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	<title>Rauhfasler &#187; Täuschung</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Psalm</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Mar 2011 17:27:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewußtseinssturz]]></category>
		<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
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		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Wird etwa das Geformte zu dem Former sagen: Warum hast du mich so gemacht? Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen? (Paulus an die Römer 9,20f) &#8230;wie sind sie nun den irdenen Töpfen gleich, die ein Töpfer macht! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/5pecha_edgerton_02.jpg" class="floatbox" rev="group:12361 caption:`Aufnahme eines Atombombentests mit einer &rsaquo;Rapatronic&lsaquo;-Kamera `"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/5pecha_edgerton_02-300x225.jpg" alt="" title="Aufnahme eines Atombombentests mit einer &rsaquo;Rapatronic&lsaquo;-Kamera " width="300" height="225" class="rand size-medium wp-image-12369" /></a></p>
<p style="margin-left:150px;font-size:0.9em;font-style:italic;">Wird etwa das Geformte zu dem Former sagen: Warum hast du mich so gemacht? Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen? (Paulus an die Römer 9,20f)</p>
<p style="margin-left:150px;font-size:0.9em;font-style:italic;">&#8230;wie sind sie nun den irdenen Töpfen gleich, die ein Töpfer macht! (Klagelieder 4,2)</p>
<p style="letter-spacing:0.1em;text-align:center;font-variant:small-caps;margin:2.5em 0 0.5em 0;text-decoration:underline;">Gestas, <em>der Schächer zur Linken:</em></p>
<p><span class="initial">D</span>u hast allen Einzelheiten<br />
Ihren Anfang gegeben:<br />
Den großen Gesetzen,<br />
Den Kräften und Wirkungen,<br />
Den Strahlen und Farben &#8211;<br />
Hast du ihren Anfang gegeben;<br />
Den Geist und den Brustraum<br />
Hast allein du gegründet;<br />
Das Herz, die Gewalt,<br />
Den Armbeuger und das Zagen<br />
Und alles überhaupt hast &#8211; du<br />
Anfangen lassen.</p>
<p>Du sitzt auf der Hohlschale deines Himmels,<br />
Sicher verborgen hinter der Illusion<br />
Endloser Weite wie ein Bühnenschieber,<br />
Und hast dir zwei unsichtbare Löcher<br />
In das Firmament gestochen mit deinem<br />
Allmächtigen Zeigefinger, und spähst,<br />
Gleich einem eigenwilligen Kind,<br />
Von dort ganz oben auf uns und auf alles,<br />
Was von dir ausgegangen ist, herab &#8211;<br />
Als könne man es dir<br />
Nicht mehr anlasten.<span id="more-12361"></span></p>
<p>Deine Gedanken hallen in uns wieder,<br />
Auch wenn wir dich nicht sehen, und<br />
Du ganz und gar unwahrscheinlich bist:<br />
In uns hallen deine Gedanken wieder,<br />
Wie ein Rauschen zwischen den Mutmaßungen,<br />
Wie ein geheimer Irrsinn, unseren Worten vorgelagert,<br />
Den wir durch Reden zum Schweigen zu bringen hoffen &#8211;<br />
Aber du <em>bist nicht loszuwerden,</em><br />
Du warst noch nie loszuwerden.</p>
<p>Sonst haben wir nichts von dir:<br />
Du hältst still, dort oben,<br />
Auf der Halbschale des Himmels,<br />
Vor dem Hintergrund des kalten Alls,<br />
Das du vortäuscht und vorschiebst,<br />
Um ungestört zu bleiben. &#8211;<br />
Du hälst still dort oben,<br />
In deiner tatenlosen Selbeinigkeit.</p>
<p>Denen aber, die es schlecht treffen,<br />
Gibst du eine unsinnige Sehnsucht ein,<br />
Daß sie durstig nach dir Ausschau halten,<span id="variantenlink" style="float:right;font-size:0.85em;font-variant:small-caps;"><a href="#" onclick="showStuff('gestrichen');showStuff('gestrichen2');hideStuff('variantenlink');showStuff('variantenlink2');return false;">gestrichener<br/>Text&#8230;</a></span><span id="variantenlink2" style="float:right;font-size:0.85em;font-variant:small-caps;display:none;"><a href="#" onclick="hideStuff('gestrichen');hideStuff('gestrichen2');showStuff('variantenlink');hideStuff('variantenlink2');return false;">gestr. Text<br/>verbergen&#8230;</a></span><br />
<span id="gestrichen" style="display:none">(Wahrscheinlich ziehst du daraus<br />
Gerade genug Befriedigung,<br />
Um kurz aufzulachen, daß die Sonne<br />
Protuberanzen ausstößt vor lauter Fremdscham)<br />
Einigen gibst du unsinnige Sehnsucht ein,<br />
Daß sie nach die Ausschau halten<br/></span>Und sich fragen, was du wohl gemeint hast<br />
Mit allem dem, und worauf es &#8211; hinausläuft?<br />
<span id="gestrichen2" style="display:none;">Und die, die du mit deinem langen Atem<br />
Derart vergiftet hast,<br />
(Tausend Jahre seien ein Tag bei dir<br />
Sagt man dann und fühlt die Welt<br />
Schwanken wie beim Blick in den Abgrund)<br />
Die also lockst du und läßt sie ins Leere laufen.</p>
<p></span>Und am Ende bemüht man sich anzunehmen:<br />
Du würdest für irgendetwas<br />
Einstehen wollen. Und ich frage dich &#8211;<br />
Wofür?</p>
<p style="letter-spacing:0.1em;text-align:center;font-variant:small-caps;margin:2.5em 0 0.5em 0;text-decoration:underline;">Dismas, <em>der Schächer zur Rechten:</em></p>
<p><span class="initial">D</span>ie Perspektive zeugt erst die Wirklichkeit,<br />
Und den Gebrauch eines Dings bestimmt nicht,<br />
Der es hergestellt hat, sondern:<br />
Wer es zur Hand nimmt.</p>
<p>Die Sehnsucht allein<br />
Hätte den aufrechten Gang nie gelernt,<br />
Ohne den Lehrmeister, den Hunger;<br />
Und ohne jenes Eine, das man immer<br />
Im Überfluß hat, bliebe alles Schöne<br />
Bedeutungslos, wie Farbe, verschlossen<br />
In Tuben, wenn die Leinwand fehlt:<br />
Nämlich das Unrecht,<br />
Nämlich die Schlechtigkeit,<br />
Die uns mit Asche düngt.</p>
<p>Wieso sollte auch der, der alles geschaffen hat,<br />
Von einem einzelnen Federstrich,<br />
Einer einzigen Öse im Teppich<br />
Genötigt werden, tatsächlich <em>zu sein?</em><br />
Wieso sollte das Dasein von einem:<br />
Wie du es bist, wie es jeder ist,<br />
Einer, der sich mit seinem Blick in der Weite bricht &#8211;,<br />
Ein Echo erzwingen in jener Schlucht, die tiefer reicht<br />
Als jede Herausforderung, als jede Bitte,<br />
Als jede, auch deine, heisere Frage?</p>
<p>Der Anfang des Angefangenen<br />
Ist alles für <em>es:</em> wenig aber für den,<br />
Der das Vollenden immer<br />
Hinter sich hat, weil er<br />
Immer Ursprung ist.</p>
<p style="letter-spacing:0.1em;text-decoration:underline;text-align:center;font-variant:small-caps;margin:2.5em 0 0.5em 0;">Gestas:</span></p>
<p>Du bist eine Ratte, die sich Forscher nennt,<br />
Während der Experimentator im Kittel sie<br />
Irrwege ablaufen läßt: nimmt man dir die Notdurft,<br />
Suchst du darin noch das beste zu sehen!</p>
<p>Du bist wie einer,<br />
Der lang genug so arm gewesen ist,<br />
Daß er am Ende selbst die Schulden eintreibt &#8211;.</p>
<p>Und jetzt soll ich, sagst du,<br />
<em>Ihm</em> Dank schulden,<br />
Der sich auf Kredit den Anschein gibt,<br />
Der Höchste und Allererste zu sein:<br />
Doch bloß, weil es über ihm keinen Gläubiger gibt,<br />
Ist er nicht bankrott.</p>
<p>Ich aber kenne <em>das,</em> was er nicht kennt:<br />
Das Unrecht, das ihm von den Töpferhänden fließt<br />
Wie Blut &#8211; es spricht mir in den Ohren:<br />
Deshalb bin <em>ich</em> es, bei dem Er, der alles schuf,<br />
Der bis heute mit dem Anschein höchster Feierlichkeit<br />
Seine ungreifbare Fratze verbirgt &#8211;,<br />
Deshalb bin gerade ich es,<br />
Bei dem der große Wortlose<br />
Schulden hat &#8211; <em>wie</em> will er sie tilgen?</p>
<p style="letter-spacing:0.1em;text-decoration:underline;text-align:center;font-variant:small-caps;margin:2.5em 0 0.5em 0;">Dismas:</span></p>
<p>Indem er dich tilgt.</p>
<p style="letter-spacing:0.1em;text-decoration:underline;text-align:center;font-variant:small-caps;margin:2.5em 0 0.5em 0;">Gestas:</span></p>
<p>Aber wer,<br />
Wer bliebe ihm dann?</p>
<hr />
<div style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/Antonello_da_Messina_Kreuzigung_Detail.jpg" class="floatbox" rev="group:12361 caption:`Antonello da Messina: Kreuzigung (Detail: Der Schächer zur Rechten), 1455`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/Antonello_da_Messina_Kreuzigung_Detail-149x300.jpg" alt="" title="Antonello da Messina: Kreuzigung (Detail: Der Schächer zur Rechten), 1455" width="100" class="rand size-medium wp-image-12407" /></a></div>
<p><strong><br />Gestas und Dismas</strong> sind die Namen, die die außerbiblische christliche Tradition den beiden &#0187;Schächern&#0171; gab, die gemeinsam mit Jesus auf dem Kalvarienberg gekreuzigt wurden.</p>
<p>Im <a href="http://www.bibleserver.com/text/lut/lukas23,39-43" target="_blank">Lukasevangelium (Kp. 23,39ff)</a> heißt es:</p>
<div style="font-size:0.9em;margin-bottom:1.2em;">Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!<br />
Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.<br />
Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!<br />
Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.</div>
<p>Den Gekreuzigten, der Jesus &#0187;lästert&#0171;, der in der christlichen Kunst folgerichtig immer zur Linken Jesu und meistens schmerzhaft verrenkt und so gut es geht von ihm abgewendet dargestellt wird, erhält in den &#0187;Paulusakten&#0171; den Namen Gestas. Der andere, einsichtige und fromme, wird Dismas genannt.</p>
<p>Ich frage mich, ob fromm zu sein noch eine Kunst ist, wenn man bereits am Kreuz hängt? Aber sicherlich erfordert es einiges, dann noch stolz und halsstarrig zu sein.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Für alles Verpasste</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 10:44:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Einbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Möglichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Selbst]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstähnlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Täuschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Nachhinein ist feige, Es macht seine Vorschläge Mit sicherem Gespür für alles Verpasste Erst dann, wenn der Haftungsausschluß Ganz und gar keine Lücken mehr hat, Wenn die schwarze Katze schon brütet, Über verschütteter Milch. Die Tage sind lau, sie scheuen Strapazen, Und ihre glänzenden Möglichkeiten Zeigen sie grinsend nach Ablauf der Frist, Wenn ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/11/verschüttete-milch.jpg"><img src="/wp-content/uploads/2009/11/verschüttete-milch-300x167.jpg" alt="Verschüttete Milch" title="Verschüttete Milch" width="300" height="167" class="rand size-medium wp-image-5331" /></a></p>
<p>Das Nachhinein ist feige,<br />
Es macht seine Vorschläge<br />
Mit sicherem Gespür für alles Verpasste<br />
Erst dann, wenn der Haftungsausschluß<br />
Ganz und gar keine Lücken mehr hat,<br />
Wenn die schwarze Katze schon brütet,<br />
Über verschütteter Milch.</p>
<p>Die Tage sind lau, sie scheuen Strapazen,<br />
Und ihre glänzenden Möglichkeiten<br />
Zeigen sie grinsend nach Ablauf der Frist,<br />
Wenn ein faltiger Schlaf<br />
Schon mit speckigen Laken winkt,<br />
Den brakigen Schweiß aufzufangen,</p>
<p>Der aus Träumen quillt,<br />
Nachts, wenn alle verläpperten Taten<br />
Im Schädel anschwellen zu schlierigen,<br />
Zitternden Blasen.</p>
<p>Und wenn sie zerspringen<br />
Am hohen Gewölbe<br />
Der bunten Hirnkulisse<br />
Riecht es nach Sumpf.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Zornige Bäume</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 10:21:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewußtseinssturz]]></category>
		<category><![CDATA[Bäume]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Erwachsen]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Bäume sind zornig. Sie schwanken mit jeder Böe, in ihren Ästen zittert Entrüstung. Da sind Stimmen in der Luft oder es ist das Kreischen von Lastwagen auf der Fernstraße. Das Zimmer ist dunkel und auf einem runden, schweren Teppich liege ich flach auf dem Rücken, durch das Fenster betastet von den Zweigen, durch die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.michaelkenna.net/gallery.php?id=2"><img src="/wp-content/uploads/2009/10/kenna-tree-290x300.jpg" alt="Michael Kenna, Kussharo Lake Tree, Study 1, Kotan, Hokkaido, Japan, 2002" title="Michael Kenna, Kussharo Lake Tree, Study 1, Kotan, Hokkaido, Japan, 2002" width="290" height="300" class="rand size-medium wp-image-5050" /></a></p>
<p>Die Bäume sind zornig. Sie schwanken mit jeder Böe, in ihren Ästen zittert Entrüstung. Da sind Stimmen in der Luft oder es ist das Kreischen von Lastwagen auf der Fernstraße. Das Zimmer ist dunkel und auf einem runden, schweren Teppich liege ich flach auf dem Rücken, durch das Fenster betastet von den Zweigen, durch die Maschen des Fliegengitters hindurch. Unter der Zimmerdecke steht ein Firmament aus fluoreszierenden Kunststoffsternen, in ihnen glüht noch das Tageslicht nach. Es war bis zuletzt während des jetzt vergangenen Tages ein gleichmäßig schattenloses Zwielicht, ein Tag wie auf einer alten, verblichenen Photographie, auf der die Schwärzen und Lichter sich mit den Jahren immer ähnlicher geworden sind.</p>
<p>Die Wirklichkeit steht in einem komplizierten Verhältnis zur Zeit. Durch die Wand sind Sätze aus einem Telefonat zu hören.</p>
<p>Das Gespräch geht zwischen dem Raum dort, auf der anderen Seite der Tür, außerhalb der Dunkelheit, jenseits der Grenzen meines Teppichs, bis in ein Patientenzimmer in einem Krankenhaus. Wenn das Wochenende um sein wird, wird dort eine Operation stattfinden. Das Telefonat dreht sich um den Augenblick, wenn der Kranke wieder aus der Narkose erwacht. Das Telefonat dreht sich insgeheim darum, daß dieser Augenblick nicht sicher zu erwarten ist. Ein dreiviertel Jahrhundert hat der Kranke gelebt &#8211; und braucht jetzt Trost wie ein Kind. Er ist, mehr als alles andere, ein Kind, und wer wollte ihm das Recht absprechen, eines zu sein?</p>
<p>In den wichtigen, entscheidenden Augenblicken ist die Zeit kaum mehr als eine ironische Behauptung. Welche Bedeutung haben Jahrzehnte eines Erwachsenenlebens angesichts der Möglichkeit, daß man in zwei oder drei Tagen seinen eigenen Tod erleben könnte? Er ist ein Kind, ich höre es an den Sätzen, die jenseits der Tür in den Telefonhörer gesprochen werden.</p>
<p>Da oben leuchten weiterhin die Kunststoffsterne, draußen brodelt die Unduldsamkeit in den Bäumen oder der gerechte Zorn, knorrige Hände machen Gesten. Wenn man alles Oberflächliche abzieht, gibt es keine Entwicklung. Ich sehe von zwei Richtungen aus in eine glatte Röhre und sehe am anderen Ende jeweils &#8211; mich selbst: ein sonderbares Kind; mich selbst, einen allem Anschein nach Erwachsenen. Aber was ist der Unterschied? </p>
<p>Neben mir atmet ein Kind und je mehr die stillen Atemzüge alles andere verdrängen, je mehr dieses Atmen die Decke aufsteigen läßt bis die Kunststofflichter sich in wirkliche Sterne verwandeln, je mehr in den gleichmäßigen Wellen dieses Atmens dieser dunkle Raum abtreibt von der Welt vor der Tür &#8211; desto weniger kann ich es fassen, desto mehr erscheint mir die bloße Gegenwart als ein unlösbares Rätsel. Welche Finger sind es, die mit routinierter Bewegung die Generationen abzählen wie die Knoten in der Schnur am Logscheit?</p>
<p>Es wird kalt, der Wind schält die Wärme aus dem Zimmer, und nichts anderes schützt als &#8211; vor allem und haltlos zu staunen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hoch</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 10:42:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Ausweglos]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Einsamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Erwachsen]]></category>
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		<category><![CDATA[Täuschung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahn]]></category>

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		<description><![CDATA[Dreihundertdreiunddreißig Sprossen hoch Zum Fünfundzwanzigmeterbrett gestiegen; Hier oben sind die Sommerwinde kalt Und weit entfernt am Boden steht das Kind, Das aus dem Wahnsinn eines Augenblicks sich wünschte Hoch wie alle andern in den Himmel aufzuragen. Jetzt ist der Weg zurück durch eigne Scham versperrt, Nun muß ich, ohne es doch überhaupt zu wollen, Bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/06/Johannessen_-Mann-auf-dem-Sprungbrett_1912.jpg" class="floatbox" rev="group:3956 caption:`Aksel Waldemar Johannessen, Mann auf dem Sprungbrett, 1912`"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/Johannessen_-Mann-auf-dem-Sprungbrett_1912-147x300.jpg" alt="Aksel Waldemar Johannessen, Mann auf dem Sprungbrett, 1912" title="Aksel Waldemar Johannessen, Mann auf dem Sprungbrett, 1912" width="147" height="300" class="rand size-medium wp-image-3958" /></a></p>
<p>Dreihundertdreiunddreißig Sprossen hoch<br />
Zum Fünfundzwanzigmeterbrett gestiegen;<br />
Hier oben sind die Sommerwinde kalt<br />
Und weit entfernt am Boden steht das Kind,<br />
Das aus dem Wahnsinn eines Augenblicks sich wünschte<br />
Hoch wie alle andern in den Himmel aufzuragen.</p>
<p>Jetzt ist der Weg zurück durch eigne Scham versperrt,<br />
Nun muß ich, ohne es doch überhaupt zu wollen,<br />
Bis an den Rand der Planke dort hinaus.<br />
Alles schwankt im gänzlich leeren Raum<br />
Kein fester Boden mehr und nur ein dürrer Horizont<br />
Steht mir vor Augen, die ich nicht mehr schließen kann.<br />
Man sieht sehr weit und scheitert jeden Augenblick<br />
Und wird, von Heimweh krank,<br />
Immer Älter in der blauen Einsamkeit.</p>
<p>Zu springen ist unmöglich aber doch<br />
Führt kein andrer Weg mehr von hier fort.<br />
Die Planke schwankt und flößt Gedanken ein,<br />
Ganz ungereimt vor lauter Nüchternheit,<br />
Dieselbe, die beim Aufstieg an der Leiter noch berauschend<br />
Und scheinbar auch ein Hinweis auf die Zukunft war.</p>
<p>Ich springe, weil ich schließlich muß,<br />
Und sehe noch im Fallen einen Augenblick<br />
Staunend und am Beckenrand dem Weinen nah<br />
Das Kind.</p>


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		<title>Sommergrippe</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 10:35:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Einbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Hinterhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Hitze]]></category>
		<category><![CDATA[Hunde]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiß]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer]]></category>
		<category><![CDATA[Täuschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Gemalt sind die Zweige In scheinbarem Gold Und schwanken so freundlich, Wie eine Einbildung immer Beweglichkeit vortäuscht In laueren Winden. Auch strahlen im Grau Ihrer Betten die Gleise Wie brennende Flüsse Aus Lava vielleicht, Und sind dabei kühl Auf Richtung getrimmt. Die Kampfhunde schwatzen Freundlich mit älteren Damen Die ihrerseits fast Ohne Mantel schon gehn. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://leighwells.blogspot.com"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/Leigh-Wells-BigTangleUntitled03-228x300.jpg" alt="Leigh Wells, Untitled 03, 2008" title="Leigh Wells, Untitled 03, 2008" width="228" height="300" class="rand size-medium wp-image-3968" /></a></p>
<p>Gemalt sind die Zweige<br />
In scheinbarem Gold<br />
Und schwanken so freundlich,<br />
Wie eine Einbildung immer<br />
Beweglichkeit vortäuscht<br />
In laueren Winden.</p>
<p>Auch strahlen im Grau<br />
Ihrer Betten die Gleise<br />
Wie brennende Flüsse<br />
Aus Lava vielleicht,<br />
Und sind dabei kühl<br />
Auf Richtung getrimmt.</p>
<p>Die Kampfhunde schwatzen<br />
Freundlich mit älteren Damen<br />
Die ihrerseits fast<br />
Ohne Mantel schon gehn.<br />
Und großäugig flüstern<br />
Die Mädchen zur Luft.</p>
<p>Aber aus den fleischigen Mündern<br />
Der abgehalfterten Männer<br />
Steigt blau über Bänke und Köpfe<br />
In üppigen Schlieren der Rauch.<br />
Er hat heute Zeit und Gelegenheit<br />
An größeren Schlössern zu baun.</p>
<p>Und unter knisternden Haaren<br />
Dringt langsam die Wärme zum Kopf.<br />
Der Schweiß wartet träge<br />
Auf die kommenden Wirren,<br />
Wenn alles Verschwindet<br />
In einer hitzigen Nacht.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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