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	<title>Rauhfasler &#187; Pflanzen</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Von Gravit&#228;t</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 11:03:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Begierde]]></category>
		<category><![CDATA[Fliegen]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Schwerkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
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		<category><![CDATA[Zittern]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schwere von Gedanken Vor dem Hintergrund Der im Heizungswind Nachdenklich pendelnden Pflanzen; Und im Vergleich auch Mit der kratzenden Unruhe, Dort in der Kehle, bis hinab Tief in den Wurzelballen Des Bronchialen Systems. Aufzufliegen, wie im Traum Man in einem Nu vordringt, Bis in das Hinterland des Ekels Oder auf das Plateau Jener uranf&#228;nglichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/Einweghandschuhe.jpg" class="floatbox" rev="group:5831 caption:`Einweghandschuhe`"><img class="rand size-medium wp-image-5836" title="Einweghandschuhe" src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/02/Einweghandschuhe-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a></p>
<p>Die Schwere von Gedanken<br />
Vor dem Hintergrund<br />
Der im Heizungswind<br />
Nachdenklich pendelnden Pflanzen;<br />
Und im Vergleich auch<br />
Mit der kratzenden Unruhe,<br />
Dort in der Kehle, bis hinab<br />
Tief in den Wurzelballen<br />
Des Bronchialen Systems.</p>
<p>Aufzufliegen, wie im Traum<br />
Man in einem Nu vordringt,<br />
Bis in das Hinterland des Ekels<br />
Oder auf das Plateau<br />
Jener uranf&auml;nglichen Gier,<br />
Die immer schon G&ouml;tter zeugte;</p>
<p>Durch die lose Verkn&uuml;pfung<br />
Symbolischer Chiffren &#8211; oder<br />
Wie man es nennen mag:<br />
Fortzugelangen dorthin,<br />
Wo das Leben mit allen Nerven<br />
Sich von sich selbst fortzittert<br />
Bis &uuml;ber den Ereignishorizont<br />
Der eigenen Zeugung.</p>
<p>Und nun also die Schwere<br />
Von Gedanken, wenn<br />
Einer in der Gruft liegt<br />
Des eigenen K&ouml;rpers, und<br />
Die bronzene T&uuml;r oben<br />
An der aufsteigenden Treppe<br />
In den Angeln knarrt,</p>
<p>Weil ein Pestwind Anlauf genommen hat,<br />
Sie zu schlie&szlig;en.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Priem und Garbe</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2010/priem-und-garbe</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2010/priem-und-garbe#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 11:38:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Geschmack]]></category>
		<category><![CDATA[Kälte]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Zunge]]></category>

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		<description><![CDATA[Bilder des Sterbens Ich kaue sie als Priem Schwarz auf der Zunge Bleibt Speichel Nach Schafgarbe schmeckt, Was der Schnitter m&#228;ht Bitterstoff wird Aus Menschenst&#228;ngeln Getreten im Lauf Der Dinge Da&#223; mir feindlich Frau Welt die H&#228;nde Verbrannte So kalt ist nur sie - Und geduldig Aber da ist Fernw&#228;rme Bei meinem Herd Und der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/01/schwarz.jpg" class="floatbox" rev="group:5706 caption:`Schwarz (Sonja Lixl)`"><img class="rand size-medium wp-image-5710" title="Schwarz (Sonja Lixl)" src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/01/schwarz-300x240.jpg" alt="" width="300" height="240" /></a></p>
<p>Bilder des Sterbens<br />
Ich kaue sie als Priem<br />
Schwarz auf der Zunge<br />
Bleibt Speichel</p>
<p>Nach Schafgarbe schmeckt,<br />
Was der Schnitter m&auml;ht<br />
Bitterstoff wird<br />
Aus Menschenst&auml;ngeln<br />
Getreten im Lauf<br />
Der Dinge</p>
<p>Da&szlig; mir feindlich<br />
Frau Welt die H&auml;nde<br />
Verbrannte<br />
So kalt ist nur sie -<br />
Und geduldig</p>
<p>Aber da ist Fernw&auml;rme<br />
Bei meinem Herd<br />
Und der &Uuml;berflu&szlig;<br />
Wird s&uuml;&szlig; genug<br />
Den Mund mir stopfen</p>
<p>Wie kalt wohl die K&auml;lte<br />
Anderswo ist:<br />
Auf den frisch gepfl&uuml;gten<br />
Beinfeldern jenseits<br />
Der Jetstr&ouml;me</p>
<p>Bitter der fliegende Staub<br />
Aus der Menschenernte<br />
Und z&auml;h der Priem.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Neubau</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/neubau</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2009/neubau#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 10:12:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Beton]]></category>
		<category><![CDATA[leere Hüllen]]></category>
		<category><![CDATA[Mittag]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtleben]]></category>
		<category><![CDATA[Vegetation]]></category>
		<category><![CDATA[Vögel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[Durch das Tal, gegossen Aus Beton geht der Wind: Er geht leise. Und am Mittag hallt Der Tritt der glatten Schuhe und der glatten Gespr&#228;che in den Schluchten, Sie scheinen sch&#246;n. Es ist alles fest gef&#252;gt Und Armierungen aus Rotem Stahl halten Unsichtbar die Substanz Des ganzen weiten Baus. Und Armierungen aus Glatter Einfalt oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/08/hafencity002.jpg" class="floatbox" rev="group:4393 caption:`Hafencity, Dalmannkai (W.A.L. Hamburg)`"><img src="/wp-content/uploads/2009/08/hafencity002-300x199.jpg" alt="Hafencity, Dalmannkai (W.A.L. Hamburg)" title="Hafencity, Dalmannkai (W.A.L. Hamburg)" width="300" height="199" class="rand size-medium wp-image-4396" /></a></p>
<p>Durch das Tal, gegossen<br />
Aus Beton geht der Wind:<br />
Er geht leise.</p>
<p>Und am Mittag hallt<br />
Der Tritt der glatten<br />
Schuhe und der glatten<br />
Gespr&auml;che in den Schluchten,<br />
Sie scheinen sch&ouml;n.</p>
<p>Es ist alles fest gef&uuml;gt<br />
Und Armierungen aus<br />
Rotem Stahl halten<br />
Unsichtbar die Substanz<br />
Des ganzen weiten Baus.<br />
Und Armierungen aus<br />
Glatter Einfalt oder h&ouml;herer<br />
Leere halten die Substanz<br />
Des Ganzen.</p>
<p>Dort hinten hat man Erde<br />
Hingegossen zwischen B&auml;nke.<br />
Befremdlich sprie&szlig;t dort<br />
In Halmen Chlorophyll,<br />
Grell und eigentlich<br />
Wie ein Kunststoff<br />
Aus der Erde, die<br />
Hat man hingegossen,<br />
Einem Erdrutsch jedoch<br />
Wenig &auml;hnlich.</p>
<p>V&ouml;gel sollten auf den Pl&auml;tzen<br />
Abgespielt werden, auf den<br />
Armierten Pl&auml;tzen aus Beton<br />
Sprie&szlig;t in den Fugen unter<br />
Recht zufriedenem Lachen<br />
Leise die Frage, wieviel<br />
Scham pro Quadratmeter der Boden<br />
Unter dem gro&szlig;en, hellen Ganzen<br />
Noch aufbringen kann.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Severins Erz&#228;hlung (I)</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2008/severins-erzaehlung-i</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Oct 2008 20:47:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Gift]]></category>
		<category><![CDATA[Niedertracht]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Sonderlinge]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Gef&#252;hl, in einen verbotenen Bereich zu gelangen, machte sich Eklytos auf die Erz&#228;hlung gefa&#223;t, die Severin nun wohl unweigerlich beginnen w&#252;rde. Wehmut griff nach ihm. Es war ihm wie einem Kind, da&#223; von seiner Mutter fort mu&#223;. Aber die sonderbare Weise, in der Severin von den h&#246;chsten M&#228;chten zu sprechen offenbar gewohnt war, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/ecballium-elaterium.jpg" class="floatbox" rev="group:1785 caption:`Ecballium elaterium (Spritzgurke)`"><img class="rand size-medium wp-image-2283" title="Ecballium elaterium (Spritzgurke)" src="/wp-content/uploads/2008/10/ecballium-elaterium-188x300.jpg" alt="Ecballium elaterium (Spritzgurke)" width="188" height="300" /></a></p>
<p>Mit dem Gef&uuml;hl, in einen verbotenen Bereich zu gelangen, machte sich Eklytos auf die Erz&auml;hlung gefa&szlig;t, die Severin nun wohl unweigerlich beginnen w&uuml;rde. Wehmut griff nach ihm. Es war ihm wie einem Kind, da&szlig; von seiner Mutter fort mu&szlig;. Aber die sonderbare Weise, in der Severin von den h&ouml;chsten M&auml;chten zu sprechen offenbar gewohnt war, und die unerh&ouml;rten Anma&szlig;ungen, die er bereits von sich gegeben hatte, machten Eklytos doch auch neugierig. Und das verschlimmerte noch die Verfassung, in der er sich befand. Denn diese Neugier kam Eklytos verdreht, widersinnig und so entw&uuml;rdigend gafferisch vor, da&szlig; es ihn in der Seele schmerzte. Aber er konnte trotz allem nicht anders, er mu&szlig;te zuh&ouml;ren, er wollte h&ouml;ren, was Severin erz&auml;hlen w&uuml;rde. So also sa&szlig; Eklytos neben Severin Cyrenus, als der begann, den Verlauf seines Lebens darzulegen.</p>
<p>»Also, mein Freund, wie ich schon erw&auml;hnte, war ich einmal ein angesehener B&uuml;rger. Dies Haus, an dem wir jetzt lehnen, geh&ouml;rte einmal mir. Und es hat meiner Familie geh&ouml;rt, &uuml;ber viele Generationen hinweg. Deshalb sind seine neuen Besitzer so gro&szlig;herzig, mir in dieser friedvollen Gasse ein Obdach zu gew&auml;hren und es zu ertragen, da&szlig; ich hier meinen Schmutz um mich sammle. Sie haben mir sogar diese harte Mauer gebaut, mu&szlig;t du wissen, damit ich meinen R&uuml;cken an sie lehnen kann. Hier, wo einmal der Eingang f&uuml;r die Hausdiener war.« Severin zeigte Eklytos den Torbogen &uuml;ber ihren K&ouml;pfen und klopfte mit der flachen Hand auf die betr&auml;chtlich helleren und j&uuml;ngeren Steine, die das Tor nun verschlossen.<br />
»Ja, ja, so gro&szlig;herzig sind die alten Familien Oeas untereinander.« Severin wurde von einem heftigen, zuckenden Lachen ergriffen. »Ich erhalte sogar Tag f&uuml;r Tag eine Sch&uuml;ssel mit Brei, die mir eine Dienerin vor meine Pforte stellt. Manchmal gebe ich dann einige Laute von mir, wie mir meine kranke Brust es erm&ouml;glicht, und das arme M&auml;dchen wirft die Sch&uuml;ssel von sich. Du mu&szlig;t mir zugestehen, da&szlig; ich ein ernsthafter Asket bin.«<br />
Eklytos kaute auf seiner Lippe und rang mit den H&auml;nden, um sich einigerma&szlig;en hinwegzuhelfen &uuml;ber seinen Widerwillen.<br />
»Nun, B&auml;rtiger, ich war also ein reicher Mann und hatte Einflu&szlig; &uuml;berall in der Dreistadt. Aber ich war von einer schweren Krankheit befallen: Ich konnte nicht zufrieden sein. Ich lag zu Tische, ich wandelte in einem Garten, der von kenntnisreichen Dienern mit aller Pracht der Natur ausgestattet worden war. Ich mehrte meinen Besitz, die Menschen standen vor mir mit gebeugtem Haupt und wagten kaum, das Wort an mich zu richten — aber es machte mich nicht froh. Ich blieb leer, wie es der &auml;rmste Tagel&ouml;hner und Sklave nicht sein kann, der immerhin noch Zorn versp&uuml;rt &uuml;ber die Ungerechtigkeit des Lebens, wenn ihm sein Tagewerk &uuml;berhaupt Zeit l&auml;&szlig;t dazu. Ich war leer, leer wie die W&uuml;ste oder das Gefasel von Propheten. Und ich hatte nichts, was mir &uuml;ber diese Leere hinweggeholfen h&auml;tte. Kein Gelage, kein Spiel, nicht die Darbietung eines Dramas. Nichts von dem, was wir feigen, hohlen Menschen erfunden haben, fesselte mich so, da&szlig; ich die Leere in mir h&auml;tte vergessen k&ouml;nnen. Oh, ich verstand meine Gesch&auml;fte zu f&uuml;hren. Ich verstand, Eindruck zu machen und Einflu&szlig; zu gewinnen. Ich meinte, meiner alten Familie schuldig zu sein, da&szlig; ich unseren Besitz gut verwaltete und mehre so gut es ging. Aber es war mir doch eigentlich gleichg&uuml;ltig. Kein Erfolg war befriedigend, keine Sorge so tiefgreifend, da&szlig; sich mich erf&uuml;llt h&auml;tte. Ich blieb kalt und wie bet&auml;ubt. Ich war, mein b&auml;rtiger Freund, ich war wie eine leere Vase: kostbar verziert aber unn&uuml;tzer als jede einfache Tonsch&uuml;ssel, die einer mit Speise gef&uuml;llt hat. Dieses Leiden war irgendwann ausgebrochen, zun&auml;chst ohne da&szlig; ich es &uuml;berhaupt bemerkte. Aber nachdem mir mein Leiden ins Bewu&szlig;tsein gedrungen war, schw&auml;rte es in mir und breitete sich weiter und weiter aus.<br />
Das war meine Lage, als ich auf einen Weisen traf, dessen F&uuml;&szlig;e staubig waren wie deine und der fast nackt durch die Stra&szlig;en zog. Hier, auf diesem Platz, hatte er sich niedergelassen und sprach zu den Menschen. Und er sprach so, da&szlig; schon nach kurzer Zeit eine gro&szlig;e Menge zusammengelaufen war. Als es mir gemeldet wurde, schickte ich meine Wachen aus und begab mich selbst auf den Platz, um vor den Weisen Mann zu treten. Und ich sage dir: Er war sogar noch b&auml;rtiger und schrundiger als du, furchtsamer Fremder.«<br />
Severin schlug Eklytos in gespielter Freundschaft mit seiner einzelnen Hand auf die Schulter, da&szlig; diesem ein kurzer Aufschrei entfuhr.<br />
»Da stand ich nun also, in all meiner furchterregenden Pracht vor diesem Dahergelaufenen. Er sah mich an und sagte mir geradewegs ins Angesicht: ›Der Reiche mu&szlig; leer bleiben, wenn er nicht den gefunden hat, vor dem sein Knie sich beugt. Dieser ist es, den du suchen mu&szlig;t. Und vor ihm ist aller Reichtum nur Tand und unn&uuml;tzes Wesen. Er aber sieht, wie es um dich steht, also bewahre deinen Fu&szlig; und h&uuml;te dein Herz, da&szlig; es wohlgef&auml;llig sei.‹ Dies waren die Worte, die ich h&ouml;ren mu&szlig;te, ich erinnere mich an jedes einzelne. Und es fiel mir nicht ein, den Dahergelaufenen schlagen und verjagen zu lassen wie einen Stra&szlig;enk&ouml;ter. Besser w&auml;re es gewesen!«, jammerte Severin und achtete Eklytos nicht mehr, so sehr war er in seine Erinnerungen versunken. Er sprach weiter, eindringlich wie ein Tr&auml;umender.<br />
»Ich stand auf dem schmutzigen Platz und wu&szlig;te nicht aus noch ein. Ich selbst mu&szlig;te vor diesem alten, abgerissenen Mann den Blick senken und war vor ihm wie ein rechtloser Fremder. Ich floh in mein Haus, da&szlig; meine W&auml;chter kaum schnell genug folgen konnten. Ich warf mich auf mein Bett und dachte und sprach mit mir, wie im Fieber. Ich hielt mir selbst wieder und wieder die Worte des Alten vor. Sie erschienen mir als ein Urteil, da&szlig; &uuml;ber mich gesprochen worden war zur Verwerfung alles dessen, was ich war. Aber da keimte auch Freunde in mir, unter der Asche meines niedergebrannten Stolzes. Denn ich hielt alles, was der Alte gesagt hatte, f&uuml;r wahr. Es war doch die Antwort auf jene Frage, die ich zu stellen nicht gewagt hatte. Und es ging mir auf, das mit jener scheidenden, brennenden Wahrheit, die ich vom Alten erfahren hatte, die Leere zu f&uuml;llen w&auml;re. Die Leere, von der ich dachte, sie w&uuml;rde mich langsam zu Grunde richten. Jetzt hatte mich der Alte mit seinen Worten gerichtet  und mir ein Heilmittel in die Hand gegeben. Ich traf auf meinem Lager im Fieber einen Entschlu&szlig;. Ich wollte mich auf die Suche begeben nach dem Einen, von dem der Alte zu mir gesprochen hatte.«</p>
<p>Ein wahnsinniges Gel&auml;chter brach aus Severin hervor, diesmal nicht im Zaum gehalten durch den Zerfall in seiner Brust. Ein klares, hallendes, kaltes Gel&auml;chter, schlimmer noch als alles, was bislang aus ihm Gedrungen war. Es hallte von den kahlen W&auml;nden wieder und stieg aus der Gasse empor, da&szlig; es den Himmel schmerzen mu&szlig;te. Eklytos wurde kalt; und kalt war sein Staunen &uuml;ber diesen Menschen.</p>
<p>Als er wieder an sich halten konnte und zu Atem gekommen war, als er sich den Schwei&szlig; abgetrocknet hatte und wieder zu wissen schien, wo er sich befand, setzte Severin seine Erz&auml;hlung fort: »Und, B&auml;rtiger, als ich mich nach langer Zeit von meinem Lager erhob, war um mich alles ver&auml;ndert. Ich dachte, ich sei aus einem &uuml;blen Traum erwacht. Jetzt wei&szlig; ich, da&szlig; ich wie ein Junge im ersten Flaum von einem Betr&uuml;ger hinters Licht gef&uuml;hrt worden war. Aber damals hatte mich Ekel ergriffen, den ich f&uuml;r heilig hielt. Ekel vor mir selbst. Ich sah den marmornen Boden, auf dem meine reinen F&uuml;&szlig;e standen, und er erschien mir wie Kot. Wut ergriff mich gegen mein ganzes Dasein. Tand, hatte der Alte es genannt — und ich wu&szlig;te, ich w&uuml;rde all diesen Tand auseinanderhauen m&uuml;ssen.<br />
Aber wie soll man Reicht&uuml;mer loswerden? Sie geben ihren Besitzer nicht kampflos frei. Man bekommt doch nur immer neue Reicht&uuml;mer daf&uuml;r. Ich sann auf einen Plan, ich wollte sicher gehen. Es schien mir auch nicht recht zu sein, mich in allem Frieden von jenen G&uuml;tern zu trennen, indem ich sie an einen Neffen &uuml;bergab oder an sonst irgendeinen, der von diesem hinterh&auml;ltigen Besitz in Gefangenschaft gef&uuml;hrt worden w&auml;re, ganz wie ich selbst. Aber wie war es m&ouml;glich, den ganzen Reichtum meiner Familie in Scherben gehen zu lassen? Wie war es m&ouml;glich?<br />
Jetzt, Eklytos, oder wie immer du hei&szlig;t, jetzt kann ich meinen einzigen Besitz, diese Schale, nehmen«, Severin tat es, w&auml;hrend er noch sprach, »und kann sie dort hinten in das Dunkel werfen, zu meiner Rinne, wo das andere liegt, was ich besa&szlig;, bis es unter Schmerzen meinen K&ouml;rper verlassen hat.« Und er warf tats&auml;chlich die Schale in die Dunkelheit, von wo ein Klirren als Antwort kam. Wieder ersch&uuml;tterte ein z&auml;hes Lachen den gezeichneten K&ouml;rper. »Aber«, setzte Severin seinen Gedanken fort, als er sich von neuem beruhigt hatte, »wie soll man H&auml;user, L&auml;ndereien, Schiffe und all das, von sich werfen? Es kommt ja doch immer wieder zur&uuml;ckgekrochen.<br />
Mir offenbarte sich aber ein Weg. Ich fand einen Weg, meine Reicht&uuml;mer loszuwerden und so zugleich zur L&auml;uterung dieser Stadt einzusetzen. Und ich nahm es als einen Fingerzeig des Himmels. Mein sehnlicher Wunsch, den Worten des weisen Alten zu folgen, war den G&ouml;ttern nicht verborgen geblieben, dachte ich, und sie unterst&uuml;tzten mich nun durch Eingebungen und Weisungen. Also ging ich ans Werk.<br />
Ich hatte n&auml;mlich von dem Gew&auml;chs Ekballium erfahren. Es ist eine Gurke, deren reife Frucht bei der leisesten Ber&uuml;hrung gewaltsam aufbricht und das Fruchtfleisch mitsamt den Samen verspritzt. Die Frucht hat bemerkenswerte Eigenschaften, mein Freund! Bemerkenswerte Auswirkungen auf den Leib eines Menschen vom Haupt bis zu den Fu&szlig;sohlen. Stuhlflu&szlig; verursacht Ekballium zuforderst, aber es vermag auch, das Ged&auml;rm in Aufruhr zu versetzen, da&szlig; ein Mensch sich windet und sich den Bauch h&auml;lt vor Schmerzen. Erbrechen folgt auf den Genu&szlig; dieser Frucht, Kopfschmerzen, Herzrasen, Feuer im Unterleib und Blutflu&szlig;. Das ist doch klangvoll und erschien mir als meine Rettung!<br />
Ich brachte also alles Notwendige &uuml;ber die Aufzucht dieser Pflanze in Erfahrung und wies meine Kapit&auml;ne und H&auml;ndler an, mir nach Kr&auml;ften die Samen dieser erstaunlichen Pflanze zu beschaffen. Und dann stellte ich meine L&auml;ndereien zu einem bestimmten Teil auf die Erzeugung der Spritzgurke um. Spritzgurke: So wird das Gew&auml;chs auch genannt, denn die Fr&uuml;chte sehen ganz so aus wie eine behaarte Gurke — haarig wie deine Arme und nackten Beine, nicht aber so, wie dein Gesicht, mein b&auml;rtiger Freund!« Severin hatte den ersten Teil des Namens jener giftigen Pflanze mit spitzen Lippen und geradezu z&auml;rtlich ausgesprochen. Die Silbe sprizte aus seinem schwarzen, zahnlosen Mund hervor wie Schlangengift.<br />
»Meine Leibeigenen gingen also daran, die haarigen Gurken f&uuml;r mich anzubauen. Vielleicht bemerkten sie, als ihnen der Saft der Fr&uuml;chte die Haut verbrannte, da&szlig; es sich um ein besonderes Gew&auml;chs handelte. Aber sie brauchten nicht zu wisssen, was sie taten. An ihnen vollzog sich die L&auml;uterung ohne ihr Wissen. Selig h&auml;tten sie sich preisen k&ouml;nnen, h&auml;tten sie von ihrer schleichend n&auml;herkommenden Seligkeit nur gewu&szlig;t und davon, da&szlig; sie der L&auml;uterung des gro&szlig;en Oea mehr noch dienten als mir selbst. Aber ich tat, was mir eingegeben worden war, nicht, um Ruhmes willen. Ich erzeugte freilich auch Getreide und alle Arten von Feld- und Gartenfr&uuml;chten, denn sie ben&ouml;tigte ich f&uuml;r das Gelingen meines Vorhabens. Also w&uuml;rde ich nach Ablauf zweier Jahre eine gro&szlig;e Menge des Ekballium zur Verf&uuml;gung haben. Und w&auml;hrend ich ungeduldig auf das Gedeihen meiner Saat wartete und den einen oder anderen unvorsichtigen Sklaven an seine besondere Wirkweise verlor — in aller Verschwiegenheit, wie du dir denken kannst — tat ich vieles, um auch nach eigenen Kr&auml;ften meiner Reinigung n&auml;herzukommen, um Gnade in den Augen der G&ouml;tter zu erlangen. Ich zog aus um rein zu werden und ich war ein mutiger Anachoret. ›Bewahre deinen Fu&szlig; und h&uuml;te dein Herz, da&szlig; es wohlgef&auml;llig sei.‹ Vieles habe ich durchlitten.«</p>
<p>Severin verfiel nach diesen Worten in Schweigen. Die letzten Satz waren ihm nur leise und z&ouml;gerlich von den Lippen gegangen. Jetzt hatte er einen krummen, schmutzigen Finger in den Mund gesteckt, da&szlig; ihm die beiden Teile seiner Oberlippe dar&uuml;berhingen wie ein Baldachin. Er saugte gedankenverloren an diesem Finger. Eklytos kam dar&uuml;ber wieder zu sich. Er hatte sich in Severins Erz&auml;hlung fangen lassen und nun, da er es gewahr wurde, sch&auml;mte er sich daf&uuml;r. Gleichzeitig war er gespannt zu erfahren, wie der gottesl&auml;sterliche Plan Severins sich  in den undeutlichen, kr&auml;nklichen Worten seiner Erz&auml;hlung weiter entfaltete. Eklytos wu&szlig;te sich keinen Rat. Er sa&szlig; also nur dort, auf der schmutzigen Stufe. Der Mittag war gerade vor&uuml;ber und &uuml;ber die Stadt hatte sich die Ruhe der hei&szlig;esten Stunden gelegt.</p>
<p>Severin r&auml;usperte sich nach einer Weile und stach Eklytos den speichelfeuchten Finger gebieterisch vor das Gesicht. »Du dreister Dahergelaufener!«, knurrte er. »Du wirst mich jetzt in Frieden lassen. Ich bin ein alter, gezeichneter Mann und nicht in der Lage, deine bodenlose Neugier grenzenlos zu befriedigen. Geh hinaus!« Severin sprang auf und Eklytos scho&szlig; erschreckt in die H&ouml;he. Severin packte Eklytos an der Schulter und dr&auml;ngte den W&uuml;stenmann mit erstaunlicher Kraft in Richtung des verschlossenen Gatters. Im Gehen lachte er wieder jenes ungez&uuml;gelte, irrwitzige Lachen.<br />
»Vers&auml;ume aber nicht wiederzukommen, in den Morgenstunden nach der kalten, einsamen Nacht, die wir beide zu bef&uuml;rchten haben! Ansonsten wirst du nicht herausbekommen, wie die G&ouml;tter mit mir verfahren haben. Ich verwette meine Hand, da&szlig; es dir eine Offenbarung sein wird!«<br />
Eklytos stammelte abwehrend vor sich hin. Da aber war das Gatter schon offen, er wurde hinausgesto&szlig;en und Severin schlug hinter ihm die Pforte zu seiner Behausung wieder zu.</p>
<p>Eklytos stand auf dem Platz, der unter der brennenden Sonne leer geworden war. Fast so, wie er vor Stunden hier eingetroffen war, stand er da. Nur da&szlig; jetzt Severin mit seiner Geschichte um ihn war wie ein Gestank.</p>


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