sein Element, sie liegt nicht in ihm. Für den Menschen kommt es vielmehr darauf an, daß er nicht zuviel von der Stille aufnimmt, so wie bei anderen befremdlichen Dingen auch.</p>
<p>In kosmisch-physikalischer Größenordnung ist die Stille das Nichts. Unsere Welt, die Sonne, der Mond und alles andere konnte nur entstehen, weil es sich aus diesem Nichts heraus zusammengeballt hat. Man stelle sich vor, die verbindenden Kräfte würden über Nacht aufhören: dann flösse alles auseinander, wie ein Tropfen in der Pfütze zerfließt – und übrig bliebe nurnoch nichts.</p>
<p>Ebenso ist die Stille. In einem dunklen, absolut stillen Raum würden wir, nachdem die erste Beklommenheit abgeklungen ist, unseren Herzschlag hören, das Rauschen des Blutes in unseren Ohren, den Atem, das unruhige Scharren unserer Füße. Damit würde unser Körper uns vergewissern, daß wir noch da sind – aber wir wären allein, ohne Welt. Alsbald würde dann die Angst kommen, über die das Atmen und Herzschlagen uns nur für kurze Zeit hinwegtäuschen könnte, wir könnten es nicht mehr aushalten in jenem Raum – wir dürfen nicht zulange der Stille ausgesetzt sein, sonst müssen wir die Auflösung befürchten, wie sie beim Tropfen in der Pfütze geschieht.</p>
<p>Wenn es in unserer Wohnung still ist, dann kommen uns immerhin Geräusche zur Hilfe, die für uns die Welt erhalten: Das Ticken einer Uhr, Flüstern in den Heizungsrohren, Knarren von Dielen. Auch die Welt vor den Fenstern dringt herein: mit den Stimmen spielender Kinder, durch Vogelgesang vielleicht und immerzu getragen von jener allgegenwärtigen Brandung, dem Geräusch von Motoren. Zum Glück ist das so! Wenn wir nichts hörten, wir müssten immerzu Ausschau halten, um uns zu vergewissern, das da noch etwas ist.</p>
<p>Die Welt ist aus Stille geformt, weil die Stille den Klang der Welt trägt. Ein Baustoff, gegen den alles sich zur Wehr setzen muß, indem es Klang aus sich hervorbringt. So ist ja ein Gedanke erst wirklich, wenn ich ihn ausspreche, ein Mensch erst bei mir, wenn er mit mir spricht, ein Raum verliert seine Ödigkeit durch Gespräch und Musik. Jedoch: alles dies ist getragen von der Stille, herausgebildet aus ihr. Möglich und auch notwendig wird aller Klang durch die Stille, die überall der Hintergrund ist. Durch die Stille, die augefüllt werden kann – und aufgefüllt werden muß.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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