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	<title>Rauhfasler &#187; Krieg</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Pyroxilin</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Sep 2011 10:41:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich meinte in der letzten Nacht Zu sehen wie drei Bewaffnete Am Ende meiner Vorstadtstraße Hinter einer dunklen Hausecke In Stellung gingen, es war Bloß eine Einbildung, ich Habe ruhig geschlafen. Und es war vielleicht, Als ein Paket zugestellt wurde, Daß im Treppenhaus Stiefel hallten Und harte oder angstvolle Stimmen Warnungen oder Befehle Zu rufen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/09/07222-I-P-C-i-e-Iraq-Petroleum-Company-Tank-in-Haifa-terminus-with-plane-in-sky.jpg" class="floatbox" rev="group:15090 caption:`Iraq Petroleum Company: Öltank in Haifa  (aufgenommen zwischen 1934 and 1939; Library of Congress, Prints and Photographs Division, Matson Photograph Collection)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/09/07222-I-P-C-i-e-Iraq-Petroleum-Company-Tank-in-Haifa-terminus-with-plane-in-sky-300x223.jpg" alt="" title="Iraq Petroleum Company: Öltank in Haifa  (aufgenommen zwischen 1934 and 1939; Library of Congress, Prints and Photographs Division, Matson Photograph Collection)" width="300" height="223" class="rand size-medium wp-image-15098" /></a></p>
<p>Ich meinte in der letzten Nacht<br />
Zu sehen wie drei Bewaffnete<br />
Am Ende meiner Vorstadtstraße<br />
Hinter einer dunklen Hausecke<br />
In Stellung gingen, es war<br />
Bloß eine Einbildung, ich<br />
Habe ruhig geschlafen. </p>
<p>Und es war vielleicht,<br />
Als ein Paket zugestellt wurde,<br />
Daß im Treppenhaus Stiefel hallten<br />
Und harte oder angstvolle Stimmen<br />
Warnungen oder Befehle<br />
Zu rufen schienen und</p>
<p>Polizei- oder Militärfunk<br />
Durch die Fenster drang,<br />
Man sollte nicht ohne Not<br />
Auf die offene Straße treten<br />
Und die Dächer im Auge behalten, </p>
<p>Und der Boden schwankt,<br />
Von den schlagenden Wellen,<br />
Ein Wachgänger schlägt Alarm<br />
Piraten längsseits, ich gebe Befehl<br />
Das Feuer zu eröffnen &#8211;</p>
<p>Mein Fernseher,<br />
Der mir an diesem Abend wohl<br />
Das meiste verschweigt,<br />
Ist über den Golf von Aden<br />
Zu mir gekommen, und<br />
Keiner meiner Brüder starb<br />
In Al Fallūjah oder wie<br />
Immer derselbe Ort<br />
Gerade genannt wird:</p>
<p>Aber es ist,<br />
Als wäre da ein Brandschatten<br />
An den Rändern von allem,<br />
Was ich oder was du<br />
Überhaupt sehen kannst und<br />
Als würde der Frieden<br />
Nach einem Schwelbrand<br />
Schmecken.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Herstellung von Sitzpolstern</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Feb 2011 09:06:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliches Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Unrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Unterderoberfläche]]></category>
		<category><![CDATA[Waffen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Zufriedenheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Herstellung von Sitzpolstern erfordert Eine neue, gründlich erbrachte Begründung; Das Abspielen klassischer Orgelmusik Sollte man grundsätzlich überdenken; Und die wohlige Zufriedenheit ebenfalls, Jene zum Beispiel Beim Genuß des Morgenkaffees an einem freien Sonntag / Zum Beispiel unter der Dusche des Sportvereins nach der Straffung / Schon überflüssig gewordener Muskeln, zum Beispiel / Nach dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/gaddafiumriss.jpg" class="floatbox" rev="group:12172 caption:`Umriss von  Muammar al-Gaddafi (nach einem Portrait von Doug McKinlay)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/gaddafiumriss-225x300.jpg" alt="" title="Umriss von  Muammar al-Gaddafi (nach einem Portrait von Doug McKinlay)" width="225" height="300" class="rand size-medium wp-image-12193" /></a></p>
<div><span style="font-variant:small-caps;">Die Herstellung von Sitzpolstern erfordert<br />
Eine neue, gründlich erbrachte Begründung;</span></p>
<p>Das Abspielen klassischer Orgelmusik<br />
Sollte man grundsätzlich überdenken;</p>
<p>Und die wohlige Zufriedenheit ebenfalls,<br />
Jene zum Beispiel</p></div>
<div style="width:450px; text-align:justify;margin:1em 0 1.3em 0;font-size:0.95em;">Beim Genuß des Morgenkaffees an einem freien Sonntag / Zum Beispiel unter der Dusche des Sportvereins nach der Straffung / Schon überflüssig gewordener Muskeln, zum Beispiel / Nach dem friedlichen Beischlaf in allergiearmer Bettwäsche / Oder nach getaner Arbeit bei der Erzeugung von Genußgütern, nach der Arbeit, von der wirklich keine Spuren bleiben werden, außer jenen, leicht wie die Abdrücke von Vogelklauen in Karst: Spuren im Gewissen / Wohlige Zufriedenheit also / Die ja so ziemlich das höchste Ziel ist, dem ein aufgeklärt denkender Mensch sich verschreiben könnte, nachdem man den Himmel bereits leergeräumt hat / Den Himmel, der deshalb auch keine Linderung bereithalten wird / Keine Linderung / Zufriedenheit im Kreis der eigenen, halbwegs befriedigten Maßlosigkeit</div>
<p>Derartige Zufriedenheit:<br />
Muß jedem verdächtig werden,<br />
Der Ohren hat, zu hören:</p>
<p>Denn die gedungenen Diktatoren<br />
Gleich hinter unseren Grenzzäunen<br />
Haben sich inzwischen heiser geschrieen &#8212;<br />
Man hört jetzt ihre Stimmen brechen.</p>
<p>Den Kunden unserer Rüstungsfabriken, ihren Generälen,<br />
Brennt der angesparte Munitionsvorrat unter den Nägeln</p>
<p>Aber in den Bäuchen der Kinder, die mehr oder weniger<br />
Zum Verenden in diese käufliche Welt geboren wurden,<br />
Brennt die Wut mittlerweile noch stärker als: die ihnen vererbte Scham,<br />
Ihr Hunger, die vielleicht vollständige Abwesenheit von Hoffnung<br />
(Darüber kann man nur Vermutungen anstellen).</p>
<p>Die gedungenen Diktatoren schimpfen,<br />
Man hört ihre Stimmen brechen und<br />
Albern hohl klingt ihre pochende Faust<br />
Auf dem eilig hingezimmerten Rednerpult.</p>
<p>Ratlos sind sie, die Volksführer, unsere<br />
Geheimen Statthalter, geheimen Commerzienräte,<br />
Über die Welle aus Leibern, die sich selbst<br />
Weniger achtet als ihren Drang nach Gerechtigkeit;<br />
Und die wohlsituierten Generäle müssen<br />
Hohe Beträge aufwenden, weil ihre Soldaten<br />
Nicht wie sie selbst um Brosamen<br />
Von unseren prallen Tischen käuflich sind,<br />
Damit endlich gefeuert wird<br />
Aus dem aufgesparten Vorrat an Kugeln.</p>
<p>Die temperierte Zufriedenheit, mit der einer wie ich<br />
Aufsteht und zu Mittag etwas schreibt, so wie dies &#8212;<br />
Muß einem verdächtig sein,<br />
<span style="margin-left:12.5em;">Denn die Empörung</span><br />
Gleich hinter unseren Grenzzäunen wird allmählich<br />
Lauter noch<br />
Als die Schüsse.</p>
<hr />
<p>Zur Vertiefung des Themas empfohlen: <a href='http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/Salven.mp3' title="Salven, abgegeben im libyschen Bürgerkrieg">O-Ton.</a></p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wo ist?</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 10:23:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
		<category><![CDATA[Blut]]></category>
		<category><![CDATA[Heimat]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Sattsein]]></category>
		<category><![CDATA[Schreien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wo ist die Heimat die Du hören kannst im Wind Die an der Horizontlinie Zu sehen ist als Brand Und die vorbeizieht Wie Spuren von Parfüm? Wo wäre denn Die Große Schlacht zu schlagen Um die Wahrheit hinter allen Zwiebelschalen, in die du Dein Begehren hülltest Vor Zeiten schon? Wo ist, wofür Du heute eignes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/06/santa-barbara.jpg" class="floatbox" rev="group:7749 caption:`Waldbrand mit Helikopter`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/06/santa-barbara-300x191.jpg" alt="" title="Waldbrand mit Helikopter" width="300" height="191" class="rand size-medium wp-image-7774" /></a></p>
<p>Wo ist die<br />
Heimat die<br />
Du hören kannst im Wind<br />
Die an der Horizontlinie<br />
Zu sehen ist als Brand<br />
Und die vorbeizieht<br />
Wie Spuren von<br />
Parfüm?</p>
<p>Wo wäre denn<br />
Die Große Schlacht zu schlagen<br />
Um die Wahrheit hinter allen<br />
Zwiebelschalen, in die du<br />
Dein Begehren hülltest<br />
Vor Zeiten schon?</p>
<p>Wo ist, wofür<br />
Du heute eignes Blut gern gäbest<br />
Wofür du blaß und schreiend zögest<br />
Die Straßen hinab zur Mittagszeit<br />
Und bloß Scham empfändest</p>
<p>Für alle, die da lachend<br />
In der Fremde ihrer Sicherheit<br />
Auf ihren zu bequemen Plätzen<br />
Unverletzt und heimatlos<br />
Sitzen bleiben und<br />
Bleiben müssen<br />
Satt gesetzt?</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Mein Haus</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/mein-haus</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 10:31:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[Zerstörung]]></category>

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		<description><![CDATA[Bis Neuzehndreiundvierzig stand hier noch ein andres Haus, Tatsächlich, und im Keller haben sich zwei Dutzend kurzerhand Der Sommerkohle angeglichen, draußen aber, hörte ich, Sahen dann Schaufensterpuppen den nächsten Morgen Rötlich durch den Rauch: Menschenpuppen, die noch nachts Mitten im Lauf verwandelt wurden, fast wie das Haus, Das einem hohlen Zahn nun glich, es ragte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/10/kikismith.jpg" class="floatbox" rev="group:5152 caption:`Kiki Smith, Identical Twins`"><img src="/wp-content/uploads/2009/10/kikismith-233x300.jpg" alt="Kiki Smith, Identical Twins" title="Kiki Smith, Identical Twins" width="233" height="300" class="rand size-medium wp-image-5155" /></a></p>
<p>Bis Neuzehndreiundvierzig stand hier noch ein andres Haus,<br />
Tatsächlich, und im Keller haben sich zwei Dutzend kurzerhand<br />
Der Sommerkohle angeglichen, draußen aber, hörte ich,<br />
Sahen dann Schaufensterpuppen den nächsten Morgen<br />
Rötlich durch den Rauch: Menschenpuppen, die noch nachts<br />
Mitten im Lauf verwandelt wurden, fast wie das Haus,<br />
Das einem hohlen Zahn nun glich, es ragte tot<br />
Aus rotem Backsteinzahnfleisch in den aufgesperrten Mund<br />
Der Stadt.</p>
<p>Auf einem Schuttberg wächst nur wenig Gras.<br />
Neunzehnvierundfünzig wurden die alten Steine also<br />
Zu einer neuen Mauer wiederum: ich stehe hier und sehe<br />
Die Hand schon an der Klinke, dieses Jahr in Ton geschrieben:<br />
Avfgebavt ein neues Haus, ein altes jetzt schon wieder.<br />
Ich rieche Rauch und frage mich, wohin die Luke führt<br />
Im Keller.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wohlstand</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/wohlstand</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 09:50:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Überleben]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Wetter]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Fernsehen präsentiert abgerissene Notizzettel aus der großen, weiten Welt. Zuerst eine Mauer oder ein Zaun, der Schutzwall gegen den kapitalistischen Faschismus &#8211; so hat man wohl gesagt. Ein ausgeklügelter Schutzwall mit Suchscheinwerfern, Schießbefehl, Stolperdrähten, Wachtürmen, Mienen, Selbstschußanlagen usw. Dann kommt der noch ausgeklügeltere Freiheitsdrang von einigen Menschen zu Wort und es wird gezeigt, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/09/maske-limes.jpg" class="floatbox" rev="group:4995 caption:`Maske eines römischen Soldaten aus dem Limes-Museum Aalen (von Flickr-Benutzer wo.men)`"><img class="rand size-medium wp-image-4997" title="Maske eines römischen Soldaten aus dem Limes-Museum Aalen (von Flickr-Benutzer wo.men)" src="/wp-content/uploads/2009/09/maske-limes-206x300.jpg" alt="Maske eines römischen Soldaten aus dem Limes-Museum Aalen (von Flickr-Benutzer wo.men)" width="206" height="300" /></a></p>
<p>Das Fernsehen präsentiert abgerissene Notizzettel aus der großen, weiten Welt. Zuerst eine Mauer oder ein Zaun, der Schutzwall gegen den kapitalistischen Faschismus &#8211; so hat man wohl gesagt. Ein ausgeklügelter Schutzwall mit Suchscheinwerfern, Schießbefehl, Stolperdrähten, Wachtürmen, Mienen, Selbstschußanlagen usw. Dann kommt der noch ausgeklügeltere Freiheitsdrang von einigen Menschen zu Wort und es wird gezeigt, wie man dem selbstgerechten Totalitarismus des antifaschistischen und antikapitalistischen Regimes entkommen konnte: Selbstgenähte Heißluftballons, selbstgeschreinerte Hochleistungssurfbretter, ein Stahlseil zwischen einem antikapitalistischen Haus und einem in aller Freiheit dastehenden Haus gespannt, sogar eine Grenzüberquerung mit Ultraleichtflugzeugen, wie sie in einem Agententhriller hätte stattfinden können. Und dann, in der Freiheit: Staunen über das Einkaufszentrum, erstmal ein Bier zur Feier des Abends. Ende der Sendung.</p>
<p>Nächster Schutzwall: der Limes. Ein Spezialist für Militärgeschichte redet über das Hinterland, das Vorfeld, die Zangenbewegung. Trachtengruppen rudern ein nachgebautes Binnenkriegsschiff, das Navis lusoria, ein &#0187;tänzelndes Schiff&#0171;. Geodäten wundern sich über die Präzision der Römer, die ihren Wall wie eine abstrakte Linie durch die Landschaft gebaut haben. Berittene Legionäre in der Winterlandschaft. Sie tragen versilberte Masken und sehen aus wie unberührbare Götter. Und hinter dem Limes der germanische Urwald, die Kamera fängt einen Bären ein, einen Wolf und einen Luchs. Wie sind die Filmemacher wohl an diese Tiere gekommen? Hat man sie in einem Zoo ausgeliehen? Eine freie, weite Landschaft wird gezeigt, eine Welt, in der man Platz hatte. Dann kam aber, sagt der sonore Sprecher, ein Kälteeinbruch, die Germanen leiden Hunger und überrennen den Schutzwall. Völkerwanderung. <span id="more-4995"></span></p>
<p>Ende der Sendung. Zum Abschluß Nachrichten: Politiker im Interview, die so glatte Formulierungen finden, daß man, sollte man den Versuch unternehmen, darauf einen zweiten Gedanken zu richten, feststellen müßte, daß die Verlautbarungen unverständlich sind wie das Gemurmel eines Orakels. Aber von irgendeiner Zukunft war doch gar nicht die Rede? Nächster Bericht: In Spanien versinken Ortschaften im Regen, die Straßen sind zu Flußbetten geworden, Autos pflügen sich durch das Wasser. Am Wochenende soll das Wetter auch in Spanien wieder besser werden. War das scherzhaft gemeint? Wann wird der Pegelstand der Straßenflüsse zum Wetterbericht gehören? Themenwechsel: Auf den Philippinen ertrinken Menschen im Regen. Ein Mann berichtet, wie sein Haus fortgespült wurde &#8211; er verschwendet keine Kraft darauf, hoffnungslos auszusehen. Auf einem Schutthaufen steht ein Hund und blickt dem Schiff hinterher, auf dem die Kamera herumgefahren wird. Er ist so mager, daß sich sein Fell straff über die Rippen spannt wie eine gerahmte Leinwand. Ein magerer Hund und außerdem eine alte Frau, die mitten im Weltuntergang ihren vor kurzem geborenen Enkel in einen Reisebus hebt.</p>
<p>Ausschalten. Die Bilder wiederholen sich. Die idyllische Winterlandschaft, davor der dampfende Atem des Pferdes, ein Legionär hinter einer glänzenden Eisenmaske, die Maske lächelt siegesgewiss, die Augen liegen hinter zwei kreisrunden, schwarzen Löchern. Die glitzernden Einkaufszentren im Reich der freien Kapitalbewegungen sind das Fluchtziel. Phrasendreschende Staatsmänner: Die Atomkraft als Brückentechnologie. Aber wohin spannt sich diese Brücke? Wir leben längst nicht mehr, hat ein politischer Vordenker neulich gesagt, in einer Mangelwirtschaft. Es gehe darum, den Überfluss zu verteilen. Wie lange wird es noch darum gehen, den Überfluss zu verteilen? Wer sitzt dabei mit am Tisch? Wem sind wir gleich, mit wem sollen wir uns vergleichen? Mit einem Säufer? Er hat getrunken, seit er denken kann, und an einem Abend versetzt ihn der Rausch in klarsichtige Wehmut. Er gelobt, es jetzt besser zu machen, die Probleme anzugehen und sich zu ändern. Er bemerkt nicht, daß es längst zu spät ist und das sich an ihm vollziehen wird, was er vor Jahren in Kauf genommen hat. Er bemerkt nicht, daß man nicht einfach einen Knopf drücken kann. Wir leben nicht mehr in einer Mangelgesellschaft, es gibt Brückentechnologien, bald wird das Wetter wieder besser, der Hund ist geimpft.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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