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	<title>Rauhfasler &#187; Nacht</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Nocturne</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 14:23:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliches Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Laternen]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Spazierengehen]]></category>

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		<description><![CDATA[I. In einer Straßenlaterne springt das Licht, Wird heller, dunkler, heller, Ein Schraubverschluss klirrt vor deinen Füßen Und springt in den Rinnstein; Der Wind flüstert zwischen uns, Er geht in Böen unter die S-Bahnbrücke, Ihre Fundamente stehen seit einem Jahrhundert, Sie züchtet in ihren Fugen Schatten, Das Licht springt: Es wird dunkler und heller, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2012/01/Whistler-Nocturne_in_black_and_gold.jpg" class="floatbox" rev="group:15619 caption:`Whistler: Nocturne in black and gold`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2012/01/Whistler-Nocturne_in_black_and_gold-225x300.jpg" alt="" title="Whistler: Nocturne in black and gold" width="225" height="300" class="rand size-medium wp-image-15622" /></a></p>
<p>I.</p>
<p>In einer Straßenlaterne springt das Licht,<br />
Wird heller, dunkler, heller,<br />
Ein Schraubverschluss klirrt vor deinen Füßen<br />
Und springt in den Rinnstein;<br />
Der Wind flüstert zwischen uns,<br />
Er geht in Böen unter die S-Bahnbrücke,<br />
Ihre Fundamente stehen seit einem Jahrhundert,<br />
Sie züchtet in ihren Fugen Schatten,<br />
Das Licht springt:</p>
<p>Es wird dunkler und heller, die Fahrbahn glänzt mehr<br />
Als die Sterne hinter den Ausläufern der Wolkenberge im Westen.<br />
Wir setzen unsere müden Schritte zwischen die Wörter,<br />
Du glänzt in den Leerstellen mit allem<br />
Was ich mir ausdenke, die Straßenlaterne<br />
Erlischt &#8211; wir sind jünger als die Umstände.</p>
<p>II.</p>
<p>Der Wind geht vor den Fenstern Wache,<br />
Und der Tag wälzt sich ungeduldig<br />
Am leeren Himmel aufwärts;<br />
Wenn man uns wieder<br />
Unseren leeren Zwecken zuführen wird,<br />
Werden wir Haltung wahren &#8211; mehr nicht aber das<br />
Haben wir gelernt: halt meine Hand<br />
Und lese mein Zittern, ich schmecke<br />
Aus der Stille deine Sehnsucht heraus,<br />
Ich liege wach und höre bestrickt<br />
Deinen gespielten Schlaf.</p>
<p>Was wir sind, spielen wir<br />
Nur den Hunger nicht, nur ihn<br />
Hat man uns wirklich beigebracht.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Draht (#2)</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/draht-2</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 10:30:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Bäume]]></category>
		<category><![CDATA[Braun]]></category>
		<category><![CDATA[Draht]]></category>
		<category><![CDATA[Licht]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Spuren]]></category>
		<category><![CDATA[Wolken]]></category>
		<category><![CDATA[Zweige]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zweige sind kaum noch Von der Nacht zu unterscheiden, Der man dunkles Braun Injiziert hat, die fiebernd liegt Und Wolken schwitzt, die Etwas aus der Luft reißen, Das fällt und zwischen den Zweigen Hängen bleibt, die kaum noch Zu unterscheiden sind Von der Nacht; Ein einzelnes Licht Brennt im höchsten Stock, Im Hausturm, auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/09/bodenleuchtkörper.jpg"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/09/bodenleuchtkörper-300x200.jpg" alt="" title="&raquo;Abbrennen von Bodenleuchtkörpern&laquo; (Quelle: Bundeswehr)" width="300" height="200" class="rand size-medium wp-image-15124" /></a></p>
<p>Die Zweige sind kaum noch<br />
Von der Nacht zu unterscheiden,<br />
Der man dunkles Braun<br />
Injiziert hat, die fiebernd liegt<br />
Und Wolken schwitzt, die<br />
Etwas aus der Luft reißen,<br />
Das fällt und zwischen den Zweigen<br />
Hängen bleibt, die kaum noch<br />
Zu unterscheiden sind<br />
Von der Nacht; </p>
<p>Ein einzelnes Licht<br />
Brennt im höchsten Stock,<br />
Im Hausturm, auf der anderen Seite,<br />
Über den Hof, in dem die Unrattonnen brüten; </p>
<p>Und das Licht bricht<br />
In den verwischten Spuren von Händen<br />
Auf dem Fensterglas;</p>
<p>Der Mond öffnet sich in einem Spalt,<br />
Und näht einen kalten Draht<br />
An deinem Brustbein fest.</p>
<hr />
<p>Es gab <a href="http://www.rauhfasler.de/2009/draht" title="Draht">schon einmal einen Text</a> mit demselben Titel: &#0187;&#8230;Mein alter Freund aus Teer, / Der mir den Mund kalfatern will&#8230;&#0171;</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Foebus</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/foebus</link>
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		<pubDate>Sun, 15 May 2011 10:29:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Dunkel]]></category>
		<category><![CDATA[Ekel]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahn]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken. Aus gleichgültigen tierischen Hilfsorganen ruft sich das Licht ein Organ hervor, das seinesgleichen werde, und so bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Licht dem äusseren entgegentrete. (&#8727;) Dr. Ephebrämius hat Besuch von seinem erprobten Weggefährten und Kollegen Schmidt erhalten. Er führt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/suchscheinwerfer.jpg" class="floatbox" rev="group:12221 caption:`Ein Suchscheinwerfer aus dem Zweiten Weltkrieg`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/suchscheinwerfer-199x300.jpg" alt="" title="Ein Suchscheinwerfer aus dem Zweiten Weltkrieg" width="199" height="300" class="rand size-medium wp-image-12337" /></a></p>
<div style="margin-left:200px;font-size:0.9em;font-style:italic;margin-bottom:2em;">Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken. Aus gleichgültigen tierischen Hilfsorganen ruft sich das Licht ein Organ hervor, das seinesgleichen werde, und so bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Licht dem äusseren entgegentrete. (&lowast;)</div>
<p class="regie">Dr. Ephebrämius hat Besuch von seinem erprobten Weggefährten und Kollegen <span style="font-variant:small-caps;font-style:normal;">Schmidt</span> erhalten. Er führt Schmidt in das düstere, zweite Kellergeschoß der Anstalt, wo sich sein <span style="font-variant:normal;font-style:normal;">Kuriositätenkabinett</span> befindet. Unter anderem gehört dazu die Zelle, die dem Publikum nun vor Augen steht.</p>
<p class="regie">Sie enthält einen Mann, der noch nicht alt ist und durchaus trainiert zu sein scheint, dessen Haut aber eine merkwürdig ledrige Beschaffenheit aufweist. Die Dres. Ephebrämius und Schmidt sind im Begriff, dieses Subjekt durch eine Klappe in einer Zellentür zu betrachten, die ganz konventionell wuchtig-stählerne Qualität besitzt. </p>
<p class="regie">Das Innere der Zelle ist gleißend hell erleuchtet, <span id="more-12221"></span>das Licht geht von myriaden von kleinen Strahlern aus, die überall in die Decke und die Wände eingelassen sind. Alle Gegenstände und Oberflächen haben eine makellos weiße Oberfläche. Auch der Insasse dieser strahlenden Zelle trägt durchgehend weiße Kleidung.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>weist auf die Zellentür; wie ein Zirkusdirektor</em>): Das hier also ist Herr Foebus.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>öffnet die Klappe der Zellentür und schreckt prompt zurück</em>): Ah, das sticht in die Augen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Oh, entschuldigen sie, mein Bester, ich hätte sie warnen sollen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>wieder gefasst</em>): Aber nein, aber nein! Man muß die Dinge, sage ich immer, zuallererst unvoreingenommen auf sich wirken lassen. Was einen Sticht, das durchdringt die <em>thalamidale Zensur</em>, sage ich immer.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Ha ha ha! Sehr richtig, sehr richtig. &#8211; <span>Schmidt</span> <em>stimmt in das Lachen mit ein.</em></p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Aber was soll es denn? Eine solche Zelleneinrichtung bläht doch sicherlich die Stromkosten auf. Und so eine Investition für ein einzelnes Exemplar? Äußerlich ist es nicht sonderlich bemerkenswert, meine ich?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Aber es handelt sich hier um ein durchaus unterhaltsames Exemplar. In einem freilich eher platonischen Sinne. (<em>Im Tonfall des Weinkenners:</em>) Zu anderen Exemplaren, bei denen, sagen wir, eher die somatische Ästhetik im Vordergrund steht, zu dem straffen, durch die ungestalte Psyche erfreulich verwilderten Fleisch &#8211; kommen wir dann gleich.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>leckt sich die Lippen</em>): Ja, sehr gut, sehr gut. Zuerst der Geist, dann der Körper. Und es handelt sich hier, in diesem Fall, bei diesen Lichtverhältnissen &#8211; um einen Wunsch des Patienten?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Fragen sie ihn doch selbst, ganz frisch heraus bitte, nur keine Scheu. Der junge Herr Foebus spricht gerne über seine sonderlichen Abneigungen. Sie müssen nicht besonders rücksichtsvoll sein.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>verbindlich</em>): Wenn ich darf?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Sie müssen bloß diesen Knopf hier drücken, die Sprechanlage.</p>
<p class="regie">Schmidt drückt den Knopf, räuspert sich und spricht umständlich in das Mikrophon, auf das Eephebrämius ihn ebenso umständlich hingewiesen hat.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Ähäm, ja, guten &#8211; nun, man muß hier wohl sagen &#8211;: Guten Tag.</p>
<p class="regie">Foebus starrt wie ein witterndes Tier den Lautsprecher an, in einer halb geduckten, halb zur Flucht gewendeten Haltung.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span> (<em>mißtrauisch</em>): Ist es Tag?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> <em>schaltet eilig die Gegensprechanlage aus; dann, an Schmidt gewandt:</em> Sie müssen unter allen Umständen darauf beharren, daß es Tag sei, obwohl es ja strenggenommen Nacht ist. Aber dieses Eingständnis hätte vielleicht ganz unabsehbare Folgen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>zu Ephebrämius</em>): Nun gut, natürlich. (<em>Wieder in die Gegensprechanlage:</em>) Ja, Herr Foebus, es ist natürlich Tag.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span> (<em>mißtrauisch</em>): Was heißt hier &rsaquo;natürlich&lsaquo;.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>wie ein ertappter Junge</em>): Tag, es ist Tag!</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Pfah. (<em>Er beginnt, durch seine Zelle zu tigern wie ein sehr erregter Professor hinterm Katheder</em>.) Ich hasse die Nacht. Ich kann sie nicht ertragen. Es gibt nichts schlimmeres. Es gab nie etwas schlimmeres. Aber <em>hierher</em> wird sie niemals gelangen. Das wurde mir versprochen. Ich bin geschützt durch elektrischen Strom. Ich bin gesichert. Ich befinde mich in Sicherungsverwahrung. &#8211; Die Nacht. Und der Schlaf. Der Schlaf und die Nacht. Sie dürfen nicht hierhergelangen. Die Nacht, die das Licht auffrisst und Schatten ausspruckt; die Nacht gebiert die Schatten. Oder vielleicht wachsen die Schatten im Maul der Nacht heran, wie bei diesem Fisch, der seine Nachkommen in seinem Maul ausbrütet. Dann Spuckt die Nacht die Schatten aus. Und die Schatten kommen und fressen an meiner Seele wie an einem aufgeweichten Brötchen. Licht! Licht!</p>
<p class="regie">Die letzten beiden Worte schreit Foebus derart laut und dringlich, daß die andächtig lauschenden Ärzte aufschrecken und mit den Köpfen aneinanderstoßen. Sie entschuldigen sich umständlich beieinander.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span> (<em>horcht auf</em>): Was war das für ein dumpfes Pochen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>reibt sich den Kopf</em>): Die Sinneswahrnehmungen dieses Subjektes sind offenbar außerordentlich verfeinert. Das scheint eine Wirkung des dauerhaften Schlafentzugs zu sein.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>hält sich noch etwas benommen den Kopf; in die Gegensprechanlage</em>): Lassen sie sich bitte nicht stören&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Einerlei, was die elektrische Stimme sagt. Sie gibt sich künstlich souverän. (<em>Hört auf zu horchen; beginnt wieder zu tigern.</em>) Das war ein menschliches Pochen. Es klang wie &#8211; es klang nach zwei Kopfschwarten, unter denen die Schädelknochen aneinanderknallen. Das dumpfe Geräusch dumpfer menschlicher Hirne. Ich verachte Menschen. Es gibt kaum etwas widerwärtigeres, abgesehen von der Nacht. Weil die Menschen, weil die Menschen &#8211; sich davonstehlen, immer haben sie sich davongestohlen. Sie verschwinden entweder in die Abwesenheit, sobald sie merken, daß man sich an sie gewöhnt hat. Der Hinterhältigste aller Angriffe. &#8211; Oder sie zerfließen mir durch ihren Hang zur Selbstentwertung. (<em>Er lacht irre.</em>) Wenn sie ihre mühsam verhüllte Dürftigkeit entblößen und dann nurnoch unbrauchbar und eklig sind. Man ist am Ende bloß allein. Und deshalb will ich lieber von vornherein allein sein. Ha! ich bin allein. Allein mit dem immerwährenden Licht. Hier, hierher kann kein Ekel und keine Niedertracht und die Nacht erst recht! die Nacht! nicht gelangen.</p>
<p class="regie">Ephebrämius schaltet die Gegensprechanlage stumm. Man sieht, wie sich der Mund des internierten Herrn Foebus eifrig, aber nun völlig tonlos weiterbewegt.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: So geht das jetzt noch eine nicht unbeträchtliche Zeitspanne weiter. Darüber würde es glatt Nacht werden &#8211; wenn das möglich wäre.</p>
<p class="regie">Die Doktoren lachen ausgiebig, halten sich schließlich die Bäuche, wischen sich Tränen aus den Augen und stoßen, unter einem gemeinsamen, besonders argen Heiterkeitskrampf, wiederum hart mit den Köpfen aneinander. Es macht ein hohles Geräusch. Man sieht, wie in der Zelle Foebus Zeigefinger triumphierend in die Luft sticht, von seinen Lippen ist ein <span style="font-style:normal;">&#0187;Aha&#0171;</span> deutlich abzulesen. &#8211; Als sich die Ärzte wieder gefangen haben, tritt Schmidt zur Gegensprechanlage.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Sie hatten wohl keine einfache Kindheit?</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Meine Kindheit geht sie nichts an!</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Na, aber wie kommen sie denn zu einer so <em>düsteren</em> Einschätzung ihrer Mitmenschen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Ist es denn nicht so?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>beugt sich neben Schmidt zum Mikrophon</em>): Na, aber keineswegs. Man muß miteinander auskommen. Wir sind doch&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt:</span> &#8230;wir sind doch alle Menschen&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: &#8230;und der Mensch ist ein geselliges Wesen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Und diese Sache mit dem Licht&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Sie sind doch bloß dumpf! Dumpf und so mittelmäßig, daß sie sich an einem wie mir ihre abgeschmackte Unterhaltung verschaffen. Als ob es uns, sie und mich, in ein klares Verhältnis stellen würde, daß sie auf der anderen Seite dieser Zellentür stehen.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>gönnerhaft</em>): Nun ja&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Nein! Es gibt einen absoluten Maßstab! Und sie haben sich bloß in alles eingewöhnt! Sie nehmen allen Verlust und alle schale Mittelmäßigkeit problemlos hin. Leute wie sie&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>deutlich verstimmt</em>): Na, jetzt sind wir aber gespannt auf ihre Diagnose!</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Leute wie sie es sind, sind doch eigentlich eingesperrt. Ihre Wahrnehmung endet irgendwo im leeren, kalten Raum. Darauf gehe ich jede Wette ein. Wann haben sie schon einmal einen anderen Begriffen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Herr Foebus, das hatten wir doch schon alles.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Aber wenn sie jemals einen anderen Menschen begriffen hätten &#8211; wie sollten sie dann weiterleben, nachdem er ihnen verlorengegangen ist. Und ständig gehen die Menschen verloren, verlieren sich, verlaufen sich, werden getrennt durch den ungerechten Zufall, der einen hierhin, den anderen dorthin gehen läßt &#8211; und plötzlich ist das Labyrinth um einen derart gewachsen, daß man zum anderen nicht mehr zurückfindet.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>sarkastisch</em>): Oho, fast schon poetisch.</p>
<p class="dialogtext"><span>Foebus</span>: Deshalb bleibe ich hier. Ich werde nicht schlafen, ich werde nichts träumen, ich werde mir nicht durch Dunkelheit künstliche Lider auf die Augen legen lassen. Ich werde mir nichts vorstellen. Denn das wahre Gesicht der Dinge ist schrecklich!</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>zu Schmidt</em>): Ein unterhaltsames Exemplar, nicht war.</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span> (<em>gähnt etwas</em>): Ja, aber am Ende etwas ermüdend.</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span>: Na, dann wollen wir nach dem verwirrten Geist nun das verwilderte Fleisch in Augenschein nehmen?</p>
<p class="dialogtext"><span>Schmidt</span>: Das ist ein Wort!</p>
<p class="dialogtext"><span>Ephebrämius</span> (<em>lässig in das Mikrophon</em>): Machen sie&apos;s gut, Herr Foebus.</p>
<p class="regie">Ephebrämius klappt das Sichtfenster in der Zellentür zu &#8211; beide Doktoren ab.</p>
<hr />
<p>&lowast; Der Sinnspruch stammt von Goethe: Entwurf einer Farbenlehre (Goethes Naturwissenschaftliche Schriften [Kürschner] Bd. 3, S. 88).</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Daß</title>
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		<pubDate>Thu, 05 May 2011 09:54:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
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		<description><![CDATA[Daß da was ist Doch viel nicht ist Ja, nicht viel ist Und doch was ist Da wo nichts war Jetzt doch was ist Schon nichts mehr ist Und mir der Käse flau im Magen liegt Er war wohl doch schon überreif, mein Schatz, Die Geigen spielen nicht mehr Amboßwolken Mit den heisren Cellos vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/04/dreivögel.jpg"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/04/dreivoegel-weiss-300x280.jpg" alt="" title="Jacariniammer (Volatinia jacarina)" width="300" height="300" class="rand size-medium wp-image-12890" /></a></p>
<p>Daß da was ist<br />
Doch viel nicht ist<br />
Ja, nicht viel ist<br />
Und doch was ist<br />
Da wo nichts war<br />
Jetzt doch was ist<br />
Schon nichts mehr ist<br />
Und mir der Käse flau im Magen liegt<br />
Er war wohl doch schon überreif, mein Schatz,<br />
Die Geigen spielen nicht mehr Amboßwolken<br />
Mit den heisren Cellos vor den Pauken:<br />
Der Himmel auf der andren Straßenseite hatte eben<br />
Doch noch ein gestrichen volles Maß an Tageslicht?<br />
Jetzt liegt er da, ganz so wie dunkelblaue Tinte<br />
Und gebiert sich nur noch selbst<br />
In immer weiter ausgedehnten Kreisen:<br />
Ein leichter Kopfschmerz malt Fraktale an die Strin<br />
Von innen und die Geigen schweigen weiter:<br />
Daß aber da was<br />
War und nun schon<br />
Nicht mehr ist<br />
Und doch noch<br />
Wäre, aber nicht<br />
Mehr ist.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Fremdheit</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 09:48:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Leerstellen]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Mißverständnis]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Schweigen]]></category>
		<category><![CDATA[Spinnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Fremdheit stakst mit ihren langen Spinnenbeinen Um jedes Wort, das sich jetzt aus Schweigen bildet, Das die Nacht im sauren Nimbus eines halben Wachseins zeugte, und das nun nicht mehr Zu töten ist, trotz aller unsrer Sätze. Und also kriechen Spinnen hinter jedem Wort hervor; Und also klingt mein joviales Lachen hohl, Während das Schweigen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/spinne2-300x300.jpg" alt="" title="" width="300" height="300" class="alignnone size-medium wp-image-12598" /></p>
<p>Die Fremdheit stakst mit ihren langen Spinnenbeinen <br />
Um jedes Wort, das sich jetzt aus Schweigen bildet, <br />
Das die Nacht im sauren Nimbus eines halben <br />
Wachseins zeugte, und das nun nicht mehr<br />
Zu töten ist, trotz aller unsrer Sätze.</p>
<p>Und also kriechen Spinnen hinter jedem Wort hervor;<br />
Und also klingt mein joviales Lachen hohl,<br />
Während das Schweigen, von der Nacht gezeugt,<br />
Sich an meinen Brüsten hungrig saugend nährt,</p>
<p>Und dir obszöne Gesten macht:<br />
Wie sollten wir denn nicht<br />
Einander wütend in die Hände beißen?<br />
In bloßer Notwehr, während von uns jeder<br />
Für sich am andern doch bloß festen Halt,<br />
Und nur je Festigkeit zu finden hoffte.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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