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	<title>Rauhfasler &#187; Fundsachen</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Auf Leber und Darm</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 11:39:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
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		<description><![CDATA["F&#252;hlen Sie sich gut?" Eine ziemlich grunds&#228;tzliche Frage, die mir unversehens gestellt wird. In einem ungesch&#252;tzten Moment, meine Gedanken m&#252;ssen eilends und nur halb bekleidet von irgendwo zur&#252;ckkehren. Da vor mir ist eine <a title="Nachsehen..." href="http://www.felix-burda-stiftung.de/kampagne/print/index.php?" target="_blank">Gestalt auf einem Plakat</a>, beinahe lebensgro&#223; abgebildet -- sie stellt mir diese Frage stellt. Ein Mann mit ordentlicher Frisur und einem zufriedenen, von Grund auf freundlichen L&#228;cheln im soliden, starkknochigen, vertrauensw&#252;rdigen Gesicht. Er versucht, mit einer Hand aus dem Plakat hinauszugreifen, wohl um mich f&#252;r einen Augenblick aufzuhalten, damit ich mir Zeit nehme, &#252;ber sein wichtiges Anliegen nachzudenken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/06/greifen.jpg" class="floatbox" rev="group:4008 caption:`Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs`"><img class="rand size-full wp-image-4021" title="Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs" src="/wp-content/uploads/2009/06/greifen.jpg" alt="Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs" width="300" height="225" /></a></p>
<p>﻿»F&uuml;hlen Sie sich gut?&#0171; Eine ziemlich grunds&auml;tzliche Frage, die mir unversehens gestellt wird. In einem ungesch&uuml;tzten Moment, meine Gedanken m&uuml;ssen eilends und nur halb bekleidet von irgendeinem reichlich weit entfernten Ort zur&uuml;ckkehren. Da vor mir ist eine Gestalt auf einem Plakat, die mich offenbar gerade angesprochen hat. Es ist die beinahe lebensgro&szlig;e Abbildung eines Mannes. Ein Mann mit ordentlicher Frisur und einem zufriedenen L&auml;cheln im starkknochigen, vertrauensw&uuml;rdigen Gesicht. Er versucht, mit einer Hand aus dem Plakat hinauszugreifen, wohl um mich f&uuml;r einen Augenblick anzuhalten, damit ich mir Zeit nehme, &uuml;ber sein wichtiges Anliegen nachzudenken. Als er meine Verwirrung bemerkt, l&auml;chelt er noch etwas freundlicher und wiederholt, in vertraulichem Tonfall: &#0187;F&uuml;hlen Sie sich gut?&#0171;</p>
<div class="textbox">»Weil man ihn erst sp&uuml;rt, wenn es zu sp&auml;t ist.«</div>
<p>Unsere Begegnung hatte eigentlich ganz harmlos begonnen: Ich habe, als ich noch unbeteiligt war, eine Selbstkundgabe des Mannes gelesen, die in gro&szlig;en, ordentlich hellblauen Lettern &uuml;ber seiner feuchtgl&auml;nzenden Frisur auf dem Plakat angebracht ist: &#0187;I feel good&#0171;. Das war auch noch ganz beil&auml;ufig zu h&ouml;ren. Jetzt aber stellt mir dieser Herr im Anzug ohne jede &Uuml;berleitung mitten ins Gesicht eine  sotiefsch&uuml;rfende Frage: &#0187;F&uuml;hlen Sie sich gut?&#0171; Und da er mich einmal auf die existenzielle Ebene gen&ouml;tigt hat, bringt er gleich noch eine recht unangenehme, sehr private Vermutung zum Ausdruck: &#0187;Sie k&ouml;nnten trotzdem Darmkrebs haben.&#0171; Kurze, bed&auml;chtige Pause, aufrichtige Sorge blitzt in den dunklen Augen. Habe ich richtig geh&ouml;rt? &#0187;Weil man ihn erst sp&uuml;rt, wenn es zu sp&auml;t ist&#0171;, setzt er noch hinzu.</p>
<p>Und ich h&auml;tte eben beinahe zugegeben, da&szlig; ich mich tats&auml;chlich recht wohl f&uuml;hle. Gut, da&szlig; ich das verschwiegen habe, denke ich jetzt. Denn ich h&auml;tte ja geradezu den Verdacht auf mich gelenkt, darmkrebskrank zu sein. Den Darmkrebs bemerkt man n&auml;mlich erst, wenn es schon zu sp&auml;t ist. Ist das ganz normale, unauff&auml;llige Gef&uuml;hl in meinem Bauch also ein Warnzeichen? Ich horche in mich hinein. Und der Mann lie&szlig;t mir die Gedanken aus dem sorgenvollen Gesicht. &#0187;Aber das bringt ja&#0171;,  erinnert er mich, &#0187;rein gar nichts. Sie k&ouml;nnen ihn nicht sp&uuml;ren, den schlimmen, hinterh&auml;ltigen Darmkrebs. Erst wenn es zu sp&auml;t ist.&#0171; Noch nicht mal, wenn ich mich unwohl f&uuml;hle, w&auml;re das ein Zeichen f&uuml;r die Krankheit? Oder ist es dann, wenn ich mich unwohl F&uuml;hle, schon l&auml;ngst zu sp&auml;t? Oder ist es immerhin ein Zeichen daf&uuml;r, keinen Krebs zu haben, wenn man Magenschmerzen hat? Der Mann unterbricht meine unschl&uuml;ssigen &Uuml;berlegungen: &#0187;Nein&#0171;, bekr&auml;ftigt er, &#0187;man kann ihn nicht sp&uuml;ren. Und stellen sie sich vor, was f&uuml;r ein peinlicher Tod das w&auml;re &#8211; ein Tod, der aus dem Darm kommt.&#0171;</p>
<div class="textbox">Was f&uuml;r ein peinlicher Tod das w&auml;re, ein Tod, der aus dem Darm kommt.</div>
<p>Er beugt sich etwas n&auml;her. Aber wenn ich jetzt einen Test machen w&uuml;rde, erkl&auml;rt er mir, w&auml;re mein eventueller, mein beinahe schon wahrscheinlicher Darmkrebs durchaus heilbar. Nun denn. Verst&ouml;rt gebe ich ihm mein Wort, einmal dar&uuml;ber nachzudenken. Es w&auml;re ja sch&ouml;n, wenn ich genauso wie dieser zweifelsfrei gesunde Mann ganz unbeschwert sagen k&ouml;nnte: I feel good. Er hat den Test n&auml;mlich schon gemacht und darf also ohne alle Zweifel von sich behaupten, da&szlig; es ihm gut geht. Wenn er aus dem Plakat hinausk&ouml;nnte, w&uuml;rde er mir sicherlich zum Abschied auf die Schulter klopfen. Als ich gehe, ruft er mir noch einen ermutigenden Satz hinterher, von Mann zu Mann sozusagen: &#0187;Danach f&uuml;hlt man sich besser&#0171;, sagt er &#8211; und mein Zug kommt.</p>
<p>Einige Stationen sp&auml;ter gerate ich, gleich nachdem ich ausgestiegen bin, schon wieder in Schwierigkeiten. Ich stolpere <a title="Nachsehen..." href="https://www.hepb.de/cps/rde/xchg/bms_hepb/hs.xsl/home_hepatitis-b_kampagne.html" target="_blank">beinahe in ein Schlafzimmer</a>, in dem sich ein Paar fast vollst&auml;ndig entkleidet hat. Eine von z&uuml;chtiger leidenschaft ergriffene blonde Frau und ein sehr hingebungsvoll dreinblickender, athletischer Mann halten sich umschlungen. Sie tragen nichts weiter, als makellose wei&szlig;en Unterhosen. Ich sehe sie durch ein Schl&uuml;sselloch. Nein, ich wollte nicht in die Privatssp&auml;hre der beiden dringen, aber das Schl&uuml;sselloch ist immerhin beinahe mannshoch, man k&ouml;nnte fast hindruchgehen; und es ist auf Augenh&ouml;he angebracht &#8211; schon wieder auf einer Plakatwand. Man kann nicht umhin, die beiden wei&szlig;en Unterhosen zu bemerken, die marmorglatte Haut von Frau und Mann, ihre anscheinend verliebten Gesichter. Eine Ahnung von wei&szlig;er Bettw&auml;sche und im Hintergrund sonnendurchflutete wei&szlig;e Vorh&auml;nge. Alles ist &uuml;berhaupt sehr wei&szlig; und sehr sauber &#8211; sch&ouml;ne, makellose, frischgewaschene Liebe: man kann die beiden nur begl&uuml;ckw&uuml;nschen.</p>
<div class="textbox">Das Virus wartet, wo man es nicht erwartet.</div>
<p>Aber, ach weh, unter dem Schl&uuml;sselloch steht, mahnend, schwerwiegend, endg&uuml;ltig, nur ein einziger medizinischer Fachterminus, ein knappes, hartes Urteil: Hepatitis B. Hier? Ausgerechnet zwischen diesen beiden, auf diesem sauberen Laken: <em>hier</em> wird gleich eine Infektion weitergegeben werden? Eine Infektion, bei der man doch eigentlich an fragw&uuml;rde hygienische Verh&auml;ltnisse denkt, an die Gosse, an Kanalisation, an lichtlose, stickige R&auml;ume. &#0187;Aber ja, aber ja&#0171;, kl&auml;rt das Plakat auf: &#0187;Das Virus wartet, wo man es nicht erwartet.&#0171; Man m&ouml;chte meinen, dieses durchtriebene Virus mit seinen exkrementalen Vorlieben habe sich nun darauf verlegt, <em>gerade da</em> zu warten, wo man es nicht erwartet. Das pa&szlig;t zu ihm! Sex, K&ouml;rperfl&uuml;ssigkeiten, Blut genie&szlig;en seinen Vorzug, doziert mit angenehm neutraler Stimme das Plakat. Und wer seine Lebensgrundlage auf solchen Substanzen errichtet hat &#8211; dem ist doch alles zuzutrauen. (Inzwischen wei&szlig; ich von anderen Plakaten, da&szlig; sogar ein neu gekaufter Na&szlig;rasierer, da&szlig; sogar seine gl&auml;nzenden, frisch geschliffenen Klingen das Virus verbreiten; da&szlig; eine Nagelfeile und viele andere, eigentlich unschuldige Gegenst&auml;nde, jenes Virus, das wartet, wo man es nicht erwartet, beherbergen k&ouml;nnen.)</p>
<p>Da ist guter Rat teuer und man sucht h&auml;nderingend nach Abhilfe. Zum Gl&uuml;ck wei&szlig; das Plakat rat: &#0187;Am besten Testen&#0171;, sagt es mit v&auml;terlichem Witz. Denn auch, wenn sie schlie&szlig;lich in den K&ouml;rper gelangt ist, versteckt sich die heimt&uuml;ckische Hepatitis B, bis es zu sp&auml;t ist. Und nur, wenn die Krankheit durch einen Test fr&uuml;h genug erkannt wird, kann man noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. &#8211; Also, sprechen wir alle zusammen, liebe Mitreisenden hier auf dem Bahnsteig, sagen wir es im Chor, um es uns gemeinsam einzupr&auml;gen: Am besten Testen, am besten Testen, am besten Testen. &#8211; Gerade noch kann ich mich zur&uuml;ckhalten, da&szlig; ich nicht mit weit ausgestreckten Armen und lauter Stimme den Chor anleite. So bleibt er nun leider aus. Die Menschen kommen einfach nicht von selbst darauf, was zu ihrem Besten ist.</p>
<p>In der Nacht habe ich einen Traum.</p>
<div class="textbox">&#0187;Am besten Testen!&#0171;</div>
<p>Ich gehe ich durch einen langen, giftgr&uuml;nen und vollkommen menschenleeren Krankenhausflur. Als ich mich gerade frage, was ich hier eigentlich soll und nach dem Ausgang suchen will, klopft mir jemand von hinten auf die Schulter. Es ist der breitknochige, gesunde Darmkrebsapostel. Ich sei also doch noch zur Vernunft gekommen, stellt er anerkennend fest. Eine T&uuml;r geht auf und das Paar mit den wei&szlig;en Unterhosen tritt in den Gang. Jetzt tragen die beiden schmuddelige Badem&auml;ntel, ihre Haare sind fettig und zerrauft. Schweigend treten sie zu uns und glotzen ungl&uuml;cklich aus gelben, kranken Augen an.</p>
<p>&#0187;Was wollt ihr denn von mir?&#0171;, frage ich und bin dabei lauter, als ich beabsichtigt hatte.<br />
&#0187;Die Welt ist voller unsichtbarer Krankheiten&#0171;, stellt die blonde Frau entschieden fest.<br />
&#0187;Du solltest dich nicht einfach so gesund f&uuml;hlen&#0171;, sagt der Grobknochige.<br />
&#0187;Man t&auml;uscht sich immer. Gesundheit ist eine Einbildung&#0171;, sagt der Mann im Bademantel.<br />
&#0187;Mir fehlt nichts&#0171;, insistiere ich.<br />
&#0187;Unsinn!&#0171;, rufen alle durcheinander.<br />
&#0187;Mein Freund: denkst du etwa, Gesundheit sei selbstverst&auml;ndlich? Das ist ein gef&auml;hrlicher Irrtum. Gesundheit mu&szlig; hergestellt werden. Daf&uuml;r gibt es Fachleute.&#0171; Der Grobknochige rollt das &#0187;R&#0171; und hat eine dunkle, einlullende Stimme.<br />
&#0187;Sieh uns an. Wir dachten, man d&uuml;rfe sich einfach so nahekommen. Nein, so geht das nicht. In jedem Tropfen K&ouml;rperfl&uuml;ssigkeit lauert die Krankheit. Man mu&szlig; sich testen lassen&#0171;, sagt die Frau voller Reue.<br />
&#0187;Am besten Testen!&#0171;, ruft ihr hepatischer Freund sehr eifrig.<br />
&#0187;Am besten Testen. Am besten Testen&#0171;, skandieren jetzt alle gemeinsam.<br />
&#0187;Denn das Virus wartet, wo man es nicht erwartet&#0171;, schallt eine sonore Stimme aus Lautsprechern, die &uuml;berall an den W&auml;nden h&auml;ngen.<br />
&#0187;Ich bin doch gesund!&#0171;, rufe ich noch. Da aber sind auch schon vier kr&auml;ftige Pfleger aus einem Dienstzimmer gesprungen und packen mich an Armen und Beinen. Ein Krankenhausbett wird herbeigeschafft und ich werde darauf festgebunden.<br />
&#0187;Das h&auml;tte ich nicht gedacht&#0171;, sagt der Grobknochige.<br />
&#0187;Ein Verweigerer&#0171;, schimpft die Blonde entr&uuml;stet.<br />
Aus den Lautsprechern kommt jetzt knackend und rauschend eine Aufnahme von &#0187;I feel good&#0171; und ein Pfleger schiebt mich in meinem Bett den Flur hinunter. Man erkl&auml;rt mir, da&szlig; jetzt, da ich durch meinen Trotz diese ausweglose Situation herbeigef&uuml;hrt h&auml;tte, man keine andere Wahl mehr habe: mir m&uuml;ssten jetzt sofort Darm und Leber entfernt werden.</p>
<p>Da wache ich auf. Ich frage mich, als ich wieder einigerma&szlig;en bei Besinnung bin, ob die Tatsache, da&szlig; ich schwitze, vielleicht ein fr&uuml;hes Zeichen f&uuml;r eine Infektion ist? Vielleicht ist mein Schwei&szlig; l&auml;ngst schon giftig? Und die &Uuml;belkeit &#8211; bedeutet sie, da&szlig; es schon zu sp&auml;t ist?</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Durchgang (I)</title>
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		<pubDate>Sat, 23 May 2009 10:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/angoloacuto/2669310860/"><img src="/wp-content/uploads/2009/05/katze-300x196.jpg" alt="&quot;L&#039;anima in gabbia&quot; von Artoong (via Flickr)" title="&quot;L&#039;anima in gabbia&quot; von Artoong (via Flickr)" width="300" height="196" class="rand size-medium wp-image-3691" /></a></p>
<p>Ich bin an einem Abend, der noch nicht lange vergangen ist, in eine sonderbare Begebenheit verwickelt worden. Nachdem ich nun selbst einigerma&szlig;en sicher bin, da&szlig; sich tats&auml;chlich ereignet haben mu&szlig;, woran ich mich zu erinnern meine, will ich versuchen zu berichten, in aller &uuml;berhaupt m&ouml;glichen Wahrhaftigkeit und Klarheit: Von jenem kalten Fr&uuml;hlingsabend, an dem beinahe schwarze Gewitterwolken das meiste Licht von den Stra&szlig;en fernhielten. Nur einzelnen, sehr schr&auml;g einfallende Sonnenstrahlen, die eine seltsam gelbliche Farbe hatten, gelang es, unter die Wolkendecke zu dringen. Sie verliehen den Fassaden, Autos und Menschen eine verst&ouml;rend k&uuml;nstliche Einf&auml;rbung. Die Wolken waren schon um die Mittagszeit aufgezogen, begeleitet von einem pl&ouml;tzlich auffrischenden Wind, der die morgendliche Schw&uuml;le beiseite wischte und einem die Ahnung vermittelte, ein Gewitter m&uuml;sse jeden Augenblick losbrechen. Aber das Gewitter war ausgeblieben, so da&szlig; nun eine feine, unterschwellige Spannung &uuml;ber allem lag, die immer schwerer zu ertragen war, wie ein Splitter, den man sich in den Finger gerissen hat. Keine Blitze stellten einen Kurzschlu&szlig; zwischen Himmel und Erde, den beiden in ihrer Unruhe isolierten Kodensatorplatten, her. Kein befreiender Regen, blo&szlig; das fahle, chemische Licht und dar&uuml;ber thronend die dunklen Wolken &#8211; und eine Erwartung, die sich ins Ziellose verirrte, da das Erwartete nicht kam.</p>
<p>Ob es jedem schon einmal so gegangen ist, da&szlig; ein Eingang, der Zuf&auml;llig am Wegrand lag, ihm die Phantasie derart angefacht hat, da&szlig; er innehalten mu&szlig;te, um eine Vorstellung davon zu gewinnen, wohin dieser Eingang wohl f&uuml;hren m&ouml;ge? Ich meine nicht jene klar einzuordnenden Allerweltseing&auml;nge: Haust&uuml;ren, gl&auml;serne Dreht&uuml;ren, die zu jederzeit sauberen B&uuml;rokomplexen geh&ouml;ren, Autot&uuml;ren, was immer. Ich meine Eing&auml;nge, f&uuml;r die es kaum eine vern&uuml;nftige Erkl&auml;rung zu geben scheint. Ein H&auml;uschen neben den Schienen zum Beispiel, vor langer Zeit gemauert und verwittert, fensterlos, &uuml;ber keinen Weg zu erreichen, weit entfernt vom n&auml;chsten Bahnhof an eine B&ouml;schung geduckt, ein H&auml;uschen, dessen T&uuml;r immer spaltbreit offensteht, nie weniger, nie mehr ge&ouml;ffnet als soweit, da&szlig; man einen Kopf hinausstrecken k&ouml;nnte. Oder im Keller, am Ende eines vielfach gewundenen Ganges, kaum noch von der letzten, schmutzigen Gl&uuml;hbirne beleuchtet und viele Schritte nach den hintersten Kellerr&auml;umen: eine Fallt&uuml;r im Boden, eisern, mit klobigen Scharnieren, allerdings ohne ein Schl&uuml;sselloch oder irgendeinen Griff &#8211; was aber ist unter einem Keller, jenseits einer Fallt&uuml;r zu erwarten? Oder schlie&szlig;lich jene T&uuml;r, an der ich nicht vor&uuml;bergekommen bin an dem fraglichen Abend.</p>
<p>Sie war mir schon fr&uuml;her aufgefallen, diese sonderbare T&uuml;r. Und ich frage mich wirklich, ob ich der einzige bin, dem es nicht gelingt, an solchen Eing&auml;ngen vor&uuml;berzugehen, ohne sich in untaugliche Spekulationen zu verlieren. Dabei ist die T&uuml;r, von der ich rede, oder besser: sind diese T&uuml;ren, die zwillingshaft nebeneinander liegen, keineswegs versteckt. Man stelle sich eine breite, vierspurige Stra&szlig;e vor, die in einer H&auml;userschlucht l&auml;uft. Beiderseits ein schmaler B&uuml;rgersteig, kaum breiter als drei Pflastersteine. Dann H&auml;user aus dem 19. Jahrhundert, hoch gebaut, ehemals wohlhabend, &uuml;ppig mit Zierrat versehen, an dem sich jetzt der Ru&szlig; und Staub und schwarze Dreck sammelt, den eine Stadt unentwegt ausst&ouml;&szlig;t. Die Stra&szlig;e mu&szlig; mit der Zeit immer breiter geworden sein und man sp&uuml;rt, da&szlig; derartiger Verkehr nicht vorgesehen war in der engen Schlucht zwischen den H&auml;usern, deren Eleganz allm&auml;hlich ganz zerbr&ouml;ckeln wird. </p>
<p>Die Schlucht durchst&ouml;&szlig;t eine zweite Stra&szlig;e auf halber Strecke und quer &uuml;ber diese Kreuzung spannt sich eine Br&uuml;cke, auf der vier Gleisstr&auml;nge verlaufen. Die Br&uuml;cke wiederum ist auf zwei gemauerten Sockeln gelagert, die an zwei Ecken der Kreuzung stehen. Der eine dieser Sockel ist so, wie man ihn erwarten w&uuml;rde: er zeigt dem Vor&uuml;bergehenden eine ebenm&auml;&szlig;ige Mauer, an der nur auff&auml;llt, wie viel Aufwand damit getrieben wurde, glasierte Steine so zwischen die gew&ouml;hnlichen Backsteine einzuf&uuml;gen, da&szlig; ein komlexes geometrisches Muster entstanden ist. Das Muster bemerkt man jedoch kaum mehr, da alles unter dem besagten schwarzen Niederschlag nur noch schemenhaft zu unterscheiden ist. Und wer wollte sich auch von dem Widerlager einer Br&uuml;cke ablenken lassen? Der schwarz gewordenen Mauer gegen&uuml;ber, immer, auch am hellsten Morgen, im Schatten der Br&uuml;cke gelegen, beleuchtet von einer einzelnen, gro&szlig;en, gelblichen Natriumdampf-Laterne, die an die Stahlwanne geschraubt ist, in der die Gleise laufen, liegt eine zweite Mauer, das genaue Spiegelbid der ersten, abgesehen von den beiden dunkelgr&uuml;nen T&uuml;ren, die in sie eingelassen sind.</p>
<p>Man geht auf einem schmalen B&uuml;rgersteig an einer gr&ouml;hlenden Stra&szlig;e entlang. Man bem&uuml;ht sich, nicht hart mit jemandem zusammenzusto&szlig;en, dessen Ziel dort liegt, wo man selbst aufgebrochen ist. Und andererseits den Fehltritt zu vermeiden, der einen unter den heranbrausenden Laster tragen w&uuml;rde, dessen Fahrtwind an den Haaren saugt, als er vor&uuml;ber ist. Man taucht in den Schatten der gewaltigen Eisenbahnbr&uuml;cke ein, die wie ein hungriges Tier &uuml;ber der Stra&szlig;e kauert und h&auml;lt sich in dem Zwielicht an das Natriumlicht voraus. Und dann, zwischen einer vergilbten Kneipe und einem sch&auml;bigen Kiosk gelegen: die zwei T&uuml;ren, die nirgendwo hinf&uuml;hren. Kein Fenster in der Backsteinmauer, durch das man sp&auml;hen k&ouml;nnte, kein Schild, kein Hinweis, den die T&uuml;ren auf ihren Zweck geben w&uuml;rden. Fast k&ouml;nnte man sie &uuml;bersehen, so engmaschig sind sie mit Filzstift beschriftet worden, so viele Lagen hastig verkleisterter und wieder heruntergerissener Plakate &uuml;berlappen sich, nur sp&auml;rlich auf den T&uuml;ren zwar, aber &uuml;ppig und schwindelerregend auf der Wand ringsum.</p>
<p>Ich komme h&auml;ufig an dieser Stelle vorbei, zu unterschiedlichen Zeiten, und immer achte ich genau auf die sonderbaren T&uuml;ren: Nie hat auch nur eine offen gestanden, nie hat jemand in ihrer N&auml;he mit einem Schl&uuml;ssel hantiert, nie schien sich jemand f&uuml;r die T&uuml;ren zu interessieren. Niemand abgesehen von mir. Ich habe mir angew&ouml;hnt, immer die Stra&szlig;enseite zu wechseln, auch wenn es meistens gar nicht n&ouml;tig ist, um die T&uuml;ren im Vor&uuml;bergehen inspizieren zu k&ouml;nnen. Beide sind auf Kopfh&ouml;he mit quadratischen &Ouml;ffnungen versehen, die zu meinem Leidwesen immer von innen mit Holzklappen verschlossen sind. Alles: T&uuml;r, Klappe, T&uuml;rrahmen ist gr&uuml;n lakiert. Der Lack, wo er zwischen den Filzstiftbeschriftungen hindurch zu sehen ist, gl&auml;nzt erstaunlicherweise noch so, als w&auml;re er vor kurzem erneuert worden. Die T&uuml;ren zeugen genauso wie die gegen&uuml;berliegende Mauer mit ihren glasierten Steinen, von einem schwer verst&auml;ndlichen Hang dazu, derlei schlichte, allt&auml;gliche Dinge mit Verzierungen zu versehen. Die T&uuml;rbl&auml;tter sind nicht einfach glatte Fl&auml;chen: Sie sind so aus &uuml;bereinandergelegten H&ouml;lzern gef&uuml;gt, da&szlig; daumenbreite Vertiefungen schr&auml;g &uuml;ber die T&uuml;r laufen. Die Rahmen sind zwar arg schartig geworden im Laufe der Zeit und der mehrlagige Lack ertr&auml;nkt weitgehend die urspr&uuml;nglichen Formen: aber man erkennt noch einigerma&szlig;en klar das Profil, da&szlig; in sie hineingeschnitten wurde. &#8211; Sind das Eing&auml;nge zu den Kammern k&ouml;niglicher W&auml;chter, die hier stationiert worden sind, um den Stra&szlig;enverkehr zu beobachten, und die &uuml;ber die Jahrzehnte aus lauter Pflichtgef&uuml;hl vollkommen reglos geworden sind? Was k&ouml;nnte dahinter liegen, was wird vor mir und aller Welt verborgen gehalten?</p>


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		<title>Sinn[?]br&#246;sel #8</title>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2009 10:16:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Blindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Reichtum]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[Schicksalsschl&#228;ge sind ein Privileg der Armen. Leben in einer Welt, die k&#252;nstlich genug ist,  um alles Schicksal auszuschlie&#223;en &#8211; das ist Wohlstand. &#8211; Bruno Zampeter, Stahlkocher und Publizist Zufriedenheit ist entweder auf Gef&#252;hlsblindheit oder Verantwortungslosigkeit zur&#252;ckzuf&#252;hren. &#8211; Jonathan Murrfeld, Handw&#246;rterbuch f&#252;r Subversive &#196;hnliche Texte:Dritte Person Ich bin mir selbst erm&#252;det Und setze mir an meiner... [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="getuem"><a href="/wp-content/uploads/2009/05/ceuta-run.jpg" class="floatbox" rev="group:3542 caption:`Ansturm auf die Grenzanlage von Ceuta`"><img class="rand size-medium wp-image-3557" title="Ansturm auf die Grenzanlage von Ceuta" src="/wp-content/uploads/2009/05/ceuta-run-300x248.jpg" alt="Ansturm auf die Grenzanlage von Ceuta" width="300" height="248" /></a></p>
<p class="getuem">Schicksalsschl&auml;ge sind ein Privileg der Armen. Leben in einer Welt, die k&uuml;nstlich genug ist,  um alles Schicksal auszuschlie&szlig;en &#8211; das ist Wohlstand.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Bruno Zampeter, Stahlkocher und Publizist</p>
<p class="getuem">Zufriedenheit ist entweder auf Gef&uuml;hlsblindheit oder Verantwortungslosigkeit zur&uuml;ckzuf&uuml;hren.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Jonathan Murrfeld, Handw&ouml;rterbuch f&uuml;r Subversive</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sinn[?]br&#246;sel #7</title>
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		<pubDate>Sun, 03 May 2009 10:28:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Mir ist unter der Dusche ein Hundertf&#252;&#223;ler begegnet. Ein beeindruckend graziles Tier. Und ein weiterer Beweis daf&#252;r, da&#223; alles Entscheidende in den Morgenstunden geschieht. &#8211; Georg Bernhard Schliefer, Entwicklungshelfer, &#252;ber seine Erfahrungen bei Auslandseins&#228;tzen Das Leben ist nicht mit dem Licht zu vergleichen: es ist immer Welle, niemals Punkt. &#8211; Martin Wyss-Steiner, Teilchenphysiker am CERN [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="getuem"><a href="/wp-content/uploads/2009/05/100fuesse.jpg" class="floatbox" rev="group:3507 caption:`100 F&uuml;&szlig;e`"><img class="rand size-medium wp-image-3561" title="100 F&uuml;&szlig;e" src="/wp-content/uploads/2009/05/100fuesse-300x200.jpg" alt="100 F&uuml;&szlig;e" width="300" height="200" /></a></p>
<p class="getuem">Mir ist unter der Dusche ein Hundertf&uuml;&szlig;ler begegnet. Ein beeindruckend graziles Tier. Und ein weiterer Beweis daf&uuml;r, da&szlig; alles Entscheidende in den Morgenstunden geschieht.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Georg Bernhard Schliefer, Entwicklungshelfer, &uuml;ber seine Erfahrungen bei Auslandseins&auml;tzen</p>
<p class="getuem">Das Leben ist nicht mit dem Licht zu vergleichen: es ist immer Welle, niemals Punkt.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Martin Wyss-Steiner, Teilchenphysiker am CERN</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sinn[?]br&#246;sel # 6</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 09:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Furcht]]></category>
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		<category><![CDATA[Geist]]></category>
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		<category><![CDATA[Natur]]></category>

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		<description><![CDATA[V&#246;gel fliegen vorw&#228;rts, weil sie es r&#252;ckw&#228;rts nicht k&#246;nnen. Damit ist das Allermeiste schon erkl&#228;rt. Samuel Rubinfort im Vorwort zu seinem &#0187;Unconcise Dictionary on World and Things&#0171; In meiner K&#252;che steht ein Aquarium. Wenn ich hineinsehe, mache ich mir sorgen. Eine solche, grunds&#228;tzlich falsche Einstellung zum Leben ist, meine ich, Grundvoraussetzung f&#252;r jede h&#246;here Geistest&#228;tigkeit. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="getuem"><img class="rand size-medium wp-image-3362" title="Fische" src="/wp-content/uploads/2009/04/fisch-300x225.jpg" alt="Fische" width="300" height="225" /></p>
<p class="getuem">V&ouml;gel fliegen vorw&auml;rts, weil sie es r&uuml;ckw&auml;rts nicht k&ouml;nnen. Damit ist das Allermeiste schon erkl&auml;rt.</p>
<p class="getuemquelle">Samuel Rubinfort im Vorwort zu seinem &#0187;Unconcise Dictionary on World and Things&#0171;</p>
<p class="getuem">In meiner K&uuml;che steht ein Aquarium. Wenn ich hineinsehe, mache ich mir sorgen. Eine solche, grunds&auml;tzlich falsche Einstellung zum Leben ist, meine ich, Grundvoraussetzung f&uuml;r jede h&ouml;here Geistest&auml;tigkeit.</p>
<p class="getuemquelle">Der englische Psychiater und Publizist Edwin Aultbea in einer Rede vor dem P.E.N. England</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Atmosph&#228;ren</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 10:59:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aus dem Tagebuch Jakob Wilhelm Friedbergs, Eintrag vom 15. M&#228;rz 1950 &#0187;Merkw&#252;rdig, von sich selbst als einem &#8250;Ich&#8249; sprechen zu wollen. Die in diesem einfachen, grundlegenden Wort enthaltene Einfl&#252;sterung scheint mir mehr und mehr fragw&#252;rdig. Sicherlich wird sich diese meine Entdeckung bald schon an mir selbst best&#228;tigen, indem ich sie vergesse. Dann werde ich wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/03/mayan_mask.jpg" class="floatbox" rev="group:3101 caption:`Eine Maske aus Jade im Stile der Mayas von &quot;AndonicO&quot;`"><img class="rand size-medium wp-image-3105" title="Eine Maske aus Jade im Stile der Mayas von &quot;AndonicO&quot;" src="/wp-content/uploads/2009/03/mayan_mask-287x300.jpg" alt="Eine Maske aus Jade im Stile der Mayas von &quot;AndonicO&quot;" width="287" height="300" /></a></p>
<p><em>Aus dem Tagebuch <a title="Wer ist das?" href="/2009/tagebuch-des-jakob-wilhelm-friedberg/" target="_blank">Jakob Wilhelm Friedbergs</a>, Eintrag vom 15. M&auml;rz 1950</em></p>
<p>&#0187;Merkw&uuml;rdig, von sich selbst als einem &#8250;Ich&#8249; sprechen zu wollen. Die in diesem einfachen, grundlegenden Wort enthaltene Einfl&uuml;sterung scheint mir mehr und mehr fragw&uuml;rdig. Sicherlich wird sich diese meine Entdeckung bald schon an mir selbst best&auml;tigen, indem ich sie vergesse. Dann werde ich wieder mit der normalen Selbstverst&auml;ndlichkeit in der ersten Person sprechen k&ouml;nnen; bis dahin aber verfolgt mich ein Staunen angesichts des Irrgartens, der hinter der ordentlich geschnittenen Hecke auftaucht, sobald man nicht blo&szlig; in Ausflugslaune daran vor&uuml;bergeht.</p>
<p>Und warum? Es ist mir eingefallen, was ich in einem bestimmten Augenblick in einer vergangenen Zeit gedacht habe; und dieser Gedanke erschien mir v&ouml;llig unhaltbar. Aber es war doch einmal mein Gedanke gewesen, die Erinnerung hat mich nicht getrogen. Wie kann es sein, frage ich mich seitdem, wenn ich einmal Zeit habe, mir selbst Fragen zu stellen &#8211; wie kann es sein, da&szlig; ich einmal so einer bin, und dann, etwas sp&auml;ter, ein ganz anderer? Ich habe mich in meiner Erinnerung umgesehen und entdeckt, da&szlig; es da ein ganzes Battaillion von Reservisten gibt, die einmal in der Uniform meines &#8250;Ich&#8249; steckten, und die alle ganz unterschiedliche Subjekte sind. Einer Zaghaft, der andere Unbedacht; einer ein Gr&uuml;bler, der andere Oberfl&auml;chlich wie eine Sumpfwiese usw. usw.</p>
<p>Also meine ich, da&szlig; es eigentlich kein &#8250;Ich&#8249; gibt. Die Sprache hat sich eine bequeme Vereinfachung angew&ouml;hnt. Ein unhaltbar abstrakter Begriff, lebensfern wie nur irgendeiner, hat sich in die allt&auml;glichsten Gespr&auml;che eingeschlichen, als w&uuml;rden sich muffige Philosophen &uuml;ber dem Kehrblech &uuml;ber die abgegigsten gedanklichen Konstruktionen unterhalten. &#8250;Ich bin&#8249; &#8211; &#8250;Ich meine&#8249; &#8211; &#8250;Soweit es mich betrifft&#8249;. Nichts betrifft &#8250;dich&#8249; sofern du denkst, es w&uuml;rde dich auch morgen noch, es h&auml;tte dich gestern schon so betroffen, &uuml;berhaupt so betreffen k&ouml;nnen.</p>
<p>Vielmehr ist da ein Wechsel der unterschiedlichsten Atmosph&auml;ren. Aber man bemerkt sie f&uuml;r gew&ouml;hnlich nicht, h&ouml;chstens im R&uuml;ckblick kann man sie bemerken. So, wie man den Gestank in einem Zimmer erst bemerkt, wenn man es f&uuml;r eine Weile verlassen hat; wie man den Geruch von Blumen in einer Vase vergisst, bis man eine Zeitlang auf den Balkon getreten ist. Man denkt an sich zur&uuml;ck, stellt fest: dies war meine Sorge, jenes mein Plan, meine Vorstellung, meine Meinung von mir selbst. Und man versteht nicht, wie das sein kann, woher diese abwegige Sorge, dieser verschrobene Plan und diese kaum nachvollziehbare Vorstellung Wohnung nehmen konnte in dem Kopf, der einem auf den Schultern sitzt.</p>
<p>Und das Heimt&uuml;ckischte sind dabei noch diejenigen Ger&uuml;che, die einem in der Nase sitzen, die man sich, ohne es zu wissen, dorthin gestrichen hat und die nicht hinter einem zur&uuml;ckbleiben. So da&szlig; man immerzu mit einer bestimmten Vorstellung von sich selbst heruml&auml;uft, die scheinbar unwandelbar ist, obwohl sie doch blo&szlig; einer billigen Eingew&ouml;hnung entspricht. Aus solchen Zuf&auml;lligkeiten erh&auml;lt das Wort &#8250;Ich&#8249; anscheinend seine F&auml;higkeit, nicht als blanker Irrtum erkannt zu werden.&#0171;</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sinn[?]br&#246;sel #5</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Mar 2009 10:24:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zweifeln ist notwendig, aber nicht angenehm. &#8211; Bernhard Victor Christoph-Carl von B&#252;low, im Interview gefragt, ob er an dem, was er tut, manchmal zweifelt. Damals haben wir unsere Schuhe noch aus alten Zigarren gedreht! &#8211; Walther Gustaf Heckenschneller &#196;hnliche Texte:P99 Ich solle mir die Walther P99 ansehen, wenn ich die... &#8230;h&#228;tte geschossen Ich mu&#223; dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="getuem"><img class="rand size-medium wp-image-3034" title="Tabakblatt" src="/wp-content/uploads/2009/03/tabakblatt-300x225.jpg" alt="Tabakblatt" width="300" height="225" /></div>
<div class="getuem"></div>
<div class="getuem">Zweifeln ist notwendig, aber nicht angenehm.</div>
<div class="getuemquelle">&#8211; Bernhard Victor Christoph-Carl von B&uuml;low, im Interview gefragt, ob er an dem, was er tut, manchmal zweifelt.</div>
<div class="getuem">Damals haben wir unsere Schuhe noch aus alten Zigarren gedreht!</div>
<div class="getuemquelle">&#8211; Walther Gustaf Heckenschneller</div>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die geheime Sprache</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Mar 2009 10:24:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aus dem Tagebuch Jakob Wilhelm Friedbergs, Eintrag vom 10. M&#228;rz 1950 &#0187;Sehr g&#228;ngig ist die gro&#223;spurige Behauptung, es sei die besondere Auszeichnung des Menschen, sprechen zu k&#246;nnen. Das klingt einleuchtend, denn man h&#246;rt ja nie von anderswoher Sprache, als aus Menschenm&#252;ndern. Aber ein Moment des Schweigens reicht sschon aus, den sch&#246;nen Schein g&#228;nzlich zerstieben zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="rand size-medium wp-image-3088" title="aurvana-in-ear_1" src="/wp-content/uploads/2009/03/aurvana-in-ear_1-300x224.jpg" alt="In-ear-Kopfh&ouml;rer" width="300" height="224" /></p>
<p><em>Aus dem Tagebuch <a title="Wer ist das?" href="/2009/tagebuch-des-jakob-wilhelm-friedberg/" target="_blank">Jakob Wilhelm Friedbergs</a>, Eintrag vom 10. M&auml;rz 1950</em></p>
<p>&#0187;Sehr g&auml;ngig ist die gro&szlig;spurige Behauptung, es sei die besondere Auszeichnung des Menschen, sprechen zu k&ouml;nnen. Das klingt einleuchtend, denn man h&ouml;rt ja nie von anderswoher Sprache, als aus Menschenm&uuml;ndern. Aber ein Moment des Schweigens reicht sschon aus, den sch&ouml;nen Schein g&auml;nzlich zerstieben zu lassen.</p>
<p>Dann erkennt man: Die Ger&auml;usche, die Menschen aussto&szlig;en, bewirken nichts anderes, als das Bellen in einem Hunderudel, das Schnattern von G&auml;nsen auf dem Feld oder das F&uuml;hlerzucken der Ameisen. Mit Ger&auml;uschemachen findet sich der ganze Haufen zurecht und tut eben das Notwendige. Was notwendig ist, tut man am besten gemeinsam oder zumindest nicht so, da&szlig; alle einander im Weg stehen. Und deshalb die Laute, die G&auml;nse, Hunde, Menschen unabl&auml;ssig aussto&szlig;en. Man untermalt das Herumkr&auml;mern an der unwirtlichen Umwelt mit Ger&auml;usch, damit die Artgenossen nicht irritiert und unwissend danebenstehen.</p>
<p>Ein Moment des Schweigens reicht aus. Ich habe mich umgesehen und erkannt, wie sogar die Dinge zu sprechen in der Lage sind. Und auch die Umst&auml;nde, auf die man doch nicht einmal die Hand legen kann, die sich den Anschein geben, lediglich Abstraktionen zu sein, von Menschenhirnen erdachte Begriffe, Umst&auml;nde wie: der Morgen, der Sturm, die Tatenlosigkeit und ihre Genossen &#8211; sogar sie sprechen st&auml;ndig.</p>
<p>Es ist am Sprechverm&ouml;gen des Menschen wahrlich keine Exklusivit&auml;t zu erkennen. Meine einzige, recht traurige Topfpflanze zum Beispiel lenkt mich ab und wimmert nach Wasser. Der Staub in den Ecken fl&uuml;stert hinter meinem R&uuml;cken &uuml;ber meine Unordentlichkeit. Ein kleiner Stapel von gradlinierten Formularen bedroht mich mit ernster Mine; und, im sicheren Bewu&szlig;tsein eigener Unangreifbarkeit, ein Selbstbewu&szlig;tsein, das deutlich in der Diktion dieser papierenen Amtstr&auml;ger zu h&ouml;ren ist, fordern die Formulare uneingeschr&auml;nkte Folgsamkeit von mir. Jedes Wort, das ich oder irgendwer dagegen sagen k&ouml;nnte, w&uuml;rde ja blo&szlig; l&auml;cherlich klingen.</p>
<p>Der freudliche Morgen (eigentlich eine junge Frau, meine ich) hat mich noch herzlich Willkommen gehei&szlig;en und war sehr verst&auml;ndnisvoll. Fr&auml;ulein Morgen hat auf die n&ouml;tige Ruhe zur&uuml;ckhaltend achtgegeben und mich in allen Vorstellungen, die ich hatte, nur immer umsichtig best&auml;rkt. Nun kommt dickb&auml;uchig der Mittag heran und schmatzt mir seine Mi&szlig;achtung entgegen. Er steht mit den Formularen im Bunde, obwohl die anscheinend nie versucht sind, zu Tisch zu gehen, und ist wahrscheinlich irgendein Geheimrat. Der Nachmittag ist ein alter, vergn&uuml;gungss&uuml;chtiger Zausel, der mit seinen feuchten Lippen Zoten rei&szlig;t und immer dazwischenredet. Erst der Abend ist wieder eine angenehme, vor allem nicht zu geschw&auml;tzige Gesellschaft.</p>
<p>Immer ist, man mu&szlig; nur ein wenig um sich h&ouml;ren, die Luft angef&uuml;llt mit Gerede, auch in dem stillsten Zimmer&#0171;</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sinn[?]br&#246;sel #4</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 10:10:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich bin nicht freundlich zu den Menschen, weil ich sie respektiere, sondern weil ich ihre Respektlosigkeit f&#252;rchte. &#8211; Conrad Leibh&#228;usler Der einzige Drogentrip, auf den ich wirklich nicht verzichten m&#246;chte, sind N&#228;chte, in denen ich aus Angst nicht schlafen kann. &#8211; der Tiefseetaucher Mike Stephen Turner im Interview mit einem Fachblatt &#196;hnliche Texte:Siebzehn Silben, drittmalig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="getuem"><a href="/wp-content/uploads/2009/02/tauchermaske.jpg" class="floatbox" rev="group:2743 caption:`Tauchermaske`"><img class="alignnone size-medium wp-image-2746" title="Tauchermaske" src="/wp-content/uploads/2009/02/tauchermaske-300x217.jpg" alt="Tauchermaske" width="300" height="217" /></a></div>
<div class="getuem"></div>
<div class="getuem">Ich bin nicht freundlich zu den Menschen, weil ich sie respektiere, sondern weil ich ihre Respektlosigkeit f&uuml;rchte.</div>
<div class="getuemquelle">&#8211; Conrad Leibh&auml;usler</div>
<div class="getuem">Der einzige Drogentrip, auf den ich wirklich nicht verzichten m&ouml;chte, sind N&auml;chte, in denen ich aus Angst nicht schlafen kann.</div>
<div class="getuemquelle">&#8211; der Tiefseetaucher Mike Stephen Turner im Interview mit einem Fachblatt</div>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sinn[?]br&#246;sel #3</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Feb 2009 10:39:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, ich bin nicht der Nabel der Welt. Die Welt ist mein Nabel. &#8211; Benjamin M&#246;rgelsdorf Die interessanteste Eigenschaft Schizophrener ist die sonderbare Kreativit&#228;t, die bei der allm&#228;hlichen Aufl&#246;sung der Ich-Grenze entsteht. &#8211; Hartmut Wilhelm Bleuler &#196;hnliche Texte:Hervorbringen Nur aus der Unsicherheit inneren Schweigens entsteht ein neuer Gedanke.[micromehr]... Aufgehender Brustraum Wie sonderbar, es einsehen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="getuem"><img class="rand size-medium wp-image-2676" title="Hirnscan zur Vorhersage einer Schizophrenie-Erkrankung" src="/wp-content/uploads/2009/02/hirnscan-300x300.jpg" alt="Hirnscan zur Vorhersage einer Schizophrenie-Erkrankung" width="167" height="167" /></div>
<div class="getuem">Nein, ich bin <em>nicht</em> der Nabel der Welt. Die Welt ist <em>mein</em> Nabel.</div>
<div class="getuemquelle">&#8211; Benjamin M&ouml;rgelsdorf</div>
<div class="getuem">Die interessanteste Eigenschaft Schizophrener ist die sonderbare Kreativit&auml;t, die bei der allm&auml;hlichen Aufl&ouml;sung der Ich-Grenze entsteht.</div>
<div class="getuemquelle">&#8211; Hartmut Wilhelm Bleuler</div>


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