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	<title>Rauhfasler &#187; Stilübungen</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Sprchtlchnphysk // Sprachteilchenphysik</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Sep 2008 12:56:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachverwicklung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ohne Verben Ein Mann hungernd. Er aufgebrochen und jetzt bei Schlachterei. In Schlachterei Frau im Cocktailkleid. Für ihn Staunen. Frage nach Aufschnitt von der Kalbszunge, Gedanken über Frau. Mit einem Paket nach Hause zur Sättigung. Ohne Substantive hungrig sucht etwas zum essen nach aufstehen. hungrig geht und kommt dorthin, wo man schlachtet. findet dort, wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2008/09/romische-kursive-300x209.jpg" alt="" title="römische-kursive" width="300" height="209" class="rand alignnone size-medium wp-image-1549" /></p>
<h3>Ohne Verben</h3>
<p>Ein Mann hungernd. Er aufgebrochen und jetzt bei Schlachterei. In Schlachterei Frau im Cocktailkleid. Für ihn Staunen. Frage nach Aufschnitt von der Kalbszunge, Gedanken über Frau. Mit einem Paket nach Hause zur Sättigung.</p>
<h3>Ohne Substantive</h3>
<p>hungrig sucht etwas zum essen nach aufstehen. hungrig geht und kommt dorthin, wo man schlachtet. findet dort, wo geschlachtet wird eine, die schlachtet und sich nicht gekleidet hat dazu. trägt vielmehr was man trägt wenn man abends ausgeht. hungrig steht und wundert sich. fragt nach dem, womit gesprochen wird, daß es aufgeschnitten wird zum sättigen. wundert sich dabei und nimmt von falsch gekleideter mit aufgeschnitten womit man spricht.</p>
<h3>Ohne Präpositionen</h3>
<p>Ein Mann geht. Er kommt an. Es ist eine Schlachterei. Er will Zungenaufschnitt kaufen, denn er will frühstücken. Er sieht eine Frau. Die Frau trägt ein schwarzes Kleid, keinen grünen Kittel und auch keine Plastikstiefel. Der Mann wundert sich.</p>
<h3>Ohne Konjunktionen</h3>
<p>Ein Mann geht. Er kommt zum Schlachter. Er bestellt Zungenwurst. Er wundert sich über eine Frau, die das Messer in der Hand hat. Sie ist keine Schlachterin. Sie ist eine Ballbesucherin, der Kleidung nach. Sie schneidet ihm die Zunge, ganz wie eine Schlachterin. Er geht zufrieden.</p>
<h3>Ohne Vokale</h3>
<p>n mnn wll ws zm frhstck hbn. r ght zm schlchtr. ls r grd bstlln wll, wndrt r sch shr. dnn d stht ncht dr dck schlchtr, dn r rwrtt htt, sndrn n jng fr. schnr ls zngnwrst snd hr schltrn, hnd nd hr mnd. br r bkmmt nr zngnwrst. blß hchzrt zngnwrst s wdrkrs mnd.  &emsp;<DDET (Auflösung...)>Ein Mann will was zum Frühstück haben. Er geht zum Schlachter. Als er grade bestellen will, wundert er sich sehr. Denn da steht nicht der dicke Schlachter, den er erwartet hatte, sondern eine junge Frau. Schöner als Zungenwurst sind ihre Schultern, Hände und ihr Mund. Aber er bekommt nur Zungenwurst. Bloß hauchzarte Zungenwurst aus Wiederkäuers Mund.</DDET></p>


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<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2008/theatralisch' rel='bookmark' title='Permanent Link: Theatralisch'>Theatralisch</a> <small>Verkaufsraum einer Schlachterei. Boden und Wände sind gekachelt Es hängen...</small></li>
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		<title>Biblisch</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Sep 2008 14:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Omnia vincit amor]]></category>

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		<description><![CDATA[1Und es geschah zu dieser Zeit, daß Samson sich erhob. Es war aber früh am Morgen und sein verlangen war groß, seinen Hunger zu stillen, denn in der Nacht war er hart versucht worden. 2Und Samson sprach bei sich: Was hindert&#8217;s, daß ich mich erhebe und gehe und suche, meinem Leib sein Bedürfen zu geben? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><sup>1</sup>Und es geschah zu dieser Zeit, daß Samson sich erhob. Es war aber früh am Morgen und sein verlangen war groß, seinen Hunger zu stillen, denn in der Nacht war er hart versucht worden. <sup>2</sup>Und Samson sprach bei sich: Was hindert&#8217;s, daß ich mich erhebe und gehe und suche, meinem Leib sein Bedürfen zu geben? Und er erhob sich und ging. <sup>3</sup>Es lag am Wege eine Stätte, die nannten sie: Teilershütte. Denn hier teilte einer die Tiere und bereitete daraus allerlei Speisen. Und Samson freute sich sehr.<br />
<sup>4</sup>Der da Wohnte, dessen Name war Bar-Tholmai, und er war beliebt bei allen Leuten. Bar-Tholmai hatte aber eine Tochter, die war schön von Gestalt. Und man nannte sie: Noomi (das heißt verdeutscht: die Liebliche).<br />
<sup>5</sup>Als aber Samson sah, wie Noomi einem Kalb die Zunge herausschnitt, da griff er sich an die Brust und begehrte die Noomi zur Frau. Er sprach zu sich: Ich will ihr nahen und sehen, wie schön sie ist. <sup>6</sup>Als aber Samson vor Noomi stand, da entbrannte auch Noomi für Samson. Sie gab ihm die Kalbesszunge, die sie gerade geschnitten hatte und sprach: Nimm dies zum Zeichen, daß ich mich dir verloben will. <sup>7</sup>Samson aber und Noomi planten miteinander, wie sie den Bart-Tholmai überreden könnten, daß er Samson seine Tochter zur Frau gebe. Denn sie liebten sich sehr.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Theatralisch</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Sep 2008 10:04:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stilübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Blut]]></category>
		<category><![CDATA[Fleisch]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Furcht]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Waren]]></category>

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		<description><![CDATA[Verkaufsraum einer Schlachterei. Boden und Wände sind gekachelt Es hängen Würste an den Wänden, in einem Regal steht Teewurst und Senf. Das hintere Drittel des Raumes ist durch einen Kühltresen abgeteilt, in dem Fleischstücke ausliegen, an einem Ende steht eine Kasse. An der Rückwand hinter dem Tresen eine stählerne Arbeitsfläche. Hinter dem Tresen liegt rechts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/09/blut.jpg" class="floatbox" rev="group:1447 caption:`Blut, nur ein Tropfen`"><img src="/wp-content/uploads/2008/09/blut-300x225.jpg" alt="" title="Blut, nur ein Tropfen" width="300" height="225" class="rand alignnone size-medium wp-image-1455" /></a><br />
<em>Verkaufsraum einer Schlachterei. Boden und Wände sind gekachelt Es hängen Würste an den Wänden, in einem Regal steht Teewurst und Senf. Das hintere Drittel des Raumes ist durch einen Kühltresen abgeteilt, in dem Fleischstücke ausliegen, an einem Ende steht eine Kasse. An der Rückwand hinter dem Tresen eine stählerne Arbeitsfläche. Hinter dem Tresen liegt rechts ein Durchgang, der in den Schlachtraum führt. Im Vordergrund links der Eingang zur Schlachterei, durch den ein Mann im Trenchcoat eintritt.</p>
<p>Der Verkaufsraum ist leer. Man hört von den hinteren Räumen eine Frauenstimme, die vergnügt trällert.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann</span> (geht zögernd in Richtung Tresen, lauscht): Entschuldigung?</p>
<p><em>Die Frau trällert unverändert weiter.</p>
<p>Der Mann kratzt sich unentschlossen am Kopf. Er steckt die Hand in eine Tasche seines Trenchcoats und wühlt eine weile darin. Er zieht schließlich ein rosafarbenes Stoffschwein hervor und hält es sich vor das Gesicht.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann</span> (zum Schwein): Sie hört mich nicht, Oswald. (Lauscht. In den Raum:) Hallo, entschuldigung? (Wieder zum Schwein:) Nichts. Scheint aber ein fröhlicher Ort zu sein, hier.</p>
<p>Durch leichten Druck auf das Schwein kann der Mann quietschende Töne hervorbringen. <span style="font-variant:small-caps">Schwein</span> (zustimmend): Quiik.</p>
<p><em>Aus dem Durchgang hinter dem Tresen taucht plötzlich die trällernde Frau auf. Sie trägt ein knappes, figurbetontes Cocktailkleid. In der Hand hält sie ein Messer. Sie dreht hinter dem Tresen Pirouetten, hat dabei das Messer hoch über den Kopf erhoben.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (singend): Warm ist das Blut,<br />
heiß ist das Sterben<br />
Und bald singt die Säge,<br />
Es soll nichts verderben<br />
In Kehlen und Mägen<br />
Schneide ich Klüften<br />
Ja, das ist mein Leben<br />
Und so lebt sich&#8217;s gut!</p>
<p><em>Sie hält inne, entdeckt den Mann und verstummt. Sie blickt ihn eindringlich-forschend an.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann</span> (unsicher): Gibt es hier Fleisch?</p>
<p>Die Frau kiechert. Dann beschwörend: Filet aus dem Nacken und Steak aus der Schulter, Tafelspitz und auch Tartar, Herz für die Pfanne, Lunge haschiert, Wurst deren Pelle den Inhalt kaschiert.</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Schwein</span> (ängstlich): Qw-qw-quik.</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (blickt interessiert auf das Schwein): Aha.</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann</span> (unsicher): Ich hätte, ich würde, ich bitte&#8230;</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau:</span> Ich sehe, sie brauchen noch Zeit. (Geht nach hinten, im gehen:) Zeit, ein wenig noch. Und dann zum Schluß besonders lieb, besonders teuer.</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann</span> (zum Schwein): Was wollte ich haben? Wohin ist der Fleischer verschwunden, der hier sonst am Tresen stand? Diese Frau bringt mich ganz durcheinander. Was will sie. Was tut sie. Und was wollte ich haben?</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Schwein</span> (eindringlich): Quieek.</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann</span> (ungeduldig): Nein, ich brauche etwas für&#8217;s Frühstück. Dir wird schon nichts passieren. Soll ich denn mein Brot nur mit Butter essen? (Hat das Regal entdeckt.) Vielleicht Teewurst, ich könnte das Geld auf den Tresen. Und dann schnell hier raus &#8211; &#8211;</p>
<p><em>Die Frau kommt zurück, energisch ausschreitend. Ihre Arme sind bis zu den Schultern blutverschmiert, auch im Gesicht sind Spritzer. Sie trägt jetzt hohe, weiße Gummistiefel, an denen Blut klebt.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (beschwörend): Rippen knacken, wenn sie springen und ins dunkel fällt das Licht. Aus der Höhle grab das Herze, grab es aus und mach es frei!</p>
<p><em>Mit einem Herz in der Hand entdeckt sie den Mann.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau:</span> Ach, da sind sie ja noch. Was wollen sie haben? Heraus mit der Sprache!</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann:</span> Ich, ach, also. (In seiner Hand zittert quietschend das Schwein.) Ich, Corne-Koch-Räucher&#8230; (Die Frau macht anstalten, hinter dem Tresen hervorzukommen.) Roast-Roß-Ziege-Zunge! Zungenwurst! Ich will unbedingt Zunge! Aufschnitt. Ja! Scheiden sie, schneiden sie eine Zunge. Schneiden sie Scheiben ab, zarte Scheiben. Das will ich!</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (sehr freundlich): Gern, der Herr.</p>
<p><em>Sie greift in die Theke, wendet dem Mann den Rücken zu und man hört, wie sie mit dem Messer hantiert.</em></p>
<p>Das <span style="font-variant:small-caps">Schwein</span> macht sehr aufgeregte Geräusche.</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann</span> (zum Schwein): Jetzt gib Ruhe! Ruhe sag ich! Hab dich nicht so. Ich bekomme jetzt Zunge, Zunge habe ich noch nie gegessen. Jetzt werde ich sehen, wie Zunge auf der Zunge zergeht. (Er lacht schallend &#8211; die Frau stimmt mit ein.)</p>
<p><em>Die Frau ist fertig und hat den Aufschnitt schon eingepackt.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (gezuckert): Also, der Herr, ihre Zunge, bittesehr!</p>
<p><em>Sie geht zur Kasse und beugt sich aufreizend etwas vor.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann:</span> Ja, danke, dankesehr. Wissen sie, es ist das erste mal, das erste mal, daß ich Zunge &#8211; &#8211;</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau:</span> Das geht jedem so. Es wird ihnen gefallen. Das kann ich ihnen versprechen, oh ja.</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann:</span> Nun gut. Also was kann ich ihnen geben. Ich meine, was macht das?</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (sachlich): Das Schwein!</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Schwein</span> (erstickt): Quiek!</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann:</span> Nein!</p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (streicht ihm mit einem blutigen Finger zärtlich über die Wange): Das ist mein Lohn,<br />
Das ist mein Verlangen,<br />
Ich weiß, es ist schwer,<br />
Doch geb es nur her,<br />
Du wirst es mir geben,<br />
Das sehe ich schon.</p>
<p><em>Der Mann steht reglos. Nur die Hand, in der das Schwein steckt, zittert. Nach einer Weile streckt er mechanisch den Arm vor und hält der Frau das Schwein auf seiner Handfläche hin. Die Frau schnappt das Schwein und lächelt ihn mädchenhaft-schelmisch an. Sie hält sich das Schwein vor&#8217;s Gesicht.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Frau</span> (zum Schwein): Sch-sch-sch. Brauchst keine Angst zu haben.</p>
<p><em>Sie fängt an zu trällern und geht tanzend nach hinten ab.</p>
<p>Der Mann steht noch einen Moment am Tresen. Er nimmt sein blutverschmiertes Paket an sich, geht langsam zur Ladentür.</em></p>
<p><span style="font-variant:small-caps">Mann:</span> Aufschnitt von der Zunge, sehr zart. (In den leeren Raum:) Leb wohl!</p>
<p><em>Er verläßt den Laden schweigend.</em></p>


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		<title>Unter Albdruck</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Sep 2008 12:08:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Abgründe]]></category>
		<category><![CDATA[Ahnungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist später Abend. Cornelius setzt einen Fuß auf die Treppe, zieht den anderen nach vorn. Klammert sich an die Stange, an der Stange irgendein zäher Schmutz, ein üppiger Tropfen, der so langsam herabläuft, daß man es nicht sehen kann. Beeilen sie sich, ich will aussteigen! durchschneidet einer die Beobachtung. Cornelius setzt seinen Fuß auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist später Abend. Cornelius setzt einen Fuß auf die Treppe, zieht den anderen nach vorn. Klammert sich an die Stange, an der Stange irgendein zäher Schmutz, ein üppiger Tropfen, der so langsam herabläuft, daß man es nicht sehen kann. Beeilen sie sich, ich will aussteigen! durchschneidet einer die Beobachtung. Cornelius setzt seinen Fuß auf den Bahnsteig. Die Nacht ist kalt und ein Windstoß verursacht, daß Cornelius seinen Mantel schließt. Und nun, wohin? Es braucht immer eine Richtung, immer, auch jetzt, auch hier. Aber Cornelius hat sich entschlossen zu fallen und ist gesegnet wegen seines Entschlusses, das Stolpern nicht fürchten zu müssen. Also geht Cornelius am Bahnhofsgebäude vorbei, hinein in die breiteste Straße und geradeaus, denn immer kommt man irgendwo an. Denn leider ist die Welt eine Kugel und es gibt keinen Rand und mich vom Haus zu stürzen habe ich nicht die Unverfrorenheit, denkt Cornelius.</p>
<p>Langsam wechseln die Häuser an der Straße die Plätze, ein Spiel, sich über ihn Lustig zu machen. Häuser, die sie zu einem ärmlichen Landstrich gehören. Eine Kreissäge auf dem Hof, ein gewaltiger Hammer und dort, eine Egge abgestellt, der Mond hat sein Licht auf die Dolche gegossen, die Pflöcke aus Stahl, die scharfen Zähne. Der Wanderer kann seinen Blick nicht lassen vom Silberglanz und stellt sich vor, wie die Egge den Schoß der Erde zerreißt, wie sie sich hineinwühlt in den Boden mit ihren tausend Klauenfingern.</p>
<p>Und da ist auch dieser Hof vorbeigezogen und es wird immer einsamer um ihn, noch ein Licht dort hinten. Jetzt neben ihm und nun ist schon sein Schatten vor ihn hingestreckt und hebt zugleich mit Cornelius schlurfend die Füße. Die Straße macht eine Biegung und dahinter verschwindet das letzte Licht. Es ist über seiner Wanderung tiefe Nacht geworden und der Asphalt vor ihm ist vom Himmel nur durch die Abwesenheit von Sternen unterschieden. So schwarz ist alles, aber man ist ja erwachsen, denkt Cornelius und gibt dem letzten Wort einen galligen Klang.</p>
<p>Er zieht sich weiter vorwärts, er, der Esel und der Treiber zugleich, und findet Genugtuung, sich zu schinden, sich am Rand der Klippe gehen zu lassen, genießt es, an sich die Zeichen der Furcht zu entdecken. Noch weiter will er hinaus, an den Rand, auf den Grat, an den Abgrund, um sich selbst zittern zu sehen. Solches erwägt Cornelius und, als sich ein Waldweg zur rechten auftut, treibt er sich hinein. Hier machen seine Füße kein Geräusch. Der Wanderer freut sich darüber, wie sich der Waldboden an ihn schmiegt, hinterhältig zärtlich. Moos und Holzfasern, Nadeln und Asseln federn seinen Schritt und nach drei mal dreihundert Schritten steht er tief im Wald. Cornelius bestaunt mit angehaltenem Atem die Stille. Er hat seinen Kopf bis zum äußersten nach hinten gebogen und starrt ohne Fassung an den Stämmen empor. Über ihm ein Meer aus Dunkelheiten und nur dort hinten sticht der Mond hinein, er hat die Farbe frischer Knochen.</p>
<p>Und um den Wanderer erstreckt sich eine Kathedrale mit verschlungenen Seitenschiffen und Kreuzgängen, die einander überlagern und umzingeln, die durcheinandergehen in der Absicht, unentdeckt zu bleiben. Wohin er den Kopf dreht, verwirrt sich Cornelius Blick zwischen den Stämmen im Labyrith der Gänge. Und da ist eine dunkle Wand, ein Umriß bloß, dessen Grenze in die Dunkelheit verschwimmt, ein Altar vielleicht, wenn dies eine Kathedrale ist. Der Wind fährt unter das Gewölbe und von überallher flüstert es dem Wanderer zu: Falscher Weg. Irrtum. Du versinkst. Du kommst nicht heraus. So klingt es ihm in den Ohren und er spricht mit lauter Stimme darüber hinweg, er mahnt sich zur Ruhe, er geht hart ins Gericht mit sich, das ist nur der Wind.</p>
<p>Eine zarte Hand fährt Cornelius über den Nacken mit spitzen Fingern. Es ist eine bleiche Erinnerung, die ihn nach langer Zeit hier wiederfindet, er ist hier leicht zu finden. Er denkt an die Ängste eines längst vergangenen Kindes. Er stellt sich vor: dort hinten ist ein Schatten, der sich bewegt. Und der Wanderer sieht, weit hinten in einem der Gänge, dort, wo er gerade nichts mehr sehen kann, er sieht den Schatten, der noch reglos steht. Aber dort ist nichts, nur Dunkelheit. Aber doch: dunkler an einer Stelle, weiter links nun und es kommt auf ihn zu. Aber war da nicht hinter ihm ein Knurren? Cornelius will es nicht glauben, aber er rennt. Und hält sich an mit Gewalt. Das Kind bin ich nicht mehr und hier ist nichts als ein Wald. Aber Cornelius hat gespürt: wie die bleiche Hand in seinen Nacken gelegt ist, wie sie die Nägel ihm, zurückhaltend noch, in die Haut gräbt. Wenn er nachgibt, dann wird ihn hier nichts retten. Die Mutter ist längst tot. Und er ist weiter gegangen, als ein Kind es könnte. Da hinten ist der Schatten, er springt von Baum zu Baum. Und in den Beinen, den Beinen des Wanderers, ist plötzlich ein Rennen und auf seiner Haut ist die Angst.</p>
<p>Cornelius hört ein Schluchzen, das ihm aus dem Halse dringt. Er hört, wie jeder Atemzug ihm schrill in die Lungen springt. Und die Schatten springen hinter jedem Stumpf hervor. Cornelius wird am Fuß gepackt und niedergerissen. Bevor er es weiß, steht er wieder und rennt, rennt an Bäume, rennt in Büsche und ritzt sich die Haut. Er hört an der Grenze seiner Sicht ein Heulen und er ist es selbst, der heult. Es ist niemand bei ihm als bloß das Kind, das er war und das ihm jetzt von der Dunkelheit flüstert und ihm eingibt, was sie enthält. So geht seine Flucht bis irgendwann der Schatten ihn stellt. Er sieht ihn vor sich, eine Umarmung entfernt. Der Schatten springt und Cornelius verliert sich selbst.</p>
<p>Am Morgen dann, als er auf dem klammen Moos erwacht: sieht er die Sonne. Und findet sich selbst doch nicht wieder. Und von seinem Weinen hört er nichts.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<pubDate>Wed, 24 Sep 2008 11:20:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#0187;Guten Morgen, Herr Strasser&#0171;, begrüßte ihn die Sprechstundenhilfe und Edwin war angenehm überrascht. Sonst war sie viel weniger freundlich. Es lag wohl daran, daß er so häufig in die Praxis gekommen war in den letzten Wochen. Er hatte hier wohl endlich einen Eindruck hinterlassen, sogar bei dieser sonst so barschen Person. Edwin beeielte sich, sehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/09/interrogationroom6.jpg" class="floatbox" rev="group:1356 caption:`Stuhl vor karger Wand (fast ein Schuhlstuhl; Quelle unbekannt)`"><img class="rand alignnone size-medium wp-image-1362" title="Stuhl vor karger Wand (fast ein Schuhlstuhl; Quelle unbekannt)" src="/wp-content/uploads/2008/09/interrogationroom6-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" /></a></p>
<p>&#0187;Guten Morgen, Herr Strasser&#0171;, begrüßte ihn die Sprechstundenhilfe und Edwin war angenehm überrascht. Sonst war sie viel weniger freundlich. Es lag wohl daran, daß er so häufig in die Praxis gekommen war in den letzten Wochen. Er hatte hier wohl endlich einen Eindruck hinterlassen, sogar bei dieser sonst so barschen Person. Edwin beeielte sich, sehr artig mit dem Kopf zu nicken. &#0187;Ja, guten Morgen, guten Morgen ihnen auch!&#0171;<br />
&#0187;Wenn sie bitte noch im Wartezimmer Platz nehmen würden.&#0171;<br />
Da war doch wieder diese Ungeduld bei der dicken, pockennarbigen Frau hinterm Tresen. Ihre fleischige Hand, vor der sich Edwin ekelte, wies in Richtung des Wartezimmers. Gut nur, daß sie nicht bei den Untersuchungen dabei war.</p>
<p>Edwin öffnete die Tür zum Wartezimmer. Sie war verzogen und Edwin versuchte bei jedem neuen Arzttermin wieder, sie geräuschlos zu öffnen. Das war schlichtweg nicht möglich. Auch heute gab es ein Knirschen, als er die Klinke drückte und dann ein Knallen, als die durchgebogene Tür aufsprang. Edwin hatte sich schon sein &#0187;Guten Morgen&#0171; zurechtgelegt, kam aber nicht dazu. Die zwei Patienten, die auf den braunen Plastikstühlen saßen, waren mitten im Gespräch. Edwin wagte nur zu nicken; es gehörte sich schließlich nicht, ein Gespräch zu stören.</p>
<p>&#0187;Und wissen sie&#0171;, sagte eine magere, weißhaarige und offenbar sehr alte Frau, &#0187;dann ist da immer dieser Schwindel.&#0171;<br />
&#0187;Oh, oh!&#0171; Ein sehr kleiner Mann, der seinen Hut aufbehalten hatte, nickte sehr eifirg, als er diese Geräusche produzierte. &#0187;Das ist eine schlimme Sache, das kenne ich,&#0171; fuhr er mit krächzender Stimme fort.<br />
&#0187;Und sie?&#0171;, war nun die Frage, von der Alten an das Männchen gerichtet. Edwin setzte sich ganz langsam, um keine störenden Geräusche zu machen, auch wenn er sich wünschte, jemand würde den beiden den Mund verbieten.<br />
&#0187;Ach, wissen sie, das ist ja so ein Männerproblem&#8230;&#0171;, das Männchen schwieg und fummelte an seinen Fingern, unschlüssig, ob er weitererzählen dürfe. Edwin räusperte sich. Solche Distanzlosigkeiten waren ihm verhaßt. Soetwas kann man doch mit dem Arzt besprechen, dachte er und knirschte ein bißchen mit den Zähnen, das muß man doch nicht allen ins Gesicht sagen. Aber keiner der beiden laß seine Gedanken oder die sparsam dosierte Verstimmung in seinem Gesicht.<br />
Das Männchen hatte sich ein Herz gefaßt und erzählte von seiner Vorsteherdrüse. Edwin wollte gerade nervös nach irgendeinem Magazin greifen, als der Arzt persönlich mit Knirschen und Knallen in der Tür des Warteraums auftauchte.<br />
&#0187;Herr Strasser bitte!&#0171;<br />
Edwin lächelte dem Männchen und der Alten giftig seinen Triumpf entgegen. Er war zuerst dran. Tja, wenn man immer pünktlich war. Und ich werde von Doktor Tobler persönlich abgeholt. Das will ich auch meinen, der Mann weiß ein angenehmes Gegenüber zu schätzen.</p>
<p>Der Arzt führte Ediwn in sein Sprechzimmer und Edwin nahm vor dem schwarzen Schreibtisch platz. Er mochte diesen Schreibtisch: er war immer vorbildlich aufgeräumt. Doktor Tobler ließ sich in seinen Ledersessel fallen und erzeugte dabei ein organisches Zischen, das aus den Polstern drang und Edwin jedesmal wieder unangenehm war.<br />
&#0187;Nun, Herr Strasser.&#0171;<br />
Edwin faßte sich ein Herz. &#0187;Also, Herr Doktor, nochmal wegen der Tabletten.&#0171;<br />
&#0187;Herr Strasser&#8230;&#0171;<br />
&#0187;Ich wollte ja nur sagen, meistens geht es mir ja ganz prächtig.&#0171; Edwin lachte verlegen. &#0187;Vielleicht nur für die Tage, an denen mein Kopf mir solche Beschwerden macht &#8211; es gibt doch bestimmt etwas stärkere Kopfschmerztabletten. Sowas wie Aspirin vielleicht? Wenn sie mir sowas verscheiben würden?&#0171; Der Arzt machte ein abweisendes Gesicht und Edwin verstummte.<br />
&#0187;Herr Strasser, wir haben ja schon einige Untersuchungen gemacht&#8230;&#0171;<br />
&#0187;Ja, ich danke ihnen auch sehr für ihre Bemühungen, Herr Doktor.&#0171;<br />
&#0187;Es ist doch besorgniserregend.&#0171;<br />
Edwin fühlte es wie eine Welle durch seinen Körper gehen. Was machte dieser Arzt für ein unnötiges Aufsehen um Kopfschmerzen? Das konnte doch mal vorkommen.<br />
&#0187;Ja, Herr Doktor, man muß ja nicht gleich.&#0171;<br />
Der Arzt machte eine ungeduldige Handbewegung und Edwin wurde wieder still.<br />
&#0187;Mit ihren Symptomen sollte man keine Scherze machen.&#0171;<br />
&#0187;Aber ich mache keinen Scherz, Herr Doktor, niemals. Aber es waren doch jetzt schon so viele Untersuchungen.&#0171;<br />
&#0187;Ich versuche ihnen ja gerade zu sagen, daß&#8230;&#0171; hatte der Arzt begonnen, davor hatte er tief Luft geholt. Er hatte Edwin damit eine leichte Übelkeit verursacht.<br />
&#0187;Also machen wir noch eine Untersuchung?&#0171;, beeilte sich Edwin vorzuschlagen.<br />
Nun trat eine Pause ein. Der Arzt starrte Edwin an und trommelte dabei mit seinem Bleistift auf den Schreibitsch.  Edwin hatte etwas Schmutz unter einem Fingernagel entdeckt und widmete sich ganz seiner Entdeckung.<br />
&#0187;Ja, wie sie meinen,&#0171; brach der Arzt das Schweigen. Ihn hatte der Mut verlassen. &#0187;Dafür müssen sie aber ins Krankenhaus.&#0171;<br />
&#0187;Ja, Herr Doktor, wie sie meinen. Sie sind ja der Arzt. Ich will da gar nichts sagen.&#0171;<br />
&#0187;Herr Strasser, wollen sie denn gar nichts über die Ergebnisse erfahren?&#0171;<br />
&#0187;Nein!&#0171; kam es aus Edwin hervor mit einer Heftigkeit, die ihn überraschte. Der Arzt beobachtete Edwin. Edwin hielt dem Blick einen Herzschlag stand, starrte dann auf seinen Fingernagel und setzte seine Säuberung fort. So vergingen einige Sekunden.  Edwin bemerkte ein sonderbares Zucken in seinem Augenwinkel.<br />
&#0187;Wissen sie, ich habe gar keine Kopfschmerzen,&#0171; sagte Edwin wie ein Schüler, der gerade in einer Prüfung durchgefallen ist. &#0187;Vielleicht gibt es sich ja von selbst.&#0171;<br />
Doktor Tobler seufzte bloß geschlagen. Mit einem Knacken zog er die Kappe von seinem Füller und kratzte etwas auf ein Formular.<br />
&#0187;Hier&#0171;, lassen sie sich von Frau Warnke einen Stempel geben, &#0187;das ist eine Einweisung für eine Fachklinik.&#0171;<br />
Edwin erhob sich halb, verharrte in dieser Position, starrte dem Arzt ins Gesicht, klappte den Mund auf.<br />
&#0187;Nun?&#0171;, fragte der Arzt plötzlich unwirsch.<br />
&#0187;Zu Frau Warnke, danke, sicherlich. Danke. Guten Tag auch.&#0171;</p>
<p>Als Edwin vor der Praxis auf dem Bürgersteig stand, bemerkte er, daß er seinen Mantel im Wartezimmer vergessen hatte. Er hatte sich schon umgedreht und den Finger auf zum Klingelbrett gehoben. Dann aber drehte ihn etwas wieder fort von der Tür. Seine Beine gingen los, ohne das er es recht wollte, etwas schneller als es seine Gewohnheit war, und schlugen den Weg ins Büro ein. Dort wenigstens würde er sicher sein.</p>


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