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	<title>Rauhfasler &#187; Fundsachen</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>etvige Schaye</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Oct 2010 10:13:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[leere Hüllen]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf den Mr. Augen wartet Der wir eine große Tafel Über den ganzen Erdboden decken und allen Creaturen anrichten lässet wird ja auch dir die Notturft vorlegen und nicht etwan herum laufest dich selbst anderweit zu Werfet das Netze aus daß ihr einen Zug thuet ES sind uns ja/ von GOtt/ zweierlei Sorgen anbefohlen er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/10/babylon_project.jpg" class="floatbox" rev="group:9675 caption:`Szene aus dem Spiel &raquo;The Babylon Project&laquo;`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/10/babylon_project-300x177.jpg" alt="" title="Szene aus dem Spiel &raquo;The Babylon Project&laquo;" width="300" height="177" class="rand size-medium wp-image-9759" /></a></p>
<p>Auf den Mr. Augen wartet<br />
Der wir eine große Tafel<br />
Über den ganzen Erdboden decken<br />
und allen Creaturen anrichten lässet<br />
wird ja auch dir die Notturft vorlegen<br />
und nicht etwan herum laufest<br />
dich selbst anderweit zu<br />
Werfet das Netze aus<br />
daß ihr einen Zug thuet<br />
ES sind uns ja/ von GOtt/ zweierlei Sorgen anbefohlen<br />
er seet seinen Samen/ gebet davon/ lüsst<br />
daß er für sich kein Körnlein kan hervorbringen<br />
er HErl ist nein Hirt/ mir wird nichts<br />
Es hat ja der Geitz viel Aus und Einreden<br />
Aberdiß Sprückwo hat die Welt<br />
Wiedan auch hingegen ohne<br />
Mancher lasts ihm sauer werden/ und eilet<br />
und hintert sich nur selber<br />
thut mancher gemach/ und ist schwach und arm: den sihet<br />
Wie man dan täglich sihet/das reiche Scharchansen<br />
verderben/ hingegen fromme Arme<br />
kommen; denen GOtt syeichtumzu wirft/<br />
wer weiß/ wer iezt Geld zehlet/ das noch mein werden soll<br />
Die Sorge aber um den Arbeit-Gegen mußein<br />
Jedermanwu nur straks reich fenn:<br />
ftberniemäd wildenrecktenNeg<br />
Ach! daß wir Böse diesen Büsten allzeit wühleten<br />
gegen Warnungen sich versteinm und vexbeinm/ und<br />
es gnädig und gut mit ihnen weinet/ ihrem verderben<br />
nicht irdische und nichtige/ sondern etvige Schaye<br />
und daß wir hier kein Bleibnis haben</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Staketerien</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 09:57:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Fundstück]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich muß dem geneigten Leser mit einiger Aufregung in der Brust mitteilen, daß ich keine Wahl hatte, als den Tarif einer öffentlichen Internet-Station auf mich zu nehmen, um womöglich doch noch Klarheit über die Bedeutung eines Wortes zu erlangen,das ich in Wollschlägers &#0187;Herzgewächsen&#0171; vorgefunden habe. Wollschläger erwähnt im Vorübergehen &#0187;Staketerien&#0171;. Nachdem selbst in einschlägigen Wörterbüchern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muß dem geneigten Leser mit einiger Aufregung in der Brust mitteilen, daß ich keine Wahl hatte, als den Tarif einer öffentlichen Internet-Station auf mich zu nehmen, um womöglich doch noch Klarheit über die Bedeutung eines Wortes zu erlangen,das ich in Wollschlägers &#0187;Herzgewächsen&#0171; vorgefunden habe. <span id="more-8691"></span></p>
<p>Wollschläger erwähnt im Vorübergehen &#0187;Staketerien&#0171;. Nachdem selbst in einschlägigen Wörterbüchern eine Erklärung zu diesem Wort nicht aufzufinden war, war meine letzte Hoffnung der große Pfuhl des Internets. Und tatsächlich findet sich zwar keine Erklärung expressis verbis, jedoch finden sich einige Texte, die von Staketerien sprechen.</p>
<p>Unter der Überschrift <em>&#0187;Das neue Stadtbaukonzept: offene Bebauungsweise&#0171;</em> heißt es zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>&#0187;In allen Regulativen dieser Zeit [die erste Hälfte des 19. Jh.] findet sich der dezidierte Hinweis auf eine ganz bestimmte Art der Umzäunung, z.B. wurde in dem Regulativ für das Viertel zwischen Neuen Anbau und Scheunenhöfen von 1828 &#0187;rücksichtlich der Einfriedung an allen Straßenfronten <strong>Staketerie</strong> mit steinernen Zocken und Pfeilern&#0171; gefordert, die &#0187;weder aus Mauer noch aus Brettwand&#0171; bestehen sollen&#0171; (HSTA, Loc. 35 267 Dresden Nr.124). Dieses bewußte Beharren auf transparente Umzäunungen unterstützte den allgemein angestrebten Gartencharakter der neuen Stadtviertel.&#0171;</p></blockquote>
<p>In einem Buch aus dem Jahr 1907 über <em>&#0187;Das Einzelwohnhaus der Neuzeit&#0171;</em> heißt es: </p>
<blockquote><p>&#0187;Ganz hübsche Motive bietet die Gartenmauer. Der Konflikt zwischen dem Wunsche, sich gegen Straßenlärm und -schmutz abzuschließen, und dem Verlangen der Baupolizei, durch eine offene <strong>Staketerie</strong> dem Bewohner in seinen Garten sehen zu können, ist durch den Wechsel zwischen gemauerten Pfeilern und Holzstabfeldern gelöst&#8230;&#0171;</p></blockquote>
<p>Schließlich wird in der <em>&#0187;Beschreibung und Geschichte der Burg Kynsberg im Schlesierthale des Fürstenthums Schweidnitz bis zum Jahre 1823&#8243;</em> die aus der Hand eines Dr. Zemplin überliefert ist, bezogen auf die Architektur jener Burg ausgeführt:</p>
<blockquote><p>&#0187;In diesem Theile der mauer befand sich eine Treppe, um vermittelst derselben auf ihre Zinnen zu gelangen, wenn sie bei drohenden Gefahren Verthe Von dem Thore aus über den Burgplatz gehr ein gepflasterter Weg, sanft ansteigend und dann links sich wendend an einer modernden <strong>Staketerie,</strong> theils aus Mauerpfeilen, theils aus Staketen bestehend, zu einer Brücke, die zu den Zimmern des Thorhauses führt.&#0171;</p></blockquote>
<p>Ich überlasse es bis auf weiteres dem geneigten Leser, daraus seine Schlüsse zu ziehen, denn meine hart tarifierte Zeit an diesem Terminal (auch über ein solches Wort sollte man einmal Nachforschungen anstellen) &#8211; meine Zeit ist um.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auf Leber und Darm</title>
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		<comments>http://www.rauhfasler.de/2009/auf-leber-und-darm#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 11:39:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Probleme mit Wörtern]]></category>
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		<description><![CDATA["Fühlen Sie sich gut?" Eine ziemlich grundsätzliche Frage, die mir unversehens gestellt wird. In einem ungeschützten Moment, meine Gedanken müssen eilends und nur halb bekleidet von irgendwo zurückkehren. Da vor mir ist eine <a title="Nachsehen..." href="http://www.felix-burda-stiftung.de/kampagne/print/index.php?" target="_blank">Gestalt auf einem Plakat</a>, beinahe lebensgroß abgebildet -- sie stellt mir diese Frage stellt. Ein Mann mit ordentlicher Frisur und einem zufriedenen, von Grund auf freundlichen Lächeln im soliden, starkknochigen, vertrauenswürdigen Gesicht. Er versucht, mit einer Hand aus dem Plakat hinauszugreifen, wohl um mich für einen Augenblick aufzuhalten, damit ich mir Zeit nehme, über sein wichtiges Anliegen nachzudenken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/06/greifen.jpg" class="floatbox" rev="group:4008 caption:`Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs`"><img class="rand size-full wp-image-4021" title="Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs" src="/wp-content/uploads/2009/06/greifen.jpg" alt="Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs" width="300" height="225" /></a></p>
<p>﻿»Fühlen Sie sich gut?&#0171; Eine ziemlich grundsätzliche Frage, die mir unversehens gestellt wird. In einem ungeschützten Moment, meine Gedanken müssen eilends und nur halb bekleidet von irgendeinem reichlich weit entfernten Ort zurückkehren. Da vor mir ist eine Gestalt auf einem Plakat, die mich offenbar gerade angesprochen hat. Es ist die beinahe lebensgroße Abbildung eines Mannes. Ein Mann mit ordentlicher Frisur und einem zufriedenen Lächeln im starkknochigen, vertrauenswürdigen Gesicht. Er versucht, mit einer Hand aus dem Plakat hinauszugreifen, wohl um mich für einen Augenblick anzuhalten, damit ich mir Zeit nehme, über sein wichtiges Anliegen nachzudenken. Als er meine Verwirrung bemerkt, lächelt er noch etwas freundlicher und wiederholt, in vertraulichem Tonfall: &#0187;Fühlen Sie sich gut?&#0171;</p>
<div class="textbox">»Weil man ihn erst spürt, wenn es zu spät ist.«</div>
<p>Unsere Begegnung hatte eigentlich ganz harmlos begonnen: Ich habe, als ich noch unbeteiligt war, eine Selbstkundgabe des Mannes gelesen, die in großen, ordentlich hellblauen Lettern über seiner feuchtglänzenden Frisur auf dem Plakat angebracht ist: &#0187;I feel good&#0171;. Das war auch noch ganz beiläufig zu hören. Jetzt aber stellt mir dieser Herr im Anzug ohne jede Überleitung mitten ins Gesicht eine  sotiefschürfende Frage: &#0187;Fühlen Sie sich gut?&#0171; Und da er mich einmal auf die existenzielle Ebene genötigt hat, bringt er gleich noch eine recht unangenehme, sehr private Vermutung zum Ausdruck: &#0187;Sie könnten trotzdem Darmkrebs haben.&#0171; Kurze, bedächtige Pause, aufrichtige Sorge blitzt in den dunklen Augen. Habe ich richtig gehört? &#0187;Weil man ihn erst spürt, wenn es zu spät ist&#0171;, setzt er noch hinzu.</p>
<p>Und ich hätte eben beinahe zugegeben, daß ich mich tatsächlich recht wohl fühle. Gut, daß ich das verschwiegen habe, denke ich jetzt. Denn ich hätte ja geradezu den Verdacht auf mich gelenkt, darmkrebskrank zu sein. Den Darmkrebs bemerkt man nämlich erst, wenn es schon zu spät ist. Ist das ganz normale, unauffällige Gefühl in meinem Bauch also ein Warnzeichen? Ich horche in mich hinein. Und der Mann ließt mir die Gedanken aus dem sorgenvollen Gesicht. &#0187;Aber das bringt ja&#0171;,  erinnert er mich, &#0187;rein gar nichts. Sie können ihn nicht spüren, den schlimmen, hinterhältigen Darmkrebs. Erst wenn es zu spät ist.&#0171; Noch nicht mal, wenn ich mich unwohl fühle, wäre das ein Zeichen für die Krankheit? Oder ist es dann, wenn ich mich unwohl Fühle, schon längst zu spät? Oder ist es immerhin ein Zeichen dafür, keinen Krebs zu haben, wenn man Magenschmerzen hat? Der Mann unterbricht meine unschlüssigen Überlegungen: &#0187;Nein&#0171;, bekräftigt er, &#0187;man kann ihn nicht spüren. Und stellen sie sich vor, was für ein peinlicher Tod das wäre &#8211; ein Tod, der aus dem Darm kommt.&#0171;</p>
<div class="textbox">Was für ein peinlicher Tod das wäre, ein Tod, der aus dem Darm kommt.</div>
<p>Er beugt sich etwas näher. Aber wenn ich jetzt einen Test machen würde, erklärt er mir, wäre mein eventueller, mein beinahe schon wahrscheinlicher Darmkrebs durchaus heilbar. Nun denn. Verstört gebe ich ihm mein Wort, einmal darüber nachzudenken. Es wäre ja schön, wenn ich genauso wie dieser zweifelsfrei gesunde Mann ganz unbeschwert sagen könnte: I feel good. Er hat den Test nämlich schon gemacht und darf also ohne alle Zweifel von sich behaupten, daß es ihm gut geht. Wenn er aus dem Plakat hinauskönnte, würde er mir sicherlich zum Abschied auf die Schulter klopfen. Als ich gehe, ruft er mir noch einen ermutigenden Satz hinterher, von Mann zu Mann sozusagen: &#0187;Danach fühlt man sich besser&#0171;, sagt er &#8211; und mein Zug kommt.</p>
<p>Einige Stationen später gerate ich, gleich nachdem ich ausgestiegen bin, schon wieder in Schwierigkeiten. Ich stolpere <a title="Nachsehen..." href="https://www.hepb.de/cps/rde/xchg/bms_hepb/hs.xsl/home_hepatitis-b_kampagne.html" target="_blank">beinahe in ein Schlafzimmer</a>, in dem sich ein Paar fast vollständig entkleidet hat. Eine von züchtiger leidenschaft ergriffene blonde Frau und ein sehr hingebungsvoll dreinblickender, athletischer Mann halten sich umschlungen. Sie tragen nichts weiter, als makellose weißen Unterhosen. Ich sehe sie durch ein Schlüsselloch. Nein, ich wollte nicht in die Privatsspähre der beiden dringen, aber das Schlüsselloch ist immerhin beinahe mannshoch, man könnte fast hindruchgehen; und es ist auf Augenhöhe angebracht &#8211; schon wieder auf einer Plakatwand. Man kann nicht umhin, die beiden weißen Unterhosen zu bemerken, die marmorglatte Haut von Frau und Mann, ihre anscheinend verliebten Gesichter. Eine Ahnung von weißer Bettwäsche und im Hintergrund sonnendurchflutete weiße Vorhänge. Alles ist überhaupt sehr weiß und sehr sauber &#8211; schöne, makellose, frischgewaschene Liebe: man kann die beiden nur beglückwünschen.</p>
<div class="textbox">Das Virus wartet, wo man es nicht erwartet.</div>
<p>Aber, ach weh, unter dem Schlüsselloch steht, mahnend, schwerwiegend, endgültig, nur ein einziger medizinischer Fachterminus, ein knappes, hartes Urteil: Hepatitis B. Hier? Ausgerechnet zwischen diesen beiden, auf diesem sauberen Laken: <em>hier</em> wird gleich eine Infektion weitergegeben werden? Eine Infektion, bei der man doch eigentlich an fragwürde hygienische Verhältnisse denkt, an die Gosse, an Kanalisation, an lichtlose, stickige Räume. &#0187;Aber ja, aber ja&#0171;, klärt das Plakat auf: &#0187;Das Virus wartet, wo man es nicht erwartet.&#0171; Man möchte meinen, dieses durchtriebene Virus mit seinen exkrementalen Vorlieben habe sich nun darauf verlegt, <em>gerade da</em> zu warten, wo man es nicht erwartet. Das paßt zu ihm! Sex, Körperflüssigkeiten, Blut genießen seinen Vorzug, doziert mit angenehm neutraler Stimme das Plakat. Und wer seine Lebensgrundlage auf solchen Substanzen errichtet hat &#8211; dem ist doch alles zuzutrauen. (Inzwischen weiß ich von anderen Plakaten, daß sogar ein neu gekaufter Naßrasierer, daß sogar seine glänzenden, frisch geschliffenen Klingen das Virus verbreiten; daß eine Nagelfeile und viele andere, eigentlich unschuldige Gegenstände, jenes Virus, das wartet, wo man es nicht erwartet, beherbergen können.)</p>
<p>Da ist guter Rat teuer und man sucht händeringend nach Abhilfe. Zum Glück weiß das Plakat rat: &#0187;Am besten Testen&#0171;, sagt es mit väterlichem Witz. Denn auch, wenn sie schließlich in den Körper gelangt ist, versteckt sich die heimtückische Hepatitis B, bis es zu spät ist. Und nur, wenn die Krankheit durch einen Test früh genug erkannt wird, kann man noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. &#8211; Also, sprechen wir alle zusammen, liebe Mitreisenden hier auf dem Bahnsteig, sagen wir es im Chor, um es uns gemeinsam einzuprägen: Am besten Testen, am besten Testen, am besten Testen. &#8211; Gerade noch kann ich mich zurückhalten, daß ich nicht mit weit ausgestreckten Armen und lauter Stimme den Chor anleite. So bleibt er nun leider aus. Die Menschen kommen einfach nicht von selbst darauf, was zu ihrem Besten ist.</p>
<p>In der Nacht habe ich einen Traum.</p>
<div class="textbox">&#0187;Am besten Testen!&#0171;</div>
<p>Ich gehe ich durch einen langen, giftgrünen und vollkommen menschenleeren Krankenhausflur. Als ich mich gerade frage, was ich hier eigentlich soll und nach dem Ausgang suchen will, klopft mir jemand von hinten auf die Schulter. Es ist der breitknochige, gesunde Darmkrebsapostel. Ich sei also doch noch zur Vernunft gekommen, stellt er anerkennend fest. Eine Tür geht auf und das Paar mit den weißen Unterhosen tritt in den Gang. Jetzt tragen die beiden schmuddelige Bademäntel, ihre Haare sind fettig und zerrauft. Schweigend treten sie zu uns und glotzen unglücklich aus gelben, kranken Augen an.</p>
<p>&#0187;Was wollt ihr denn von mir?&#0171;, frage ich und bin dabei lauter, als ich beabsichtigt hatte.<br />
&#0187;Die Welt ist voller unsichtbarer Krankheiten&#0171;, stellt die blonde Frau entschieden fest.<br />
&#0187;Du solltest dich nicht einfach so gesund fühlen&#0171;, sagt der Grobknochige.<br />
&#0187;Man täuscht sich immer. Gesundheit ist eine Einbildung&#0171;, sagt der Mann im Bademantel.<br />
&#0187;Mir fehlt nichts&#0171;, insistiere ich.<br />
&#0187;Unsinn!&#0171;, rufen alle durcheinander.<br />
&#0187;Mein Freund: denkst du etwa, Gesundheit sei selbstverständlich? Das ist ein gefährlicher Irrtum. Gesundheit muß hergestellt werden. Dafür gibt es Fachleute.&#0171; Der Grobknochige rollt das &#0187;R&#0171; und hat eine dunkle, einlullende Stimme.<br />
&#0187;Sieh uns an. Wir dachten, man dürfe sich einfach so nahekommen. Nein, so geht das nicht. In jedem Tropfen Körperflüssigkeit lauert die Krankheit. Man muß sich testen lassen&#0171;, sagt die Frau voller Reue.<br />
&#0187;Am besten Testen!&#0171;, ruft ihr hepatischer Freund sehr eifrig.<br />
&#0187;Am besten Testen. Am besten Testen&#0171;, skandieren jetzt alle gemeinsam.<br />
&#0187;Denn das Virus wartet, wo man es nicht erwartet&#0171;, schallt eine sonore Stimme aus Lautsprechern, die überall an den Wänden hängen.<br />
&#0187;Ich bin doch gesund!&#0171;, rufe ich noch. Da aber sind auch schon vier kräftige Pfleger aus einem Dienstzimmer gesprungen und packen mich an Armen und Beinen. Ein Krankenhausbett wird herbeigeschafft und ich werde darauf festgebunden.<br />
&#0187;Das hätte ich nicht gedacht&#0171;, sagt der Grobknochige.<br />
&#0187;Ein Verweigerer&#0171;, schimpft die Blonde entrüstet.<br />
Aus den Lautsprechern kommt jetzt knackend und rauschend eine Aufnahme von &#0187;I feel good&#0171; und ein Pfleger schiebt mich in meinem Bett den Flur hinunter. Man erklärt mir, daß jetzt, da ich durch meinen Trotz diese ausweglose Situation herbeigeführt hätte, man keine andere Wahl mehr habe: mir müssten jetzt sofort Darm und Leber entfernt werden.</p>
<p>Da wache ich auf. Ich frage mich, als ich wieder einigermaßen bei Besinnung bin, ob die Tatsache, daß ich schwitze, vielleicht ein frühes Zeichen für eine Infektion ist? Vielleicht ist mein Schweiß längst schon giftig? Und die Übelkeit &#8211; bedeutet sie, daß es schon zu spät ist?</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Durchgang (I)</title>
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		<pubDate>Sat, 23 May 2009 10:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich bin an einem Abend, der noch nicht lange vergangen ist, in eine sonderbare Begebenheit verwickelt worden. Nachdem ich nun selbst einigermaßen sicher bin, daß sich tatsächlich ereignet haben muß, woran ich mich zu erinnern meine, will ich versuchen zu berichten, in aller überhaupt möglichen Wahrhaftigkeit und Klarheit: Von jenem kalten Frühlingsabend, an dem beinahe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/angoloacuto/2669310860/"><img src="/wp-content/uploads/2009/05/katze-300x196.jpg" alt="&quot;L&#039;anima in gabbia&quot; von Artoong (via Flickr)" title="&quot;L&#039;anima in gabbia&quot; von Artoong (via Flickr)" width="300" height="196" class="rand size-medium wp-image-3691" /></a></p>
<p>Ich bin an einem Abend, der noch nicht lange vergangen ist, in eine sonderbare Begebenheit verwickelt worden. Nachdem ich nun selbst einigermaßen sicher bin, daß sich tatsächlich ereignet haben muß, woran ich mich zu erinnern meine, will ich versuchen zu berichten, in aller überhaupt möglichen Wahrhaftigkeit und Klarheit: Von jenem kalten Frühlingsabend, an dem beinahe schwarze Gewitterwolken das meiste Licht von den Straßen fernhielten. Nur einzelnen, sehr schräg einfallende Sonnenstrahlen, die eine seltsam gelbliche Farbe hatten, gelang es, unter die Wolkendecke zu dringen. Sie verliehen den Fassaden, Autos und Menschen eine verstörend künstliche Einfärbung. Die Wolken waren schon um die Mittagszeit aufgezogen, begeleitet von einem plötzlich auffrischenden Wind, der die morgendliche Schwüle beiseite wischte und einem die Ahnung vermittelte, ein Gewitter müsse jeden Augenblick losbrechen. Aber das Gewitter war ausgeblieben, so daß nun eine feine, unterschwellige Spannung über allem lag, die immer schwerer zu ertragen war, wie ein Splitter, den man sich in den Finger gerissen hat. Keine Blitze stellten einen Kurzschluß zwischen Himmel und Erde, den beiden in ihrer Unruhe isolierten Kodensatorplatten, her. Kein befreiender Regen, bloß das fahle, chemische Licht und darüber thronend die dunklen Wolken &#8211; und eine Erwartung, die sich ins Ziellose verirrte, da das Erwartete nicht kam.</p>
<p>Ob es jedem schon einmal so gegangen ist, daß ein Eingang, der Zufällig am Wegrand lag, ihm die Phantasie derart angefacht hat, daß er innehalten mußte, um eine Vorstellung davon zu gewinnen, wohin dieser Eingang wohl führen möge? Ich meine nicht jene klar einzuordnenden Allerweltseingänge: Haustüren, gläserne Drehtüren, die zu jederzeit sauberen Bürokomplexen gehören, Autotüren, was immer. Ich meine Eingänge, für die es kaum eine vernünftige Erklärung zu geben scheint. Ein Häuschen neben den Schienen zum Beispiel, vor langer Zeit gemauert und verwittert, fensterlos, über keinen Weg zu erreichen, weit entfernt vom nächsten Bahnhof an eine Böschung geduckt, ein Häuschen, dessen Tür immer spaltbreit offensteht, nie weniger, nie mehr geöffnet als soweit, daß man einen Kopf hinausstrecken könnte. Oder im Keller, am Ende eines vielfach gewundenen Ganges, kaum noch von der letzten, schmutzigen Glühbirne beleuchtet und viele Schritte nach den hintersten Kellerräumen: eine Falltür im Boden, eisern, mit klobigen Scharnieren, allerdings ohne ein Schlüsselloch oder irgendeinen Griff &#8211; was aber ist unter einem Keller, jenseits einer Falltür zu erwarten? Oder schließlich jene Tür, an der ich nicht vorübergekommen bin an dem fraglichen Abend.</p>
<p>Sie war mir schon früher aufgefallen, diese sonderbare Tür. Und ich frage mich wirklich, ob ich der einzige bin, dem es nicht gelingt, an solchen Eingängen vorüberzugehen, ohne sich in untaugliche Spekulationen zu verlieren. Dabei ist die Tür, von der ich rede, oder besser: sind diese Türen, die zwillingshaft nebeneinander liegen, keineswegs versteckt. Man stelle sich eine breite, vierspurige Straße vor, die in einer Häuserschlucht läuft. Beiderseits ein schmaler Bürgersteig, kaum breiter als drei Pflastersteine. Dann Häuser aus dem 19. Jahrhundert, hoch gebaut, ehemals wohlhabend, üppig mit Zierrat versehen, an dem sich jetzt der Ruß und Staub und schwarze Dreck sammelt, den eine Stadt unentwegt ausstößt. Die Straße muß mit der Zeit immer breiter geworden sein und man spürt, daß derartiger Verkehr nicht vorgesehen war in der engen Schlucht zwischen den Häusern, deren Eleganz allmählich ganz zerbröckeln wird. </p>
<p>Die Schlucht durchstößt eine zweite Straße auf halber Strecke und quer über diese Kreuzung spannt sich eine Brücke, auf der vier Gleisstränge verlaufen. Die Brücke wiederum ist auf zwei gemauerten Sockeln gelagert, die an zwei Ecken der Kreuzung stehen. Der eine dieser Sockel ist so, wie man ihn erwarten würde: er zeigt dem Vorübergehenden eine ebenmäßige Mauer, an der nur auffällt, wie viel Aufwand damit getrieben wurde, glasierte Steine so zwischen die gewöhnlichen Backsteine einzufügen, daß ein komlexes geometrisches Muster entstanden ist. Das Muster bemerkt man jedoch kaum mehr, da alles unter dem besagten schwarzen Niederschlag nur noch schemenhaft zu unterscheiden ist. Und wer wollte sich auch von dem Widerlager einer Brücke ablenken lassen? Der schwarz gewordenen Mauer gegenüber, immer, auch am hellsten Morgen, im Schatten der Brücke gelegen, beleuchtet von einer einzelnen, großen, gelblichen Natriumdampf-Laterne, die an die Stahlwanne geschraubt ist, in der die Gleise laufen, liegt eine zweite Mauer, das genaue Spiegelbid der ersten, abgesehen von den beiden dunkelgrünen Türen, die in sie eingelassen sind.</p>
<p>Man geht auf einem schmalen Bürgersteig an einer gröhlenden Straße entlang. Man bemüht sich, nicht hart mit jemandem zusammenzustoßen, dessen Ziel dort liegt, wo man selbst aufgebrochen ist. Und andererseits den Fehltritt zu vermeiden, der einen unter den heranbrausenden Laster tragen würde, dessen Fahrtwind an den Haaren saugt, als er vorüber ist. Man taucht in den Schatten der gewaltigen Eisenbahnbrücke ein, die wie ein hungriges Tier über der Straße kauert und hält sich in dem Zwielicht an das Natriumlicht voraus. Und dann, zwischen einer vergilbten Kneipe und einem schäbigen Kiosk gelegen: die zwei Türen, die nirgendwo hinführen. Kein Fenster in der Backsteinmauer, durch das man spähen könnte, kein Schild, kein Hinweis, den die Türen auf ihren Zweck geben würden. Fast könnte man sie übersehen, so engmaschig sind sie mit Filzstift beschriftet worden, so viele Lagen hastig verkleisterter und wieder heruntergerissener Plakate überlappen sich, nur spärlich auf den Türen zwar, aber üppig und schwindelerregend auf der Wand ringsum.</p>
<p>Ich komme häufig an dieser Stelle vorbei, zu unterschiedlichen Zeiten, und immer achte ich genau auf die sonderbaren Türen: Nie hat auch nur eine offen gestanden, nie hat jemand in ihrer Nähe mit einem Schlüssel hantiert, nie schien sich jemand für die Türen zu interessieren. Niemand abgesehen von mir. Ich habe mir angewöhnt, immer die Straßenseite zu wechseln, auch wenn es meistens gar nicht nötig ist, um die Türen im Vorübergehen inspizieren zu können. Beide sind auf Kopfhöhe mit quadratischen Öffnungen versehen, die zu meinem Leidwesen immer von innen mit Holzklappen verschlossen sind. Alles: Tür, Klappe, Türrahmen ist grün lakiert. Der Lack, wo er zwischen den Filzstiftbeschriftungen hindurch zu sehen ist, glänzt erstaunlicherweise noch so, als wäre er vor kurzem erneuert worden. Die Türen zeugen genauso wie die gegenüberliegende Mauer mit ihren glasierten Steinen, von einem schwer verständlichen Hang dazu, derlei schlichte, alltägliche Dinge mit Verzierungen zu versehen. Die Türblätter sind nicht einfach glatte Flächen: Sie sind so aus übereinandergelegten Hölzern gefügt, daß daumenbreite Vertiefungen schräg über die Tür laufen. Die Rahmen sind zwar arg schartig geworden im Laufe der Zeit und der mehrlagige Lack ertränkt weitgehend die ursprünglichen Formen: aber man erkennt noch einigermaßen klar das Profil, daß in sie hineingeschnitten wurde. &#8211; Sind das Eingänge zu den Kammern königlicher Wächter, die hier stationiert worden sind, um den Straßenverkehr zu beobachten, und die über die Jahrzehnte aus lauter Pflichtgefühl vollkommen reglos geworden sind? Was könnte dahinter liegen, was wird vor mir und aller Welt verborgen gehalten?</p>


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		<description><![CDATA[Schicksalsschläge sind ein Privileg der Armen. Leben in einer Welt, die künstlich genug ist,  um alles Schicksal auszuschließen &#8211; das ist Wohlstand. &#8211; Bruno Zampeter, Stahlkocher und Publizist Zufriedenheit ist entweder auf Gefühlsblindheit oder Verantwortungslosigkeit zurückzuführen. &#8211; Jonathan Murrfeld, Handwörterbuch für Subversive Ähnliche Texte:Involution (#1) Vor dem Schutthaufen Der großen Zukunft, Auf die hin wir... [...]]]></description>
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<p class="getuem">Schicksalsschläge sind ein Privileg der Armen. Leben in einer Welt, die künstlich genug ist,  um alles Schicksal auszuschließen &#8211; das ist Wohlstand.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Bruno Zampeter, Stahlkocher und Publizist</p>
<p class="getuem">Zufriedenheit ist entweder auf Gefühlsblindheit oder Verantwortungslosigkeit zurückzuführen.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Jonathan Murrfeld, Handwörterbuch für Subversive</p>


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