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	<title>Rauhfasler &#187; Offenbarungen in der S-Bahn</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Halb hinterm Licht</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 10:29:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist früher Morgen, von draußen nur halbes Licht, nur einsame Menschen, völlige Abwesenheit von Gesprächen, von bewußt igendwohin gerichteten Regungen. So haben wir uns eingefunden und warten gemeinsam. Von den anderen ist nichts zu sehen, außer einem Paar Füßen, dazu noch die Unterschenkel bis zu den Knien hinauf. Wildlederne Sportschuhe, recht gepflegt, nicht teuer, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thomasadank.com/"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/tuerblut-300x225.jpg" alt="Arbeit von Thomas Adank" title="Arbeit von Thomas Adank" width="300" height="225" class="rand size-medium wp-image-3799" /></a></p>
<p>Es ist früher Morgen, von draußen nur halbes Licht, nur einsame Menschen, völlige Abwesenheit von Gesprächen, von bewußt igendwohin gerichteten Regungen. So haben wir uns eingefunden und warten gemeinsam. Von den anderen ist nichts zu sehen, außer einem Paar Füßen, dazu noch die Unterschenkel bis zu den Knien hinauf. Wildlederne Sportschuhe, recht gepflegt, nicht teuer, helles Braun. Während sich um uns der Stillstand immer weiter vertieft, beginnen diese Füße zu scharren, zuckend auszutreten und Schritte in die Luft zu machen. Dazu gelegentlich rascheln von Zeitungen wie auffliegende Vögel. Irgendwer seufzt schwer, inbrünstig und hinfällig. Die Füße halten still. Umblättern. Wieder ein Seufzen. Die Wildlederschuhe klatschen auf den kunststoffbelegten Boden. Stille. Jetzt, da alle diese Instrumente schweigen, schwillt langsam aus dem Hintergrund das Rauschen der Klimaanlage an und füllt die Leere mit einem unruhigen Strom. Und da: ein entkleideter Rhythmus, der sich in engen Schleifen ewig wiederholt; ohne Melodien, denn sie bleiben in den Gehörgängen irgendwo dort hinten stecken. Jetzt fühle ich mich wie ein Voyeur: was ich höre, geht mich nichts an; ich höre dabei zu, wie sich ein mir gänzlich fremder Kopf mit mechanischer Musik füllt, vielleicht, weil er die Klimaanlage nicht hören will und das nutzlose Seufzen. Und tatsächlich klingt der Rhythmus nach Flucht, nach der Lust an der Angst vor dem Raubtier, das nicht mehr kommen will, das uns alleingelassen hat in einem gefahrlosen, ausweglosen Zwischenraum. Ich stelle mir jemanden im Halbschlaf vor, sein Kopf zur Seite gesunken, der Mund spaltbreit geöffnet, stelle mir sein Herz vor, das den Takt der elektrischen Trommel aufnimmt und die Wachträume stelle ich mir vor, deren Bilder schnell wechseln und in halbdunkle Regionen absinken, wo Zähne und Schweiß warten, rasch dahingleitende Schemen, stechende, kurze Atemzüge. Die Klimaanlage flüstert dazu in ihrer unverständlichen und kalten Sprache, ebenmäßig, mönchisch, sie hält Wacht über uns und wird uns bald in einen Zustand gänzlicher Unbeweglichkeit und Dürre verwandelt haben. Wieder raschelt die Zeitung, und nun bekomme ich eine Hand, eine halbe Seite zu sehen. Weiße, eindringliche Buchstaben auf schwarzem Grund: &#0187;Wie nur führt er uns hinters Licht?&#0171;</p>


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		<title>Im rechten Licht</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 10:03:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Mann in der S-Bahn. Nicht irgendein Mann: einer, an dem alles ins rechte Licht gerückt ist. Er trägt Kleidungsstücke in beeindruckenden Schattierungen von schwarz, grau und dunkelblau. Ein Jackett natürlich, trotz der Wärme, die hier, in der dahingleitenden Backröhre, noch über das Maß der Außenwelt hinaus eskaliert. Sein Hemd ist, eine läßliches Zugeständnis, nein, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2009/05/manikuere-300x200.jpg" alt="Maniküre" title="Maniküre" width="300" height="200" class="rand size-medium wp-image-3732" /></p>
<p>Ein Mann in der S-Bahn. Nicht irgendein Mann: einer, an dem alles ins rechte Licht gerückt ist. Er trägt Kleidungsstücke in beeindruckenden Schattierungen von schwarz, grau und dunkelblau. Ein Jackett natürlich, trotz der Wärme, die hier, in der dahingleitenden Backröhre, noch über das Maß der Außenwelt hinaus eskaliert. Sein Hemd ist, eine läßliches Zugeständnis, nein, vielmehr eine ironische Anspielung an die Hitze, am Hals etwas aufgeknöpft. Man sieht an ihm allerdings keinen Schweiß. Die Haare kleben auch nicht an der Stirn, sondern sind in einem genau getroffenen, richtigen Mischungsverhältnis zugleich ordentlich und unordentlich. Das bemerkenswerteste Einzelstück in diesem wandelnden Ensemble der Geschmackssicherheit ist aber der dünne, dunkelblau-graumelierte Pullover, den er über dem Hemd und unter seinem Jackett trägt. Bemerkenswert ist die komplexe Farbe der Wolle und natürlich das tiefgründige Verhältnis dieser Farbe zu den Tonwerten von Hemdkragen und Hals.</p>
<p>Er weiß, dieser an allen Enden ins rechte Licht gerückte Mann, daß geschmackvolle Kleidung und gutes Aussehen, daß Maßnahmen, die auf die eigene, imposante Figur beschränkt sind, einen Hang zum Autismus haben. Was hilft es, sich selbst zu modellieren, wenn man nur als Skulptur herumstehen darf? Also hat er seine gefällige Erscheinung ausgedehnt auf die Tat, in die Dingsphäre, in den Bereich der Werkzeuge, die uns mit der Welt in Verbindung setzen. Er hat ein Rennrad dabei. Also weiß der Betrachter: Hier ist einer, der sich sportlich betätigt, der schnell ist und das Risiko nicht scheut. Das Rennrad hat einen Rahmen, der in energischem Rot lakiert ist. Natürlich hebt sich diese Farbe von der dunklen Erscheinung des Rennfahrers fulminant ab. Erstaunlich. Das Fahrradschloß, ein praller, fester Schlauch, unter dessen schwarzer Plastikhaut sich eine Metallschlange windet, das Fahrradschloß fesselt mich: Das schwarze Plastik ist genau auf die richtige Weise abgerieben. Die abgeriebenen Stellen sind heller, spielen vom Schwarzen ins Graue: sie bilden auf der Oberfläche ein komplexes Muster aus Andeutungen.</p>
<p>Als ich mich von diesem Anblick allmählich, wiederstrebend, erwachend aus einem Traum, losreiße (gleich werde ich aussteigen müssen), bemerke ich, daß auf dem Pullover des Mannes-im-rechten-Licht, der lässig Kaffee aus einem Pappbecher trinkt (das hatte ich bislang tatäschlich übersehen), daß in diesem Gesamtentwurf aus Farben und Oberflächen, auf seinem Pullover nämlich, ausgerechnet auf dem Pullover, ein kleines Rinnsal aus verschüttetem Kaffee träge nach unten fließt. Die milchig-braune Flüssigkeit bildet zwischen den einzelnen Wollfäden dicke, wulstige Tropfen, die in Richtung des Ledergürtels ziehen. Als ich das sehe, greift meine Hand ganz von selbst, ohne irgendeinen bewußten Entschluß abzuwarten, nach einem Taschentuch. Ein solcher Makel darf nicht bestehen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gedanken eines Frosches beim Anblick einer Landschaftsmalerin</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 11:36:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine junge, blonde Geschäftsfrau führt im sachlichen Ton eine Unterredung. Sie und ihr Mobiltelefon, ihre beigefarbene Handtasche, ihre Sommerkleidung, die ins Haar zurückgeschobene Sonnenbrille: Alles macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Ich staune sie an, aus dem dunklen Bezirk heraus, in den mich meine Träume geführt haben, wie ein Frosch vom Tümpel her eine spazierengehende Landschaftsmalerin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://1x.com/member/11238/latoday/"><img src="/wp-content/uploads/2009/05/echo-of-silence-latoday-216x300.jpg" alt="the echo of silence von latoday (via 1x.com)" title="the echo of silence von latoday (via 1x.com)" width="216" height="300" class="rand size-medium wp-image-3725" /></a></p>
<p>Eine junge, blonde Geschäftsfrau führt im sachlichen Ton eine Unterredung. Sie und ihr Mobiltelefon, ihre beigefarbene Handtasche, ihre Sommerkleidung, die ins Haar zurückgeschobene Sonnenbrille: Alles macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Ich staune sie an, aus dem dunklen Bezirk heraus, in den mich meine Träume geführt haben, wie ein Frosch vom Tümpel her eine spazierengehende Landschaftsmalerin anstaunen würde.  Nun, auch ich bin frisch geduscht, wahrlich: aber Reinlichkeit in dieser Vollkommenheit zu erreichen, ich gestehe es mir ein, während ich meinen Blick schamhaft verberge, ist für mich ausgeschlossen. </p>
<p>Die Landschaftsmalerin scheint sich in einer Auseinandersetzung zu befinden. Aber weder erhebt sie ihre Stimme, weil sie zornig werden würde, noch fängt sie an zu flüstern &#8211; warum auch, denn eine Auseinandersetzung mit ihr zu haben, kann doch nur den jeweiligen Gegner ins Unrecht setzen: als würde ein krummer Baum darauf beharren, nicht in einem so dramatischen Licht gemalt zu werden. Wenn sie ihn so malen wollte, dann gehört jeder Baum in ein dramatisches Licht. Aber nein, sie wird nicht dramatisch malen, sondern in vollendeter Klarheit: Frühlingslandschaften nach dem letzten Wintersturm, reingewaschen von der Schneeschmelze, mit zierlichen, gelben Blumen, die aus der Erde sprießen. Oder den Winter, der alles auf Linien und Flächen reduziert, unter einem vollkommen kalten, blauen Himmel. </p>
<p><em>Ich muß doch</em>, sagt sie gerade. Dann eine Pause. Und jetzt: <em>Wir hatten doch. Du hast gefragt. Dann frag mich nicht.</em> Und plötzlich fliegt ihre feine Hand mit dem Telefon darin vom Ohr. Und der Daumen vollführt eine winzige, kaum zu erkennende Bewegung: Sie hat mitten im Satz aufgelegt. Ihr Gesicht bleibt reglos. Vielleicht glänzen ihre Augen mehr als vordem? Sonst ist nichts zu erkennen. Das Gespräch hat nicht stattgefunden, ich habe es mir eingebildet, somnambul wie ich bin.</p>
<p>Da: sie steckt einen elfenbeinernen Zeigefinger in gerade das Ohr, an dem noch eben das Telefon gelegen hat und bohrt energisch darin. Sie scheint das gesagte, das gehörte, das Mißverständnis oder den völlig angemessenen Vorwurf aus ihrem Gehörgang kratzen zu wollen. So sitzt sie eine Weile, dann sinkt die Hand wieder auf den sommerlich gekleideten Schoß und sie erstarrt.</p>
<p>Ich, der Frosch, springe mit einem Satz zurück in meinen Tümpel, zu meinem mir vertrauten Schlamm und zu den Schwebeteilchen, die mir durch Herz und Seele gehen. Zufrieden mit der Einsamkeit, die ich an dieser ätherischen Landschaftsmalerin entdeckt habe, die ich eingefangen habe wie eine wohlgenährte Fliege. Ich bin gesättigt. Sie wird schweigen &#8211; und ich, vor der nächsten schweren Nacht, werde tapfer den Mond anquaken.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Notwendigkeit</title>
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		<pubDate>Tue, 05 May 2009 10:08:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich an einer längst verlassenen Werkshalle die gesprungenen Fensterscheiben bemerkte. Als mir die Farbe deutlich wurde, in der die Backsteine im Licht der niedersinkenden Sonne aufloderten, sodaß es den Anschein hatte, sie würden noch immer, trotz langer Jahrzehnte, eine wärmende Erinnerung an den Brennofen in sich tragen. Und als ich die sanfte Fahrt des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/05/halle-ausschnitt.jpg" class="floatbox" rev="group:3522 caption:`Eine Industriehalle`"><img class="rand size-medium wp-image-3529" title="Eine Industriehalle" src="/wp-content/uploads/2009/05/halle-ausschnitt-300x168.jpg" alt="Eine Industriehalle" width="300" height="168" /></a></p>
<p>Als ich an einer längst verlassenen Werkshalle die gesprungenen Fensterscheiben bemerkte. Als mir die Farbe deutlich wurde, in der die Backsteine im Licht der niedersinkenden Sonne aufloderten, sodaß es den Anschein hatte, sie würden noch immer, trotz langer Jahrzehnte, eine wärmende Erinnerung an den Brennofen in sich tragen. Und als ich die sanfte Fahrt des Zuges wie eine Atmosphäre um mich wahrnahm, das allmähliche Ansteigen auf der weit geschwungenen Brücke, mitten hinein in die klare, blaue Luft. Und mir in den Augen eines eigenschaftslosen Mannes jäh der stille Humor sympathisch wurde, wie ich es im Voraus niemals hätte ahnen können. In jenem Augenblick, als dann auch die Häuser und Straßen in meinen Besitz übergingen und ich mich daran freute, unverhofft so reich geworden zu sein: an aufgesprühten geheimen Botschaften, an Balkonen, in denen sich das Leben wie in einem Setzkasten versammelt hatte, nur um mir eine Vorstellung von der Größe der Möglichkeiten zu geben; reich an unerschütterlichen Mauern, auf ihnen Ornamente aus längst überholten Zeiten, ein letztes Reservat für zierliche Schatten, lebend im schrägen Licht. Da nun all dies mir zuteil wurde und ich bloß reglos bleiben mußte, um zu spüren, wie mit unerschütterlicher Notwendigkeit sich alles ineinanderfügt: so, daß es gut ist. Und da ich tastete und unter meinen Fingern die Ruhe spürte, mit der deine Hand gleich neben mir lag &#8211; da war ich der Möglichkeit gänzlich beraubt, noch etwas zu vermissen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>22 Uhr 48</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2009 10:54:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dem Mann dort auf dem Bahnsteig gehört alles hier draußen. Soweit das Auge reicht macht ihm niemand die nachtbeschienene Welt streitig. Solange weitere Züge ausbleiben: nur Bier aus der Flasche, die in der Faust liegt, zu trinken und pflichtentledigt rauchend in das Nichts hinein Ausschau zu halten &#8211; darin besteht seine Königswürde. Er herrscht, um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="rand size-medium wp-image-3261" title="Warnjacke" src="/wp-content/uploads/2009/03/warnjacke-300x258.gif" alt="Warnjacke" width="300" height="258" /></p>
<p>Dem Mann dort auf dem Bahnsteig gehört alles hier draußen. Soweit das Auge reicht macht ihm niemand die nachtbeschienene Welt streitig. Solange weitere Züge ausbleiben: nur Bier aus der Flasche, die in der Faust liegt, zu trinken und pflichtentledigt rauchend in das Nichts hinein Ausschau zu halten &#8211; darin besteht seine Königswürde. Er herrscht, um 22 Uhr 48, über ein vergängliches Reich. Er,  in neonfarbenem Ornat, das, von jenseits der Grenzen dieser Stunde, noch mit dem Abrieb seiner Arbeit gefärbt ist. Aber er herrscht und seine Herrschaft steigt mit dem Zigarrettenrauch unter das lackblätternde Gewölbe, das Überdach, und es regnet nicht.</p>
<p>Auch ich bin, mein Freund, vermögend. Denn mir allein gehört (im großen und ganzen) der Vorortzug. Du wirst mir freies Geleit geben. Und siehe, niemand macht meinen lang vorgestreckten Füßen mehr streitig den Platz am Heizkörper. Wir sind, wisse wohl, von gleichem Stande; und dein Blick, blank hervor aus deinen lang offenen Augen, geht vom Geländer zu mir. Er enthält dein Verstehen. Es reden die Großen über beliebige Distanzen und durch Fenster und über Pflastersteine hinweg miteinander in der wortlosen Sprache.</p>
<p>Was wohl flüstert man dir aus dem nichts jenseits der Lampen zu, dort draußen? Gleiches wie hier, in meiner Domäne, mir die knarrenden Wände und gurgelnden Stutzen erzählen? Von der Wahrheit der verglimmenden Gegensätze nach getanem und abgetanem Werk. Von der Klarheit der wunden Augen, bestrichen mit vergorenem Wachsein. Von der Einsamkeit der Herrscher, unter einem wolkenverschlungenen Mond, unter dem besonderen Strahl von Neonröhren; geboren wird sie aus der alleinverantwortung für die zurückgelassene Welt.</p>
<p>Was ließe sich aber in Erfahrung bringen, deutete uns einer die Konstellationen der Lampen aus, die über die leere Nacht hinwegsehen? Die Lampen unter deinem gewölbten und meinem  gebogenen Dach, die Lampen hinter Hecken und über den leeren Straßen, die zu den Schlafenden in die Schlafzimmer hineinschauen, soweit keine Vorhänge in den Fenstern sind und von außen die Träume beleuchten &#8211; oder es nicht vermögen. Was ließe sich erfahren, vielleicht von dir, Konmagnifizenz, der du gänzlich frei und alleingelassen, mit altem Schmutz und Bier staffiert, aus den Windungen des Rauches, die dir zu Häupten steigen, reglos, unbeeindruckt ließt?</p>


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