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	<title>Rauhfasler &#187; Hagiographie</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Vidi caelum obsignatum</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Aug 2008 20:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hagiographie]]></category>
		<category><![CDATA[Abgründe]]></category>
		<category><![CDATA[Apokalypse]]></category>
		<category><![CDATA[Aus dem Leben des Hl. Eklytos]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein sonderbarer Text, apokalytisch-blutr&#252;nstig, aus dem Munde des Hl. Eklytos.1 Er ist ein angestaubter Heiliger, was allerdings zu seinem Lebenslauf recht gut pa&#223;t.2 Eklytos ist von der kirchlichen Geschichtsschreibung anscheinend v&#246;llig vergessen worden, zu Unrecht, meine ich. &#8211; Qui habet aures audiendi, audiat!3 &#0187;Ich sah den Himmel versperrt und siehe, er war kalt und geworden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/08/dante_et_virgile_au_enfers.jpg" class="floatbox" rev="group:649 caption:`William Bouguereau (1825-1905): Dante et Virgile au enfers (1850)`"><img class="rand alignnone size-medium wp-image-665" title="William Bouguereau (1825-1905): Dante et Virgile au enfers (1850)" src="/wp-content/uploads/2008/08/dante_et_virgile_au_enfers-241x300.jpg" alt="" width="241" height="300" /></a></p>
<p><em>Ein sonderbarer Text, apokalytisch-blutr&uuml;nstig, aus dem Munde des Hl. Eklytos.</em><sup class='footnote'><a href='#fn-649-1' id='fnref-649-1'>1</a></sup><em> Er ist ein angestaubter Heiliger, was allerdings zu seinem Lebenslauf recht gut pa&szlig;t.</em><sup class='footnote'><a href='#fn-649-2' id='fnref-649-2'>2</a></sup> <em>Eklytos ist von der kirchlichen Geschichtsschreibung anscheinend v&ouml;llig vergessen worden, zu Unrecht, meine ich. &#8211; Qui habet aures audiendi, audiat!</em><sup class='footnote'><a href='#fn-649-3' id='fnref-649-3'>3</a></sup></p>
<blockquote><p>&#0187;Ich sah den Himmel versperrt und siehe, er war kalt und geworden wie der h&auml;rteste der Steine. Und es wurde fortgewischt vom Himmel alle Farbe und die Wolken waren nicht mehr. Und siehe, es war Dunkelheit &uuml;ber der Erde und Schweigen in den H&ouml;hen. Und ich sah die Menschen wandeln und sie wagten nicht, den Blick zu heben von der Erde, denn sie waren voll Zagens und ihre Herzen wurden gehalten, da&szlig; sie nicht erkannten ihre gro&szlig;e Furcht. Und es lagerten sich wie L&ouml;wen die Not und wie gewaltige Schlangen die Sorge an den Wegen der Menschen. Sie umlagerten auch die H&auml;user und machten bitter die Speise und den Trank. Die Menschen aber schritten aus auf ihren verkehrten Wegen und gingen geradewegs an Orte, an die zu gelangen ihr Ziel nicht war, w&auml;hrend die Schlangen und die L&ouml;wen den Rachen aufsperrten, aber sie merkten es nicht.</p>
<p>Und siehe, und ich sah: den Strom der Leiber wie er flo&szlig; durch die T&auml;ler und wie sie sich t&uuml;rmten in den St&auml;dten, aber die Leiber blieben kalt und Stille war &uuml;ber die St&auml;dte gebreitet. Die Berge wurden fortgenommen, die Fl&uuml;sse flielen trocken und aus dem Meer f&uuml;llten sie sich wieder. So verging Tag um Tag, ich aber mu&szlig;te stehen und war zum Zeugen berufen.</p>
<p>Der Strom der Leiber h&ouml;rte nicht auf, w&auml;hrend doch die Berge vergingen und die Erde umgestaltet wurde. Und die Menschen dr&auml;ngten ihre Leiber aneinander und sie f&uuml;gten zusammen K&ouml;pfe und Lenden: da wurde ges&auml;t neues Fleisch.</p>
<p>Doch siehe: es war Schweigen unter dem Himmel und die Erde war kahl. Es geschah vor meinen Augen, da&szlig; sie ihre M&uuml;nder auftaten wie zum Schrei, aber es erklang kein Laut. Ich sah, wie sie die H&auml;nde ausstreckten, aber da war keiner, der ihre H&auml;nde f&uuml;llte. Und ich sah, wie sie die H&auml;nde vor sich reckten, einer dem anderen einen Ort zu weisen, aber immer war die St&auml;tte, welche gewiesen wurde, leer und kein Leben war um die Menschen. Denn der Himmel war geworden wie der h&auml;rteste der Steine.</p>
<p>Da hoben die Menschen in den T&auml;lern und auf den verweisten H&ouml;hen an und rissen voneinander die Kleider, jeder vom n&auml;chsten, da&szlig; es ein Greuel war vor meinen Augen, und sie traten sie in den Staub. So standen sie voreinander, alle in ihrer Nacktheit und hatten nichts, ihre Bl&ouml;&szlig;e zu bedecken.</p>
<p>Und es sprach eine Stimme, die war wie Sturm. Da tat sich auf der Boden und es klaffte das Gestein und heraus trat einer, der sprang mitten unter die Menge der Menschen. Und er war gro&szlig; wie drei M&auml;nner und furchtbar von Gestalt und hatte kein Haar an seinem Leib, gl&auml;nzend wie tausend Speere. Sein Rachen war weit aufgesperrt und er war dunkel wie der Himmel; aber die Farbe seiner Zunge war wie Blut und seine Zunge wand sich gleich einer hungrigen Schlange Und er f&uuml;llte die Stille mit seinem Spott und er sprach &uuml;ber die Menschen seinen Fluch. Da begannen die Vielen ihre F&auml;uste zu sch&uuml;tteln und standen wiedereinander auf und schlugen sich ins Angesicht. Und sie bissen einander mit ihren Z&auml;hnen, da&szlig; sie rot wurden im Angesicht. Einige aber blieben abseits und waren voll Scham, andere warfen sich nieder und baten, sie m&ouml;gen verschlugen werden von der Erde. So fra&szlig;en die Menschen einander.</p>
<p>Und ich sah, und siehe: es verebbte der Strom der Leiber. Und es lagen die Toten ausgesch&uuml;ttet &uuml;ber die Ebenen und auf den H&ouml;hen. Sie lagen wie B&auml;ume, an die ein starker die Axt gelegt hatte und der Wind ging &uuml;ber sie. Und ich stand und es folgte Tag auf Tag und Staub bedeckte die Menge der Toten. Und siehe: die Erde war w&uuml;st und leer.&#0171;</p></blockquote>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-649-1'>Erhalten ist der Text in einer lateinischen Fassung aus der Feder eines unbekannten, fr&uuml;hmittelalterlichen M&ouml;nches. Er findet sich in einer Sammlung von Werken des <a title="Wikipedia zu S. Scholastikos" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates_Scholastikos" target="_blank">Sokrates Scholastikos</a>. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-649-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-649-2'>Eklytos hat mich hier schon <a title="weiteres Rauhfaseln" href="/2008/der-heilige-eklytos-in-der-wueste/" target="_self">ein-</a> und ein <a title="weiteres Rauhfaseln" href="/2008/eklytos-und-der-skorpion/" target="_self">zweites Mal</a>, allerdings nicht unbedingt mit historiographischer Genauigkeit, besch&auml;ftigt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-649-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-649-3'>Matth&auml;us 11, 15 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-649-3'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Aus dem Leben des Hl. Eklytos]]></series:name>
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		<title>Eklytos und der Skorpion</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Apr 2008 19:35:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hagiographie]]></category>
		<category><![CDATA[Aus dem Leben des Hl. Eklytos]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerz]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Verzweiflung]]></category>
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		<description><![CDATA[Eklytos befand sich auf der Wanderung. Er war fr&#252;h aufgebrochen und schon viele Stunden gegangen. &#220;ber der kargen Landschaft war unterdessen die Sonne in den Mittag gestiegen und sank nun schon wieder allm&#228;hlich ihrem Verl&#246;schen entgegen. Die Sonne hatte Eklytos ged&#246;rrt und erm&#252;det hatte ihn das Gehen. So geschah es, da&#223; er eines Steines nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.ub.ntnu.no/scorpion-files/koch_gallery.php"><img class="rand alignnone size-full wp-image-656" title="Buthus megacephalus, Zeichnung von C. L. Koch" src="/wp-content/uploads/2008/08/skorpion.jpg" alt="" width="400" height="230" /></a></p>
<p>Eklytos befand sich auf der Wanderung. Er war fr&uuml;h aufgebrochen und schon viele Stunden gegangen. &Uuml;ber der kargen Landschaft war unterdessen die Sonne in den Mittag gestiegen und sank nun schon wieder allm&auml;hlich ihrem Verl&ouml;schen entgegen. Die Sonne hatte Eklytos ged&ouml;rrt und erm&uuml;det hatte ihn das Gehen. So geschah es, da&szlig; er eines Steines nicht achtete, der aus der Stra&szlig;e herausragte, gerade dort, wo Eklytos seinen staubigen, wundgeriebenen Fu&szlig; niedersetzte. Und als er diesen Fu&szlig; wieder hob und als er sich verfing hinter dem arglistigen Stein, da st&uuml;rzte Eklytos nieder. Er st&uuml;rzte ungebremst auf die hartgetrockneten, unebenen Weg und der Schmerz, der ihm beim Aufprall erwartete, war umfassend.<br />
Eklytos verlor f&uuml;r die Dauer mehrerer Herzschl&auml;ge den Zusammenhang mit sich selbst, war fortgesp&uuml;lt in k&ouml;rperlose Schw&auml;rze und setzte seinen Sturz jenseits des unnachgibigen Bodens fort. Dann aber kehrte e zur&uuml;ck in seine jammervolle Leiblichkeit und im ersten Moment empfand er lediglich &Uuml;berraschung angesichts der elementaren Zudringlichkeit, mit der von &uuml;berall her Schmerz in sein Bewu&szlig;tsein trat, sobald es nur wieder an seinen Ort zur&uuml;ckgekehrt war. Diese &Uuml;berraschung wurde aber sogleich mit allem anderen zum Verschwinden gebracht und nichts f&uuml;hlte oder war Eklytos als blo&szlig; Schmerz: In seinem Kn&ouml;chel, der beim Sturz arg verdreht worden war, an seinen aufgeschlagenen Knien, unter denen sich Blut mit dem Wegstaub vermischte, Schmerz in seiner aufgesch&uuml;rften und zusammengepressten Brust und hinter seiner Stirn, die, wie zum Hohn, &uuml;berfl&uuml;ssigerweise von einem weiteren spitz hervorstechenden Stein an einer Braue aufgeschlagen worden war da&szlig; Eklytos das Blut ins Auge rann.<br />
So lag Eklytos lange regungslos da, wimmernd, au&szlig;er Stande, dem Bohren, Dr&ouml;hnen und tiefdringenden Stechen in seinen Gliedern irgendetwas entgegenzusetzen. Die Reise hatte ihm, auch als er noch auf seinen Beinen stand, bis auf einen kleinen Rest seine Kraft genommen, er hatte sich ohnehin nur weitergeschleppt weil ein Anhalten in dieser Gegend unm&ouml;glich war. Jetzt lag er, ein Acker f&uuml;r die Schmerzen, die seinen K&ouml;rper pfl&uuml;gten, er meinte, diese erfindungsreichen D&auml;monen &uuml;ber ihn lachen zu h&ouml;ren, w&auml;hrend sie ihren Griff wechselten und variierten, da&szlig; sich verschiedene Farben und Spielarten von Schmerz ergaben. So lag er, niedergesto&szlig;en und schutzlos zur&uuml;ckgelassen vom Gott des aufrechten Ganges.<br />
Das Wimmern, das von selbst begonnen hatte, von Eklytos aufzusteigen, wurde mit der Zeit zu tiefem, heiseren St&ouml;hnen. Allm&auml;hlich war Eklytos wieder zu willentlichem Tun in der Lage und er wollte blo&szlig; noch wehklagen und seine Verachtung herausst&ouml;hnen f&uuml;r diese finstere, hohnvolle Welt. Er w&auml;re wohl au&szlig;erstande gewesen, sich zu erheben &#8211; er wollte es aber auch nicht mehr. Sein Sturz war eine Pr&uuml;fung zu viel gewesen nach allem, was ihm auf dem Weg schon wiederfahren war. Er wollte nun liegenbleiben und sein endg&uuml;ltiges Vertrockenen und Verenden abwarten, er wollte dem Staub gleichwerden, dem n&auml;chsten Reisenden zum Schrecken oder zur Belustigung, eine der L&auml;nge nach hingestreckte Leiche in der Mitte des Weges.<br />
&Uuml;ber solchen Gedanken erebbte der Schmerz, verebbte die Wut und es breitete sich Leere und Stille aus in Eklytos, ver&auml;chtliche Stille, freudlose Leere und alles, was Eklytos noch in sich hatte, war Trotz, mit dem er dem hartn&auml;ckigen Leben in sich entgegentrotzte. Die Sonne senkte sich, wurde von Dunst aufgenommen, der &uuml;ber dem Land hing und stand schmutzig und aufgedunsen am Horizont.<br />
Da h&ouml;rte Eklytos ein Rascheln. Er hob den Blick und sah einen Skorpion, der aus einem Geb&uuml;sch geradewegs auf ihn zukam, den Stachel erhoben, die Scheren ge&ouml;ffnet, so hockte sich der Skorpion vor Eklytos´ mit Blut &uuml;berkrustetes Angesicht. &#0187;J&auml;mmerlich bist du, Mensch&#0171;, sagte der Skorpion mit tonloser Stimme.<br />
Der Skorpion schwieg eine Weile und es schien, als w&uuml;rde er den Anblick vor seinen Spinnenaugen bedenken. Dann setzte er, ohne vernehmbares Gef&uuml;hl noch hinzu:<br />
&#0187;Ein nacktes, weiches, erb&auml;rmliches Gesch&ouml;pf bist du.&#0171;<br />
Warum sollte nicht, dachte Eklytos mit Bitterkeit, an der Grenze des Todes ein Skorpion mit mir sprechen? Das erschien ihm alles in allem als ein passendes Willkommen und bedeutete hoffentlich, da&szlig; es mit ihm bald zuendegehen werde.<br />
Eklytos hatte seit Tagen nicht gesprochen. Seine ersten Worte kosteten ihn einige M&uuml;he, als er dem Skorpion schlie&szlig;lich antwortete.<br />
&#0187;Wenn ich noch nicht gestorben bin, dann mach mit mir ein Ende, wie es deiner Bestimmung entspricht!&#0171;<br />
Der Skorpion rieb seine Mandibeln gegeneinander, schlo&szlig; seine Scheren und &ouml;ffnete sie wieder.<br />
&#0187;Die Bestimmung eines Menschen ist der aufrechte Gang,&#0171; antwortete der Skorpion schlie&szlig;lich mit unver&auml;ndert kalter Stimme, &#0187;woher nimmst du, der sich wie ein Wurm verh&auml;lt, also die Berechtigung, mir meine Bestimmung vorzuhalten?&#0171;<br />
Eklytos sah die regungslosen Augen am schwarz gepanzerten Kopf des Skorpions dicht vor sich. Er bekam Lust, dieses gef&uuml;hllose Wesen fortzuschicken. Aber w&uuml;rde er gehen? Eklytos wollte sich zudem von einem niederen Tier nicht ins Unrecht setzen lassen.<br />
&#0187;Warum bist du aus diesem Geb&uuml;sch gekrochen? Um mich zu verspotten, unreines Gesch&ouml;pf? Solches Gift will ich nicht von dir. Benutze deinen Stachel!&#0171;<br />
&#0187;Ich kenne den Tod. Ich habe vieles sterben gesehen, Gew&uuml;rm in dunklen Erdspalten und m&auml;chtige, schwerleibige Tiere. Du aber bist weit entfernt von deinem Tod. Ich bin gekommen, weil dein Jammern mich beleidigt. Sterben, du zweibeiniger K&ouml;ter, ist ein ernstes Gesch&auml;ft&#0171;, versetzte der Skorpion.<br />
&#0187;Was wei&szlig;t du schon von den Sorgen eines Menschen? Deine kurzen, krummen Beine geben deiner Einsicht das Ma&szlig;. Und was du tust, das mu&szlig;t du tun und brauchst dich nicht herumzuschlagen mit Entscheidungen&#0171;, sagte Eklytos als ein ertapptes, st&ouml;rrisches Kind.<br />
&#0187;Du liegst hier vor mir im Staub, wimmerst und st&ouml;hnst und willst dich herausstehlen aus dem Leben, du Krone der Sch&ouml;pfung.&#0171;<br />
&#0187;Dann mach doch ein Ende mit mir. Die Krone kannst du haben, wenn du sie begehrst. Ich will nicht mehr aufstehen&#0171;, brach es aus Eklytos hervor wie ein Schluchzen.<br />
Darauf schwieg der Skorpion, klappte wiederum mit den Scheren und reckte den Stachel empor. An der Spitze des Stachels meinte Eklytos einen Tropfen jener klaren Fl&uuml;ssigkeit zu sehen, von der er eine allerletzte Erleichterung erhoffte. Der Skorpion regte sich nicht und schwieg so lang, da&szlig; Eklytos es nicht mehr aushielt.<br />
&#0187;Warum mu&szlig; ich dein Gift von dir erbetteln?&#0171;, schrie er und geriet dabei ins Husten. &#0187;So kostbar kann es nicht sein.&#0171;<br />
&#0187;So, wie die Dinge stehen, ist es mehr wert als dein Leben&#0171;, kam die Antwort glatt und kalt aus dem Skorpion heraus.<br />
&#0187;Sag mir warum. Sag mir, warum ich noch einmal aufstehen sollte. Noch einmal und noch einmal um doch wieder zu st&uuml;rzen. Nichts erreicht man in dieser kahlen Welt als wieder und wieder im Dreck zu liegen.&#0171;<br />
&#0187;Der Weg, auf dem du gegangen und gest&uuml;rzt bist, ist von Menschen gebaut.&#0171;<br />
&#0187;Ich kann nicht unter den B&uuml;schen und in Steinritzen umherkriechen wie du.&#0171;<br />
&#0187;Aber auch auf deinem nackten Bauch und deinen Knien wirst du nicht weiterkommen. Du mu&szlig;t aufstehen, denn das ist deine Bestimmung. Bis zu deinem Tod wirst du noch weit gehen m&uuml;ssen.&#0171;<br />
&#0187;Aber warum, du gepanzterter Teufel? Am Ende werde ich nicht weitergekommen sein. Dann soll es jetzt gleich ein Ende haben. Ich erbitte den Tod von dir, immerhin bist du kundig, Skorpion.&#0171;<br />
&#0187;Nein,&#0171; sagte der Skorpion und wandte sich von Eklytos ab. Als er beim Busch, aus dem er herausgekommen war, anlangte, hielt er inne. Eklytos hatte zu schluchtzen und keuchen begonnen. Er kroch nun tats&auml;chlich auf dem Bauch, auf den Knien dem Skorpion hinterher. Er war entschlossen, ihm den Tod abzuzwingen.<br />
&#0187;H&ouml;re&#0171;, redete der Skorpion in nochmals an. Eklytos verstummte, erstaunt, gel&auml;hmt von einem neuen Ton in der Stimme des Skorpions.<br />
&#0187;Das Gift, das du brauchst, kreist schon in dir. Die Genesung, die du suchst, ist ohne Krankheit nicht zu finden. Du hast kein Recht auf Feigheit, den Weg, den du dir angema&szlig;t hast, must du weitergehen.&#0171;<br />
Der Skorpion war im Geb&uuml;sch verschwunden. Eklytos begann zu weinen und hob so genug Kraft aus sich hervor, um endlich, mitten in der dunkelsten Nacht, sich zu erheben. Er ging weiter und entfernte sich widerwillig von der Verlockung eines leichten Sterbens.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Heilige Eklytos in der W&#252;ste</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Feb 2008 19:44:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Aus dem Leben des Hl. Eklytos]]></category>
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		<description><![CDATA[Eklytos sa&#223; in seiner Einsiedelei. Die Nacht war kalt gewesen. Er hatte so sehr gefroren unter seiner zerschlissenen, schmutzstarren Decke und der unebene Boden hatte ihm derart Schmerzen im R&#252;cken verursacht, da&#223; es lange gedauert hatte, bis er endlich eingeschlafen war. Er sa&#223; auf dem Rand seiner geflochtenen Matte, starrte in die Dunkelheit hinein, in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/08/eklytos.jpg" class="floatbox" rev="group:660 caption:`Eklytos (ein Mosaik)`"><img class="alignleft size-medium wp-image-661" title="Eklytos (ein Mosaik)" src="/wp-content/uploads/2008/08/eklytos.jpg" alt="" width="280" height="237" /></a>Eklytos sa&szlig; in seiner Einsiedelei. Die Nacht war kalt gewesen. Er hatte so sehr gefroren unter seiner zerschlissenen, schmutzstarren Decke und der unebene Boden hatte ihm derart Schmerzen im R&uuml;cken verursacht, da&szlig; es lange gedauert hatte, bis er endlich eingeschlafen war. Er sa&szlig; auf dem Rand seiner geflochtenen Matte, starrte in die Dunkelheit hinein, in die das kaum zu erahnende erste Licht vordrang und hielt seine noch immer schmerzenden Beine umschlungen. Im Halbschlaf noch hatte er geh&ouml;rt, wie irgendein Tier um die Lehmh&uuml;tte geschlichen war, hatte es schnauben und schn&uuml;ffeln geh&ouml;rt und wie es am staubigen Boden kratzte. Er hatte sich nicht ge&auml;ngstigt, das wurde ihm nun klar, und er wunderte sich nicht wenig dar&uuml;ber. Diese unerwartete Furchtlosigkeit war wohl lediglich der &uuml;bergro&szlig;en Ersch&ouml;pfung geschuldet, die ihn regungslos und stumpf in seiner krummen Haltung auf der Matte verharren lie&szlig;, zu kraftlos, um Furcht zu haben. Eklytos grinste bitter in die Dunkelheit hinein: das war also die Standhaftigkeit und Seelenruhe eines Eremiten. Blo&szlig; eine Angleichung an den das &Auml;u&szlig;ere, an den Staub und die &Ouml;digkeit, die sich in der Seele vollzog, so wie Hiob sich der Verw&uuml;stung seines &auml;u&szlig;eren Lebens anglich, indem er sich auf einen Aschenberg setzte und sich die Haut ritzte mit einer Tonscherbe. Desgleichen also geschah nun also ihm, Eklytos, in dieser Einsiedelei: Seine Seele sollte zur W&uuml;ste werden, sollte W&uuml;ste werden wie das Land, welches ihn umgab und einschlo&szlig;, W&uuml;ste war, leer und regungslos unter der Klarheit des Himmels. Die S&auml;fte seines K&ouml;rpers sollten eintrocknen unter den hei&szlig;en Winden, in den schmerzhaften N&auml;chten auf seiner fluchw&uuml;rdigen Matte aus zerschlissenem, l&ouml;chrigen Flechtwerk. Die S&auml;fte, die in gef&auml;hrlichen Momenten durch die Glieder schossen und das schwache Fleisch zu diesem und jenem trieben. Aber Eklytos konnte sich nicht verhelen, da&szlig; er sich mit dem lebensvollen Kreislauf der S&auml;fte in seinem K&ouml;rper alles in allem wohler gef&uuml;hlt hatte als jetzt, wo er in seiner eigenen Verw&uuml;stung begriffen war.<br />
Eklytos seufzte schwer. Gleich darauf ergriff ihn ein Hustenanfall, unter dem er sich kr&uuml;mmen mu&szlig;te und zu japsen begann und endlich z&auml;hen Schleim ausspie von der Farbe des Sandes. Als es vor&uuml;ber war, die D&auml;monen von ihm ablie&szlig;en, zitterte er am ganzen geschw&auml;chten Leib. Eklytos erhob sich m&uuml;hsam, zwang sich dabei zum Gebet. Als er auf den F&uuml;&szlig;en stand, schwankte er wie ein Grashalm im Wind und murmelte: Dein ist die Kraft, dein ist die Kraft, wobei ihm ein bitterer Geschmack auf die Zunge trat.<br />
Unter dem Gebet kam der Anachoret allm&auml;hlich zu Kr&auml;ften und trat hinaus durch die T&uuml;r&ouml;ffnung der verfallenen Lehmh&uuml;tte, die er an diesem Ort fern der Menschen vorgefunden hatte, unter deren l&ouml;chrigem Dach er jetzt schon seit vielen Tagen hauste. Am T&uuml;rpfosten lehnte sein Stab, den er mit einer Aufwallung von Z&auml;rtlichkeit zur Hand nahm und sich schwer auf ihn st&uuml;tzte, als w&auml;re dieses St&uuml;ck Holz sein Gef&auml;hrte oder vielmehr sein Zechbruder. Eklytos presste R&uuml;cken und Ges&auml;&szlig; an die Lehmwand hinter ihm, stellte seinen Stab zwischen die nackten F&uuml;&szlig;e, darauf legte er seine ineinender verschr&auml;nkten H&auml;nde und auf sie wiederum st&uuml;tzte er sein Kinn. Der Bart, der ihm kr&auml;ftig gewachsen war, gab unter dem Kinn ein angenehmes Polster ab.<br />
Bald w&uuml;rde der Tag anbrechen, schon zeigte sich ein schmaler Streifen grauen Lichtes am &ouml;stlichen Horizont. Eklytos drehte den Kopf ein wenig nach links und erzeugte damit ein knisterndes Ger&auml;usch zwischen Kinn und Handr&uuml;cken. Jetzt gehe sein Blick wohl zu jenem Land, in dem der Herr gewandelt war unter uns Menschen, Jesus, Sohn Gottes, das Licht von Osten. Und er hatte keinen Ort, sein Haupt zu betten. Eklytos mu&szlig;te, obgleich er nicht wollte, er mu&szlig;te an Lydia denken. Daran, wie er einst sein Hauptin Lydias Scho&szlig; gebettet hatte und welch s&uuml;&szlig;er Schlummer das gewesen war. In seine Augen trat das Wasser und &uuml;berdeckte v&ouml;llig den Tagesanbruch. Diesmal griff der D&auml;mon nach dem Magen des Einsiedlers, da&szlig; ihn ein zitternder Schmerz durchfuhr und ihm das Herz sprang. Lydia, ging sein Gebet, aber es besserte nichts, die Sehnsucht wurde nur immer gr&ouml;&szlig;er. Eklytos dachte daran, loszulaufen und sie zu finden, hinter der grauen, kalten W&uuml;&szlig;te, die sich vor ihm breitete. Mit jener sonderbaren Beh&auml;ndigkeit der Seele wurde er an irgendeinen Ort versetzt, an dem Eklytos sich Lydia vorstellte. So lebendig war dieses Bild, Haar, Augen, Haut, H&auml;nde, da&szlig; Eklytos meinte, blo&szlig; einen Schritt machen zu m&uuml;ssen, um bei ihr zu sein. Wie diese Erscheinung ihn Qu&auml;lte! Nur ein Schritt zu Lydia, ein Ort, sein Haupt zu betten. Oder doch auch nur einen Menschen zu haben, mit ihm zu sprechen. Er dachte an die H&auml;ndler, die Bettler und Tagel&ouml;hner, hungrig, schmutzig und arm, seinesgleichen. An die Geschichten, die Zoten und Anz&uuml;glichkeiten, an die Niedertracht und die Hoffnung. Er dachte daran, wie man unter dem Einflu&szlig; von Gegorenem miteinander sprach oder morgens, wenn man gemeinsam am Stra&szlig;enrand erwachte und sich freute, noch am Leben zu sein. Er dachte an die tiefe Nachdenklichkeit und an das hilflose Gestammel, das ihm begegnet war auf seiner Wanderung und wie er mit anderen all das hatte teilen k&ouml;nnen durch das Wort, die Gabe Gottes an den Menschen. An den Menschen, Gottes schadhaftes Ebenbild. Alles schien ihm zum greifen nah zu sein. Fast wollte Eklytos schon dem zahnlosen, hinkenden Stephanos einen Gru&szlig; zurufen, der ihm vorgespiegelt wurde durch seine hungernde Seele, ebenso, wie in der gr&ouml;&szlig;ten Hitze Wasser erschien &uuml;ber dem W&uuml;stenboden, zitternd und flirrend. Seine Seele wollte von ihm fort, Eklytos sp&uuml;rte ihr andr&auml;ngen als ein zartes, ungeheures Rei&szlig;en in der Herzgrube, er jammerte unter dem Wahn, unter der Versuchung, fortzukommen von diesem einsamen, verd&ouml;rrten Ort durch einen einzigen Schritt, seiner fliehenden Seele folgend zu den anderen Menschen, die ihm nun vor Augen standen als flirrende Vision.<br />
Das Licht von Osten erhob sich &uuml;ber den Horizont und im ersten Licht des Tages verw&uuml;nschte sich der Eremit Eklytos, fluchte &uuml;ber die jammervolle Lage, in die er sich gebracht hatte und wu&szlig;te nicht mehr zu sagen, was eigentlich er gesucht hatte. Er verachtete seine ekelhafte B&auml;rtigkeitm seine schmutzfleckige Decke, die zerbrochene Behausung, an der er greisenhaft lehnte, die &Ouml;dnis, in die er hineingestolpert war und die er jetzt bespie, zwischen seine nackten F&uuml;&szlig;e, mit dem wenigen Speichel, den sein staubiger Mund noch hergab.<br />
Die W&uuml;ste schwieg dazu, nur das trockene Knacken der Steine war zu h&ouml;ren, die sich unter der Sonne allm&auml;hlich erw&auml;rmten. Regungslos lag der leere, dunkelblaue Himmel &uuml;ber allem, blau wie eine jener Leichen, die man hie und dort neben der Sta&szlig;e liegen sah.<br />
Und in dieser Stille lagerte sich die schweigende Gottheit um Eklytos, siehe, nicht Sturm und Feuer bin ich, sondern ein stilles, sanftes Sausen. &Uuml;ber seine schmerzlich aufgespannte Seele strich die Gottheit mit leisen, z&auml;rtlichen Fingern und – es ergab sich ein neuer Ton, der Eklytos allm&auml;hlich in das vertrockenete Bewu&szlig;tsein drang. Die Aufregung verging ihm nun, der Schmerz verebbte und die Visionen hoben sich von seinen Augen. Mit dem Gesicht eines Kindes stand er da und er h&ouml;rte: das Fl&uuml;stern &uuml;ber der W&uuml;ste; und er sah: das zarte Rot und Blau gen morgen und einen einzelnen, z&auml;hen Baum vor der augehenden Sonne, der hier wuchs und Bl&auml;tter trieb. Und das Fl&uuml;stern gab ihm Antwort und der Baum war wie er. Eklytos blieb lange regungslos, nun gerade aufgerichtet, der Stab war seinen H&auml;nden entglitten, die er halb gehoben hatte, die ihm nun vor der Brust hingen, mitten in der Geste erstarrt. Schrecken stand auf seinem Gesicht, er hatte es den H&ouml;hen zugewandt, so da&szlig; sein Bart vor ihm in die Luft stach. Dann wurde der Schrecken in Eklytos Angesicht verwandelt in ein kleines, vogelleichtes L&auml;cheln. Und nach einem langen Augenblick war es, da&szlig; Eklytos den Fu&szlig; zu einem ersten Schritt vor sich setzte, der aufkommenden Hitze nicht achtete und die W&uuml;ste verlie&szlig;. Nunmehr war er gesandt.</p>


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		<pubDate>Fri, 15 Feb 2008 10:34:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/09/antonius.jpg" class="floatbox" rev="group:811 caption:`Detail aus Paolo Caliari, Versuchung des Hl. Antonius, 1528`"><img class="rand alignnone size-medium wp-image-812" title="Detail aus Paolo Caliari, Versuchung des Hl. Antonius, 1528" src="/wp-content/uploads/2008/09/antonius-269x300.jpg" alt="" width="269" height="300" /></a></p>
<p>Ich habe den Heiligen Antonius gesehen. Ein Bild, gemalt mit &Ouml;l, in einem abgedunkelten Raum, gesch&uuml;tzt durch Alarm. Ich habe geh&ouml;rt, er ging in die W&uuml;ste und war dort allein, nur in Gesellschaft von D&auml;monen. Unter seiner Bastmatte schl&uuml;pften, als der Heilige sich dem Schlaf &uuml;berlassen wollte, Frauen hervor, warm und nackt und weich, mit bittenden Augen und offenen Armen, da&szlig; Antonius versucht werde durch die Hitze des Leibes. </p>
<p>Er geno&szlig; die Achtung des Teufels, der Gold und Silber, Ruhm und Ehrungen aufbot, um Antonius zu gewinnen. Und als er das alles &uuml;berstanden hatte, als er in der Stille der W&uuml;ste lag, ganz mit sich allein in der vollkommenen Dunkelheit seiner H&ouml;hle, da kamen D&auml;monen, die trieben die Angst heraus aus der Tiefe seines Herzens. Sie hoben ihre F&auml;uste und Keulen und Krallen gegen ihn und schlugen ihn so hart, das er wurde wie tot und nach vielen Stunden erst wieder erwachte zum Lob Gottes.</p>
<p>Die Lippen des Heiligen Antonius sind ein wenig ge&ouml;ffnet und ich sehe: seine aufeinandergepressten Z&auml;hne. Er blickt gefasst auf die Versuchung ihm vor Augen, er l&auml;&szlig;t sich kaum anmerken, wie Angst ihn gepackt hat und ihm mit den Z&auml;hnen knirscht. Ich kann ihn verstehen, den Heiligen, wie er mir entgegenblickt. Ich kann lesen, was wohl auch der D&auml;mon, der finstere Versucher oder das warme, sch&ouml;ne Weib im Antlitz des Heiligen gesehen haben. Und sie werden, so denke ich, Mitleid gehabt und vielleicht sich erw&auml;rmt haben f&uuml;r den mutigen Antonius wie ich.<br />
Wie ich Antonius, den gro&szlig;en Eremiten, beneide. Ein Liebling beider: Gottes und des Teufels und ausgezeichnet durch sie, Bezwinger der inneren W&uuml;ste zu sein. Begehrt vom Versucher selbst, denn der kam immer wieder. </p>
<p>Hier, an diesem d&auml;mmrigen Ort, &uuml;ber das Fl&uuml;stern anderer Kunstbetrachter hinweg, hier stelle ich mir vor: ich bin in der W&uuml;ste, einsam in der tiefsten Dunkelheit. Und der gro&szlig;e Verf&uuml;hrer, der F&uuml;rst der D&auml;monen, tritt zu mir, greift in die Saiten meiner Seele und spielt die schlimmsten &Auml;ngste hervor. Ich stelle mir vor: die Stimmen fl&uuml;stern mir von meiner Begierde und meiner Schwachheit und lassen sich mit keinem Schreien &uuml;bert&ouml;nen. Ich stelle mir vor: wie es ist, um sich zu schlagen, auf den Boden geworfen von der Summe aller Angst, und dar&uuml;ber zu werden wie tot. Wie es ist, nach Stunden aufzustehen und doch noch zu leben und – Bezwinger zu sein, st&auml;rker als alle Angst. Dann mein Gesicht zu sehn wie jetzt Antonius, matt und geadelt, ein Sieger, der mit den Z&auml;hnen knirscht, weil der Sieg so unfa&szlig;lich ist.</p>


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