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	<title>Rauhfasler &#187; Natur</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Fukushima-1</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Mar 2011 13:33:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>

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		<description><![CDATA[&#0187;Wir beherrschen nicht die Natur, Sondern die Natur herrscht über uns.&#0171; Sie verschiebt den Maßstab Ohne Vorwarnung. Und plötzlich sind wir zwischen unseren Häusern Wie Ameisen; Und was wir gebaut haben und besaßen Schwimmt wie Schmutzklumpen Auf der Oberfläche der Gewalten, Die aus dem Verhältnis geraten sind &#8211; In braunen Flutwellen treiben Turnhallen, Darüber kreisen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/schiff.jpg" class="floatbox" rev="group:12553 caption:`Die Tsunamiwelle trifft einen Hafen. Bild aus dem japanischen Fernsehen`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/schiff-300x223.jpg" alt="" title="Die Tsunamiwelle trifft einen Hafen. Bild aus dem japanischen Fernsehen" width="300" height="223" class="rand size-medium wp-image-12556" /></a></p>
<p><em>&#0187;Wir beherrschen nicht die Natur,<br />
Sondern die Natur herrscht über uns.&#0171;</em><br />
Sie verschiebt den Maßstab<br />
Ohne Vorwarnung.</p>
<p>Und plötzlich sind wir zwischen unseren Häusern<br />
Wie Ameisen;</p>
<p>Und was wir gebaut haben und besaßen<br />
Schwimmt wie Schmutzklumpen<br />
Auf der Oberfläche der Gewalten,<br />
Die aus dem Verhältnis geraten sind &#8211;<br />
In braunen Flutwellen treiben Turnhallen,<br />
Darüber kreisen Hubschrauber &#8211;</p>
<p style="text-align:justify;margin-left:50px;font-size:0.9em;">&#0187;&#8230;ein gefalteter Zug / Schutt mit Automassen / Schiff auf der Straße / Häuser werden zusammengeschoben / was das Feuer übrigließ / rammt frontal einen Wellenbrecher / an den Fernsehgeräten sieht die Welt / Landebahnen, Parkplätze, Schutt und Schlamm / Autos schwimmen im Wasser / Autos wie Spielzeugautos / weit ins Landesinnere getragen / bildet sich ein Cluster des Chaos / wurden durch die Erdstöße ganze Schrankreihen aus ihren Verankerungen gerissen.&#0171;</p>
<p>&#8211; Und an Bord, die erschrockenen Fotographen,<br />
Machen Bilder vom Meer,<br />
Das, wie von einem ungeschickten Kind<br />
Aus einem Putzkübel gegossen,<br />
Städte wegspült. </p>
<p>Dazwischen ganz unerklärlich Feuer<br />
Und Rauchsäulen: <em>&#0187;Wir beherrschen nicht die Natur,<br />
Sondern die Natur herrscht über uns.&#0171;</em><br />
Und was wir an Kräften in Beton gießen,<br />
Und was uns fest erscheint unter unseren Schuhsohlen:<br />
Gerät ins Schwanken,<br />
Kommt irgendwann hervor.</p>
<p>(Und man steht sprachlos davor.)</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Biosphäre</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 10:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Endzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmos]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
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		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

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		<description><![CDATA[I. Wie der Erdball auch immer Sich drehen und wenden mag, Die Läuse in seinem Pelz Fressen sich tiefer hinein, In seine dünne, erkaltete Haut. Seit sie die elektromagnetische Kraft domestizierten &#8211; Die aus größerer Höhe kaum Sichtbaren Gefäße verschlungener Chemie, die Zweibeiner &#8211;, Werden nachts Schwelbrände angefacht, Werden die Kontinente mit Fäden bespannt Aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/europa-nachts-satellit.jpg" class="floatbox" rev="group:5899 caption:`Satellitenaufnahme des nächtlichen Europa (Quelle: NASA)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/europa-nachts-satellit-300x225.jpg" alt="" title="Satellitenaufnahme des nächtlichen Europa (Quelle: NASA)" width="300" height="225" class="rand size-medium wp-image-5900" /></a></p>
<p>I.</p>
<p>Wie der Erdball auch immer<br />
Sich drehen und wenden mag,<br />
Die Läuse in seinem Pelz<br />
Fressen sich tiefer hinein,<br />
In seine dünne, erkaltete Haut.</p>
<p>Seit sie die elektromagnetische Kraft domestizierten &#8211;<br />
Die aus größerer Höhe kaum Sichtbaren<br />
Gefäße verschlungener Chemie, die Zweibeiner &#8211;,<br />
Werden nachts Schwelbrände angefacht,<br />
Werden die Kontinente mit Fäden bespannt<br />
Aus Licht, darin schwellende Nester<br />
Künstlicher Helligkeit.<span id="more-5899"></span></p>
<p>Tags aber sondern die Läuse im Pelz des Erdenballs<br />
Ihre giftigen Verdauungsgase ab, in den feinen Überwurf<br />
Aus Sauerstoff, der kaum wahrnehmbar<br />
Den schweren und geduldigen Elementekloß begleitet,<br />
Auf seiner Sturzbahn durch die Leere.</p>
<p>II.</p>
<p>Wie sich also der Erdball<br />
Auch immer drehen mag:<br />
Er ist unwiederbringlich verstoßen<br />
Aus der althergebrachten Versammlung<br />
Der anorganischen Chemie,<br />
Denn die Läuse in seinem Pelz wandeln<br />
Ihren Wirt in ihresgleichen um,<br />
Mit großer Geduld und über Äonen.</p>
<p>Das Leben verschönt graue Berghänge<br />
Mit einem Anstrich aus Flechten und Wiesenflächen;<br />
Es gebiert unter Wasser strahlend weiße Schlackehalden<br />
Aus ziselierten Schalen von Mollusken;<br />
Es treibt Blätter aus und spannt Flughäute,<br />
Um den Wind zu fangen, und wandelt das öde Sonnenlicht<br />
In süßen Zucker; es düngt den Mutterboden<br />
Mit Kot und Blut und mit den eigenen Knochen.<br />
Dann kommen schilldernde Käfer heran,<br />
Die alles umgraben. Jeder Kadaver eine Brutstatt,<br />
Und alle Verwesung ein Aufblühen, so daß<br />
Unter einem grünen Dach der schwarze Humus anwächst,<br />
Die Gabe der Myriaden an den<br />
Sich drehenden Lauf der Zeit.</p>
<p>III.</p>
<p>In den Höhlen nahm Sandstein Farbe an:<br />
Schwarze aus Asche, braune aus dem oxidationsprodukt<br />
Des Blutes, und den Ton zerpresster Beeren.</p>
<p>Auf den Ebenen begann es allmählich zu hallen<br />
Von Worten, sie wurden eingewoben in das Konzert<br />
Der schreienden Angst und Begierde, die<br />
Aus jedem Vogelschnabel und jeder<br />
Zuckenden Schnauze hervorgestoßen werden<br />
Seit langem schon, seit Paarung und Fraß<br />
Die Triebfedern sind aller Vielgestalt:</p>
<p>Aber Schönheit ist eine Erfindung der<br />
Bündnispartner der Verbrennung, der<br />
Bezwinger des Lichtbogens, der<br />
Säufer von Öl und Fresser von Landschaft.</p>
<p>IV.</p>
<p>Es ist hohe Zeit,<br />
Nun die Schönheit zu sammeln vom Erdenkloß,<br />
Sie in Worte zu sammeln,<br />
Sie mit Beerensaft und Chromophoren<br />
Auf bleibenden Untergrund aufzutragen:<br />
Denn wir werden untergehen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Melanogaster</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 10:03:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Fliegen]]></category>
		<category><![CDATA[Fressen]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Unterderoberfläche]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Generationen der Taufliege wechseln im Takt von zwei Wochen. Ein Taufliegenweibchen legt niemals weniger als einhundert Eier. Würde dabei nie auch nur eine Taufliege um ihr Leben gebracht Wäre in Jahresfrist die Nachkommenschaft einer einzelnen Taufliege Derart gewachsen, daß man eine Kugel daraus formen, Und damit die Lücke zwischen Sonne und Erde ganz füllen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/12/Drosophila-Krallenglied.jpg" class="floatbox" rev="group:5492 caption:`Krallenglied am Bein einer Taufliege (REM-Bild 1.700:1 von  Jürgen Berger, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie Tübingen)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/12/Drosophila-Krallenglied-300x300.jpg" alt="Krallenglied am Bein einer Taufliege (REM-Bild 1.700:1 von  Jürgen Berger, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie Tübingen)" title="Krallenglied am Bein einer Taufliege (REM-Bild 1.700:1 von  Jürgen Berger, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie Tübingen)" width="300" height="300" class="rand size-medium wp-image-5491" /></a></p>
<p>Die Generationen der Taufliege wechseln im Takt von zwei Wochen.<br />
Ein Taufliegenweibchen legt niemals weniger als einhundert Eier.<br />
Würde dabei nie auch nur eine Taufliege um ihr Leben gebracht<br />
Wäre in Jahresfrist die Nachkommenschaft einer einzelnen Taufliege<br />
Derart gewachsen, daß man eine Kugel daraus formen,<br />
Und damit die Lücke zwischen Sonne und Erde ganz füllen könnte.</p>
<p>Sollte man also mehr vor Sprengstoff und Wahnsinn,<br />
Oder doch eher vor dem winzigen Heer der Taufliegen sich ängstigen,<br />
Das nur durch ein zerbrechliches Gleichgewicht der Kräfte<br />
Gehindert wird, den Planeten bis auf die Kruste kahl zu fressen?</p>
<p>Und was wissen wir, Erbauer künstlicher Sonnen,<br />
Geflissentliche Mörder und stolze Erzeuger<br />
Von Höhlenmalereien, von Schmuck und freiem Willen,<br />
Was wissen wir letztenendes über die Welt,<br />
Die dort draußen liegt und die wir trotz allem<br />
Denmächst werden kahl gefressen haben,<br />
Bis auf die Kruste?</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Imaginal</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/imaginal</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 10:21:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Insekten]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Vorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus den Imaginalscheiben, also Sackartigen Einstülpungen im Körper Von Insektenlarven bilden sich Flügel, Geschlechtsorgane, Beine, Augen und Antennen. Was könnte je heranreichen An die Imaginationen Der kämpfenden Natur, Die umhergehen, fliegen und Funksprüche aus der Luft fangen, Um dann in allem was kriecht und In Windungen zur Sonne strebt, Die fehlende Mündung zu finden Für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/11/imaginalscheibe.jpg" class="floatbox" rev="group:5376 caption:`Imaginalscheibe von Drosophila melanogaster`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/11/imaginalscheibe-278x300.jpg" alt="Imaginalscheibe von Drosophila melanogaster" title="Imaginalscheibe von Drosophila melanogaster" width="278" height="300" class="rand size-medium wp-image-5375" /></a></p>
<p>Aus den Imaginalscheiben, also<br />
Sackartigen Einstülpungen im Körper<br />
Von Insektenlarven bilden sich<br />
Flügel, Geschlechtsorgane,<br />
Beine, Augen und Antennen.</p>
<p>Was könnte je heranreichen<br />
An die Imaginationen<br />
Der kämpfenden Natur,<br />
Die umhergehen, fliegen und<br />
Funksprüche aus der Luft fangen,</p>
<p>Um dann in allem was kriecht und<br />
In Windungen zur Sonne strebt,<br />
Die fehlende Mündung zu finden<br />
Für den Strom der Geschlechtlichkeit.</p>
<p>Aus den Imaginalscheiben wachsen<br />
Beine und Flügel<br />
Augen und Antennen und<br />
Die Fortsetzung der Welt.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auf der Titanic</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 10:17:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Überleben]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Untergang]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist Veränderung? Ein verdächtiger Begriff. Während des überwiegenden Teils der Geschichte unserer Art auf diesem Planeten wurde Veränderung von Menschen jedenfalls als bedrohlich und entschieden vermeidenswert angesehen. Veränderung ist Abweichung vom Urzustand, von dem Erbe der Ahnen und dem Willen der Götter, von dem in der Vergangenheit verankerten grundsätzlichen Anfangszustand, der besser ist als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/08/InconvTruth.jpg" class="floatbox" rev="group:4418 caption:`Bild aus dem Film &quot;An Inconvenient Truth&quot;`"><img class="rand size-medium wp-image-4419" title="Bild aus dem Film &quot;An Inconvenient Truth&quot;" src="/wp-content/uploads/2009/08/InconvTruth-300x173.jpg" alt="Bild aus dem Film &quot;An Inconvenient Truth&quot;" width="300" height="173" /></a></p>
<p>Was ist Veränderung? Ein verdächtiger Begriff. Während des überwiegenden Teils der Geschichte unserer Art auf diesem Planeten wurde Veränderung von Menschen jedenfalls als bedrohlich und entschieden vermeidenswert angesehen. Veränderung ist Abweichung vom Urzustand, von dem Erbe der Ahnen und dem Willen der Götter, von dem in der Vergangenheit verankerten grundsätzlichen Anfangszustand, der besser ist als alles, was sich irgendjemand heute ausdenken könnte – und deshalb ist Veränderung verdächtig. Wenn sich etwas ändert, dann nur zum schlechten und höchstens scheinbar zum Guten. Quasi nanos sunt gigantum umeris insidentes –<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwerge_auf_den_Schultern_von_Riesen" title="Nachlesen bei Wikipedia" target="_blank"> gleichsam Zwerge sind wir,</a> die auf den Schultern von Riesen sitzen, lautet ein bündiger Audruck für dieses traditionsverbundene Selbstbewußtsein</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2009/08/Dampfma_gr.jpg" class="floatbox" rev="group:4418 caption:`Eine von James Watt entworfene, doppelt wirkende Niederdruckdampfmaschine mit Balancier (Wikipedia)`"><img class="size-medium wp-image-4425 alignright" title="Eine von James Watt entworfene, doppelt wirkende Niederdruckdampfmaschine mit Balancier (Wikipedia)" src="/wp-content/uploads/2009/08/Dampfma_gr-204x190-custom.jpg" alt="Eine von James Watt entworfene, doppelt wirkende Niederdruckdampfmaschine mit Balancier (Wikipedia)" width="204" height="190" /></a>Dann kam die Aufklärung und alles wurde besser. Die Enge der Tradition wurde erkannt und das Menschengeschlecht ging daran, einen neuen Anfang zu machen. Erfindungen wurden gemacht, der Unternehmergeist der Menschen geweckt, der Aberglaube überwunden und die Nüchternheit allgemein eingeführt. Es konnte seitdem nur jeden Tag besser werden. Der Riese konnte sich endlich zur Ruhe setzen und die Zwerge gingen ans Werk, ohne sich von der Schwerfälligkeit des verrenteten Giganten noch weiter behindern zu lassen.</p>
<p>Heute allerdings ist der Fortschrittsmotor ins klappern und scheppern gekommen. Zwar wächst unser Wohlstand unentwegt – auch wenn die Bedürfnisse immer noch stärker wachsen und es uns nicht recht sehen lassen. Zwar kommen mit jedem Jahr weitere Annehmlichkeiten hinzu. Aber: auf den goldgepflasterten Weg des Fortschritts in die Zukunft fallen Schatten. Und eine alte literarische Gattung wird wiederentdeckt: Die Apokalypse. <span id="more-4418"></span></p>
<p>Wir gelangen von Jahr zu Jahr immer deutlicher zu der Einsicht, daß das Ende des Fortschritts irgendwann in absehbarer Zeit erreicht sein wird; daß dann die Rechnung präsentiert werden wird, und: es wird über unsere Verhältnisse gehen, sie zu begleichen. Eine „quasi-geologische Kraft“ ist der Mensch in den knapp dreihundert Jahren seit Erfindung der Dampfmaschine geworden, eine entfesselte und insgesamt ziemlich blinde Kraft, die „die natürliche Arbeitsweise des Erdsystems wesentlich und unwiderruflich verändern wird“.<sup class='footnote'><a href='#fn-4418-1' id='fnref-4418-1'>1</a></sup> Wenn wir auf unsere weit entwickelten Instrumente blicken, die für uns die Zukunft voraussagen, sehen wir: diese Veränderung wird reichlich zu unseren Ungunsten ausfallen, wie ein Tümpel, der überdüngt wurde und in dem das biologische Gleichgewicht zerstört ist, wird die Biosphäre der Erde umkippen. Und es wird bis dahin weniger Zeit vergehen, als seit der Empfindung der Dampfmaschine vergangen ist.</p>
<p>Warum? Weil ein Irrtum war, was die ersten begeisterten Vordenker der Idee von Fortschritt und Entwicklung sich ausgemalt hatten: daß der Mensch, wenn man ihn nur ließe und nicht unterdrücke, sich selbst veredeln würde, äußerlich und innerlich; daß wir einen Hang dazu hätten, immer erwachsener, vernünftiger und freiheitsliebender zu werden; daß es in unserer Natur liege, freundliche Gärtner in blühenden Landschaften eines endlich wiedererrichteten Paradieses sein zu wollen. Anscheinend ist das eine nur unvollständige Charakterisierung des Menschengeschlechtes. Wir haben einen Hang dazu, unser Scherflein ins Trockene zu bringen, auch wenn wir dafür den ganzen Rest im Regen stehen lassen müssen. Unsere technischen Möglichkeiten erheben uns in den Rang einer quasi-geologischen Kraft, einer so umfassenden Kraft, wie es die Meeresströmungen sind oder die Bodenerosion. Nicht allzu umfassend ist demgegenüber unsere Fähigkeit zu planen und unser Verhalten zu steuern: wir haben uns machtvolle Werkzeuge geschaffen, um die Welt nach unseren Wünschen umzubauen. Aber wir haben uns keine Zeit genommen, auf den Bauplan mehr als einen flüchtigen Blick zu richten.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-4426" title="Exponentialfunktion" src="/wp-content/uploads/2009/08/exponential-206x195-custom.jpg" alt="Exponentialfunktion" width="206" height="195" />Insgesamt entsteht, wenn man diese Konturen verfolgt, ein recht verwirrendes Bild: Einerseits machen wir immer weitere Fortschritte. Wir können gewiß sein, daß der Fernseher, den wir in zwei Jahren kaufen könnten oder das Handy, das unser momentanes ersetzen wird alles in den Schatten stellt, was zur Zeit verfügbar ist. Niemals würde ein Politiker Wählerstimmen erhalten, der wirtschaftliches Wachstum rundheraus ablehnt. Andererseits aber greift eine Ahnung um sich, das es nicht mehr lange gut gehen kann. Trotzdem scheinen die neuen, mit wissenschaftlicher Akribie erarbeiteten Weltuntergangsszenarien weit hergeholt zu sein. Denn es geht uns gut – warum sollte es uns auch nicht gut gehen, wenn wir fleißig arbeiten?</p>
<p>Einer jener akribischen Wissenschaftler zum Beispiel gelangt zu der Einschätzung, man könne heute den „kollektiven Selbstbetrug einer Gesellschaft, die auf der Titanic tanzt“ beobachten.<sup class='footnote'><a href='#fn-4418-2' id='fnref-4418-2'>2</a></sup> Die „Fakten“, die dafür sprechen, daß uns ein großer Umbruch bevorsteht, sind nach Bekunden dieses Klimaforschers „so klar, daß man sich eigentlich nicht mehr verstecken kann“. Eigentlich nicht – aber tatsächlich gelingt das Versteckspiel doch. Was uns zu Hilfe kommt ist offenbar die Unfähigkeit, auf eine Bedrohung zu reagieren, die weit entfernt ist. Wir verhalten uns gemäß einer Sammlung sehr einfacher Instinkte, entsprechend unserer Natur. Die Maschinen, die wir in Gang gesetzt haben, sind aber weitaus komplexer – sie haben uns, während sie unseren wirtschaftlichen Fortschritt antrieben, allmählich abgehängt. Sodaß wir nun eigentlich nur noch Beobachter eines Prozesses sind, den wir einmal nichtsahnend und mit den besten Absichten in Gang gesetzt haben. Ein Prozeß, der von uns getragen wird, aber den wir nicht steuern können: ein Prozeß, der den Planeten und das Leben auf ihm verändert, der wie eine Naturgewalt wirkt, die das Überleben unserer Spezies wie aller anderen gefährden wird. Ein Prozeß, den wir absehen, den wir aber nicht stoppen können.</p>
<p>Ist das alles wirklich so? Oder erleben wir nicht so sehr ein fatale Umwälzung der natürlichen Gegebenheiten, sondern lediglich eine Wiederbelebung einer alten Angewohnheit menschlichen Denkens: Der Ansicht nämlich, daß die Zukunft nur ein Niedergang sein kann und das der Weltuntergang unvermeidlich ist. Das haben Menschen schon immer gedacht, haben immer wieder, in Abständen von einigen Jahrzehnten, es als unbestreitbar angesehen, daß das Weltende kurz bevor steht. Früher klangen apokalyptische Erwartungen meistens religiös – und heute, in einer modernisierten Fassung, klingt die Apokalypse naturwissenschaftlich. Tatsächlich entwuckelt sich in Debatten über die globale Erwärmung und die künftigen Naturkatastrophen häufig genug ein quasi-religiöser Eifer. Ist demnach alles ein Produkt schwarzseherischer Phantasie?</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-4427" title="Klimasimulation" src="/wp-content/uploads/2009/08/klimasim-185x199-custom.gif" alt="Klimasimulation" width="185" height="199" />Diese Phantasie speist sich aus Simulationen, die gigantische Rechenmaschinen unter Anwendung von schwierigen Formeln entwickeln. Anhand dieser Simulationen läßt sich vorhersagen, wie das globale Ökosystem und die physikalischen Vorgänge auf dem Planeten darauf reagieren werden, daß der Mensch die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre einschneidend verändert. Das ist äußerst komplex und für kaum jemanden im einzelnen nachvollziehbar. Es läßt sich aus solchen Erkenntnissen auch kein Produkt gewinnen, das im Alltag nützlich wäre – wie sonst bei den meisten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die erst dadurch ihre Relevanz beweisen. Gegen die Prognosen der Klimaforscher steht vor allem die einfache und unmittelbar einleuchtende Erkenntnis, die der Blick aus dem Fenster vermittelt: Alles ist in Ordnung.</p>
<p>Die kommende Klimakatastrophe ist ein Medienereignis: Ein Ereignis, das nur in einem bestimmtem Medium, der Wissenschaft, der mathematischen Simulation, der Extrapolation von Beobachtungen, übermittelt wird. Ganz so, wie andere Katastrophen lediglich als Medienereignisse greifbar sind: kriegerische Auseinandersetzungen in fernen Ländern, Hungerkatastrophen in anderen Kontinenten, Armut und Elend in weiter Entfernung. Und auch solche Ereignisse, weil sie letztlich nur Medienereignisse sind, verändern unser Verhalten nicht wesentlich. Denn der Blick aus dem Fenster besagt weiterhin: Alles ist in Ordnung.</p>
<p>Erst, wenn die unmittelbaren, eigenen Interessen berührt sind, handelt ein Exemplar der Gattung Homo sapiens. So gibt es ihm sein angeborenes, ganz natürliches Verhalten vor. Mit ungreifbaren, körperlosen Dingen umzugehen, etwas weit entferntes in unsere Überlegungen mit einzubeziehen – dazu sind wir nicht in der Lage. Deshalb wird es erst dann Reaktionen auf die Klimaveränderung geben, wenn ihre Folgen gravierend genug sind, uns spürbare Nachteile einzubringen, die den Lebenskomfort einschränken und unangenehme Kosten verursachen, die nicht mehr als Hypothek in die Lebenszeit kommender Generationen aufgeschoben werden können. Dann aber wird es schon zu spät sein.</p>
<div class='footnotes'>
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<li id='fn-4418-1'>„Die Menschheit wirkt jetzt wie eine quasi-geologische Kraft im planetaren Maßstab, die die natürliche Arbeitsweise des Erdsystems wesentlich und unwiderruflich verändern wird&#8230;“ <em>(Memorandum des 2007 in Potsdam abgehaltenen Symposiums <a title="Quelle: Potsdam Memorandum" href="http://www.nobel-cause.de/potsdam-memorandum" target="_blank">„Global Sustainability: A Nobel Cause“</a>)</em> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4418-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-4418-2'>Die Fakten sind so klar, daß man sich eigentlich nicht mehr verstecken kann, in irgendeiner Weise verbergen kann. Da gibt es eine Komplizenschaft zwischen der großen Industrie sowie den kleinen Konsumenten, den Politikern wie den Nichtwählern und so weiter. Es ist eben der kollektive Selbstbetrug einer Gesellschaft, die auf der Titanic tanzt. <em>(Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, im TV-Magazin Panorama vom 06. August 2009)</em> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4418-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>


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