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	<title>Rauhfasler &#187; Erinnerung</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Und werde verweht</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 11:19:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Haare]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Vermutungen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich zähle meine Möglichkeiten, Erkenne mich im Radio An der Stimme, die vielleicht Auch hätte meine sein können &#8211; Wie lautet deine Zahl? Deine einzelne Träne Hatte ich lange vergessen, Aber jedes Unglück Kommt zu seinem Recht Über alle Zeit. Ich schmecke dich salzig In der Luft, ich lege aus deinem Haar Nornenfäden vor mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/11/deltoid_const.png" class="floatbox" rev="group:15469 caption:`Eine unscharfe geometrische Konstruktion aus Deltoiden`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/11/deltoid_const-300x294.png" alt="" title="Eine unscharfe geometrische Konstruktion aus Deltoiden" width="250" class="rand size-medium wp-image-15474" /></a></p>
<p>Ich zähle meine Möglichkeiten,<br />
Erkenne mich im Radio<br />
An der Stimme, die vielleicht<br />
Auch hätte meine sein können &#8211;<br />
Wie lautet deine Zahl?</p>
<p>Deine einzelne Träne<br />
Hatte ich lange vergessen,<br />
Aber jedes Unglück<br />
Kommt zu seinem Recht<br />
Über alle Zeit.</p>
<p>Ich schmecke dich salzig<br />
In der Luft, ich lege aus deinem Haar<br />
Nornenfäden vor mich auf den leeren Tisch,<br />
Ich höre die Würfel fallen: wir sind alle eins,<br />
Am letzten Rand vor der großen Wüste<br />
Sind wir alle eins.</p>
<p>Ich zähle meine Möglichkeiten,<br />
Und unter den Büschen schläft längst<br />
meine Familie an Vögeln &#8211;<br />
Jeder wirkliche Gedanke<br />
Behält doch sein Recht. </p>
<p>Durch die Wände<br />
Ist zu hören, was du dachtest,<br />
Was du vielleicht noch denken könntest:<br />
Wir bleiben zusammen am letzten Rand<br />
Der Wüste ohne Schlaf &#8211;<br />
Wir sind alle eins.</p>
<p>Ich trinke die Wolken aus deinem Nabel, und reiße<br />
An einem einzelnen Faden, fein wie ein Haar,<br />
Entzwei und entzwei in immer zwei Teile,<br />
Und werde verweht<br />
Zu dir in noch<br />
Allen Gestalten.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bahr und Blosz</title>
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		<comments>http://www.rauhfasler.de/2011/bahr-und-blosz#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2011 12:29:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewußtseinssturz]]></category>
		<category><![CDATA[Begierde]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Feuer]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein kahler Gang, weiß gekachelt mit schmutzigen Fugen, der Boden stark abgelaufenes Linoleum, von der Decke hängend Leuchtstoffröhren. In einer Reihe längs der Wand stehen drei Krankenhausbetten, darauf, ganz mit weißem Laken bedeckt, jeweils ein Körper. Zum linken Bühnenrand hin, in der rückwärtigen Wand des Gangs, eine Tür. Die Szene erscheint vor dem Publikum, indem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/06/Krankenhausbett.jpg" class="floatbox" rev="group:14030 caption:`Krankenhausbett`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/06/Krankenhausbett-300x212.jpg" alt="" title="Krankenhausbett" width="300" height="212" class="rand size-medium wp-image-13952" /></a></p>
<p><em>Ein kahler Gang, weiß gekachelt mit schmutzigen Fugen, der Boden stark abgelaufenes Linoleum, von der Decke hängend Leuchtstoffröhren. In einer Reihe längs der Wand stehen drei Krankenhausbetten, darauf, ganz mit weißem Laken bedeckt, jeweils ein Körper. Zum linken Bühnenrand hin, in der rückwärtigen Wand des Gangs, eine Tür.</p>
<p>Die Szene erscheint vor dem Publikum, indem die Leuchtstoffröhren unter der Decke mit deutlich vernehmbarem, charakteristischen Geräusch zünden. Kurz darauf schlendern ein Mann und eine Frau in weißen Kitteln über den Gang.</em></p>
<p>|Frau|: Hier ist es kühler.<br />
|Mann|: Eine Hitze ist das heute.<br />
|Frau|: Endlich Pause.<br />
|Mann| (<em>neckisch</em>): Und in bester Gesellschaft.</p>
<p><em>Der Mann macht einen Diener, die Frau knickst.</em></p>
<p>|Frau|: Den Leuten bekommt das Wetter schlecht.<br />
|Mann|: Es geht kein Wind. Die Luft steht. Die Abgase drücken.<br />
|Frau|: Die Leute brechen reihenweise zusammen. Ein Krankenwagen nach dem anderen.<br />
|Mann|: Ja, man kommt gar nicht hinterher mit der Arbeit.<br />
|Frau|: Zum Glück sterben einige. Da braucht man dann nichts mehr tun. <span id="more-14030"></span><br />
|Mann|: Ja, so ist es. Auch der Herzmuskel ermüdet irgendwann.</p>
<p><div style="float:right;text-align:center;width:120px;border:2px solid #F5C800;background:#F5C800;padding:7px 5px 5px 5px;margin-top:0px;"> 	 <!-- WordPress XSPF_Player Plugin v. 3.4, by Boriel :-) -->
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	   </span> 
	    <span style="vertical-align:3px;">&nbsp;Atmosph&auml;re</span></div></p>
<p><em>Die Frau entzündet mit kleinen Gesten eine Zigarette.</em></p>
<p>|Frau|: Wissen sie&#8230;<br />
|Mann|: Ja?<br />
|Frau|: Ich bekomme bei so einer Hitze immer&#8230;<br />
|Mann|: Immer?<br />
|Frau|: Der Schweiß, der einem über den Körper läuft, wissen sie?<br />
|Mann| (<em>beugt sich etwas zu ihr</em>): Der Schweiß, ja.<br />
|Frau|: Die Hitze macht mir&#8230;<br />
|Mann| (<em>auffordernd</em>): Was macht die Hitze?<br />
|Frau|: Appetit.<br />
|Mann|: Mmh. Da wüßte ich etwas.</p>
<p><em>Mann und Frau beginnen unvermittelt aber durchaus leidenschaftlich, einander zu küssen. Sie zerren sich an den Kitteln und bewegen sich dabei zur Tür hin. Der Mann greift blind hinter sich und öffnet die Tür. Sie stolpern miteinander in den dahintergelegenen Raum, dabei zieht die Frau dem Mann den Kittel von den Schultern. Er fällt vor der Tür zu Boden, gleichfalls entfällt der Frau ihre Zigarrette. Die Tür wird zugestoßen. Während des Folgenden hört man gelegentlich Scheppern, Poltern und Gekicher aus dem Raum. Allerdings noch nichts darüber hinaus.</p>
<p>Eine Weile liegt der Gang still und reglos da. Scheppern. Kiechern. Stille. Schließlich von dem mittleren der abgestellten Totenbetten unter dem Laken die Stimme einer Frau.</em></p>
<p>|Die mittlere Tote|: Hallo? &#8211; Entschuldigung? &#8211; Ich bitte um Entschuldigung&#8230;</p>
<p><em>Nach einem weiteren Augenblick Stille eine Antwort vom rechten Totenbett. Männerstimme.</em></p>
<p>|Der rechte Tote|: Ja?<br />
|Die in der Mitte|: Ah, da ist jemand.<br />
|Der rechte Tote|: Ich bin mir nicht sicher.<br />
|Die in der Mitte|: Worüber?<br />
|Der rechte Tote|: Ob ich mich noch so bezeichnen kann.<br />
|Die in der Mitte|: Was meinen sie?<br />
|Der Rechte|: Ob ich mich noch als &#0187;jemand&#0171; bezeichen kann.<br />
|Die in der Mitte|: Ich verstehe. Bei mir ist es &#8211; ist es im Grunde genauso.</p>
<p><em>Eine weitere Männerstimme, diesmal vom linken Totenbett, schaltet sich ein.</em></p>
<p>|Der linke Tote|: Ja. Ja, genau. Ich bin übrigens auch noch da.<br />
|Der Rechte|: Nanu? Wo sind sie? Da?<br />
|Der linke Tote|: Ja, da. Mehr oder weniger, heißt das.</p>
<p>Stille. Aus der Abstellkammer Poltern. Kichern.</p>
<p>|Die in der Mitte|: Sie beide vermuten also &#8211; dasselbe wie ich?<br />
|Der linke Tote|: Sie meinen wahrscheinlich&#8230;<br />
|Der Rechte|: &#8230;das wir&#8230;<br />
|Die in der Mitte| (<em>gewichtig</em>): &#8230;tot sind. Ganz recht.</p>
<p><em>Stille.</em></p>
<p>|Der linke Tote|: Und jetzt?</p>
<p><em>Aus der Abstellkammer jetzt gelegentliche, sehr gemächliche Lustschreie von Mann und Frau.</em></p>
<p>|Die Mittlere|: Ja, was jetzt?<br />
|Der Rechte| (<em>vage</em>): Ich hatte mir das anders vorgestellt.<br />
|Der linke Tote| (<em>ungeduldig</em>):  Irgendwas wird doch wohl noch kommen!<br />
|Die Mittlere|: Ich liege hier schon eine ganze Weile. Ich habe sie beide kommen hören, am Quietschen der Räder.<br />
|Der linke Tote| (<em>fühllos</em>): Es war wie ein unklarer Schlaf. Wie wenn man unerwartet einnickt, aber nicht ganz in den Schlaf findet.<br />
|Der Rechte|: Bei mir war es wie ein plözlichlicher Kopfschmerz.<br />
|Die Mittlere|: Und mir sind bloß die Glieder schwer geworden, unmöglich schwer. Wie nach einem Tag Feldarbeit.<br />
|Der Rechte|: Aber es wird doch wohl noch was kommen?<br />
|Die Mittlere|: Ich bin schon eine ganze Weile hier.<br />
|Der linke Tote|: Sie haben uns kommen hören?<br />
|Die Mittlere|: Ja, am Quietschen der Räder.<br />
|Der Rechte|: Diese schrecklichen Betten.<br />
|Der linke Tote|: Das Laken riecht nach chemischer Reinigung.<br />
|Der Rechte|: Ich habe mir immer eine Läuterung vorgestellt, hinter der, hinter der Grenze, sozusagen.</p>
<p><em>Die Lustschreie aus der Abstellkammer werden lauter, und werden jetzt von einem rhythmischen, metallischen Scheppern begleitet. Außerdem steigt ein Rauchfaden vom Kittel des Mannes auf, der vor der Tür am Boden liegengeblieben ist, weil die fallengelassene Zigarette der Frau den Stoff entzündet hat.</em></p>
<p>|Der linke Tote|: Eine Läuterung &#8211; &#8211; das war offenbar nur Metaphysik.<br />
|Der Rechte|: Ich verstehe nicht.<br />
|Die Mittlere|: Wir sind Mechanismen, die schon so lange immer und immer Abgelaufen sind, daß sie nun nicht einfach stillstehen können.<br />
|Der linke Tote|: Die Umgebung fühlt sich kühler an als sonst.<br />
|Die Mittlere|: Gott ist phantasielos.<br />
|Der linke Tote|: Es ist einfache Physik.</p>
<p><em>Der Rechte hat sich offenbar verschluckt und hustet stark.</em></p>
<p>|Der linke Tote|: Ihre Reflexe scheinen weiterhin zu funktionieren.<br />
|Die Mittlere| (<em>schlafwandlerisch</em>): Wann immer ich einmal ein Insekt zerdrückt hatte und es mit den Beinen in der Luft strampelte, während seine Körperflüssigkeiten es mit dem Untergrund zu verkleben begannen &#8211; da habe ich mir vorgestellt, es würde sich ungefähr so fühlen.<br />
|Der linke Tote|: So wie sie sich jetzt fühlen?<br />
|Die Mittlere|: Fühlen sie sich denn nicht genauso?<br />
|Der linke Tote|: Ich fühle nichts!<br />
|Der Rechte| (<em>hat sich beruhigt, spricht aber mit merkwürdig entstellter Stimme</em>): Das klingt trotzig.<br />
|Der linke Tote|: Von wegen &#8211; ich fühle nichts.<br />
|Die Mittlere|: Ich fühle eine vage Unsicherheit.<br />
|Der linke Tote|: Was sollte denn noch geschehen?<br />
|Der Rechte|: Ja meinen sie denn, es könnte <em>so</em> bleiben?<br />
|Die Mittlere|: Irgendwohin müssen wir.<br />
|Der linke Tote|: Pha. &#0187;Der letzte Gang.&#0171; Gehen werden wir dabei allerdings nicht, soviel ist sicher.<br />
|Der Rechte|: Aber fort müssen wir doch, hier können wir nicht bleiben.<br />
|Die Mittlere|: Eine vage Unsicherheit, die allmählich zu soetwas wie Furcht wird, meine ich.<br />
|Der linke Tote|: Ich habe nichts zu fürchten. Ich habe immer den Anforderungen entsprochen, auch obwohl ich nicht an die Anforderungen geglaubt habe.<br />
|Der Rechte|: Ich habe immer geglaubt.<br />
|Die Mittlere|: Gott ist offenbar phantasielos.</p>
<p><em>Aus dem Kittel am Boden vor der Tür schlagen Flammen.</em></p>
<p>|Der linke Tote|: Wir sind Mechanismen, die nicht stillstehen wollen.<br />
|Der Rechte|: Der Geist ist eine unendliche Bewegung.<br />
|Die Mittlere| (mit Abscheu): Nur das nicht.<br />
|Der Rechte|: Jemand wird kommen, um mich abzuholen.<br />
|Der linke Tote|: Ja, davon können wir wohl ausgehen.<br />
|Der Rechte|: Ein Engel.<br />
|Der linke Tote|: Bloß eine Wunschvorstellung.<br />
|Der Rechte|: Ja, haben sie es sich denn so vorgestellt, wie es jetzt für uns tatsächlich gekommen ist?<br />
|Die Mittlere| (<em>schlafwandlerisch</em>): Feuer im Nachbarviertel. Der Rauch kommt durch das geöffnete Küchenfenster. Und man denkt zuerst, im Herd wäre etwas verbrannt.<br />
|Der Rechte|: Man stirbt so, wie man gelebt hat.<br />
|Der linke Tote| (<em>sarkastisch</em>): Von wegen. Bei mir war immer mehr los als hier.<br />
|Der Rechte|: Ich meine das &#8211; im übertragenen Sinne.<br />
|Der linke Tote|: Für Spekulationen ist&#8217;s jetzt zu spät.</p>
<p><em>Mittlerweile hat die Tür der Abstellkammer ebenfalls Feuer gefangen und brennt ergiebig, jedoch ohne daß Frau und Mann im Innern ihren Beischlaf unterbrechen würden. Im Gang steht immer dichter werdender Rauch.</em></p>
<p>|Die Mittlere|: Man stirbt so, wie man gelebt hat.<br />
|Der Rechte|: Das ist ein ungerechtes Gesetz.<br />
|Der linke Tote|: Jemand wird kommen, um mich abzuholen.<br />
|Die Mittlere| (<em>schlafwandlerisch</em>): Das Nachbarviertel brennt. Man blickt aus dem Küchenfenster und sieht den Wiederschein der Flammen hinter den Dächern der nächsten Häuser.<br />
|Der Rechte|: Wem gelingt es schon, so zu leben, wie er es sich vorgenommen hat?<br />
|Der linke Tote|: Das Leben fragt nicht, was man vorhat; das Leben wartet nicht, bis man weiß, was man anfangen will.<br />
|Die Mittlere| (<em>weiter</em>): Lange, bevor man die Sirenen der Feuerwehr hört, hört man die ersten Schreie.<br />
|Der Rechte|: Eine kindische Vorstellung, das irgendwer irgendwen fragen würde.<br />
|Der linke Tote|: Aber man muß sich ja<em> irgendetwas</em> vorstellen.<br />
|Der Rechte|: Was sollte man auch sonst mit sich anfangen?</p>
<p><em>Die Tür brennt nun lichterloh, auch die Deckenverkleidung im Gang hat Feuer gefangen. Eine der Leuchtstoffröhren platzt. Aus der Abstellkammer hört man den Angstschrei der Frau.</em></p>
<p>|Der Mann|: Oh, Gott!<br />
|Die Frau|: Raus! Wir müssen raus!<br />
|Der Mann|: Wie, wie, die Tür.<br />
|Die Frau|: Da, die Sauerstoffflasche. Damit schlagen wir die Tür ein.</p>
<p><em>Man hört schweres Husten vom Mann. Auch von der Frau.</em></p>
<p>|Die Mittlere| (<em>weiter</em>): Und man steht am Küchenfenster und trocknet zögerlich das Geschirr ab. Man ist nämlich beim Abwasch. Man sieht zu, wie die Flammen hinter den Dächern der nächsten Häuser heller werden. Man hört die Sirenen der Löschzüge. Aber der Abwasch erledigt sich nicht von selbst.<br />
|Der linke Tote|: Vielleicht, wenn man eine bestimmte Vorstellung bis zum Schluß behalten hätte?<br />
|Der Rechte|: Wenn es einem gelungen wäre, so zu leben, daß man am Ende nicht ungern stirbt.<br />
|Der linke Tote|: Ob noch jemand kommt, um uns abzuholen?<br />
|Die Mittlere|: Wir sind wohl vergessen worden.</p>
<p><em>Die Sauerstoffflasche wird von innen gegen die Tür geschlagen. Bald eine Unterbrechung und Husten. Wieder Pochen, Husten. Ein, zwei letzte Schläge gegen die Tür, dann Stille.</em></p>
<p>|Der Rechte| (<em>vage</em>): Wenn es etwas zu erwarten gäbe.<br />
|Die Mittlere| (<em>weiter schlafwandlerisch</em>): Ich stehe beim Abwasch am Küchenfenster. Ich weiß nicht, was ich sonst tun sollte.</p>
<p><em>Ein Mann, gekleidet in eine Tunika, mit Vollbart und langen Haaren, betritt den Gang. Er geht zögerlich, unsicher oder träumerisch. Er geht bis zu den Totenbetten.</em></p>
<p>|Die Mittlere| (<em>unverändert</em>): Ich stehe am Fenster, ich halte den letzten Teller in der Hand und merke, wie müde ich geworden bin.<br />
|Der Rechte|: Ist da jemand?<br />
|Der linke Tote|: Ich möchte jetzt nach Hause, bitte.</p>
<p>Der bärtige Mann nestelt unentschlossen am Laken, daß über das Mittlere der Totenbetten gebreitet liegt. Dann geht er zum Bühnenrand und zieht einen der Vorhänge zu. Dann den zweiten, hinter dem er mit allem übrigen verschwindet.</p>


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		<title>Und gleichwie ich über sie gewacht habe, auszureißen</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/und-gleichwie</link>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 12:45:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Abend]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Farbe]]></category>
		<category><![CDATA[Licht]]></category>
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		<description><![CDATA[Hann mælti til Hallgerðar: &#0187;Fá mér leppa tvo úr hári þínu og snúið þið móðir mín saman til bogastrengs mér.&#0171; &#0187;Liggur þér nokkuð við?&#0171; segir hún. &#0187;Líf mitt liggur við,&#0171; segir hann, &#0187;því að þeir munu mig aldrei fá sóttan meðan eg kem boganum við.&#0171; &#0187;Þá skal eg nú,&#0171; segir hún, &#0187;muna þér kinnhestinn og [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/05/Schumann-Resonanzen-e1306622213387.jpg" class="floatbox" rev="group:13635 caption:`Schumann-Resonanzen`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/05/Schumann-Resonanzen-e1306622213387-300x133.jpg" alt="" title="Schumann-Resonanzen" width="300" height="133" class="rand size-medium wp-image-13640" /></a></p>
<div style="margin:2em 0 2em 150px;font-size:0.9em;font-style:italic;">
<p>Hann mælti til Hallgerðar: &#0187;Fá mér leppa tvo úr hári þínu og snúið þið móðir mín saman til bogastrengs mér.&#0171;</p>
<p>&#0187;Liggur þér nokkuð við?&#0171; segir hún.</p>
<p>&#0187;Líf mitt liggur við,&#0171; segir hann, &#0187;því að þeir munu mig aldrei fá sóttan meðan eg kem boganum við.&#0171;</p>
<p>&#0187;Þá skal eg nú,&#0171; segir hún, &#0187;muna þér kinnhestinn og hirði eg aldrei hvort þú verð þig lengur eða skemur.&#0171; (&lowast;)</p>
</div>
<p>Das letzte Licht<br />
Läßt Honig auf den Dielen leuchten;<br />
Die Straßen spielen spartianische Fugen;<br />
Um Teslas Spulen entstehen Klänge<br />
Aus Blitzen.</p>
<p>Das letzte Licht<br />
Entschädigt mich für kommendes Spülwasser,<br />
Mit Staub, im Licht gelöst, fein und glänzend,<br />
Abrieb nämlich aus den himmlischen<br />
Schieferbrüchen.</p>
<p>Der Staub schmeckt sonderbar<br />
Hinten, am Zungengrund: wie<br />
Ein angelaufenes Messer,<br />
Unten, auf dem Boden der <em>Orbitae</em>,<br />
Sinkt als Fallout flüsternd nieder &#8211;<br />
Ich aber dunkle nach,<br />
Im Einklang mit den<br />
Alten Photographien<br />
Von meinen längst erschossenen Großvätern.</p>
<p>Wie viele Lebensspannen<br />
Benötigen Erinnerungen<br />
Um sich zu verflüchtigen, wie<br />
Bricht sich in ihnen das Licht,<br />
Wenn sie dann nur noch ein Nebel sind,<br />
Ein sehr feiner Nebel, </p>
<p>Wie er nun mir<br />
Das Unterhemd auf den Schultern<br />
Mit der Angst jener Vorväter feuchtet,<br />
Die ich nicht zu kennen zufrieden bin:</p>
<p>Wie bricht sich das Licht in den<br />
Eigentlichen Erinnerungen, an denen<br />
Wir nur ein einzelner Zug sind:<br />
Jeder für sich.</p>
<p>Wie färbt sich an<br />
Den Erinnerungen,<br />
Den eigentlichen,<br />
Zum Strang gedrehten,<br />
So sehr das Licht.</p>
<hr />
<p>(&lowast;) Das Motto entstammt dem 77. Kapitel der <a class="floatbox" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brennu_Nj%C3%A1ls_saga">Saga vom verbrannten Njal</a>. Der Text: <a href="http://www.snerpa.is/net/isl/njala.htm" class="floatbox">isländisch</a> | <a class="floatbox" href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Anonym/Erz%C3%A4hlungen/Die+Geschichte+von+Nj%C3%A1ll/Von+Gunnar%27s+Ausgang/Gunnar%27s+Tod">deutsch</a>.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#937;</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Dec 2010 10:08:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Schneideriana]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Elekrizität]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Felder]]></category>
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		<description><![CDATA[im drehstrom der die flure überspült vom punkt aus wo die spannung kondensierte von ihr ist nun der halbe kreis verkohlt und eine reihe lichter gänzlich blind geworden &#8211; im drehstrom glüht ein einzelner gedanke hell bis ihm die kohlefaser springt und er verstummt. im drehstrom der die flure überspült steht mir dein nachbild noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/12/lupine.jpg" class="floatbox" rev="group:11173 caption:`»Lupine«, Taschenlampe der Firma Tesla`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/12/lupine-300x200.jpg" alt="" title="»Lupine«, Taschenlampe der Firma Tesla" width="300" height="200" class="rand size-medium wp-image-11196" /></a></p>
<p>im drehstrom der die flure überspült<br />
vom punkt aus wo die spannung kondensierte<br />
von ihr ist nun der halbe kreis verkohlt<br />
und eine reihe lichter gänzlich blind geworden &#8211;<br />
im drehstrom glüht ein einzelner gedanke hell<br />
bis ihm die kohlefaser springt und er verstummt.<br />
im drehstrom der die flure überspült<br />
steht mir dein nachbild noch auf beiden augenschirmen<br />
ich gehe schwankend und es weicht in gleichem maß zurück<br />
es zittert jetzt und jetzt verlischts in lauter schnee.<br />
ein feines brummen wie von großen spulen klingt<br />
und ladungswellen schwemmen über meine arme<br />
zwischen den feinen haaren knisterts und ich schmecke funken.<br />
die nacht blitzt hell von der entladung zweier teslaspulen<br />
wird sie zum tag und alles wachsein wird zum träumen<br />
felder von kräften spannen sich um meine schultern<br />
da wo das nachbild deines atems sich mit ihnen trifft.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[ultra nubes aurora]]></series:name>
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		<title>Zornige Bäume</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 10:21:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewußtseinssturz]]></category>
		<category><![CDATA[Bäume]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Bäume sind zornig. Sie schwanken mit jeder Böe, in ihren Ästen zittert Entrüstung. Da sind Stimmen in der Luft oder es ist das Kreischen von Lastwagen auf der Fernstraße. Das Zimmer ist dunkel und auf einem runden, schweren Teppich liege ich flach auf dem Rücken, durch das Fenster betastet von den Zweigen, durch die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.michaelkenna.net/gallery.php?id=2"><img src="/wp-content/uploads/2009/10/kenna-tree-290x300.jpg" alt="Michael Kenna, Kussharo Lake Tree, Study 1, Kotan, Hokkaido, Japan, 2002" title="Michael Kenna, Kussharo Lake Tree, Study 1, Kotan, Hokkaido, Japan, 2002" width="290" height="300" class="rand size-medium wp-image-5050" /></a></p>
<p>Die Bäume sind zornig. Sie schwanken mit jeder Böe, in ihren Ästen zittert Entrüstung. Da sind Stimmen in der Luft oder es ist das Kreischen von Lastwagen auf der Fernstraße. Das Zimmer ist dunkel und auf einem runden, schweren Teppich liege ich flach auf dem Rücken, durch das Fenster betastet von den Zweigen, durch die Maschen des Fliegengitters hindurch. Unter der Zimmerdecke steht ein Firmament aus fluoreszierenden Kunststoffsternen, in ihnen glüht noch das Tageslicht nach. Es war bis zuletzt während des jetzt vergangenen Tages ein gleichmäßig schattenloses Zwielicht, ein Tag wie auf einer alten, verblichenen Photographie, auf der die Schwärzen und Lichter sich mit den Jahren immer ähnlicher geworden sind.</p>
<p>Die Wirklichkeit steht in einem komplizierten Verhältnis zur Zeit. Durch die Wand sind Sätze aus einem Telefonat zu hören.</p>
<p>Das Gespräch geht zwischen dem Raum dort, auf der anderen Seite der Tür, außerhalb der Dunkelheit, jenseits der Grenzen meines Teppichs, bis in ein Patientenzimmer in einem Krankenhaus. Wenn das Wochenende um sein wird, wird dort eine Operation stattfinden. Das Telefonat dreht sich um den Augenblick, wenn der Kranke wieder aus der Narkose erwacht. Das Telefonat dreht sich insgeheim darum, daß dieser Augenblick nicht sicher zu erwarten ist. Ein dreiviertel Jahrhundert hat der Kranke gelebt &#8211; und braucht jetzt Trost wie ein Kind. Er ist, mehr als alles andere, ein Kind, und wer wollte ihm das Recht absprechen, eines zu sein?</p>
<p>In den wichtigen, entscheidenden Augenblicken ist die Zeit kaum mehr als eine ironische Behauptung. Welche Bedeutung haben Jahrzehnte eines Erwachsenenlebens angesichts der Möglichkeit, daß man in zwei oder drei Tagen seinen eigenen Tod erleben könnte? Er ist ein Kind, ich höre es an den Sätzen, die jenseits der Tür in den Telefonhörer gesprochen werden.</p>
<p>Da oben leuchten weiterhin die Kunststoffsterne, draußen brodelt die Unduldsamkeit in den Bäumen oder der gerechte Zorn, knorrige Hände machen Gesten. Wenn man alles Oberflächliche abzieht, gibt es keine Entwicklung. Ich sehe von zwei Richtungen aus in eine glatte Röhre und sehe am anderen Ende jeweils &#8211; mich selbst: ein sonderbares Kind; mich selbst, einen allem Anschein nach Erwachsenen. Aber was ist der Unterschied? </p>
<p>Neben mir atmet ein Kind und je mehr die stillen Atemzüge alles andere verdrängen, je mehr dieses Atmen die Decke aufsteigen läßt bis die Kunststofflichter sich in wirkliche Sterne verwandeln, je mehr in den gleichmäßigen Wellen dieses Atmens dieser dunkle Raum abtreibt von der Welt vor der Tür &#8211; desto weniger kann ich es fassen, desto mehr erscheint mir die bloße Gegenwart als ein unlösbares Rätsel. Welche Finger sind es, die mit routinierter Bewegung die Generationen abzählen wie die Knoten in der Schnur am Logscheit?</p>
<p>Es wird kalt, der Wind schält die Wärme aus dem Zimmer, und nichts anderes schützt als &#8211; vor allem und haltlos zu staunen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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