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	<title>Rauhfasler &#187; Einbildung</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Fenrisúlfr</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 10:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Einbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Furcht]]></category>
		<category><![CDATA[Geburt]]></category>
		<category><![CDATA[Jagd]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>
		<category><![CDATA[Zuflucht]]></category>

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		<description><![CDATA[Nacht ist geworden, Und in der widerscheinenden Luft Überkreuzen sich flirrende Fährten, Von den Bestien, Die dich gejagt haben Vom Mutterleibe an. Was kann einer Tun, in jener Stunde, Die nicht mehr im Stande ist, Das Ableben des längst vergangenen Tages Weiterhin zu verleugnen, was Kann einer Tun, wenn er keine Geschichte zu erzählen hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/John-Bauer-Tyr-und-Fenrir.jpg" class="floatbox" rev="group:5993 caption:`John Bauer: Tyr und der Fenriswolf (1911)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/John-Bauer-Tyr-und-Fenrir-274x300.jpg" alt="" title="John Bauer: Tyr und der Fenriswolf (1911)" width="274" height="300" class="rand size-medium wp-image-5997" /></a></p>
<p>Nacht ist geworden,<br />
Und in der widerscheinenden Luft<br />
Überkreuzen sich flirrende Fährten,<br />
Von den Bestien,<br />
Die dich gejagt haben<br />
Vom Mutterleibe an.</p>
<p>Was kann einer Tun, in jener Stunde,<br />
Die nicht mehr im Stande ist,<br />
Das Ableben des längst vergangenen Tages<br />
Weiterhin zu verleugnen, was<br />
Kann einer Tun, wenn er keine<br />
Geschichte zu erzählen hat<br />
In dieser Stunde &#8211;</p>
<p>Aus Mangel an Glauben vielleicht,<br />
Glauben an die zahllosen Gesetze,<br />
Nach denen dem Unerhörten<br />
Das Maß bestimmt wird;</p>
<p>Aus Mangel an Kraft,<br />
Sich den großen, endgülten Kampf<br />
Einzubilden, in dem die Welt<br />
Unsichtbar liegt: den Kampf<br />
Um das albern Erträumte,<br />
Sich einzubilden den Kampf,</p>
<p>Daß es doch noch wahr werde,<br />
Im Schweiß der Albtropen zumindest!<br />
Was immer es ist, sofern unwahrscheinlich,<br />
Und wenn nicht dort &#8211;<br />
Dann ist das Gleichgewicht bereits<br />
Gekippt, wie der Teller von der<br />
Zitternden Stange des Jongleurs.</p>
<p>In der Stunde, da die Bestien<br />
Dir auf die Fersen atmen, wie schon<br />
Seit dem Augenblick deiner Geburt,<br />
Wenn die Nacht dich angrinst<br />
Mit ihren samtschwarzen Lippen und<br />
Ihren glänzenden Raubtierzähnen:</p>
<p>Halte, auch wenn sie dürftig ist,<br />
Deine Geschichte bereit,<br />
Sie dir selbst einzuflüstern,<br />
Sonst wird der Mond dich stechen,<br />
Und der Fenriswolf wird dir<br />
Deine Nüchternheit in Streifen ziehen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Für alles Verpasste</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 10:44:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Einbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Möglichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Selbst]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstähnlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Täuschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Nachhinein ist feige, Es macht seine Vorschläge Mit sicherem Gespür für alles Verpasste Erst dann, wenn der Haftungsausschluß Ganz und gar keine Lücken mehr hat, Wenn die schwarze Katze schon brütet, Über verschütteter Milch. Die Tage sind lau, sie scheuen Strapazen, Und ihre glänzenden Möglichkeiten Zeigen sie grinsend nach Ablauf der Frist, Wenn ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/11/verschüttete-milch.jpg"><img src="/wp-content/uploads/2009/11/verschüttete-milch-300x167.jpg" alt="Verschüttete Milch" title="Verschüttete Milch" width="300" height="167" class="rand size-medium wp-image-5331" /></a></p>
<p>Das Nachhinein ist feige,<br />
Es macht seine Vorschläge<br />
Mit sicherem Gespür für alles Verpasste<br />
Erst dann, wenn der Haftungsausschluß<br />
Ganz und gar keine Lücken mehr hat,<br />
Wenn die schwarze Katze schon brütet,<br />
Über verschütteter Milch.</p>
<p>Die Tage sind lau, sie scheuen Strapazen,<br />
Und ihre glänzenden Möglichkeiten<br />
Zeigen sie grinsend nach Ablauf der Frist,<br />
Wenn ein faltiger Schlaf<br />
Schon mit speckigen Laken winkt,<br />
Den brakigen Schweiß aufzufangen,</p>
<p>Der aus Träumen quillt,<br />
Nachts, wenn alle verläpperten Taten<br />
Im Schädel anschwellen zu schlierigen,<br />
Zitternden Blasen.</p>
<p>Und wenn sie zerspringen<br />
Am hohen Gewölbe<br />
Der bunten Hirnkulisse<br />
Riecht es nach Sumpf.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ohne Gehör</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/ohne-gehoer</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 13:44:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Einbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Phantasmagorie]]></category>
		<category><![CDATA[Rätsel]]></category>
		<category><![CDATA[Rauschen]]></category>
		<category><![CDATA[Stottern]]></category>
		<category><![CDATA[Verhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Hintergründiges Rauschen in Gedanken, innen drängt es Zur Konfabulation, nämlich Den stotternden Verhältnissen Zu helfen mit Vokalen, Damit doch gelegentlich Aus abgebrochenen Kehligen Lauten Sätze entstünden, daraus Eine Geschichte, Damit nicht der Ekel Oder die Schönheit Bloß rätselhaft in Bruchstücken Im Vernunftgeschwätz Verstreut lägen Und blieben Ohne Gehör. Ähnliche Texte:Sätze Überhaupt haben Sätze, geschriebene Sätze [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.simonedecker.com/WorksWhitenoise.html"><img src="/wp-content/uploads/2009/11/White-noise-300x224.jpg" alt="Simone Decker, White Noise" title="Simone Decker, White Noise" width="300" height="224" class="rand size-medium wp-image-5319" /></a></p>
<p>Hintergründiges Rauschen in<br />
Gedanken, innen drängt es<br />
Zur Konfabulation, nämlich<br />
Den stotternden Verhältnissen<br />
Zu helfen mit Vokalen,<br />
Damit doch gelegentlich<br />
Aus abgebrochenen<br />
Kehligen Lauten<br />
Sätze entstünden, daraus<br />
Eine Geschichte,<br />
Damit nicht der Ekel<br />
Oder die Schönheit<br />
Bloß rätselhaft in Bruchstücken<br />
Im Vernunftgeschwätz<br />
Verstreut lägen<br />
Und blieben<br />
Ohne Gehör.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Über Vorstellungen</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 10:11:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gelesen und Geblieben]]></category>
		<category><![CDATA[Einbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Vorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[&#0187;&#8230;dass Vorstellungen nicht informativ sind, während Wahrnehmungen sehr wohl informativ sind. Und der Grund dafür liegt darin, dass eine Vorstellung nur enthält, was ich selbst in sie hineingelegt habe. So kann ich beispielsweise beschließen, mir einen roten Würfel vorzustellen, und dies dann tun. Die Vorstellung enthält dann genau das, womit ich sie auszustatten beabsichtigt habe. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/11/wuerfel.jpg" class="floatbox" rev="group:5189 caption:`Würfel, vorgestellt`"><img src="/wp-content/uploads/2009/11/wuerfel-300x225.jpg" alt="Würfel, vorgestellt" title="Würfel, vorgestellt" width="300" height="225" class="rand size-medium wp-image-5191" /></a></p>
<blockquote><p>&#0187;&#8230;dass Vorstellungen nicht informativ sind, während Wahrnehmungen sehr wohl informativ sind. Und der Grund dafür liegt darin, dass eine Vorstellung nur enthält, was ich selbst in sie hineingelegt habe. So kann ich beispielsweise beschließen, mir einen roten Würfel vorzustellen, und dies dann tun. Die Vorstellung enthält dann genau das, womit ich sie auszustatten beabsichtigt habe. Ich lerne von Vorstellungen nicht mehr als von den Sätzen, die ich niederschreibe; denn in beiden Fällen bringe ich nur meine vorausgehende Intention zum Ausdruck. Doch wenn ich äußere Objekte sehe, werde ich von Informationen überflutet, deren kausaler Ursprung nicht in mir und meinen Intentionen liegt, sondern in einer eigenständigen objektiven Welt, deren Eigenschaften mir eröffnet werden. &#8230; Perzeption ist ein Informationskanal, und Wahrnehmungen sind seine Vehikel.&#0171;</p></blockquote>
<p>Quelle: Colin McGinn, Das geistige Auge. Von der Macht der Vorstellungskraft, Darmstadt 2007, S. 27</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Phrenologie</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/phrenologie</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2009/phrenologie#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 13:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></category>
		<category><![CDATA[Einbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Furcht]]></category>
		<category><![CDATA[Hirnforschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Primatisch]]></category>
		<category><![CDATA[Wahn]]></category>

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		<description><![CDATA[Epiglotter liegt noch immer dort, wo er wegen der von Eklytos geäußerten Behauptung, er selbst wäre Epiglotters Vater, zusammengebrochen war. Es ist alles still im Raum. Nur eine große Pendelleuchte in der Raummitte schwingt in eingebildetem Seegang gemächlich hin und her. Auf hohen Absätzen, die auf dem Linoleumboden deutlich zu hören sind, betritt die Schwester [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/09/Craniometer.jpg" class="floatbox" rev="group:4826 caption:`Ein `"><img class="rand size-medium wp-image-4830" title="Ein " src="/wp-content/uploads/2009/09/Craniometer-240x300.jpg" alt="Ein " width="240" height="300" /></a></p>
<p><em>Epiglotter liegt noch immer dort, wo er wegen <a title="nachlesen..." href="/2009/kuemmerlich/" target="_blank">der von Eklytos geäußerten Behauptung</a>, er selbst wäre Epiglotters Vater, zusammengebrochen war. Es ist alles still im Raum. Nur eine große Pendelleuchte in der Raummitte schwingt in eingebildetem Seegang gemächlich hin und her. Auf hohen Absätzen, die auf dem Linoleumboden deutlich zu hören sind, betritt die Schwester den Raum. Sie muß immer wieder einen Schritt zur Seite machen, als werde das ganze Sanatorium von einer besonders großen Welle getroffen.</em></p>
<p><span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span> (im Selbstgespäch): Na so was! Kann mich überhaupt nicht erinnern, wann wir das letzte Mal in einen solchen Sturm geraten sind.<br />
<em>Sie überprüft die Gegenstände im Raum daraufhin, ob sie nach wie vor fest auf den Tischen und Regalborten verankert sind.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Das sie nicht gleich beim Abholen darauf achten können.<br />
<em>Sie klettert auf einen Beistelltisch, um auf ein Regal schauen zu können, und gerät dabei fast aus dem Gleichgewicht.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Roßfäller und Leimbach sollten doch in der Lage sein, eine gefährlich phantastische Konstitution an einem Patienten zu erkennen.<br />
<em>Sie ist mit ihrerem Kontrollgang durch den Raum fertig und setzt sich außer Atem auf einen der Sessel.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Und <em>ich</em> muß es ausbaden! Auch die Patienten geraten in Unruhe. Aus dem Affenkäfig hört man bloß noch panisches Schnattern. Das Männchen reißt die Stricke aus der Wand. Daran hätten sie denken sollen! Aber sie holen irgendwen hierher, der sich darauf versteift, daß der Boden schwanken müsse. Daß wir uns in einem Sturm befinden. Ja, ja, natürlich schwankt der Boden. Eine Zumutung, von diesem Boden zu behaupten, er würde nur ruhig und ordentlich daliegen, wie irgendein anderer Boden auch. Es handelt sich offenbar um einen gemeingefährlichen, morbiden Romantiker. Und ich muß es ausbaden!<br />
<em>Jetzt erst bemerkt die Schwester den am Boden liegenden Epiglotter.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Huch!&#8211;  Aha! Ja, das ist er ja wohl. <span id="more-4826"></span><br />
<em>Sie geht näher heran und unterzieht Epiglotter einer genauen Betrachtung.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span> (spitz): <em>Ich</em> hätte es gleich erkannt. Auf den ersten Blick. Aber die Herren fragen ja nicht.<br />
<em>Sie setzt sich bei Epiglotter auf den Boden und nimmt seinen Kopf in den Schoß wie irgendeinen interessanten Gegenstand. Sie dreht Epiglotters Kopf nicht besonders sanft von Seite zu Seite, hebt ihn an, so daß sie das Hinterhaupt betrachten kann usw.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span> (grübelnd): Oho. <em>(Sie fährt mit dem Finger über sein Gesicht.)</em> Eine stark ausgeprägte Nasenwurzel. Allerdings liegt gleich darüber, schon zwischen den Brauen beginnend, eine auffällige Abflachung. Da sieht man es schon! Ich habe ja gesagt, daß man es auf den ersten Blick sehen kann: Dieses Subjekt ist ganz außergewöhnlich aus dem Gleichgewicht geraten! Starker Formital bei zugleich unterentwickeltem Factital und Realital. <em>(Dozierend in den leeren Raum:)</em> Ein ausgeprägter Sinn für Formen, allerdings wenig Verständnis für die Wirklichkeit oder überhaupt nur für das Gegenständliche der Gegenstände. (Sie kichert.) Sozusagen.<br />
<em>Sie biegt Epiglotters Kopf nach vorne, um sein Schädeldach zu untersuchen. Sie fährt tastend mit den Fingern durch die Haare.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Da haben wir ja eine formidable Delle im Scheitelbein, auf halber Strecke zum Hinterkopf. Das war durchaus zu erwarten: Ein mangelndes Wahrnehmungsvermögen für Festigkeit und Beständigkeit. Es fehlt ihm eindeutig die organische Grundlage dafür. <em>(Sie tastet Weiter an Epiglotters Schädel herum.)</em> Aber dafür, klassisch ausgeprägt, wie zwei Kufen für einen Schlitten, der ins Tal schießt, auf dem Os frontale, fast schon an der Sutura coronalis, zwei Erhebungen. <em>(Als würde sie Wundersalben anbieten:)</em> Hier dringen ihm seine Phatasmagorien ins Hirn, hier liegt der wunderliche Miraculital, der Sinn für das Wunderbare und Unableitbare nämlich. &#8211; Pah! Der Sinn für wundersam in schwere See abtreibende Sanatorien. – Und nun&#8230;!<br />
<em>Sie macht die Geste eines Zauberers, packt Epiglotter bei den Schultern und dreht ihn unsanft wie einen Fisch auf den Bauch, so daß nun sein Gesicht in ihrem Schoß liegt. Epiglotter murmelt undeutlich und ohne zu erwachen. Sie streichelt ihm den Hinterkopf.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester:</span> Ein prächtiges Exemplar! Die niederen Geisteskräfte sind allerdings in schöner Deutlichkeit und Harmonie ausgeprägt: Eine starke, männliche Wulst am Nacken und – ein klar erkennbarer Amicatal. Man müßte diesem jungen Herrn nur Zaumzeug anlegen, dann wäre er, jedenfalls nach dem Befund an seinem Hinterkopfes, eine gute Partie.<br />
<em>Epiglotter stöhnt. Allmählich kehrt er aus der Bewußtlosigkeit zurück.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span>: I-haab-s&#8249;fehr-loor. Ll&#8217;s-nuur-fl-flächen. Mein Faah. Mein Faah&#8230; Nein!<br />
<em>Immer noch ist Epiglotters Gesicht in die Schürze der Schwester gepresst, so, wie sie ihn hingelegt hat. Er tastet mit den Händen nach seiner Umgebung.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span> (schwerfällig): Was &#8211; was ist? Alles ist dunkel. Sind wir gekentert?<br />
<em>Er schreit und zappelt, kann sich aber nicht aus den Falten von Schürze und Kleid der Schwester befreien.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter:</span> Ich bin gefangen.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span> (belustigt): Na, na.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span> <em>liegt wieder still und spricht in den Stoff</em>: Ich verstehe. Ja, ich verstehe sehr wohl! Die Bewohner des Zwischenreichs verspotten mich. Blind und gefesselt liege ich am Boden der Finsternis und ihr habt euren Spaß mit mir.<br />
<em>Die Schwester blickt zur Pendellampe auf. Sie hängt jetzt still.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Ah, der Sturm ist abgezogen. Das wenigstens.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span>: Ich habe das Schwanken gefürchtet &#8211; jetzt sehe ich ein, daß die Ruhe noch schrecklicher ist.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span> <em>zwickt Epiglotter neckisch ins Ohr</em>: Trage es wie ein Mann.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span>: Wer bist Du? Was soll diese Heimsuchung?<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Vermutlich werden dich die schlichten Tatsachen nicht überzeugen?<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span>: In dieser vollkommenen Dunkelheit von Tatsachen zu sprechen, ist schamlos. Alle Einbildungen brauchen Licht, auch die eingebildeten Tatsachen. Im Dunklen ist man nackt. Das ist alles.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Jetzt wird es allmählich interessant!<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span>: Deine Worte verraten dich, Dämonin. Etwas interessant zu finden heißt, hungrig zu sein. Und der Hunger macht den Fresser.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester</span>: Ja, vielleicht eignest du dich als Beute&#8230;<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span> (brüllt in den Schoß der Schwester): Wann haben die Nachstellungen ein Ende?<br />
<em>Die Schwester streicht zärtlich über Epiglotters Haar.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester:</span> Ein so schön ausgeprägter Hinterkopf. Mannhaftigkeit im Gefängnis einer grämlichen Phantasie. Vielleicht muß man dich nur etwas mehr erschrecken, damit es zu einer reinigenden Krise kommt? Damit deine völlig unbrauchbaren höheren Geisteskräfte abhanden kommen und die intakten Fundamente hervortreten?<br />
<em>Man hört die Stimmen von Roßfäller und Leimbach aus einem der Anstaltskorridore.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Roßfäller</span>: Gut, daß man die Lenzpumpen im Keller nicht demontiert hat.<br />
<span style="font-variant: small-caps;">Leimbach</span>: &#8230;und daß der Doktor noch wußte, wo sich der Schalter befindet.<br />
<em>Die Schwester schreckt zusammen und befördert Epiglotter unsanft von ihrem Schoß auf den Boden. Er ringt um Atem.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Epiglotter</span> (erleichtert): Licht! Hier ist Licht!<br />
<em>Die Schwester ordnet ihre Kleidung.</em><br />
<span style="font-variant: small-caps;">Die Schwester:</span> Aber nicht mehr für lang, mein Süßer, nicht mehr für lang.<br />
<em>Sie wirft ihm eine Kusshand zu. Wiegenden Schrittes und pfeifend &#8211; ab.</em></p>


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