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	<title>Rauhfasler &#187; Geruch</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Kastanienbl&#252;te</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jul 2010 10:08:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Beute]]></category>
		<category><![CDATA[Geruch]]></category>
		<category><![CDATA[Knochen]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Selbst]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen Gedanken blitzen Klingen, Aus allen Lichtern spricht Im weiten Rund der nackten Nacht Die leichte Beute wunderbar. Die Freunde stehen beiderseits Unsichtbare Wacht f&#252;r mich, Im hohen, fensterlosen Bau, Aus alledem errichtet, was Einer, so wie ich, erinnern kann, Aus allen Tagen, allem Leben, das Unwahrscheinlich hingestreckt, S&#252;&#223; riecht wie Kastanienbl&#252;te. Ich aber nehme [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/07/chloe-hood.jpg" class="floatbox" rev="group:8452 caption:`The Chloe Hood von Coal Headwear`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/07/chloe-hood-300x300.jpg" alt="" title="The Chloe Hood von Coal Headwear" width="300" height="300" class="rand size-medium wp-image-8458" /></a></p>
<p>Zwischen Gedanken blitzen Klingen,<br />
Aus allen Lichtern spricht<br />
Im weiten Rund der nackten Nacht<br />
Die leichte Beute wunderbar.</p>
<p>Die Freunde stehen beiderseits<br />
Unsichtbare Wacht f&uuml;r mich,<br />
Im hohen, fensterlosen Bau,<br />
Aus alledem errichtet, was</p>
<p>Einer, so wie ich, erinnern kann,<br />
Aus allen Tagen, allem Leben, das<br />
Unwahrscheinlich hingestreckt,<br />
S&uuml;&szlig; riecht wie Kastanienbl&uuml;te.</p>
<p>Ich aber nehme mir heraus,<br />
Aus den leeren Fl&auml;chen, da&szlig;<br />
Zu sein, was ich partout<br />
Zu sein nicht &auml;ndern kann.</p>
<p>Und sauge aus den langen Kochen,<br />
Die man leicht im Abseits findet,<br />
Aus den wei&szlig;en, taubenfeinen,<br />
Mein Teil an fettem Mark.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Vulcanus</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 11:57:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Ahnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Geruch]]></category>
		<category><![CDATA[Gewitter]]></category>
		<category><![CDATA[Götter]]></category>
		<category><![CDATA[Höhlen]]></category>
		<category><![CDATA[Licht]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>

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		<description><![CDATA[Blaues Licht im Rolltreppenschacht, Im Fahrtwind bleibt der Atem Als Wolkenspur zur&#252;ck. Abgeschnitten liegt jene W&#228;rme Hinter einer Glast&#252;r, ihre Fl&#252;gel Glitten lautlos in die W&#228;nde, Rechts und links, da war Geruch von Menschen, hier Ist alles Leer, Metall Steigt von unten auf Aus der Kaverne. An den Grundstoff des Donners Wurde schon vor Zeiten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/01/schiene.jpg" class="floatbox" rev="group:5761 caption:`Walisische Grubenschiene aus Gusseisen (1760)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/01/schiene-300x162.jpg" alt="" title="Walisische Grubenschiene aus Gusseisen (1760)" width="300" height="162" class="rand size-medium wp-image-5776" /></a></p>
<p>Blaues Licht im Rolltreppenschacht,<br />
Im Fahrtwind bleibt der Atem<br />
Als Wolkenspur zur&uuml;ck.<br />
Abgeschnitten liegt jene W&auml;rme<br />
Hinter einer Glast&uuml;r, ihre Fl&uuml;gel<br />
Glitten lautlos in die W&auml;nde,<br />
Rechts und links, da war<br />
Geruch von Menschen, hier<br />
Ist alles Leer, Metall<br />
Steigt von unten auf<br />
Aus der Kaverne.</p>
<p>An den Grundstoff des Donners<br />
Wurde schon vor Zeiten ger&uuml;hrt,<br />
Jetzt knirscht er auf den Schienen.<br />
Ein unwilliger Domestik ist Jupiter,<br />
Und Vulcanus schmiedet<br />
Die Landschaft fortlaufend<br />
In Kanten und Fl&auml;chen,<br />
Dazwischen wachsen allein<br />
Gasblumen und Ru&szlig;.<br />
Und ungeheuer &uuml;ber allem,<br />
&Uuml;ber dem fahrenden Sturz,<br />
Eine ein&auml;ugige Sonne,<br />
Eine aus Schlieren geborene<br />
Ahnung.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Katertraum</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/katertraum</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 10:47:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Atem]]></category>
		<category><![CDATA[Entfremdung]]></category>
		<category><![CDATA[Geruch]]></category>
		<category><![CDATA[Herbst]]></category>
		<category><![CDATA[Kälte]]></category>
		<category><![CDATA[Kater]]></category>
		<category><![CDATA[Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Wünsche]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom betongrauen Mund der Fremde Habe ich Atem gesogen, er stach Wie erstes Eis wenn das Jahr Auf der Schwelle zum Winter steht. Deshalb wohl waren M&#228;usekrallen an mir Als ich &#252;ber unvertraute Gehwegplatten Ohne ganz zu wollen weiterging. Am n&#228;chsten Morgen empfingen mich Kalte W&#228;nde und die Kacheln schnitten In meine entbl&#246;&#223;ten F&#252;&#223;e, Da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/10/betonwendel.jpg" class="floatbox" rev="group:5073 caption:`Auffahrtsrampe des neu errichteten BMW-Auslieferungswerks in M&uuml;nchen`"><img src="/wp-content/uploads/2009/10/betonwendel-300x271.jpg" alt="Auffahrtsrampe des neu errichteten BMW-Auslieferungswerks in M&uuml;nchen" title="Auffahrtsrampe des neu errichteten BMW-Auslieferungswerks in M&uuml;nchen" width="300" height="271" class="rand size-medium wp-image-5076" /></a></p>
<p>Vom betongrauen Mund der Fremde<br />
Habe ich Atem gesogen, er stach<br />
Wie erstes Eis wenn das Jahr<br />
Auf der Schwelle zum Winter steht.</p>
<p>Deshalb wohl waren M&auml;usekrallen an mir<br />
Als ich &uuml;ber unvertraute Gehwegplatten<br />
Ohne ganz zu wollen weiterging.</p>
<p>Am n&auml;chsten Morgen empfingen mich<br />
Kalte W&auml;nde und die Kacheln schnitten<br />
In meine entbl&ouml;&szlig;ten F&uuml;&szlig;e,<br />
Da war herangetriebener Rauch<br />
In der Luft, der Ausdruck von W&auml;rme<br />
Durch ihr Gegenteil.</p>
<p>Sp&auml;terhin also der deutliche Wunsch<br />
Geh&uuml;llt in die Vorstellung von Orangenduft<br />
Oder auch nur von seiner Farbe:<br />
In einer warmen K&uuml;che der Kater zu sein.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>H&#246;hlenfrieden</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/hoehlenfrieden</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2009/hoehlenfrieden#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 May 2009 10:10:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewußtseinssturz]]></category>
		<category><![CDATA[Ahnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Atmosphären]]></category>
		<category><![CDATA[Freude]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
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		<category><![CDATA[Höhlen]]></category>
		<category><![CDATA[Primatisch]]></category>
		<category><![CDATA[Sehnsucht]]></category>
		<category><![CDATA[Toiletten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Klo. Die Decke h&#228;ngt niedrig &#252;ber dem verwaist liegenden, vielfach gegliederten engen Raum, Latexfarbe im Ton von Eierlik&#246;r an den W&#228;nden. Ein verschlungener Weg durch eine nur halbwegs zu &#246;ffnende T&#252;r, an Waschbecken vorbei. Pl&#246;tzlich &#252;berraschend die Erkenntnis: Hier ist die H&#246;hle. Die schon beim Aufwachen, beim Fr&#252;hst&#252;ck, mit voller Wucht dann beim Mittagessen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/05/walltent.jpg" class="floatbox" rev="group:3632 caption:`Thomas Sandby: &quot;Serjeants wall tent of the Coldstream Guards in the Netherlands&quot; (ca. 1748)`"><img class="rand size-medium wp-image-3638" title="Thomas Sandby: &quot;Serjeants wall tent of the Coldstream Guards in the Netherlands&quot; (ca. 1748)" src="/wp-content/uploads/2009/05/walltent-300x211.jpg" alt="Thomas Sandby: &quot;Serjeants wall tent of the Coldstream Guards in the Netherlands&quot; (ca. 1748)" width="300" height="211" /></a></p>
<p>Ein Klo. Die Decke h&auml;ngt niedrig &uuml;ber dem verwaist liegenden, vielfach gegliederten engen Raum, Latexfarbe im Ton von Eierlik&ouml;r an den W&auml;nden. Ein verschlungener Weg durch eine nur halbwegs zu &ouml;ffnende T&uuml;r, an Waschbecken vorbei.</p>
<p>Pl&ouml;tzlich &uuml;berraschend die Erkenntnis: Hier ist die H&ouml;hle. Die schon beim Aufwachen, beim Fr&uuml;hst&uuml;ck, mit voller Wucht dann beim Mittagessen in melancholischen Visionen erschien: Die H&ouml;hle, in die kein Himmel dringt, kein Wind, kein Horizont; in der kein Mensch irgendmehr als das n&ouml;tigste sein mu&szlig;.</p>
<p>Kauern unter der milden, klaustrophobischen Freundlichkeit enger W&auml;nde, gebettet in s&auml;mige Luft. Die Kneipe t&ouml;nt von treppauf ged&auml;mpft her&uuml;ber, murmelnd wie im Halbschlaf. Und hier unten, behutsam sich n&auml;hernd, ein Geruch von Zitrusfr&uuml;chten, teurem Essig und Urinalsteinen, ein Aerosol aus Harn, s&uuml;&szlig;saure Verdauung und dahinter eine m&uuml;tterlich summende Ahnung von Erde.</p>
<p>Das alles liegt verflochten und in sich verschlungen wie Unterholz in der freundlichen H&ouml;hle, im einzelnen nicht zu entziffern, eine bergende, gastfreie Atmosph&auml;re, in der nichts verwehrt bleibt. Die enge Kabine, in der nicht der Arm auszustrecken w&auml;re, liegt wie ein schwerer, warmer Mantel um die Schultern, die Rast ist vollkommen. Das ist die H&ouml;hle und in ihr geschieht alles allein aus Selbstverst&auml;ndlichkeit.</p>
<p>Durch die W&auml;nde dringt ein flatterndes Ger&auml;usch &#8211; aber es ist eine Maschine. Ihr organischer Klang dringt durch die W&auml;nde: es gibt noch eine Welt; und in ihr wird Nahrung bereitet. An friedlichen Orten ist die Frist immer streng gesetzt. Aber da sind auch Morgengaben: Der Kopfschmerz wurde stillschweigend fortgenommen. An seine Stelle ist eine Vorahnung des Abendhimmels getreten, er wird blau sein, an seinem Rand aber und in den Wolken wird sich die Farbe Spiegeln, die  die W&auml;nde hier unten haben.</p>
<p>Also schweben &uuml;ber dem gl&auml;nzenden Sp&uuml;lbecken die H&auml;nde. Und gut ist die K&auml;lte und tr&ouml;stlich die Trockenheit, die von der Seife auf den Handr&uuml;cken hinterlassen wird. Auf der Treppe wartet tats&auml;chlich der Geruch von Pfannkuchen. Und eine Frau mit sehr spitzen Schuhen kauert vor einem Automaten, um Zigarretten zu kaufen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Normalit&#228;t, dritte Ausfertigung</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2008/normalitaet-dritte-ausfertigung</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Oct 2008 09:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Abgründe]]></category>
		<category><![CDATA[Bewußtseinszustände]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geruch]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>

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		<description><![CDATA[&#62;&#62; zum Anfang des Textes &#62;&#62; Es war an einem ganz gew&#246;hnlichen Tag geschehen. Und hinterh&#228;ltig war er hineingedr&#228;ngt worden. Es hatte keine Vorwarnung gegeben, keine Abmahnung oder letzte Aufforderung. Es war einfach geschehen. Er hatte im Gemeinschaftstransport gestanden und es hatte die &#252;bliche Enge geherrscht. F&#252;r ihn wie f&#252;r die meisten war gerade dies [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/victorian-hair-styles-4.jpg" class="floatbox" rev="group:1603 caption:`Viktorianische Frisur`"><img class="rand alignnone size-medium wp-image-1616" title="Viktorianische Frisur" src="/wp-content/uploads/2008/10/victorian-hair-styles-4-217x300.jpg" alt="" width="217" height="300" /></a></p>
<p style="text-align: right;"><a title="zum 1. Teil" href="/2008/normalitaet-erste-teillieferung/" target="_self">&gt;&gt; zum Anfang des Textes &gt;&gt;</a></p>
<p>Es war an einem ganz gew&ouml;hnlichen Tag geschehen. Und hinterh&auml;ltig war er hineingedr&auml;ngt worden. Es hatte keine Vorwarnung gegeben, keine Abmahnung oder letzte Aufforderung. Es war einfach geschehen.</p>
<p>Er hatte im Gemeinschaftstransport gestanden und es hatte die &uuml;bliche Enge geherrscht. F&uuml;r ihn wie f&uuml;r die meisten war gerade dies das angenehmste am Gemeinschaftstransport: mit so un&uuml;bersehbar vielen Gleichgesinnten in einem engen, sicheren Raum zu sein und friedlich der T&auml;tigkeit entgegenzugleiten. So hatte er bislang gedacht: und dann war es passiert.</p>
<p>An einer Haltestelle waren die T&uuml;ren ge&ouml;ffnet worden und es waren noch einige Mitb&uuml;rger zugestiegen. Im Inneren des Fahrzeugs war dadurch wie &uuml;blich ein h&ouml;fliches Geschiebe entstanden, als man so gut es ging versuchte, bei den T&uuml;ren Platz zu machen. Nur wenige Sonderlinge runzelten dabei vielleicht die Stirn. Es war doch eine willkommene Gelegenheit, h&ouml;flich und umsichtig zu sein. Ja, das dachte er und wurde wehm&uuml;tig dabei. H&ouml;flichkeit zu erweisen in der Enge einer Fahrt mit dem Gemeinschaftstransport. Ganz unverkommen h&ouml;flich sein zu k&ouml;nnen! Mit welchen hinterh&auml;ltigen Gedanken stand er neuerdings in der R&ouml;hre, wenn sie von Haltestelle zu Haltestelle schwebte, und hoffte blo&szlig; darauf, jener Vorfall m&ouml;ge sich wiederholen.</p>
<div style="border: medium none; padding: 0px; text-align: right; position: relative; top: 10px; margin-top: 1em; margin-left: 1.5em; margin-bottom: 1em; width: 250px; font-weight: bold; float: right;"><em>Die Menschen um ihn st&uuml;rzten in ihn hinein. Er roch und h&ouml;rte vieles. Er sp&uuml;rte, wie ihn an den Seiten, am R&uuml;cken und vorne andere ber&uuml;hrten. Um ihn herum wogte ein Meer aus Leibern. Er wurde fortgerissen und war selig. Er verga&szlig; um sich herum alles.</em></div>
<p>Irgendjemand hatte ihn von hinten geschoben, er war an jemand anderen herangedr&auml;ngt worden. Das war wie immer gewesen. Aber dann hatte er &#8211; gerochen. Als ihm der Geruch bewu&szlig;t geworden war, da mu&szlig;te er schon eine geraume Zeit in seiner Nase gewesen sein. Er hatte sich in diesem Geruch aufgehalten und dann hatte er ihn bemerkt. Aber er hatte nicht verstanden, was geschah. H&auml;tte er doch blo&szlig; nachgedacht. Von unten her &uuml;berlief es ihn. An seinen Unterarmen stellten sich die Haare auf. Es war ein s&uuml;&szlig;er und herber Duft gewesen. Er war warm. So warm, da&szlig; sich zwischen Kleidung und Haut die Temperatur &auml;nderte. Er hatte gewisse Umw&auml;lzungen in seiner K&ouml;rpermitte zur Folge gehabt, die er nicht verstanden hatte. H&auml;tte er doch blo&szlig; nachgedacht, vielleicht h&auml;tte er dann fr&uuml;h genug erkannt, da&szlig; ihm die Kontrolle verloren ging.</p>
<p>Er hatte um sich geblickt, als die Wirkung des Geruches eingesetzt hatte. Der Anblick war ihm vertraut, es war t&auml;glich derselbe, die Personen wechselten nur geringf&uuml;gig, keine von ihnen kannte er. Das war nicht notwendig. Nun fand er sich dennoch nicht mehr zurecht. Es sah jetzt alles anders aus. Er bemerkte einen Mann, der gleich bei ihm stand. Er h&ouml;rte seinen Atem. Er sp&uuml;rte, weil der Mund dieses Mannes gleich an seine Wange gedr&auml;ngt worden war, die Luft zwischen dessen Lippen hervorgehen, sie strich warm &uuml;ber seine Wange. Unmittelbar vor ihm stand eine Frau und eine Locke ihres Haares ber&uuml;hrte ihn unter der Nase. Er sah, wie sich das Licht in ihren Haaren brach, wie kleine Lichter &uuml;berall zwischen den Locken aufschienen. Sein Blick ging nach unten &#8211; man blickte nicht nach unten. Er sah eine geschwungene Linie von der Taille an der H&uuml;fte entlang in die Dunkelheit laufen, wo am Boden kaum noch Licht zwischen die Leiber drang.</p>
<p>Bei dieser Beobachtung zuckte es in ihm. Er mu&szlig;te die Augen schlie&szlig;en. Er sp&uuml;rte den Atem auf seiner Wange und flo&szlig; mit dem Atem dieses Mannes. Er stand v&ouml;llig regungslos und bem&uuml;hte sich, kein Abweichen von der Norm erkennbar werden zu lassen, damit nichts diesen Augenblick unterbr&auml;che. Die Menschen um ihn st&uuml;rzten in ihn hinein. Er roch und h&ouml;rte vieles. Er sp&uuml;rte, wie ihn an den Seiten, am R&uuml;cken und vorne andere ber&uuml;hrten. Um ihn herum wogte ein Meer aus Leibern. Er wurde fortgerissen und war selig. Er verga&szlig; um sich herum alles.</p>
<p>Dann kam eine gro&szlig;e Bewegung in das Leibermeer, ein Gezeitenwechsel. Alle str&ouml;mten in eine Richtung. Die andern wurden von ihm fortgerissen. Dort, wo jetzt nurnoch leerer Raum an ihn grenzte, wurde ihm kalt. Er &ouml;ffnete die Augen und sein Bewu&szlig;tsein kehrte im Sturz zur&uuml;ck. Die Endhaltestelle war erreicht worden. Er war an seinem Halt vorbeigefahren. Er war kurz davor, Aufsehen zu erregen, fast w&auml;re er der letzte im Fahrzeug gewesen. Er stand eine Weile unschl&uuml;ssig auf der Plattform der Haltestellte und war benommen. Die Mitb&uuml;rger gingen an ihm vorbei, streben zu ihrer Arbeitsstelle. Er stand regungslos auf der Plattform und zog erste befremdete Blicke an. Er beeielte sich, weiterzukommen. Er hatte die Kontrolle verloren. Und jetzt mu&szlig;te er es schaffen, lange vor Arbeitsschlu&szlig; in die andere Richtung fahren zu k&ouml;nnen. Vielleicht sollte er besser laufen. Er mu&szlig;te sich beeilen, damit er nicht zu sp&auml;t an der Arbeitsstelle eintraf. Die Haare, der Atem auf seiner Wange. Er war in einem Sturm geraten; und jetzt st&uuml;rmte &uuml;ber die Passantenwege zu seiner Arbeitsstelle.</p>
<p>So hatte es begonnen.</p>
<p>Er sa&szlig; vor seinem Bildschirm und hatte den Zwischenfall wieder durchlebt. Er konnte nicht aufh&ouml;ren damit, sollte doch aber, sollte sich auf seine Aufgabe konzentrieren. Bald w&uuml;rde er Aufsehen erregen. Der Geruch, den er an diesem Tag wahrgenommen hatte, war seitdem bei ihm. Er konnte sich an ihn erinnern, er konnte ihn schmecken, konnte ihn f&uuml;hlen. Etwas hatte ihn vergiftet, ein Nervengift. Wie war es m&ouml;glich, da&szlig; dieses Gift in den Gemeinschaftstransport gelangt war? Ein Versagen der Sicherheitsorgane &#8211; aber das war undenkbar. Vielleicht war es eine Krankheit, die in ihm geschlummert hatte, eine genetische Disposition, die beim Pr&auml;ventionsgenscreening nicht bemerkt worden war. Die Auswirkungen waren umfassend. Nicht nur seine Tr&auml;ume waren krankhaft ver&auml;ndert. Auch seine Wahrnehmung war aus der Bahn geraten. Er erinnerte sich vage an einen Bericht dar&uuml;ber, wie fr&uuml;her psychische Erkrankungen die Menschen in ihrem Bann gehalten hatten. Vielleicht war seine Psyche erkrankt?</p>
<p>Wie gelang es ihm nur, bei einem m&uuml;ndlichen Informationsaustausch konzentriert und aufmerksam zu wirken? Er empfand einen merkw&uuml;rden Stolz: Nur seine &uuml;berdurchschnittliche Willensst&auml;rke erm&ouml;glichte ihm, unentdeckt zu bleiben. Er reagierte angemessen auf die Informationen und doch war seine Aufmerksamkeit ganz auf krankhafte, abweichende Dinge gerichtet. Auf die winzigen Spitzen der Barthaare, die aus der Gesichtshaut eines Kollegen drangen. Auf die feinen Schwingungen in einer Frisur beim Gehen. Oder auf die Verschiebungen im Faltenwurf eines Anzuges bei verschiedenen Bewegungen. Darunter ahnte er einen K&ouml;rper und stellte sich vor, wie er riechen mochte. In welchem Ausma&szlig; W&auml;rme von diesem K&ouml;rper abgestrahlt wurde.</p>
<p>Und dann erkannte er, was er tat und verachtete sich. Alles aber konnte er unter der Oberfl&auml;che halten, er blieb unauff&auml;llig. Ein Verliebter war er, der sich zu verbergen wu&szlig;te.</p>


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		<title>Hitze</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Jul 2008 19:24:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blendungen]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnfahren]]></category>
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		<category><![CDATA[Geruch]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Hitze f&#252;llt die Stadt mit Ger&#252;chen. Wie wenig sonst zu einem Dringt von den Dingen &#8211; jetzt kommen sie r&#252;cksichtslos nah. In der S-Bahn rollen die anderen &#252;ber mich und sie riechen kaum nach Mensch. Nicht so, wie die Wolke Parf&#252;m, die sonst aufmerken l&#228;&#223;t, weil da einer einen wohlbeschnittenen Garten als Spur hinter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/07/sonnenauge.png" class="floatbox" rev="group:99 caption:`sonnenauge`"><img class="alignnone size-medium wp-image-101" title="sonnenauge" src="/wp-content/uploads/2008/07/sonnenauge-300x127.png" alt="" width="300" height="127" /></a></p>
<p>Die Hitze f&uuml;llt die Stadt mit Ger&uuml;chen. Wie wenig sonst zu einem Dringt von den Dingen &#8211; jetzt kommen sie r&uuml;cksichtslos nah. In der S-Bahn rollen die anderen &uuml;ber mich und sie riechen kaum nach Mensch. Nicht so, wie die Wolke Parf&uuml;m, die sonst aufmerken l&auml;&szlig;t, weil da einer einen wohlbeschnittenen Garten als Spur hinter sich l&auml;&szlig;t. In der S-Bahn rollen die anderen als eine Walze &uuml;ber mich aus Butters&auml;ure, ranzig, da&szlig; es eigentlich k&uuml;nstlich zu sein scheint. Es kommt aus all den Achseln, die doch ungewollt feucht geworden sind, aus den Falten und Winkeln der K&ouml;rper, in denen sich die Schwei&szlig;tropfen zu Rinnsalen sammeln. Die Grenzen verschwimmen, solange die S-Bahn anf&auml;hrt und die Luft tr&auml;ger, tr&auml;ger als der Waggon, stehenbleibt. Wir baden in den anderen.</p>
<p>Dann eine Baustelle, auf der ges&auml;gt wird und s&uuml;&szlig; die aufgebrochenen Holzfasern. Der Kadaver einer Kr&auml;he, gestern lag er auch schon im Gras. Und jetzt, unter der Sonne wird schneller gefressen, ist der Kopf schon fast ein Sch&auml;del. Drei Schritte hinter dem Vogel die feine, widerliche Ausd&uuml;nstung seiner Verwesung. Benzin, Asphalt, Hundekot. Dann ein Windsto&szlig;, der mir durchs Hemd f&auml;hrt und mich f&uuml;r Augenblicke meines K&ouml;rpers entledigt. Dann steigt er in die Bl&auml;tter eines Baumes und von Baum zu Baum verschwindet er.</p>
<p>In den Gesichtern steht der Sonnenschein, ein leichter Schatten in den Augen, eine Blindheit, die einen Faden aus dem Gewebe zieht. Verwundert sind alle und gehen langsamer. Die Fenster brennen und leichter Staub steigt auf von den Wegen. Und rot, wie die Sonne bald untergehen wird, gl&uuml;hen die K&ouml;pfe der Betrunkenen auf den Pl&auml;tzen. Was ich denke, stockt mir mitten im Satz. Eine gl&uuml;ckliche Vertierung, die in mir mit dem Schwei&szlig; aufwallt,</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ben: Die Individuation des Geruches</title>
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		<pubDate>Fri, 09 May 2008 09:40:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gelesen und Geblieben]]></category>
		<category><![CDATA[Geruch]]></category>
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		<description><![CDATA[&#0187;Der Gestank kam aus der Gef&#228;ngniszelle nebenan. Dort lag der alte Ben, und Ben war der schmutzigste Mann der ganzen Welt.&#0171; Er war &#0187;ein ehemaliger Tramp, der nicht mehr auf die Walze ging&#0171; und lebte nun &#0187;auf Feather&#8217;s Wharf, einer riesigen M&#252;llkippe auf der S&#252;dseite von Wandsworth Bridge. &#8230; Er hatte nur &#8230; zwei Besch&#228;ftigungen: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/09/feathers-wharf.jpg" class="floatbox" rev="group:1104 caption:`M&uuml;llbeseitigung auf der M&uuml;llkippe Feathers Wharf, Wandsworth, London (1973)`"><img class="alignnone size-medium wp-image-1105" title="M&uuml;llbeseitigung auf der M&uuml;llkippe Feathers Wharf, Wandsworth, London (1973)" src="/wp-content/uploads/2008/09/feathers-wharf-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" /></a></p>
<blockquote><p>&#0187;Der Gestank kam aus der Gef&auml;ngniszelle nebenan. Dort lag der alte Ben, und Ben war der schmutzigste Mann der ganzen Welt.&#0171; Er war &#0187;ein ehemaliger Tramp, der nicht mehr auf die Walze ging&#0171; und lebte nun &#0187;auf Feather&#8217;s Wharf, einer riesigen M&uuml;llkippe auf der S&uuml;dseite von Wandsworth Bridge. &#8230; Er hatte nur &#8230; zwei Besch&auml;ftigungen: Sachen zu sammeln, die andere Leute weggeschmissen hatten, und Bier zu trinken.<br />
Manchmal trank Ben zu viel und torkelte aus Feather&#8217;s Wharf hervor in die Stra&szlig;en hinaus, im Zickzack &uuml;ber die Gehsteige, wo er an Laternenpf&auml;hlen abprallte, alte Lieder sang und jedermann, der vorbeikam, mit dem Finger drohte. Wenn das vorkam, wurde Ben verhaftet und in einer Polizeizelle ausgen&uuml;chtert &#8230;<br />
Ben roch wirklich streng, es war ein ganz spezielles Aroma: ein Gebr&auml;u aus K&ouml;rperger&uuml;chen, verfaultem Abfall, getrocknetem Urin, Holzrauch und stagnierendem Themsewasser. Ben wusch sich nie, und sein Nacken war kreuz und quer von tiefen Schmutzfalten &uuml;berzogen und &uuml;bers&auml;t mit den Narben alter Pickelvulkane. Jede Pore seines K&ouml;rpers war verstopft vom Ru&szlig; des immerw&auml;hrend von den ewigen Feuern aus Abfall und M&uuml;ll aufsteigenden Rauchs, die er an der Schwelle seiner eigenen H&uuml;tte in Gang hielt.<br />
Sein Haar war schwarz und lang und gl&auml;nzte fettig, wo er sich die H&auml;nde abgewischt hatte; es war seit Jahren nicht mehr geschnitten worden, und die wilden Zotteln verfingen sich in den R&auml;ndern eines gro&szlig;en Bartes, der, sich selbst &uuml;berlassen, von einer Seite seines Gesichts bis zur anderen &uuml;ppig florierte. Duch diese Hecke stach eine enorme Nase, und weiter unten lag (wenn auch wohlversteckt) ein gro&szlig;er Mund mit vorstehenden braunen Z&auml;hnen, die das Bier und das Nikotin, der Speichel und die Zeit zu sinistren Formen ausgeschliffen hatten. Auch Bens Fingern&auml;gel waren gezackt und breit wie Schaufeln, jeder mit gen&uuml;gend Schmutz beladen, um darin Kartoffeln zu ziehen.&#0171;</p></blockquote>
<p>Michael de Larrabeiti, Die Borribles, Stuttgart 2007, S. 318f.</p>


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		<title>Zephyrs Spiel</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Feb 2008 14:56:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewußtseinssturz]]></category>
		<category><![CDATA[Ahnungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Heute war Fr&#252;hling in der Luft. Nat&#252;rlich nur ein erster, sch&#252;chtern vorgestreckter Trieb mitten im Winter. Aber er war da. Im Treppenhaus roch es lebendig, als ich hinausging. Der Himmel war weit und offen, war ein freundliches L&#228;cheln, nicht jenes harte, ernste Gesicht, mit dem der Winter bedauernd und zweifelnd dem sich durchk&#228;mpfenden Leben zusieht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/09/floraundzephyr.jpg" class="floatbox" rev="group:786 caption:`William-Adolphe Bouguereau (1825-1905) - Flora And Zephyr (1875)`"><img class="rand size-medium wp-image-787 alignnone" title="William-Adolphe Bouguereau (1825-1905) - Flora And Zephyr (1875)" src="/wp-content/uploads/2008/09/floraundzephyr-294x300.jpg" alt="" width="235" height="240" /></a></p>
<p>Heute war Fr&uuml;hling in der Luft. Nat&uuml;rlich nur ein erster, sch&uuml;chtern vorgestreckter Trieb mitten im Winter. Aber er war da. Im Treppenhaus roch es lebendig, als ich hinausging. Der Himmel war weit und offen, war ein freundliches L&auml;cheln, nicht jenes harte, ernste Gesicht, mit dem der Winter bedauernd und zweifelnd dem sich durchk&auml;mpfenden Leben zusieht. Es war nicht n&ouml;tig, soldatisch knapp von Verrichtung zu Verrichtung zu marschieren durch das vom Feind besetzte Gebiet drau&szlig;en vor dem Basislager. Vielmehr ein erstes, angedeutetes Spazierengehen in meinen Beinen und im Schritt der anderen auf den Stra&szlig;en.<br />
Entscheidend aber ist, welche Resonanzen der sch&uuml;chterne Fr&uuml;hling in eines Menschen Seele erzeugt. Da&szlig; ich es wage, &uuml;berhaupt eine Seele zu haben beim Gehen durch die &auml;u&szlig;ere Welt. Mein Soldatensinn, wintererprobt, hielt sich mit Spott auch nicht zur&uuml;ck: nichts ist anders, kalter Wind, graue Wolken, schmutzige Stra&szlig;en, machte er aus. Doch da war noch mehr. Der Wind war zwar kalt, aber er spielte mit seiner K&auml;lte, umspielte die freundlichen Absichten. Nicht der harte Graubart Boreas war es, sondern Zephyr, der Verspielte mit schmalen Schultern weichen Lippen. Und f&uuml;r einen Augenblick griff er mich als Aufwind, griff mir in die Seele als w&auml;re sie ein Segel und hob mich ab von den schmutzigen Stra&szlig;en, so da&szlig; die sonnigen Streifen zwischen dem Grau der Wolken wichtiger wurden als die Farbe Boreas&#8249;. Da wurde meinem Soldatensinn schwindlig und ich konnte sehen, da&szlig; es noch ferneres, besseres gibt als die n&auml;chste, sch&uuml;tzende T&uuml;r. Welch ein Gemisch: der schwindelnde Soldatensinn, das tr&auml;umende Herz, das an Zephyrs sanft fl&uuml;sternden Lippen h&auml;ngt. Am ehesten Sehnsucht zu nennen, leise und formlos, ins Allgemeine gehend entlang der Geleise, die die grauen Wolken in den sich w&auml;rmenden Himmel gezeichnet haben.<br />
Und so ergab sich der erste Spaziergang, auf den ich Wintersoldat in diesem Jahr gegangen bin. Χαῖρε Ζέφυρε!</p>


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