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	<title>Rauhfasler &#187; Inschriften</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Verschleiß</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 10:37:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Fenster]]></category>
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		<category><![CDATA[Niedergang]]></category>
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		<description><![CDATA[Vier verblichene Eckfahnen Greifen mit Fäden, Die Verschleiß in einer langen Geschichte Am Rand des Stoffs herausgezogen hat, Nach dem Wind, Der auf dem leeren Spielfeld Grashalme niederdrückt. Im Fleet schwimmen drei Enten Wie lauernde Schnellboote, Auf Patrouille ausgesandt nach einem, Der im spärlichen Gestrüpp Oberhalb des betonierten Wasserlaufs Sein Glück versucht, Und sich doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/11/graffi-k.jpg" class="floatbox" rev="group:5388 caption:`Schriftzeichen aus einem Gaffiti-Tag (Quelle: Graffiti-Taxonomy Paris, Evan Roth)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/11/graffi-k-300x244.jpg" alt="Schriftzeichen aus einem Gaffiti-Tag (Quelle: Graffiti-Taxonomy Paris, Evan Roth)" title="Schriftzeichen aus einem Gaffiti-Tag (Quelle: Graffiti-Taxonomy Paris, Evan Roth)" width="300" height="244" class="rand size-medium wp-image-5390" /></a></p>
<p>Vier verblichene Eckfahnen<br />
Greifen mit Fäden,<br />
Die Verschleiß in einer langen Geschichte<br />
Am Rand des Stoffs herausgezogen hat,<br />
Nach dem Wind,<br />
Der auf dem leeren Spielfeld<br />
Grashalme niederdrückt.</p>
<p>Im Fleet schwimmen drei Enten<br />
Wie lauernde Schnellboote,<br />
Auf Patrouille ausgesandt nach einem,<br />
Der im spärlichen Gestrüpp<br />
Oberhalb des betonierten Wasserlaufs<br />
Sein Glück versucht,<br />
Und sich doch nur<br />
Die Schultern an Dornen wetzt.</p>
<p>In schwarzen Schriftzügen<br />
Auf Wänden und Fensterrahmen<br />
Hängen mitten in der Fluchkursive<br />
Die Bögen einzelner Buchstaben herab,<br />
Als hätte den Schreiber wie plötzliche Krankheit<br />
Ein Zweifel angefallen.</p>
<p>Da auf den Pflastersteinen ist noch<br />
Ein letzter Rest Feuerwehrsand auszumachen,<br />
Gleich bei der Tür, wo man gestern<br />
Irgendeinen Namenlosen niederstach.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Unten und Oben im Schnee</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Jan 2009 16:12:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blendungen]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenfälle]]></category>
		<category><![CDATA[Andeutungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Über Nacht ist der Schnee in meine Straße zurückgekehrt. Schnee fällt geräuschlos &#8211; und so war ich ganz ganz unvorbereitet, als ich am Morgen den Vorhang zurückzog. Schnee auf der Straße! Auf den Bürgersteigen, den Autos, Zaunpfählen, Mülltonnen, Dächern, auf jeder vorspringenden Verzierung an den Fassaden, auf den Fahrradsätteln, in den Regenrinnen zu feinen, runden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/01/keilschrifttafel.jpg" class="floatbox" rev="group:2417 caption:`Sumerische Keilschrifttafel (Vorderasiatisches Museum Berlin, Inventar-Nr. VAT 12754)`"><img class="rand size-medium wp-image-2421" title="Sumerische Keilschrifttafel (Vorderasiatisches Museum Berlin, Inventar-Nr. VAT 12754)" src="/wp-content/uploads/2009/01/keilschrifttafel-300x300.jpg" alt="Sumerische Keilschrifttafel (Vorderasiatisches Museum Berlin, Inventar-Nr. VAT 12754)" width="300" height="300" /></a></p>
<p>Über Nacht ist der Schnee in meine Straße zurückgekehrt. Schnee fällt geräuschlos &#8211; und so war ich ganz ganz unvorbereitet, als ich am Morgen den Vorhang zurückzog. Schnee auf der Straße! Auf den Bürgersteigen, den Autos, Zaunpfählen, Mülltonnen, Dächern, auf jeder vorspringenden Verzierung an den Fassaden, auf den Fahrradsätteln, in den Regenrinnen zu feinen, runden Hügeln getürmt. Und auf den Ästen und auch noch den dürrsten Zweigen der Bäume: Schnee.</p>
<p>Es war noch so früh, daß ich den Schnee ganz für mich hatte, ohne Fußstapfen und Reifenspuren, in vollkommen reinen Oberflächen über alles gebreitet. Die tiefgreifendste Veränderung betraf das Licht. Der Boden leuchtete jetzt viel Stärker als der Himmel. Mein Schlafzimmer wurde nicht von einem Streifen Dämmerung von oben her beleuchtet, sondern von der Straße, den Dächern, den Fahrradsätteln. Das Licht kam von unten.</p>
<p>Und dann noch die unerwartete Veränderung der Bäume. In ihrem eigenen, verwobenen Leuchten standen die vom Schnee verwandelten Baumkronen da, jede für sich ein wegloser Wald. Dicht vor meinem Fenster eine solche undurchdringliche Tiefe &#8211; ich bin in einer Köhlerhütte erwacht.</p>
<p>Die aufsteigende Sonne bestätigte die Unkehrung der Verhältnisse, je weiter der Tag hereinbrach. Denn da war ja gar keine Sonne, deren Aufsteigen den Tag gebracht hätte. Nur eine ebenmäßige graue Fläche. Von ihr kam kein helleres Licht als von der Schneefläche unten. Während es Tag wurde, nahm nur die Unterschiedslosigkeit zwischen Erde und Himmel zu: Oben und unten dieselbe Fläche; der Himmel eine weite Ebene aus weichem Grau, um weniges unterbrochen nur von einzelnen Erhebungen, von Wolkenbändern, die sich ausnahmen wie hier unten die Dächer und Zäune. Und immernoch kam von unten her doch eigentlich eher noch das Tageslicht als von oben. Keine Sonne dort, nicht einmal ein hellerer Fleck im Grau. Der Sonne war dieser Tag, der allmählich vor meinen Fenstern aufging, nicht zu verdanken.</p>
<p>Scheu habe ich, als ich unaufschiebbar mußte, den ersten Schritt in den Schnee hinaus getan. Da waren die Spuren zweier Vögel in der unangetasteten Schneefläche, rätselhafte Zeilen einer Keilschrift, quer über den Weg und die Beete geschrieben. Und nun meine schweren, knarrenden Schritte, die tiefe Trichter in den Schnee rissen. Bis auf meinen Schritt: Stille &#8211; auch darin die Verwandlung der Erde zum leichteren. Kaum hörbar hinter den schneebewehrten Formen das beginnende Tagesgeschäft. Ein Pfad unter Bäumen, keine Häuser mehr. Ich bin nach kurzem Marsch plözlich in einem vollkommen weißen Tunnel: der leicht ansteigende, noch spurenlose Weg vor mir &#8211; und darübergespannt von rechts und links eine Überdachung aus Baumkronen, lückenlos überzogen mit Schnee.</p>
<p>Kein Unten und Oben mehr, meine ich zuerst, bis ich den Kopf in den Nacken lege. Weiß auf Grau gemalt steht mir eine gegenstandslose Federzeichnung vor Augen. Viele Bögen mit kalligraphischen Notizen voreinandergezogen. Mitten hinein laufen die schwarzen Unterseiten der Zweige und unterstreichen die wichtigsten Züge, deuten Figuren an und geben Hinweise auf sonderbare Zusammenhänge. Schicht um Schicht ein Labyrinth &#8211; oder mehrere Ebenen der Leichtigkeit. Und Herrschaft der Lüfte: das alles aufgefangen zwischen den Ästen und Zweigen, die sich weiß umkleidet vor dem ebenmäßig grauen Himmel über den Weg spannen. Da ist oben. Trotz aller schneeverliehenen Reinheit ist der Weg, den ich langsam hinansteige, weiterhin unten. Oben ist die Leichtigkeit &#8211; unten das Knirschen und die Krater von meinen Stiefeln.</p>
<p>Als mir von den Linien im selbstleuchtenden Labyrinth schwindlig wird, muß ich auf meine Stiefelspitzen sehen. An ihnen ist der Schnee schon weit aufgestiegen und krustig geworden. Vor meinen Füßen aber: wieder eine Vogelspur. Zwei Reihen feiner Keilschrift. Sobald ich kann, blicke ich doch wieder nach oben. Aber dann kommt mir diese Vogelspur, diese Beschriftung in den Sinn. Ich denke: immerhin gibt es ein Werk wie das der Vögel. Von dort oben etwas in das Untere hinabbringen. Den Baldachin der Andeutungen, der spielenden Ebenen aus den schneeweißen Baumkronen nach unten tragen &#8211; als Inschrift, als heimliche, leichtfüßige Anspielung.</p>
<p>Dann habe ich das Ende des Höhlenganges erreicht. Fröhlich habe ich Bäume und Weg zurückgelassen.</p>


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		<title>Fahrstuhlgedanken</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Aug 2008 10:37:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich gehe über den Campus. Es stehen hier dieselben Gebäude wie sonst überall in dieser Stadt, vor allem sind sie aus Beton gegossen. Außergewöhnlich für diese Stadt ist aber das Hochhaus, das ich betreten muß, weil in ihm die Geisteswissenschaften kompakt zusammengepfercht sind. Ich stehe in der Halle, von der die zig Aufzugschächte abgehen. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-medium wp-image-285" title="Fahrstuhl" src="/wp-content/uploads/2008/08/aiga-11_elevator1-193x300.gif" alt="" width="193" height="300" /></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ich gehe über den Campus. Es stehen hier dieselben Gebäude wie sonst überall in dieser Stadt, vor allem sind sie aus Beton gegossen. Außergewöhnlich für diese Stadt ist aber das Hochhaus, das ich betreten muß, weil in ihm die Geisteswissenschaften kompakt zusammengepfercht sind. Ich stehe in der Halle, von der die zig Aufzugschächte abgehen. Ich bin für einen Augenblick allein und kann dem Rauschen und Schleifen zuhören, das aus den Schächten dringt. Irgendwo über mir hält ein Aufzug an und eine Computerstimme dringt hallend aus der Ferne: „Sechstes Obergeschoß“. In einem Science-Fiction-Film würde die Stimme jetzt sagen: „Waffendeck“ oder „Arboretum“.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein Fahrstuhl hat nun das Erdgeschoß erreicht und mit mir steigen noch drei andere ein. Die gebürsteten Stahltüren der Kabine schließen sich und mit lange eingebübter Gewohnheit will ich gerade anfangen, meine Augen an einen leeren Punkt im Fahrstuhl zu heften, regungslos zu werden und mich selbst über die Tatsache hinwegzutäuschen, daß ich in einem so kleinen Raum mit Menschen eingesperrt bin, denen es anscheinend existentiell wichtig ist, nicht bemerkt zu werden; oder ist es mir wichtig, nichts von ihnen zu bemerken? Während einiger besonders nervenfordernder Fahrstuhlfahrten stellt sich diese Frage, gerade dann, wenn ich den fürs Fahrstuhlfahren notwendigen leeren Punkt nicht rechtzeitig gefunden habe. Die Türen sind nun fast geschlossen: und ich staune sie an. Jemand hat eine Frage auf die Türen geschrieben, die für die Insassen erst sichtbar wird, wenn die Kabine gleich abfahren wird, eine Frage aus drei Worten, zwei auf der linken, eines auf der rechten Tür. Eine Alternative, deren Teile jetzt, nachdem sich die Türen geschlossen haben, vor meinen Augen zusammengefügt worden sind. Es steht da: „Yes or No“. Und gleich werden „Yes“ und „No“ wieder auseinandergerissen werden, wenn ich im vierten Stock, Holodeck und fürs erste Literaturwissenschaft, angekommen bin. Yes or No&#8230; Im Fahrstuhl knistert die Stille und die drei schweigenden, reglosen Unbekannten um mich sind vielleicht genauso verunsichert von dieser elementaren Frage. Vielleicht haben sie auch gar nichts bemerkt. Alles, was ich vernehme, ist das schnaufen einer Frau gleich neben mir; sie klingt wie ein alter Kanalarbeiter. Yes or No. Ich muß aussteigen und kann mich von der Frage lösen. Als sich die Tür gerade auseinandergeschoben hat, sind Yes und No auseinandergetrieben, der Abstand zwischen ihnen wurde immer unüberbrückbarer. Und da mußte ich mitten durch, um an mein Ziel zu gelangen. Was wird jetzt aus mir?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nach einer Weile und der raschen Erledigung meiner Besorgungen stehe ich wieder in der Halle mit den Fahrstuhlschächten. Ich muß noch weiter nach oben. Als ich den Rufknopf drücke, hoffe ich, daß die Frage mich wieder abholt. Ich kann nurnoch ungefähr sagen, welcher der Fahrstühle es war und der, der jetzt aufgeht, könnte der richtige sein. Ich steige hoffnungsvoll und schüchtern ein. Die Türen schließen sich und – suind völlig unbeschrieben, bloß gebürstet und mit Streifen gezeichnet, die die letzte Reinigungskraft hinterlassen hat. Enttäuscht suche ich mir einen leeren Fleck und, an der Rückwand dieser Kabine, finde ich – eine weitere Botschaft. Ein einfacher, selbstbedruckter Aufkleber ist etwas über Stirnhöhe angebracht. Er zeigt einen schematischen Kopf, in dem Kopf zwei Zahnräder. Ein mechanischer Kopf; eine mir wohlbekannte Angstvorstellung. (Abwesenheit von Freiheit, die Natur, die sich so stellt, als hätten wir auf sie irgendwelchen Einfluß und doch im Hintergrund nur sauber, ungestört weitersummt, ihren eigenen Zielen entgegen.) Über dem mechanischen Kopf steht: „Auch du hast Sexismen verinnerlicht!“ Und darunter: „Für eine kritische Reflexion des eigenen Verhaltens“. Schon wieder bin ich ertappt. War es falsch, das Schnaufen der jungen Frau vorhin zu bemerken? Sie in Gedanken gar mit einem Kanalarbeiter zu vergleichen? War das ein Sexismus, den ich verinnerlicht habe, ohne daß es mir bewußt ist – sollte ich mich jetzt kritisch selbstreflektieren? Glücklich kann ich mich schätzen, daß mir in der Bibliothek ein behäbiger, großbäuchiger und ganz offenbar männlicher Bibliothekar begegnet ist und nicht etwa – eine junge Bibliothekarin. Wie macht man das wohl richtig: sich selbstreflektieren? Wo fängt man an? Ich jetzt der Augenblick, mir der Selbsterkenntnis zu stellen? Und sollte mich die Tür des ersten Fahrstuhls, auf deren Flügeln eben noch ein unversöhnlicher Gegensatz auseinanderklaffte, durch den ich hindurchgehen mußte – sollte mich daß vorbereiten auf die Entscheidungssituation, in der ich jetzt plötzlich stehe? Glücklicherweise bin ich allein in dieser langsam sich aufwärtsschiebenden Kabine. Weder Frauen noch Männer um mich und in den gebürsteten Fahrstuhltüren sehe ich kein Spiegelbild. Wie stoppt man die Zahnräder im eigenen Kopf? Eine Putzfrau hat Schlieren mit ihrem Wischtuch hinterlassen. Eine Frau – ein Mann – ein geschlechtsloses Wesen, das seine Sexismen ausgeschieden, ein Lackpantöffelchen in die Zahnräder geworfen hat?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Im zehnten Stock verstricke ich mich in diese Fragen. Ich fahre ganz nach unten, bis auf den Boden zurück mit einem Fahrstuhl, der seinerseits mir in großen, ungelenken Buchstaben mitteilt: „Take me down“. Und im Keller, in der Nähe der Kopierer, steht auf der Tür des Triebwerksraums für die Aufzüge: „Must not sleep, must warn others“. Ich weiß nicht ein noch aus. Vielleicht entspricht es der menschlichen Natur nicht, in einer halben Stunde zehn Stockwerke aufzusteigen und herabzufahren, vielleicht geht das nicht spurlos vorüber.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wrong is Right</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2008 10:39:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Probleme mit Wörtern]]></category>
		<category><![CDATA[Botschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Fundstück]]></category>
		<category><![CDATA[Inschriften]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachverwicklung]]></category>
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		<description><![CDATA[An eine Wand, an der ich vorbeikomme, ist ein Blatt Papier angeleimt, auf das drei Worte gedruckt worden sind: Wrong is Right. Das Papier führt ein parasitäres Dasein: Es sitzt auf einem Plakat, das zu einer Demonstration aufruft, jenseits der öffentlichen Meinung. Einige Schritte weiter, auf derselben Fassade, ist das gleiche noch einmal zu beobachten: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/09/wrongright.jpg" class="floatbox" rev="group:814 caption:`Wrongright`"><img class="alignleft size-medium wp-image-815" title="Wrongright" src="/wp-content/uploads/2008/09/wrongright-300x91.jpg" alt="" width="300" height="91" /></a>An eine Wand, an der ich vorbeikomme, ist ein Blatt Papier angeleimt, auf das drei Worte gedruckt worden sind: Wrong is Right. Das Papier führt ein parasitäres Dasein: Es sitzt auf einem Plakat, das zu einer Demonstration aufruft, jenseits der öffentlichen Meinung. Einige Schritte weiter, auf derselben Fassade, ist das gleiche noch einmal zu beobachten: Großflächig ein politisches Plakat, ernst gemeint, aufrichtig und darauf, schwarz auf weiß hervorstechend, wieder dieses Blatt, das verkündet: Wrong is Right.<br />
Das ist eine verwirrende Aussage. Falsch ist richtig, oder Das Falsche ist das Richtige. Wie soll man das verstehen?<br />
Einiges oberflächliches Scharren im Humus der Popkultur fördert zu Tage, daß es eine Band gibt, die unter diesen verwirrenden drei Worten auftritt. Außerdem gab es einen Film, eine politische Satire, die so hieß. Und vielleicht sind diese aufgeleimten Blätter ja auch satirisch gemeint.<br />
Das Falsche ist das Richtige. Alles mögliche kann richtig oder falsch sein: Eine Meinung, eine Tat, eine Vermutung, ein Plan. Es war falsch, daß du das gemacht hast! hört der ungezogene Junge von seinem strengen Vater. Das ist doch völliger Unsinn! sagt der Besserwissende zu einem, der gerade eine verworrene Ansicht vorgebracht hat. Zu den Besserwissern und strengen Vätern würden wir doch alle gerne sagen: Das Falsche ist das Richtige, das heißt, Du verstehst bloß nicht was ich sage, wer ich bin, von dir jedoch lasse ich mir nicht das recht Absprechen einer zu sein, etwas zu sagen, was bloß in deinen Augen falsch ist. Dann ist es ja doch vielleicht ganz richtig zu sagen: Falsch ist richtig, eine Parole gegen die Unterdrückung von den einen, die ins falsche Licht gerückt sind, durch die anderen, die meinen, das Recht stärke ihnen den starren Rücken. &#0187;Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.&#0171;<br />
Aber da ist doch ein kratzendes Unwohlsein, wenn ich höre: Das Falsche ist Richtige. Die angeleimten Plakate erschienen mir selbst wie Besserwisser obenauf an der Wand zu sitzen. Du meinst, irgendetwas richtiges zu sagen? Das Falsche ist das Richtige, und das bedeutet, für dich gesagt, immer das, was du gerade als das Falsche ansiehst. Wenn du etwas als Falsch ausgemacht hast, nun, ein bestimmter Jonglierkünstler war schneller als du, hat längst alles umgekehrt und jetzt: Ist das Falsche das Richtige &#8211; aber was du meinst, das ist sicherlich falsch. Jener Jonglierkünstler, der tanzt vor der behäbigen Wahrheit herum und nimmt ihr alles aus der Hand und läßt es im Kreis vor ihren Augen tanzen, bis der behäbigen Wahrheit ganz schwindlig wird und sie nichts mehr sagen kann, auch nichts mehr bei sich hat, bis sie mit leeren Händen dasteht. Dann sagt der Jonglierkünstler: Das Falsche ist das Richtige &#8211; und die Wahrheit kippt hinten über, bleibt liegen und regt sich nicht mehr. Also: Wenn du, der hier vorbeigeht und vielleicht irgendetwas meint, wenn du auch noch meinst, das sei womöglich richtig und zutreffend, laß dir sagen &#8211; das gerade Gegenteil ist der Fall. Aber wenn du eine Einsicht hast und dich dem Gegenteil verschreibst: dann ist es eben wieder das erste, das richtig ist, sofern du bei dir denkst, das erste sei mittlerweile das Falsche. Meine also besser nichts mehr, denn etwas zu meinen, das ist falsch &#8211; ach nein, es ist richtig, denn das Falsche ist das Richtige. Und immer so fort dreht es sich im Kreis und die behäbige Wahrheit streckt alle Viere von sich und schielt an der eigenen, mageren Nase entlang.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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