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	<title>Rauhfasler &#187; Menschen</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Foebus</title>
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		<pubDate>Sun, 15 May 2011 10:29:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken. Aus gleichgültigen tierischen Hilfsorganen ruft sich das Licht ein Organ hervor, das seinesgleichen werde, und so bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Licht dem äusseren entgegentrete. (&#8727;) Dr. Ephebrämius hat Besuch von seinem erprobten Weggefährten und Kollegen Schmidt erhalten. Er führt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/suchscheinwerfer.jpg" class="floatbox" rev="group:12221 caption:`Ein Suchscheinwerfer aus dem Zweiten Weltkrieg`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/suchscheinwerfer-199x300.jpg" alt="" title="Ein Suchscheinwerfer aus dem Zweiten Weltkrieg" width="199" height="300" class="rand size-medium wp-image-12337" /></a></p>
<div style="margin-left:200px;font-size:0.9em;font-style:italic;margin-bottom:2em;">Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken. Aus gleichgültigen tierischen Hilfsorganen ruft sich das Licht ein Organ hervor, das seinesgleichen werde, und so bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Licht dem äusseren entgegentrete. (&lowast;)</div>
<p class="regie">Dr. Ephebrämius hat Besuch von seinem erprobten Weggefährten und Kollegen <span style="font-variant:small-caps;font-style:normal;">Schmidt</span> erhalten. Er führt Schmidt in das düstere, zweite Kellergeschoß der Anstalt, wo sich sein <span style="font-variant:normal;font-style:normal;">Kuriositätenkabinett</span> befindet. Unter anderem gehört dazu die Zelle, die dem Publikum nun vor Augen steht.</p>
<p class="regie">Sie enthält einen Mann, der noch nicht alt ist und durchaus trainiert zu sein scheint, dessen Haut aber eine merkwürdig ledrige Beschaffenheit aufweist. Die Dres. Ephebrämius und Schmidt sind im Begriff, dieses Subjekt durch eine Klappe in einer Zellentür zu betrachten, die ganz konventionell wuchtig-stählerne Qualität besitzt. </p>
<p class="regie">Das Innere der Zelle ist gleißend hell erleuchtet, <span id="more-12221"></span>das Licht geht von myriaden von kleinen Strahlern aus, die überall in die Decke und die Wände eingelassen sind. Alle Gegenstände und Oberflächen haben eine makellos weiße Oberfläche. Auch der Insasse dieser strahlenden Zelle trägt durchgehend weiße Kleidung.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>weist auf die Zellentür; wie ein Zirkusdirektor</em>): Das hier also ist Herr Foebus.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>öffnet die Klappe der Zellentür und schreckt prompt zurück</em>): Ah, das sticht in die Augen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Oh, entschuldigen sie, mein Bester, ich hätte sie warnen sollen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>wieder gefasst</em>): Aber nein, aber nein! Man muß die Dinge, sage ich immer, zuallererst unvoreingenommen auf sich wirken lassen. Was einen Sticht, das durchdringt die <em>thalamidale Zensur</em>, sage ich immer.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Ha ha ha! Sehr richtig, sehr richtig. &#8211; <span>Schmidt</span> <em>stimmt in das Lachen mit ein.</em></p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Aber was soll es denn? Eine solche Zelleneinrichtung bläht doch sicherlich die Stromkosten auf. Und so eine Investition für ein einzelnes Exemplar? Äußerlich ist es nicht sonderlich bemerkenswert, meine ich?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Aber es handelt sich hier um ein durchaus unterhaltsames Exemplar. In einem freilich eher platonischen Sinne. (<em>Im Tonfall des Weinkenners:</em>) Zu anderen Exemplaren, bei denen, sagen wir, eher die somatische Ästhetik im Vordergrund steht, zu dem straffen, durch die ungestalte Psyche erfreulich verwilderten Fleisch &#8211; kommen wir dann gleich.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>leckt sich die Lippen</em>): Ja, sehr gut, sehr gut. Zuerst der Geist, dann der Körper. Und es handelt sich hier, in diesem Fall, bei diesen Lichtverhältnissen &#8211; um einen Wunsch des Patienten?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Fragen sie ihn doch selbst, ganz frisch heraus bitte, nur keine Scheu. Der junge Herr Foebus spricht gerne über seine sonderlichen Abneigungen. Sie müssen nicht besonders rücksichtsvoll sein.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>verbindlich</em>): Wenn ich darf?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Sie müssen bloß diesen Knopf hier drücken, die Sprechanlage.</p>
<p class="regie">Schmidt drückt den Knopf, räuspert sich und spricht umständlich in das Mikrophon, auf das Eephebrämius ihn ebenso umständlich hingewiesen hat.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Ähäm, ja, guten &#8211; nun, man muß hier wohl sagen &#8211;: Guten Tag.</p>
<p class="regie">Foebus starrt wie ein witterndes Tier den Lautsprecher an, in einer halb geduckten, halb zur Flucht gewendeten Haltung.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span> (<em>mißtrauisch</em>): Ist es Tag?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> <em>schaltet eilig die Gegensprechanlage aus; dann, an Schmidt gewandt:</em> Sie müssen unter allen Umständen darauf beharren, daß es Tag sei, obwohl es ja strenggenommen Nacht ist. Aber dieses Eingständnis hätte vielleicht ganz unabsehbare Folgen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>zu Ephebrämius</em>): Nun gut, natürlich. (<em>Wieder in die Gegensprechanlage:</em>) Ja, Herr Foebus, es ist natürlich Tag.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span> (<em>mißtrauisch</em>): Was heißt hier &rsaquo;natürlich&lsaquo;.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>wie ein ertappter Junge</em>): Tag, es ist Tag!</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Pfah. (<em>Er beginnt, durch seine Zelle zu tigern wie ein sehr erregter Professor hinterm Katheder</em>.) Ich hasse die Nacht. Ich kann sie nicht ertragen. Es gibt nichts schlimmeres. Es gab nie etwas schlimmeres. Aber <em>hierher</em> wird sie niemals gelangen. Das wurde mir versprochen. Ich bin geschützt durch elektrischen Strom. Ich bin gesichert. Ich befinde mich in Sicherungsverwahrung. &#8211; Die Nacht. Und der Schlaf. Der Schlaf und die Nacht. Sie dürfen nicht hierhergelangen. Die Nacht, die das Licht auffrisst und Schatten ausspruckt; die Nacht gebiert die Schatten. Oder vielleicht wachsen die Schatten im Maul der Nacht heran, wie bei diesem Fisch, der seine Nachkommen in seinem Maul ausbrütet. Dann Spuckt die Nacht die Schatten aus. Und die Schatten kommen und fressen an meiner Seele wie an einem aufgeweichten Brötchen. Licht! Licht!</p>
<p class="regie">Die letzten beiden Worte schreit Foebus derart laut und dringlich, daß die andächtig lauschenden Ärzte aufschrecken und mit den Köpfen aneinanderstoßen. Sie entschuldigen sich umständlich beieinander.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span> (<em>horcht auf</em>): Was war das für ein dumpfes Pochen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>reibt sich den Kopf</em>): Die Sinneswahrnehmungen dieses Subjektes sind offenbar außerordentlich verfeinert. Das scheint eine Wirkung des dauerhaften Schlafentzugs zu sein.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>hält sich noch etwas benommen den Kopf; in die Gegensprechanlage</em>): Lassen sie sich bitte nicht stören&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Einerlei, was die elektrische Stimme sagt. Sie gibt sich künstlich souverän. (<em>Hört auf zu horchen; beginnt wieder zu tigern.</em>) Das war ein menschliches Pochen. Es klang wie &#8211; es klang nach zwei Kopfschwarten, unter denen die Schädelknochen aneinanderknallen. Das dumpfe Geräusch dumpfer menschlicher Hirne. Ich verachte Menschen. Es gibt kaum etwas widerwärtigeres, abgesehen von der Nacht. Weil die Menschen, weil die Menschen &#8211; sich davonstehlen, immer haben sie sich davongestohlen. Sie verschwinden entweder in die Abwesenheit, sobald sie merken, daß man sich an sie gewöhnt hat. Der Hinterhältigste aller Angriffe. &#8211; Oder sie zerfließen mir durch ihren Hang zur Selbstentwertung. (<em>Er lacht irre.</em>) Wenn sie ihre mühsam verhüllte Dürftigkeit entblößen und dann nurnoch unbrauchbar und eklig sind. Man ist am Ende bloß allein. Und deshalb will ich lieber von vornherein allein sein. Ha! ich bin allein. Allein mit dem immerwährenden Licht. Hier, hierher kann kein Ekel und keine Niedertracht und die Nacht erst recht! die Nacht! nicht gelangen.</p>
<p class="regie">Ephebrämius schaltet die Gegensprechanlage stumm. Man sieht, wie sich der Mund des internierten Herrn Foebus eifrig, aber nun völlig tonlos weiterbewegt.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: So geht das jetzt noch eine nicht unbeträchtliche Zeitspanne weiter. Darüber würde es glatt Nacht werden &#8211; wenn das möglich wäre.</p>
<p class="regie">Die Doktoren lachen ausgiebig, halten sich schließlich die Bäuche, wischen sich Tränen aus den Augen und stoßen, unter einem gemeinsamen, besonders argen Heiterkeitskrampf, wiederum hart mit den Köpfen aneinander. Es macht ein hohles Geräusch. Man sieht, wie in der Zelle Foebus Zeigefinger triumphierend in die Luft sticht, von seinen Lippen ist ein <span style="font-style:normal;">&#0187;Aha&#0171;</span> deutlich abzulesen. &#8211; Als sich die Ärzte wieder gefangen haben, tritt Schmidt zur Gegensprechanlage.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Sie hatten wohl keine einfache Kindheit?</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Meine Kindheit geht sie nichts an!</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Na, aber wie kommen sie denn zu einer so <em>düsteren</em> Einschätzung ihrer Mitmenschen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Ist es denn nicht so?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>beugt sich neben Schmidt zum Mikrophon</em>): Na, aber keineswegs. Man muß miteinander auskommen. Wir sind doch&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt:</span> &#8230;wir sind doch alle Menschen&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: &#8230;und der Mensch ist ein geselliges Wesen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Und diese Sache mit dem Licht&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Sie sind doch bloß dumpf! Dumpf und so mittelmäßig, daß sie sich an einem wie mir ihre abgeschmackte Unterhaltung verschaffen. Als ob es uns, sie und mich, in ein klares Verhältnis stellen würde, daß sie auf der anderen Seite dieser Zellentür stehen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>gönnerhaft</em>): Nun ja&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Nein! Es gibt einen absoluten Maßstab! Und sie haben sich bloß in alles eingewöhnt! Sie nehmen allen Verlust und alle schale Mittelmäßigkeit problemlos hin. Leute wie sie&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>deutlich verstimmt</em>): Na, jetzt sind wir aber gespannt auf ihre Diagnose!</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Leute wie sie es sind, sind doch eigentlich eingesperrt. Ihre Wahrnehmung endet irgendwo im leeren, kalten Raum. Darauf gehe ich jede Wette ein. Wann haben sie schon einmal einen anderen Begriffen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Herr Foebus, das hatten wir doch schon alles.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Aber wenn sie jemals einen anderen Menschen begriffen hätten &#8211; wie sollten sie dann weiterleben, nachdem er ihnen verlorengegangen ist. Und ständig gehen die Menschen verloren, verlieren sich, verlaufen sich, werden getrennt durch den ungerechten Zufall, der einen hierhin, den anderen dorthin gehen läßt &#8211; und plötzlich ist das Labyrinth um einen derart gewachsen, daß man zum anderen nicht mehr zurückfindet.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>sarkastisch</em>): Oho, fast schon poetisch.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Deshalb bleibe ich hier. Ich werde nicht schlafen, ich werde nichts träumen, ich werde mir nicht durch Dunkelheit künstliche Lider auf die Augen legen lassen. Ich werde mir nichts vorstellen. Denn das wahre Gesicht der Dinge ist schrecklich!</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>zu Schmidt</em>): Ein unterhaltsames Exemplar, nicht war.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>gähnt etwas</em>): Ja, aber am Ende etwas ermüdend.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Na, dann wollen wir nach dem verwirrten Geist nun das verwilderte Fleisch in Augenschein nehmen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Das ist ein Wort!</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>lässig in das Mikrophon</em>): Machen sie&apos;s gut, Herr Foebus.</p>
<p class="regie">Ephebrämius klappt das Sichtfenster in der Zellentür zu &#8211; beide Doktoren ab.</p>
<hr />
<p>&lowast; Der Sinnspruch stammt von Goethe: Entwurf einer Farbenlehre (Goethes Naturwissenschaftliche Schriften [Kürschner] Bd. 3, S. 88).</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Biosphäre</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 10:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
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		<description><![CDATA[I. Wie der Erdball auch immer Sich drehen und wenden mag, Die Läuse in seinem Pelz Fressen sich tiefer hinein, In seine dünne, erkaltete Haut. Seit sie die elektromagnetische Kraft domestizierten &#8211; Die aus größerer Höhe kaum Sichtbaren Gefäße verschlungener Chemie, die Zweibeiner &#8211;, Werden nachts Schwelbrände angefacht, Werden die Kontinente mit Fäden bespannt Aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/europa-nachts-satellit.jpg" class="floatbox" rev="group:5899 caption:`Satellitenaufnahme des nächtlichen Europa (Quelle: NASA)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/europa-nachts-satellit-300x225.jpg" alt="" title="Satellitenaufnahme des nächtlichen Europa (Quelle: NASA)" width="300" height="225" class="rand size-medium wp-image-5900" /></a></p>
<p>I.</p>
<p>Wie der Erdball auch immer<br />
Sich drehen und wenden mag,<br />
Die Läuse in seinem Pelz<br />
Fressen sich tiefer hinein,<br />
In seine dünne, erkaltete Haut.</p>
<p>Seit sie die elektromagnetische Kraft domestizierten &#8211;<br />
Die aus größerer Höhe kaum Sichtbaren<br />
Gefäße verschlungener Chemie, die Zweibeiner &#8211;,<br />
Werden nachts Schwelbrände angefacht,<br />
Werden die Kontinente mit Fäden bespannt<br />
Aus Licht, darin schwellende Nester<br />
Künstlicher Helligkeit.<span id="more-5899"></span></p>
<p>Tags aber sondern die Läuse im Pelz des Erdenballs<br />
Ihre giftigen Verdauungsgase ab, in den feinen Überwurf<br />
Aus Sauerstoff, der kaum wahrnehmbar<br />
Den schweren und geduldigen Elementekloß begleitet,<br />
Auf seiner Sturzbahn durch die Leere.</p>
<p>II.</p>
<p>Wie sich also der Erdball<br />
Auch immer drehen mag:<br />
Er ist unwiederbringlich verstoßen<br />
Aus der althergebrachten Versammlung<br />
Der anorganischen Chemie,<br />
Denn die Läuse in seinem Pelz wandeln<br />
Ihren Wirt in ihresgleichen um,<br />
Mit großer Geduld und über Äonen.</p>
<p>Das Leben verschönt graue Berghänge<br />
Mit einem Anstrich aus Flechten und Wiesenflächen;<br />
Es gebiert unter Wasser strahlend weiße Schlackehalden<br />
Aus ziselierten Schalen von Mollusken;<br />
Es treibt Blätter aus und spannt Flughäute,<br />
Um den Wind zu fangen, und wandelt das öde Sonnenlicht<br />
In süßen Zucker; es düngt den Mutterboden<br />
Mit Kot und Blut und mit den eigenen Knochen.<br />
Dann kommen schilldernde Käfer heran,<br />
Die alles umgraben. Jeder Kadaver eine Brutstatt,<br />
Und alle Verwesung ein Aufblühen, so daß<br />
Unter einem grünen Dach der schwarze Humus anwächst,<br />
Die Gabe der Myriaden an den<br />
Sich drehenden Lauf der Zeit.</p>
<p>III.</p>
<p>In den Höhlen nahm Sandstein Farbe an:<br />
Schwarze aus Asche, braune aus dem oxidationsprodukt<br />
Des Blutes, und den Ton zerpresster Beeren.</p>
<p>Auf den Ebenen begann es allmählich zu hallen<br />
Von Worten, sie wurden eingewoben in das Konzert<br />
Der schreienden Angst und Begierde, die<br />
Aus jedem Vogelschnabel und jeder<br />
Zuckenden Schnauze hervorgestoßen werden<br />
Seit langem schon, seit Paarung und Fraß<br />
Die Triebfedern sind aller Vielgestalt:</p>
<p>Aber Schönheit ist eine Erfindung der<br />
Bündnispartner der Verbrennung, der<br />
Bezwinger des Lichtbogens, der<br />
Säufer von Öl und Fresser von Landschaft.</p>
<p>IV.</p>
<p>Es ist hohe Zeit,<br />
Nun die Schönheit zu sammeln vom Erdenkloß,<br />
Sie in Worte zu sammeln,<br />
Sie mit Beerensaft und Chromophoren<br />
Auf bleibenden Untergrund aufzutragen:<br />
Denn wir werden untergehen.</p>


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		<title>Neben</title>
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		<pubDate>Tue, 11 May 2010 10:32:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Erfindung]]></category>
		<category><![CDATA[Erkenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Masken]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Person]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstähnlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Du, Schwester, Bruder, Erscheinung aus Gesicht und Händen, Geliebte und Nebenmensch, Geräuschemacher, Atmender, Stinkender &#8211; verzeih: Daß ich dich nicht sehe, Wie du womöglich bist; Dich mir skizziere, wie ich muß, Nach Bedarf, mit groben Strichen, Und dein Gehabe, deine Vorzüge oder Die unvertretbare Ekelhafigkeit, Die vor allen anderen dich Auszeichnet, dir aufpräge Mit Stempeln, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/wortgesicht2.jpg" class="floatbox" rev="group:5882 caption:`Ein Wortgesicht`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/wortgesicht2-239x300.jpg" alt="" title="Ein Wortgesicht" width="239" height="300" class="rand size-medium wp-image-5890" /></a></p>
<p>Du, Schwester, Bruder,<br />
Erscheinung aus Gesicht und Händen,<br />
Geliebte und Nebenmensch,<br />
Geräuschemacher, Atmender,<br />
Stinkender &#8211; verzeih:</p>
<p>Daß ich dich nicht sehe,<br />
Wie du womöglich bist;<br />
Dich mir skizziere, wie ich muß,<br />
Nach Bedarf, mit groben Strichen,</p>
<p>Und dein Gehabe, deine Vorzüge oder<br />
Die unvertretbare Ekelhafigkeit,<br />
Die vor allen anderen dich<br />
Auszeichnet, dir aufpräge<br />
Mit Stempeln, die<br />
Ich mir schnitze,<br />
Gewohnheitsmäßig und<br />
Immer aus dem eigenen Mark.</p>
<p>Wohin würden wir kommen,<br />
Liebste mein, Menschgeschwister<br />
Und Tausendgesicht, wenn<br />
Es so bloß und unverhüllt daläge,<br />
Was du tatsächlich bist,<br />
Daß es keiner Erfindung &#8211;<br />
Auch deiner eigenen nicht &#8211;<br />
Mehr bedürfte?</p>


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		<title>Unterbrechung mit Amsel</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2010/unterbrechung-mit-amsel</link>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 10:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischenfälle]]></category>
		<category><![CDATA[Begegnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Fliegen]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich bemerke im Aufblicken einen Vogel, eine Amsel, ein Jungvogel oder ein Weibchen, ich weiß immer noch zu wenig über Amseln, um das sicher sagen zu können. Der Vogel sitzt auf dem Geländer meines Balkons und unsere Blicke treffen sich in einem Moment, da wir beide aus unserer jeweiligen Beschäftigung aufschrecken. Die Amsel hat gefressen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/05/turdus-merula.jpg" class="floatbox" rev="group:7165 caption:`Amselweibchen (Turdus merula, Foto von Maurizio Dalla Via)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/05/turdus-merula-300x224.jpg" alt="" title="Amselweibchen (Turdus merula, Foto von Maurizio Dalla Via)" width="300" height="224" class="rand size-medium wp-image-7190" /></a></p>
<p>Ich bemerke im Aufblicken einen Vogel, <a class="tooltip floatbox" rev="width:400px height:90% disableScroll:true showNewWindow:true controlsPos:tr" href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/04/schatten-amsel.html" title="Eintrag zum Stichwort im Rauhfasler-Lexikon">eine Amsel</a>, ein Jungvogel oder ein Weibchen, ich weiß immer noch zu wenig über Amseln, um das sicher sagen zu können. Der Vogel sitzt auf dem Geländer meines Balkons und unsere Blicke treffen sich in einem Moment, da wir beide aus unserer jeweiligen Beschäftigung aufschrecken. Die Amsel hat gefressen, ich habe gelesen, jetzt verharren wir unschlüssig. Sie steht gespannt über der Schale mit hingestreuten Körnern, die auf dem Geländer festgebunden ist: ein kleiner, federnder, energisch gespannter Bogen ist ihr Körper, eine fließende Linie von den Füßen über die Brust bis zum leicht schräg gestellten Kopf. Die Sonne scheint morgendlich und inf dem braunen Federkleid leuchten die sparsam aufgestrichenen Farbnuancen, zurückhaltende Schönheit, ausgeführt mit wirklicher Meisterschaft. </p>
<p>Ich fühle mich, in diesem Moment, in dem ich so interessiert von einer Amsel angesehen werde &#8211; wie ein Mensch. Wir lesen eine Weile einander in unseren Gedanken. Die Amsel scheint Interessiert, wie sie wohl immer Interesse nimmt an den bloß halbwegs verständlichen Kuriositäten, die einem in einer Stadt begegnen können. Sie hat wohl einen Forschergeist, sie ist auch bestimmt ein Skeptiker. </p>
<p>Irgendein Einverständnis stellen wir her, mit einer zuckenden Bewegung meines, ihres Kopfes. Dann verlässt die Amsel die Geduld mit meiner schweren, erdverhafteten Gestalt: sie taucht in die Luft und verschwindet in einem engen Bogen, gierend, rollend, kippend, in einem <a href="#" class="tooltip">komplizierten Manöver<span><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/05/trudeln-150x150.jpg" alt="" title="Das Aresti-Symbol für Trudeln (Quelle: Wikipedia)" width="150" height="150" class="tipbild size-thumbnail wp-image-7192" />Das <strong>Flugmanöver,</strong> das die Amsel ausgeführt hat, war eine kontrollierte Form des <strong>Trudelns</strong>, genauer das Steiltrudeln, allerdings für einen so kurzen Zeitraum, daß diese Luftbewegung völlig abseits der Möglicheiten menschlicher Fluggeräte lag und eine <em>technische</em> Beschreibung also recht unangemessen klingen muß.</span></a> grußlos von der Balkonbrüstung abwärts.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Provinztheater</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 10:01:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Gesicht]]></category>
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		<category><![CDATA[Nachdenken]]></category>
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		<description><![CDATA[Da hat ein mir ganz Fremder sich Ein Gesicht geborgt, ich meine Es zu kennen. Doch hat er die Maske sehr behutsam übermalt und Die Dunkelstellen sonderbar ergänzt Mit hellen Farben, so daß nun Der Mensch dort drüben wirkt Wie einer, der sich selbst Mit virtuoser Leichtigkeit, Unbefangen vorne an der Rampe, Und nicht wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/12/ron-mueck-mask-ii.jpg" class="floatbox" rev="group:5533 caption:`Ron Mueck, Mask II`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/12/ron-mueck-mask-ii-300x240.jpg" alt="Ron Mueck, Mask II" title="Ron Mueck, Mask II" width="300" height="240" class="rand size-medium wp-image-5535" /></a></p>
<p>Da hat ein mir ganz Fremder sich<br />
Ein Gesicht geborgt, ich meine<br />
Es zu kennen. Doch hat er die<br />
Maske sehr behutsam übermalt und<br />
Die Dunkelstellen sonderbar ergänzt<br />
Mit hellen Farben, so daß nun<br />
Der Mensch dort drüben wirkt<br />
Wie einer, der sich selbst<br />
Mit virtuoser Leichtigkeit,<br />
Unbefangen vorne an der Rampe,<br />
Und nicht wie ein Statist<br />
Am hinteren Kulissenrand<br />
Zu spielen weiß, auf dieser<br />
Provinztheaterbühne.</p>
<p>Ich denke nun seitdem<br />
An die Launen jenes<br />
Stückeschreibers, der<br />
Den dürftigen Geschmack<br />
In dieser Gegend<br />
Allzu gerne nur bedient<br />
Mit plumpen Rollen, die<br />
Man meistens bloß verkörpern<br />
Kaum je irgend spielen muß;</p>
<p>Und daran auch,<br />
Wie im Gesicht<br />
Sich entweder die Schatten mehren<br />
Oder nicht.<br />
Und die Regie ist<br />
Ziemlich autokratisch.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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