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	<title>Rauhfasler &#187; Niedertracht</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>ultra nubes aurora</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Jan 2011 10:42:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Brustraum]]></category>
		<category><![CDATA[Niedertracht]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstähnlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Vögel]]></category>
		<category><![CDATA[Vorstellung]]></category>

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		<description><![CDATA[Sieh wie die Wolken ziehen Am eisblauen Himmel Schwelbrand im Innern Und wie sie dennoch im Wind Rasch verschwinden Und wie braune Zweige unten Spitz aus dem Dreck stehen An den Stämmen von Büschen Wie sie das Abendlicht zerkratzen Und den Blick kahl werden lassen. Auf den Handrücken fließen mir Schatten zusammen Es schweigt im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/01/riemen.jpg" class="floatbox" rev="group:11230 caption:`Antriebsriemen. Abbildung aus Meyers Großem Konversations-Lexikon, 6. A., 1905-09`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/01/riemen-300x176.jpg" alt="" title="Antriebsriemen. Abbildung aus Meyers Großem Konversations-Lexikon, 6. A., 1905-09" width="300" height="176" class="rand size-medium wp-image-11234" /></a></p>
<p>Sieh wie die Wolken ziehen<br />
Am eisblauen Himmel<br />
Schwelbrand im Innern<br />
Und wie sie dennoch im Wind<br />
Rasch verschwinden</p>
<p>Und wie braune Zweige unten<br />
Spitz aus dem Dreck stehen<br />
An den Stämmen von Büschen<br />
Wie sie das Abendlicht zerkratzen<br />
Und den Blick kahl werden lassen.</p>
<p>Auf den Handrücken fließen mir Schatten zusammen<br />
Es schweigt im Kopf: da, unter den Gedanken<br />
Schweigt es, schweigt es &#8211;<br />
Und die frierende Amsel nickt<br />
Vom Fenster her und meint:<br />
Dort sei nichts, dort sei gar nichts.</p>
<p>Gib mir dreißig Silberlinge dafür<br />
Daß ich jedes einzelne Übel<br />
Bei mir für möglich halte:<br />
Denn im Fallen macht der Wind<br />
Töne in den klirrenden Ohren<br />
Durch die kein Schweigen dringt;</p>
<p>Gib mir dreißig Silberlinge, leg sie<br />
Mir in den Brustkasten ein &#8211;<br />
Das drückt so begehrlich und das<br />
Ist ein Gegenspiel der Leichtigkeit<br />
Die man in der Asche finden könnte<br />
Wenn alles Schwere abgebrannt<br />
Und völlig verloren wäre:<br />
<span style="margin-left:11em;">ich stiege</span><br />
Mit der silbernen Asche auf.</p>
<p>Wer hat uns hierher verschlagen<br />
Auf halben Weg? Uns, als der Erzähler<br />
Seinen Faden verlor &#8211;<br />
Wer säht das Mißverstehen so<br />
Reichlich? Braun stehen<br />
Die Zweige von den Büschen ab, sie kratzen<br />
Das Abendlicht vom Himmel<br />
In langen Streifen; die Amsel<br />
Nickt, sie meint: da ist nichts<br />
Da ist gar nichts. Sie<br />
Singt einen langen, hellen Ton<br />
Rot ist ihr Schnabel &#8211; von innen.</p>
<p>Du gabst mir dreißig Silberlinge<br />
Bezwungen gabst du sie mir<br />
Legtest sie mir in die Brust:<br />
Ich nehme einen hervor, ich zahle<br />
Den Gedankenkrämer, auf daß<br />
Ich heute eine Vorstellung von dir<br />
Bei mir habe, von dir<br />
Sie anzuzünden und Licht zu haben<br />
Von dir.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[ultra nubes aurora]]></series:name>
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		<title>Percheron</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 11:10:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Fortschritt]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Jagd]]></category>
		<category><![CDATA[Niedertracht]]></category>
		<category><![CDATA[Raubtiere]]></category>
		<category><![CDATA[Sinnlosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Waffen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie die Folgerichtigkeit Steigt und schäumend Auf den Hinterbeinen steht; Wie sie mit den Hufen schlägt Und vom Gemächt der Dampf Sich in dichten Schwaden löst. Bis dann sie niedergeht Und vorwärts bricht, Den Grund pflügt Unter ihrem jähen Fortschritt, Den Boden Zittern macht. Ich wünschte eine Flinte, eine Lange, Mit dem Finger dran zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/01/pferdehufe.jpg" class="floatbox" rev="group:5784 caption:`Pferdehufe`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/01/pferdehufe-300x183.jpg" alt="" title="Pferdehufe" width="300" height="183" class="rand size-medium wp-image-5788" /></a></p>
<p>Wie die Folgerichtigkeit<br />
Steigt und schäumend<br />
Auf den Hinterbeinen steht;<br />
Wie sie mit den Hufen schlägt<br />
Und vom Gemächt der Dampf<br />
Sich in dichten Schwaden löst.</p>
<p>Bis dann sie niedergeht<br />
Und vorwärts bricht,<br />
Den Grund pflügt<br />
Unter ihrem jähen Fortschritt,<br />
Den Boden Zittern macht.</p>
<p>Ich wünschte eine Flinte, eine Lange,<br />
Mit dem Finger dran zu rühren,<br />
Um mit Tosen Kugeln zu verschicken<br />
Und das Scheusal zu erschießen.</p>
<p>Ich würde mir die Sehnen schneiden<br />
Aus den noch nicht kalten Beinen,<br />
Meine nutzlosen Gedanken<br />
Damit zu dicken Bündeln binden &#8211;<br />
Um mir die Kleidung auszupolstern<br />
Gegen Kälte oder<br />
Vernunftverpichte Niedertracht.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Berufsverkehr</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/berufsverkehr</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 10:35:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Niedertracht]]></category>
		<category><![CDATA[Schmutz]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Unterderoberfläche]]></category>

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		<description><![CDATA[Man könnte sich zur Decke strecken, Wären nur die Lampen nicht So schmutzig gelb. Die Stadt verbrennt In ihrem Dunst Den Himmel hat man abgepellt. Ein Narkomane leidet bleich, Mit pathetisch kaltem Schweiß An der Arbeit seiner Nieren. Die alte Frau dort hinten Stiert schüchtern auf die Welt, Die nach ihr kommen wird. Auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/12/NDS-fop_hamster.jpg" class="floatbox" rev="group:5456 caption:`Hamster aus dem Spiel &quot;Die Sims&quot; auf dem Nintendo DS`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2009/12/NDS-fop_hamster-300x300.jpg" alt="Hamster aus dem Spiel &quot;Die Sims&quot; auf dem Nintendo DS" title="Hamster aus dem Spiel &quot;Die Sims&quot; auf dem Nintendo DS" width="300" height="300" class="rand size-medium wp-image-5458" /></a></p>
<p>Man könnte sich zur Decke strecken,<br />
Wären nur die Lampen nicht<br />
So schmutzig gelb.</p>
<p>Die Stadt verbrennt<br />
In ihrem Dunst<br />
Den Himmel hat man abgepellt.</p>
<p>Ein Narkomane leidet bleich,<br />
Mit pathetisch kaltem Schweiß<br />
An der Arbeit seiner Nieren.</p>
<p>Die alte Frau dort hinten<br />
Stiert schüchtern auf die Welt,<br />
Die nach ihr kommen wird.</p>
<p>Auf dem Bildschirm eines Knaben<br />
Flackert zum zweiten Frühstück<br />
Tonlos rascher Mord.</p>
<p>Die Zeitung eines Arbeitnehmers<br />
Verbreitet leicht bekömmlich Niedertracht:<br />
Man ist schon früh am Werk,</p>
<p>Die Zukunft zu verbrennen,<br />
Weil sie sehr bunte Flammen macht.<br />
Ein Säugling bellt im Wagen,</p>
<p>Eine Taube ist gestorben über Nacht.<br />
Alles drängt sich eilig ineinander,<br />
Während von Plakaten glänzend</p>
<p>Ein Spalier aus nackten Leibern lacht.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schneetreiben</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Feb 2009 12:15:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wegkreuzungen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Alter]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Müdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Niedertracht]]></category>
		<category><![CDATA[Schnee]]></category>
		<category><![CDATA[Stumm]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Mirakel]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Stadt liegt unter Schnee. Den nehmen fünf Jungen auf und werfen ihn von einem Parkdeck aus auf die Köpfe der unter ihnen gehenden Passanten. Sie treffen meistens nicht. Die Schneebälle fliegen an den Wangen der Beworfenen vorbei und zerspritzen auf dem Boden. Sonderbar, daß nicht einer den Blick von den eigenen Fußspitzen hebt &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-2667" title="Gehstock" src="/wp-content/uploads/2009/02/gehstock-210x300.jpg" alt="Gehstock" width="210" height="300" />Die Stadt liegt unter Schnee.</p>
<p>Den nehmen fünf Jungen auf und werfen ihn von einem Parkdeck aus auf die Köpfe der unter ihnen gehenden Passanten. Sie treffen meistens nicht. Die Schneebälle fliegen an den Wangen der Beworfenen vorbei und zerspritzen auf dem Boden. Sonderbar, daß nicht einer den Blick von den eigenen Fußspitzen hebt &#8211; die Angriffe bleiben vollkommen unbemerkt. Dann aber wird eine alte Frau um eine Handbreit verfehlt und springt mit der Behendigkeit des Schreckens zur Seite. Einmal entronnen, dreht sie hektisch den Kopf hin und her, entdeckt die Rotte auf dem Parkdeck und droht mit ihrem Stock. Auch das scheint keiner zu bemerken. Und auch das Johlen und Spotten der Rotte dort oben hört offenbar nur die alte Frau.</p>
<p>Ein älterer Herr, in Strickjacke und Hut, fegt um sein Auto herum die Fahrbahn. Warum die Fahrbahn? Unter dem Auto ist ein Loch in der Schneedecke, wie bei den anderen Autos. Bei den anderen Autos setzt sich der Schnee auch über das Auto hinweg fort. Das Auto des alten, besenwetzenden Herren aber ist auf wundersame Weise völlig unbedeckt und trocken, wie an einem Frühlingstag. Warum fegt der Alte jetzt auch noch die Fahrbahn &#8211; er bewirkt dabei gar nichts. Auf einem großen, stählernen Behälter, denke ich nun, war ein Wahlspruch angebracht, übertrieben grandios: Denn Zukunft braucht Leistung. Welche Zukunft aber &#8211; und welche Leistung?</p>
<p>Als ich stehe und warte, tauchen Gesichter aus der geduckten Menge auf. Ein Maler, sein Overall ist vielfarbig bunt, ist aschgrau im Gesicht. Ein anderer, grobknochiger Mann riecht süßlich nach Malz. Er schiebt die Unterlippe ein wenig vor, als hätte man ihn, ein kleines Kind eigentlich, ungerecht, schrecklich ungerecht behandelt. Zwei Adoleszenten hingegen ist alles gleichgültig. Ihre Unterhaltung geht zischend zwischen ihnen, ein Lichtbogen mühsam gezügelter Wut, der ihnen auch die raschen, harten Armbewegungen auflädt. Sie stehen an einer Bank, dort sitzt ein dicker Mensch. Der sieht ängstlich und mißgünstig zu, wie der eine zornige, junge Mann seinen Fuß auf den Sitz neben ihm stellt, um zärtlich seinen Schuh mit einem Taschentuch von Schneeresten zu befreien. Ein weiterer Wartender beobachtet, wie der Sitz mit Schnee besudelt wird aus der Ferne, und aus ihm lodert Verachtung, um die sich niemand, er selbst auch nicht, schert.</p>
<p>In dem Bus, der endlich kommt, sitzt ein würdiger Alter, den Gehstock zwischen den Beinen. Nun bricht eine Schulklasse herein, womöglich die obere Klasse einer Grundschule, lärmend und mit ihren wilden Kinderspielen beschäftigt. Da sind drei, vier kleine Jungs, die im Wettstreit versuchen, einander die Hosen herunterzuziehen. Sie rufen dabei im Triumph &#0187;Männerstrip&#0171;<em> </em>und &#0187;Peepshow&#0171;. Zwei Mädchen, am anderen Ende des Wagens, drücken zart ihre Nasen aneinander.</p>
<p>Jetzt weitet sich der Kreis, in dem die vier Jungen spielen und umschließt auch noch den Sitzplatz des würdigen Alten. Er faßt seinen Stock fester und macht &#8211; still, zweifelnd &#8211; eine kurze Geste in die Luft. Er hat sich entschieden, es zu ertragen. Seine Augen sind dunkel von irgendeiner Trauer und die Lippen zeigen selbstverständliche Würde. Unser Blick trifft sich und ich bemühe mich, durch drei Falten, die ich mühsam durch Anspannung der Gesichtsmuskeln zustande bringe, ihm meine Anerkennung auszudrücken.</p>
<p>Draußen die Landschaft liegt unter Schnee. Sie ist still, reglos, friedlich. Und mitten im Schnee steigt zwischen uns zusammengedrängten Menschen die Müdigkeit als ein unsichtbarer Dunst in den froststarren Himmel. In der Ferne steht unbewegt ein hoher Kran, erhaben über alles.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Severins Erzählung (I)</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2008/severins-erzaehlung-i</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Oct 2008 20:47:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Gift]]></category>
		<category><![CDATA[Niedertracht]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Sonderlinge]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Gefühl, in einen verbotenen Bereich zu gelangen, machte sich Eklytos auf die Erzählung gefaßt, die Severin nun wohl unweigerlich beginnen würde. Wehmut griff nach ihm. Es war ihm wie einem Kind, daß von seiner Mutter fort muß. Aber die sonderbare Weise, in der Severin von den höchsten Mächten zu sprechen offenbar gewohnt war, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/ecballium-elaterium.jpg" class="floatbox" rev="group:1785 caption:`Ecballium elaterium (Spritzgurke)`"><img class="rand size-medium wp-image-2283" title="Ecballium elaterium (Spritzgurke)" src="/wp-content/uploads/2008/10/ecballium-elaterium-188x300.jpg" alt="Ecballium elaterium (Spritzgurke)" width="188" height="300" /></a></p>
<p>Mit dem Gefühl, in einen verbotenen Bereich zu gelangen, machte sich Eklytos auf die Erzählung gefaßt, die Severin nun wohl unweigerlich beginnen würde. Wehmut griff nach ihm. Es war ihm wie einem Kind, daß von seiner Mutter fort muß. Aber die sonderbare Weise, in der Severin von den höchsten Mächten zu sprechen offenbar gewohnt war, und die unerhörten Anmaßungen, die er bereits von sich gegeben hatte, machten Eklytos doch auch neugierig. Und das verschlimmerte noch die Verfassung, in der er sich befand. Denn diese Neugier kam Eklytos verdreht, widersinnig und so entwürdigend gafferisch vor, daß es ihn in der Seele schmerzte. Aber er konnte trotz allem nicht anders, er mußte zuhören, er wollte hören, was Severin erzählen würde. So also saß Eklytos neben Severin Cyrenus, als der begann, den Verlauf seines Lebens darzulegen.</p>
<p>»Also, mein Freund, wie ich schon erwähnte, war ich einmal ein angesehener Bürger. Dies Haus, an dem wir jetzt lehnen, gehörte einmal mir. Und es hat meiner Familie gehört, über viele Generationen hinweg. Deshalb sind seine neuen Besitzer so großherzig, mir in dieser friedvollen Gasse ein Obdach zu gewähren und es zu ertragen, daß ich hier meinen Schmutz um mich sammle. Sie haben mir sogar diese harte Mauer gebaut, mußt du wissen, damit ich meinen Rücken an sie lehnen kann. Hier, wo einmal der Eingang für die Hausdiener war.« Severin zeigte Eklytos den Torbogen über ihren Köpfen und klopfte mit der flachen Hand auf die beträchtlich helleren und jüngeren Steine, die das Tor nun verschlossen.<br />
»Ja, ja, so großherzig sind die alten Familien Oeas untereinander.« Severin wurde von einem heftigen, zuckenden Lachen ergriffen. »Ich erhalte sogar Tag für Tag eine Schüssel mit Brei, die mir eine Dienerin vor meine Pforte stellt. Manchmal gebe ich dann einige Laute von mir, wie mir meine kranke Brust es ermöglicht, und das arme Mädchen wirft die Schüssel von sich. Du mußt mir zugestehen, daß ich ein ernsthafter Asket bin.«<br />
Eklytos kaute auf seiner Lippe und rang mit den Händen, um sich einigermaßen hinwegzuhelfen über seinen Widerwillen.<br />
»Nun, Bärtiger, ich war also ein reicher Mann und hatte Einfluß überall in der Dreistadt. Aber ich war von einer schweren Krankheit befallen: Ich konnte nicht zufrieden sein. Ich lag zu Tische, ich wandelte in einem Garten, der von kenntnisreichen Dienern mit aller Pracht der Natur ausgestattet worden war. Ich mehrte meinen Besitz, die Menschen standen vor mir mit gebeugtem Haupt und wagten kaum, das Wort an mich zu richten — aber es machte mich nicht froh. Ich blieb leer, wie es der ärmste Tagelöhner und Sklave nicht sein kann, der immerhin noch Zorn verspürt über die Ungerechtigkeit des Lebens, wenn ihm sein Tagewerk überhaupt Zeit läßt dazu. Ich war leer, leer wie die Wüste oder das Gefasel von Propheten. Und ich hatte nichts, was mir über diese Leere hinweggeholfen hätte. Kein Gelage, kein Spiel, nicht die Darbietung eines Dramas. Nichts von dem, was wir feigen, hohlen Menschen erfunden haben, fesselte mich so, daß ich die Leere in mir hätte vergessen können. Oh, ich verstand meine Geschäfte zu führen. Ich verstand, Eindruck zu machen und Einfluß zu gewinnen. Ich meinte, meiner alten Familie schuldig zu sein, daß ich unseren Besitz gut verwaltete und mehre so gut es ging. Aber es war mir doch eigentlich gleichgültig. Kein Erfolg war befriedigend, keine Sorge so tiefgreifend, daß sich mich erfüllt hätte. Ich blieb kalt und wie betäubt. Ich war, mein bärtiger Freund, ich war wie eine leere Vase: kostbar verziert aber unnützer als jede einfache Tonschüssel, die einer mit Speise gefüllt hat. Dieses Leiden war irgendwann ausgebrochen, zunächst ohne daß ich es überhaupt bemerkte. Aber nachdem mir mein Leiden ins Bewußtsein gedrungen war, schwärte es in mir und breitete sich weiter und weiter aus.<br />
Das war meine Lage, als ich auf einen Weisen traf, dessen Füße staubig waren wie deine und der fast nackt durch die Straßen zog. Hier, auf diesem Platz, hatte er sich niedergelassen und sprach zu den Menschen. Und er sprach so, daß schon nach kurzer Zeit eine große Menge zusammengelaufen war. Als es mir gemeldet wurde, schickte ich meine Wachen aus und begab mich selbst auf den Platz, um vor den Weisen Mann zu treten. Und ich sage dir: Er war sogar noch bärtiger und schrundiger als du, furchtsamer Fremder.«<br />
Severin schlug Eklytos in gespielter Freundschaft mit seiner einzelnen Hand auf die Schulter, daß diesem ein kurzer Aufschrei entfuhr.<br />
»Da stand ich nun also, in all meiner furchterregenden Pracht vor diesem Dahergelaufenen. Er sah mich an und sagte mir geradewegs ins Angesicht: ›Der Reiche muß leer bleiben, wenn er nicht den gefunden hat, vor dem sein Knie sich beugt. Dieser ist es, den du suchen mußt. Und vor ihm ist aller Reichtum nur Tand und unnützes Wesen. Er aber sieht, wie es um dich steht, also bewahre deinen Fuß und hüte dein Herz, daß es wohlgefällig sei.‹ Dies waren die Worte, die ich hören mußte, ich erinnere mich an jedes einzelne. Und es fiel mir nicht ein, den Dahergelaufenen schlagen und verjagen zu lassen wie einen Straßenköter. Besser wäre es gewesen!«, jammerte Severin und achtete Eklytos nicht mehr, so sehr war er in seine Erinnerungen versunken. Er sprach weiter, eindringlich wie ein Träumender.<br />
»Ich stand auf dem schmutzigen Platz und wußte nicht aus noch ein. Ich selbst mußte vor diesem alten, abgerissenen Mann den Blick senken und war vor ihm wie ein rechtloser Fremder. Ich floh in mein Haus, daß meine Wächter kaum schnell genug folgen konnten. Ich warf mich auf mein Bett und dachte und sprach mit mir, wie im Fieber. Ich hielt mir selbst wieder und wieder die Worte des Alten vor. Sie erschienen mir als ein Urteil, daß über mich gesprochen worden war zur Verwerfung alles dessen, was ich war. Aber da keimte auch Freunde in mir, unter der Asche meines niedergebrannten Stolzes. Denn ich hielt alles, was der Alte gesagt hatte, für wahr. Es war doch die Antwort auf jene Frage, die ich zu stellen nicht gewagt hatte. Und es ging mir auf, das mit jener scheidenden, brennenden Wahrheit, die ich vom Alten erfahren hatte, die Leere zu füllen wäre. Die Leere, von der ich dachte, sie würde mich langsam zu Grunde richten. Jetzt hatte mich der Alte mit seinen Worten gerichtet  und mir ein Heilmittel in die Hand gegeben. Ich traf auf meinem Lager im Fieber einen Entschluß. Ich wollte mich auf die Suche begeben nach dem Einen, von dem der Alte zu mir gesprochen hatte.«</p>
<p>Ein wahnsinniges Gelächter brach aus Severin hervor, diesmal nicht im Zaum gehalten durch den Zerfall in seiner Brust. Ein klares, hallendes, kaltes Gelächter, schlimmer noch als alles, was bislang aus ihm Gedrungen war. Es hallte von den kahlen Wänden wieder und stieg aus der Gasse empor, daß es den Himmel schmerzen mußte. Eklytos wurde kalt; und kalt war sein Staunen über diesen Menschen.</p>
<p>Als er wieder an sich halten konnte und zu Atem gekommen war, als er sich den Schweiß abgetrocknet hatte und wieder zu wissen schien, wo er sich befand, setzte Severin seine Erzählung fort: »Und, Bärtiger, als ich mich nach langer Zeit von meinem Lager erhob, war um mich alles verändert. Ich dachte, ich sei aus einem üblen Traum erwacht. Jetzt weiß ich, daß ich wie ein Junge im ersten Flaum von einem Betrüger hinters Licht geführt worden war. Aber damals hatte mich Ekel ergriffen, den ich für heilig hielt. Ekel vor mir selbst. Ich sah den marmornen Boden, auf dem meine reinen Füße standen, und er erschien mir wie Kot. Wut ergriff mich gegen mein ganzes Dasein. Tand, hatte der Alte es genannt — und ich wußte, ich würde all diesen Tand auseinanderhauen müssen.<br />
Aber wie soll man Reichtümer loswerden? Sie geben ihren Besitzer nicht kampflos frei. Man bekommt doch nur immer neue Reichtümer dafür. Ich sann auf einen Plan, ich wollte sicher gehen. Es schien mir auch nicht recht zu sein, mich in allem Frieden von jenen Gütern zu trennen, indem ich sie an einen Neffen übergab oder an sonst irgendeinen, der von diesem hinterhältigen Besitz in Gefangenschaft geführt worden wäre, ganz wie ich selbst. Aber wie war es möglich, den ganzen Reichtum meiner Familie in Scherben gehen zu lassen? Wie war es möglich?<br />
Jetzt, Eklytos, oder wie immer du heißt, jetzt kann ich meinen einzigen Besitz, diese Schale, nehmen«, Severin tat es, während er noch sprach, »und kann sie dort hinten in das Dunkel werfen, zu meiner Rinne, wo das andere liegt, was ich besaß, bis es unter Schmerzen meinen Körper verlassen hat.« Und er warf tatsächlich die Schale in die Dunkelheit, von wo ein Klirren als Antwort kam. Wieder erschütterte ein zähes Lachen den gezeichneten Körper. »Aber«, setzte Severin seinen Gedanken fort, als er sich von neuem beruhigt hatte, »wie soll man Häuser, Ländereien, Schiffe und all das, von sich werfen? Es kommt ja doch immer wieder zurückgekrochen.<br />
Mir offenbarte sich aber ein Weg. Ich fand einen Weg, meine Reichtümer loszuwerden und so zugleich zur Läuterung dieser Stadt einzusetzen. Und ich nahm es als einen Fingerzeig des Himmels. Mein sehnlicher Wunsch, den Worten des weisen Alten zu folgen, war den Göttern nicht verborgen geblieben, dachte ich, und sie unterstützten mich nun durch Eingebungen und Weisungen. Also ging ich ans Werk.<br />
Ich hatte nämlich von dem Gewächs Ekballium erfahren. Es ist eine Gurke, deren reife Frucht bei der leisesten Berührung gewaltsam aufbricht und das Fruchtfleisch mitsamt den Samen verspritzt. Die Frucht hat bemerkenswerte Eigenschaften, mein Freund! Bemerkenswerte Auswirkungen auf den Leib eines Menschen vom Haupt bis zu den Fußsohlen. Stuhlfluß verursacht Ekballium zuforderst, aber es vermag auch, das Gedärm in Aufruhr zu versetzen, daß ein Mensch sich windet und sich den Bauch hält vor Schmerzen. Erbrechen folgt auf den Genuß dieser Frucht, Kopfschmerzen, Herzrasen, Feuer im Unterleib und Blutfluß. Das ist doch klangvoll und erschien mir als meine Rettung!<br />
Ich brachte also alles Notwendige über die Aufzucht dieser Pflanze in Erfahrung und wies meine Kapitäne und Händler an, mir nach Kräften die Samen dieser erstaunlichen Pflanze zu beschaffen. Und dann stellte ich meine Ländereien zu einem bestimmten Teil auf die Erzeugung der Spritzgurke um. Spritzgurke: So wird das Gewächs auch genannt, denn die Früchte sehen ganz so aus wie eine behaarte Gurke — haarig wie deine Arme und nackten Beine, nicht aber so, wie dein Gesicht, mein bärtiger Freund!« Severin hatte den ersten Teil des Namens jener giftigen Pflanze mit spitzen Lippen und geradezu zärtlich ausgesprochen. Die Silbe sprizte aus seinem schwarzen, zahnlosen Mund hervor wie Schlangengift.<br />
»Meine Leibeigenen gingen also daran, die haarigen Gurken für mich anzubauen. Vielleicht bemerkten sie, als ihnen der Saft der Früchte die Haut verbrannte, daß es sich um ein besonderes Gewächs handelte. Aber sie brauchten nicht zu wisssen, was sie taten. An ihnen vollzog sich die Läuterung ohne ihr Wissen. Selig hätten sie sich preisen können, hätten sie von ihrer schleichend näherkommenden Seligkeit nur gewußt und davon, daß sie der Läuterung des großen Oea mehr noch dienten als mir selbst. Aber ich tat, was mir eingegeben worden war, nicht, um Ruhmes willen. Ich erzeugte freilich auch Getreide und alle Arten von Feld- und Gartenfrüchten, denn sie benötigte ich für das Gelingen meines Vorhabens. Also würde ich nach Ablauf zweier Jahre eine große Menge des Ekballium zur Verfügung haben. Und während ich ungeduldig auf das Gedeihen meiner Saat wartete und den einen oder anderen unvorsichtigen Sklaven an seine besondere Wirkweise verlor — in aller Verschwiegenheit, wie du dir denken kannst — tat ich vieles, um auch nach eigenen Kräften meiner Reinigung näherzukommen, um Gnade in den Augen der Götter zu erlangen. Ich zog aus um rein zu werden und ich war ein mutiger Anachoret. ›Bewahre deinen Fuß und hüte dein Herz, daß es wohlgefällig sei.‹ Vieles habe ich durchlitten.«</p>
<p>Severin verfiel nach diesen Worten in Schweigen. Die letzten Satz waren ihm nur leise und zögerlich von den Lippen gegangen. Jetzt hatte er einen krummen, schmutzigen Finger in den Mund gesteckt, daß ihm die beiden Teile seiner Oberlippe darüberhingen wie ein Baldachin. Er saugte gedankenverloren an diesem Finger. Eklytos kam darüber wieder zu sich. Er hatte sich in Severins Erzählung fangen lassen und nun, da er es gewahr wurde, schämte er sich dafür. Gleichzeitig war er gespannt zu erfahren, wie der gotteslästerliche Plan Severins sich  in den undeutlichen, kränklichen Worten seiner Erzählung weiter entfaltete. Eklytos wußte sich keinen Rat. Er saß also nur dort, auf der schmutzigen Stufe. Der Mittag war gerade vorüber und über die Stadt hatte sich die Ruhe der heißesten Stunden gelegt.</p>
<p>Severin räusperte sich nach einer Weile und stach Eklytos den speichelfeuchten Finger gebieterisch vor das Gesicht. »Du dreister Dahergelaufener!«, knurrte er. »Du wirst mich jetzt in Frieden lassen. Ich bin ein alter, gezeichneter Mann und nicht in der Lage, deine bodenlose Neugier grenzenlos zu befriedigen. Geh hinaus!« Severin sprang auf und Eklytos schoß erschreckt in die Höhe. Severin packte Eklytos an der Schulter und drängte den Wüstenmann mit erstaunlicher Kraft in Richtung des verschlossenen Gatters. Im Gehen lachte er wieder jenes ungezügelte, irrwitzige Lachen.<br />
»Versäume aber nicht wiederzukommen, in den Morgenstunden nach der kalten, einsamen Nacht, die wir beide zu befürchten haben! Ansonsten wirst du nicht herausbekommen, wie die Götter mit mir verfahren haben. Ich verwette meine Hand, daß es dir eine Offenbarung sein wird!«<br />
Eklytos stammelte abwehrend vor sich hin. Da aber war das Gatter schon offen, er wurde hinausgestoßen und Severin schlug hinter ihm die Pforte zu seiner Behausung wieder zu.</p>
<p>Eklytos stand auf dem Platz, der unter der brennenden Sonne leer geworden war. Fast so, wie er vor Stunden hier eingetroffen war, stand er da. Nur daß jetzt Severin mit seiner Geschichte um ihn war wie ein Gestank.</p>


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