<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:series="http://unfoldingneurons.com/"
	>

<channel>
	<title>Rauhfasler &#187; Wahrheit</title>
	<atom:link href="http://www.rauhfasler.de/tag/wahrheit/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.rauhfasler.de</link>
	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
	<lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 14:26:48 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	
		<item>
		<title>die beize</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/die-beize</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2011/die-beize#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 20:36:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Schneideriana]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rauhfasler.de/?p=14298</guid>
		<description><![CDATA[morgen stehe ich und kann nicht anders morgen mache ich klarschiff mit allem übel und denke den großen gedanken und esse leicht und atme nur noch tief hinters zwerchfell aus überzeugung und lasse auch die unwillkürlichen bewegungen so aussehen, als ginge es um gedeih und verderb, und gedeihe innerlich noch bis in die letzte darmzotte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/07/fischkopfab.jpg" class="floatbox" rev="group:14298 caption:`Das Filetieren eines Fisches`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/07/fischkopfab-300x300.jpg" alt="" title="Das Filetieren eines Fisches" width="300" height="300" class="rand size-medium wp-image-14302" /></a></p>
<p>morgen stehe ich und kann nicht anders<br />
morgen mache ich klarschiff mit allem übel<br />
und denke den großen gedanken<br />
und esse leicht und atme nur noch<br />
tief hinters zwerchfell aus überzeugung<br />
und lasse auch die unwillkürlichen bewegungen<br />
so aussehen, als ginge es um gedeih<br />
und verderb, und gedeihe innerlich<br />
noch bis in die letzte darmzotte<br />
und zwar schon vor dem frühstück und<br />
mache nur noch sehr kurze sätze, die<br />
jedermann entzückt zurückweichen lassen &#8211;<br />
morgen, sofern sich eine gelegenheit bietet:<br />
denn vorher muß noch die maschine<br />
fertiggelötet werden, die, die die zeit<br />
völlig selbsttätig in portionen<br />
zerlegen kann, die dann zwischen den zähnen<br />
sanft knirschen und nach zitronengras schmecken;<br />
außerdem will ich das trompeten<br />
auf dem toilettenabfluss üben;<br />
und die beize, die beize im keller<br />
muß unter allen umständen<br />
regelmäßig umgerührt werden,<br />
morgen, übermorgen, und so weiter  &#8211;<br />
nicht auszudenken was, wenn man<br />
dabei nachlässig wäre.</p>


<p>Ähnliche Texte:<ol><li><a href='http://www.rauhfasler.de/2011/das-saegblatt-abendlich' rel='bookmark' title='Permanent Link: das sägblatt abendlich / bei frischer morgensonne'>das sägblatt abendlich / bei frischer morgensonne</a> <small>wohin geht dir die zeit wohin steht dir der richtungssinn...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2010/fleisch-satt' rel='bookmark' title='Permanent Link: fleisch satt'>fleisch satt</a> <small>den gentilhomme sich aus dem wanst zu schneiden verraucht ist...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2010/public-value' rel='bookmark' title='Permanent Link: public value'>public value</a> <small>Schamlose Lügenmaschinen Sind Heizungen: Es sitzt sich dank ihrer angenehm...</small></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.rauhfasler.de/2011/die-beize/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>8</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Unschärfe</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/unschaerfe</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2011/unschaerfe#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2011 10:05:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[leere Hüllen]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstähnlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Unendlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Vermutungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rauhfasler.de/?p=13598</guid>
		<description><![CDATA[Daß ich es nicht Zu fassen bekam: Davon ist nur noch Ein verschwommenes Bild Geblieben. Daß man sich selbst Bei genauerem Hinsehen Ganz unglaubwürdig erscheint, Ist als Wahrhaftigkeit Vermeidbar. Das Zurandekommen erfordert Verschiedenes, aber es wirft auch Die Frage auf, ob wir, wenn wir Doch zurandegekommen sein Werden, noch wir geblieben sind. Noch wir geblieben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/06/syr-2.jpg" class="floatbox" rev="group:13598 caption:`Graphische Darstellung zum &raquo;Collatz-Problem&laquo;`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/06/syr-2-222x300.jpg" alt="" title="Graphische Darstellung zum &raquo;Collatz-Problem&laquo;" width="222" height="300" class="rand size-medium wp-image-13997" /></a></p>
<p>Daß ich es nicht<br />
Zu fassen bekam:<br />
Davon ist nur noch<br />
Ein verschwommenes Bild<br />
Geblieben.</p>
<p>Daß man sich selbst<br />
Bei genauerem Hinsehen<br />
Ganz unglaubwürdig erscheint,<br />
Ist als Wahrhaftigkeit<br />
Vermeidbar.</p>
<p>Das Zurandekommen erfordert<br />
Verschiedenes, aber es wirft auch<br />
Die Frage auf, ob wir, wenn wir<br />
Doch zurandegekommen sein<br />
Werden, noch wir geblieben sind.</p>
<p>Noch wir geblieben sein werden:<br />
Daß ich es nicht zu fassen bekam, nämlich<br />
Hinter den endlosen Iterationen in Gedanken, </p>
<p>Bedeutet wohl auch, daß man<br />
Es nie zu fassen bekommt &#8211; aber<br />
Das ist ein vermeidbares Eingeständnis.</p>


<p>Ähnliche Texte:<ol><li><a href='http://www.rauhfasler.de/2007/wegstucke-vii' rel='bookmark' title='Permanent Link: Wegstücke VII'>Wegstücke VII</a> <small>Bei einer Bank liegt etwas schwarzes im Gras und scheint...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2010/tersilochus-obscurator' rel='bookmark' title='Permanent Link: Tersilochus obscurator'>Tersilochus obscurator</a> <small>Abzüglich all jener Verrichtungen, Aus denen nichts Bleibendes entsteht, Die...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2010/14-233' rel='bookmark' title='Permanent Link: 14.233'>14.233</a> <small>Queste parole di colore oscuro vid’ïo scritte al sommo d’una...</small></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.rauhfasler.de/2011/unschaerfe/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Potemkinsche Stufen</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/potemkinsche-stufen</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2011/potemkinsche-stufen#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 13 Feb 2011 15:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></category>
		<category><![CDATA[Gier]]></category>
		<category><![CDATA[Propheten]]></category>
		<category><![CDATA[Untergang]]></category>
		<category><![CDATA[Wahn]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rauhfasler.de/?p=8261</guid>
		<description><![CDATA[Die Insassen der Anstalt befinden sich auf einem Ausflug. Das Personal hat sie bis zu einen Platz geführt. Dort lagern nun alle auf einer Freitreppe, die zu einem großen Sandsteingebäude (wahrscheinlich ein Museum, vielleicht auch ein Gericht) hinaufführt. Die Schwester vertreilt Eis am Stiel und Buletten. Mitten auf dem Platz steht das Bronzedenkmal eines Berittenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/07/800px-Potemkinstairs.jpg" class="floatbox" rev="group:8261 caption:`Die Potemkinsche Treppe in Odessa (1834-41 erbaut).  Postkarte, Ende 19. Jh.`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/07/800px-Potemkinstairs-300x219.jpg" alt="" title="Die Potemkinsche Treppe in Odessa (1834-41 erbaut).  Postkarte, Ende 19. Jh." width="300" height="219" class="rand size-medium wp-image-8262" /></a></p>
<p class="regie">Die Insassen der Anstalt befinden sich auf einem Ausflug. Das Personal hat sie bis zu einen Platz geführt. Dort lagern nun alle auf einer Freitreppe, die zu einem großen Sandsteingebäude (wahrscheinlich ein Museum, vielleicht auch ein Gericht) hinaufführt. Die Schwester vertreilt Eis am Stiel und Buletten.</p>
<p class="regie">Mitten auf dem Platz steht das Bronzedenkmal eines Berittenen auf einem weit ausladenden Podest, das wiederum mit einem hüfthohen, schmiedeeisernenen Zaun umfriedet ist. Hier hinauf klettert zu Beginn des Geschehens schnaufend und umständlich ein nicht besonders alter Mann. Er bleibt zunächst unbeachtet von den Passanten. Allein Eklytos kichert beim Anblick des Kletternden derart enthusiastisch in sich hinein, daß er seinen Bart mit Eiscreme verschmiert.</p>
<p class="regie">Als der Mann es bis auf das Podest geschafft hat, blickt er unruhig in alle Richtungen, postiert sich vis à vis zu dem Backsteingebäude vor dem die Anstaltsinsassen lagern, tut einige tiefe Atemzüge und beginnt zur Allgemeinheit zu sprechen. Seine ersten Sätze sind noch unsicher und vage.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Mitmenschen, Mitmenschen!</p>
<p class="regie">Eklytos stößt Mokry mit dem Ellenbogen in die Seite. Der verschluckt sich an seiner Bulette und gestikuliert unwirsch.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Bürger, Landsleute! <span id="more-8261"></span></p>
<p class="regie">Eklytos weist Mokry fingerzeigend auf den Redner hin. Mokry zuckt die Achseln.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Mokry:</span> Leute, die von Statuensokeln herab Reden schwingen, nehmen es der Allgemeinheit übel, daß ihnen selbst keine Statue errichtet worden ist.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos:</span> Schhht! Hören sie doch zu.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Mokry:</span> Nein.</p>
<p class="regie">Mokry stopft sich Krumen aus seiner Bulette in die Ohren und schmollt.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Vernunftwesen, Gierwesen, Mörder!<!--more--></p>
<p class="regie">Eine alte Dame mit Haarnetz und Pudel bleibt kurz vor dem Mann stehen und schüttelt tadelnd den Kopf. Eklytos ist aufgeregt und kann kaum noch stillsitzen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann</span> (<em>jetzt mit einer Donnerstimme</em>): Hört mich an, ihr Sünder!</p>
<p class="regie">Ein Kind beginnt zu weinen, ein Fahrradfahrer stürzt von seinem Fahrrad. Eine kleine Gruppe Schaulustiger versammelt sich zu Füßen der Statue und des Redners.</p>
<p class="regie">Der Mann wirft sein  Jackett von den Schultern. Darunter trägt er ein grobes, sackartiges Leinenhemd, das seine hagere Brust freiläßt und in merkwürdigem Kontrast zu seiner Anzughose steht.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann</span> (<em>kommt in Fahrt</em>): Hört mich an, denn es soll über euch der Stab gebrochen werden. Das Urtheil steht fest vor dem hohen Throne des Richters.</p>
<p class="regie">Aus dem Publikum am Fuße der Statue, das sich stetig vergrößert, sind Hohngeräusche zu hören, vereinzelte Buh-Rufe. Eklytos applaudiert und stibizt sich einen Bulettenkrumen aus Morkys Ohr.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eine schaulustige Frau:</span> Bloß veraltete Begriffe!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Ein junger Mann:</span> Ihre Äußerungen spiegeln eine vordemokratische Sichtweise.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Wisset, mich hat der Ölschlamm am Ende des Flusses zu seinem Gesandten erwählt. Der Heilige Geist des Erstickens führt mir die Zunge.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos:</span> Ein Nachwuchsprophet. Er scheint sich ein romantisches Verhältnis zu den Verhältnissen zu erlauben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Wisset, ich bin Perhel, und ich bin aufgestanden, daß ihr mich mißverstehet.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Epiglotter:</span> Aber das ist ja nun doch ein recht interessantes Konzept.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Und wenn ihr bis zuletzt mißverstanden habt, wird die Trauer um euch viel geringer sein, denn der Tiger, wenn er zur Jagd geht, läßt nur einmal sein Brüllen hören. Der Wasserbüffel, der dann noch unbekümmert seinen Schweif nach den Fliegen schlägt &#8211; er ist ein verdientes Opfer. Über einen solchen Büffel wird nur kurze Trauer sein unter dem Firmament.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Mokry:</span> Bah. Sein Stil ist unverschämit schwülstig, mehr nicht. (<em>Mokry winkt der Schwester.</em>) Eine Bulette, bitte, rasch.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die schaulustige Frau:</span> Was denn für ein Wasserbüffel? Sieht hier irgendwer einen Wasserbüffel?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der alte Frau:</span> Da oben, auf dem Podest! (<em>Das Publikum lacht.</em>)</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Wißt, daß Perhel euch aufgegeben hat. Deswegen spricht er zu euch. Damit späterhin, wenn die großen Wehen beginnen, Perhel vor sich selbst die Entschuldigung haben wird, nicht geschwiegen zu haben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der junge Mann:</span> Oh Mann, Schweigen ist auf jeden Fall besser!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Also hört und mißversteht&#8230;</p>
<p class="regie">Eklytos entnimmt den nächsten Bulettenbrocken aus Mokrys Ohr und führt ihn sich zu Gemüte, wie man im Kino Popcorn ißt.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos</span> (<em>flüsternd</em>): Ich muß sagen, er steigert sich von Satz zu Satz. Schreiben sie mit Mokry, wir können es als Anhang zu seiner zukünftigen Krankenakte an den Doktor verkaufen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel</span> (<em>dessen Worte man über Eklytos Flüstern hinweg nicht gut verstehen konnte</em>): &#8230;und eure Gier, von der ihr heute nicht wissen wollt, wird bald nackt vor eure Augen treten und wird häßlich sein und schrundig&#8230;</p>
<p class="regie">Nun wird die Krankenschwester auf Perhel aufmerksam.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Wer ist nackt?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Ich wißt aber heute schon, wovon ihr morgen bedauren werdet, es nicht gethan zu haben. Eure Unthätigkeit ist eine Folge der Diktatur. Ihr legt euch vor dem großen Diktator auf den Rücken. Ihr selbst aber, ihr selbst seid&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Epiglotter:</span> Ah, eine fürchterlich klassische Rhetorik.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Wir sind auch nackt. Jedenfalls meistens. Oder nicht? Leimbach &#8211; können wir den nicht mitnehmen?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Leimbach:</span> Nun&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Ich weiß nicht, ob wir noch ein passendes Podest im Lager haben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Leimbach:</span> Oh, die Podeste haben wir doch allesamt verschrottet.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Ob er sich dann wohlfühlt?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Er könnte sich auf den Rücken eines Mitpatienten stellen, wenn er bei uns in der Klinik Reden schwingen will. Also ich finde ihn ganz reizend. Nackt! Sehr gut!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Leimbach:</span> Gute Idee. Ich gehe zum Doktor.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> &#8230;und ihr werdet unter üblen Katarrhen leiden, wenn ihr die Luft verbraucht habt, die über Äonen der Gemeinschaft der Lebenden genug war. Und ihr werdet trocken werden und Geschwülste haben, wenn die Sonne euch brennt.</p>
<p class="regie">Der Doktor ist inzwischen hinzugetreten und berät sich mit Leimbach, Roßfäller und der Schwester. Er kratzt sich nachdenklich am Kinn.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Er scheint ein gewisses medizinisches Interesse zu haben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos</span> (<em>über die Schulter zum Doktor</em>): Er ist Pathologe im großen Stile.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Die Ungerechtigkeit wird aufstehen und wird die Meerengen durchschwimmen. Sie wird diejenigen vor sich her treiben, die von euch Unrecht erlitten haben. Die Menge der Entrechteten wird an eure Festungsmauern branden. Lange und geduldig, bis die Leichen wie Schlamm sich an euren Mauern und Deichen auftürmen. Dann wird das Fundament nachgeben und ihr werdet ungeschützt dastehen. Und die Ungerechtigkeit, eure Erfindung, wird groß umhehrgehen mitten unter euch, und wird euch gegeneinanderwerfen, daß ihr allesamt in Scherben geht.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die alte Frau im Publikum:</span> Das ist ja wiederlich!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Gut, Schwester, sie können ihn haben. Roßfäller, Leimbach!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Sehr gern, Herr Doktor.</p>
<p class="regie">Sie machen sich langsam auf den Weg, ohne es offenbar allzu eilig damit zu haben, der Vorstellung ein Ende zu setzen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Er wird ein interessantes Exemplar in unserer Sammlung. Epiglotter hier kann sein Podest werden.</p>
<p class="regie">Eklytos schlägt Epiglotter beglückwünschend auf die Schulter.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Epiglotter:</span> Aber!</p>
<p class="regie">Er will aufspringen. Die Schwester dreht ihm behende den Arm auf den Rücken.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Na, na. Freuen sie sich, es wird sehr lehrreich. Und amüsant.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Was wird von euch bleiben? Von Perhel wird keine Spur bleiben. Die Geschichtsforscher einer entlegenen Zukunft &#8211; wenn es eine solche Zukunft, trotz eurer gierigen Blindheit, trotz eures blinden Hungers überhaupt noch geben wird! &#8211; zukünftige Geschichtsforscher werden eure Zeitungen, Erklärungen, Beschlüsse und Tagebücher lesen. Und sie werden erkennen, daß ihr schon lange bankrott gewesen seit und das die Lüge die Wurzel eures Daseins und jedes Gedankens geworden war. Einst werden sie es deutlich erkennen, wenn man auf euch zurückblickt. Aber da wird ja kaum einer bleiben, um zurückzublicken. Kaum nur einer!</p>
<p class="regie">Roßfäller und Leimbach sind jetzt am Fuß der Treppe angekommen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos:</span> Ich möchte ihm gerne meine Briefmarkensammlung zeigen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel</span> <em>zeigt auf die beiden Pfleger; feierlich</em>: Sehet, Mitmenschen, Lügner, Mörder: Hier kommen die, die kommen müssen. Perhel hat euch die Zukunft offenbart. Jetzt nimmt man ihn weg, damit ungestört geschehen kann, was geschehen muß.</p>
<p class="regie">Perhel hebt sein Jackett auf und zieht es an, richtet Hose und Hemd und steigt vom Podest herunter. Die Menge weicht zurück und bildet eine Gasse für Roßfäller und Leimbach.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Ich nehme nicht an, daß sie Gepäck haben?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span>Sie kommen bei der Patientengruppe an.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Schwester, ein Glas Wasser bitte. Ich bin heiser. Dann können wir gehen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Aber&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel</span> (<em>zum Doktor, sehr würdevoll</em>): Ah, Dr. Ephebrämius, wenn ich nicht irre? Ein passionierter Sammler, wie man hört.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor</span> (<em>geschmeichelt</em>): Nun&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Aber haben sie auch das Zeug &#8211; zum <em>Jäger</em>?</p>
<p class="regie">Der Doktor schweigt irritiert.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos</span> (<em>schiebt Epiglotter zu Perhel</em>): Ihr neues Podest, Herr Kollege.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Ich bin gespannt, es auszuprobieren. Gehen wir.</p>
<p class="regie">Die ganze Gruppe folgt Perhel wie eine Entourage, während er zum unweit abgestellten Anstaltsbus vorangeht.</p>


<p>Ähnliche Texte:<ol><li><a href='http://www.rauhfasler.de/2009/kuemmerlich' rel='bookmark' title='Permanent Link: Kümmerlich'>Kümmerlich</a> <small>Der schlafende, durch eine Spritze betäubte Eklytos ist allein im...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2009/phrenologie' rel='bookmark' title='Permanent Link: Phrenologie'>Phrenologie</a> <small>Epiglotter liegt noch immer dort, wo er wegen der von...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2009/primat' rel='bookmark' title='Permanent Link: Primat'>Primat</a> <small>Mokry liegt bäuchlings in einem aus groben Seilen geknüpften Netz,...</small></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.rauhfasler.de/2011/potemkinsche-stufen/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
	
		<series:name><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Zinseszins</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2010/zinseszins</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2010/zinseszins#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 Oct 2010 10:10:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Schneideriana]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliches Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rauhfasler.de/?p=9724</guid>
		<description><![CDATA[Varianten: A B Den Tag verkauft für 10 Minuten, Mehr zu erwarten wäre kühn gewesen, Und hätte dann am Ende noch Den ganzen Handel in Gefahr gebracht. Wie viele gerade Taten werden wohl In dieser Gegend für ein Jahr gezahlt? Die Zeit ist lang, man muß sie tauschen: Der Magen beugt den Rücken und der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.opacity.us/image1484_corpse.htm"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/10/corpse-229x300.jpg" alt="" title="Corpse (© www.opacity.us, Tom Kirsch)" width="229" height="300" class="rand size-medium wp-image-9725" /></a></p>
<div id="flowertabs" class="entrytabs">
<ul>
<li>Varianten: </li>
<li><a href="#" rel="tcontent1" class="selected">A</a></li>
<li><a href="#" rel="tcontent2">B</a></li>
</ul>
</div>
<div id="tcontent1" class="tabcontent">
Den Tag verkauft für 10 Minuten,<br />
Mehr zu erwarten wäre kühn gewesen,<br />
Und hätte dann am Ende noch<br />
Den ganzen Handel in Gefahr gebracht.<br />
Wie viele gerade Taten werden wohl<br />
In dieser Gegend für ein Jahr gezahlt?<br />
Die Zeit ist lang, man muß sie tauschen:<br />
Der Magen beugt den Rücken und der Nacken<br />
Hält den Blick nach vorne ja wohl kaum mehr unbegrenzt.<br />
Was haben wir denn Vatersvater, Muttersmutter zusammengetragen<br />
Im verstrichnen Jahrsiebenundsiebizgt unterm losen Dielenbrett?<br />
Vielleicht zehn wahre Tage insgesamt &#8211;<br />
Schlecht aber, schlecht verzinst: so ist&#8217;s nunmal.
</div>
<div id="tcontent2" class="tabcontent">
<p>Den vollen Tag verkauft<br />
Für knappe 10 Minuten &#8211;<br />
Der Preis scheint schlecht, jedoch:<br />
So lautet der Tarif.</p>
<p>Zehn Minuten habe ich<br />
Nun mehr als gestern noch<br />
Im Rechnungsbuch des ewigen Kassirers<br />
Auf meiner Seite stehn: das, allemal,<br />
Ist mehr als nichts.</p>
<p>Vatersväter, Muttersmütter,<br />
Wie wenig habt ihr uns zurückgelegt!<br />
Fast alles habt ihr für euch selbst verzehrt,<br />
Und seit dann Mager abgeschieden.</p>
<p>Einen Satz, nur einen wahren Satz zu erben<br />
Von dir, mein krummer Vater, das<br />
Würde trotzdem mehr als vieles wiegen:<br />
Aber du schwiegest bloß &#8211;<br />
Aus Mangel an Vermögen.</p>
<p>Für 10 Minuten einen ganzen<br />
Runden Tag verkauft &#8211; doch immerhin:<br />
Für 10 Minuten:</p>
<p>Reinen Glücks,<br />
Reiner Furcht,<br />
Hellen Bedauerns,<br />
Frischer Sterblichkeit,<br />
Für 10 Minuten,<br />
Frei von Rost und<br />
Folgerichtigkeit,<br />
Den Tag verkauft.
</p></div>


<p>Ähnliche Texte:<ol><li><a href='http://www.rauhfasler.de/2010/schlicht' rel='bookmark' title='Permanent Link: Schlicht'>Schlicht</a> <small>&raquo;Ja, jetzt bin ich gleich im Bus&#8230;&laquo;, sagt einer in...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2009/mit-worten-zu-nennen' rel='bookmark' title='Permanent Link: Mit Worten zu nennen'>Mit Worten zu nennen</a> <small>Alles ist fliegend Mit Worten zu nennen Auch noch das...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2007/hintergrunde-zum-tierdarm' rel='bookmark' title='Permanent Link: Hintergründe zum Tierdarm'>Hintergründe zum Tierdarm</a> <small>&#0187;Die Kunde von Aufsehen erregenden Ballonfahrten in Frankreich spornte den...</small></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.rauhfasler.de/2010/zinseszins/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>πάντα ῥεῖ</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2010/panta-rhei</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2010/panta-rhei#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 25 Sep 2010 08:08:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Auflösung]]></category>
		<category><![CDATA[Augenblick]]></category>
		<category><![CDATA[Dunkel]]></category>
		<category><![CDATA[Fluß]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rauhfasler.de/?p=8856</guid>
		<description><![CDATA[einen augenblick im fluß zu schwimmen wie styropor gänzlich frei von der gefahr unter- zugehen im fluß zu schwimmen einen, diesen augenblick im fluß verbringen der auflöst was drinnen an den stirn- und rippengestaden sich aufgebaut hatte wie sandburgen und nunmehr weiche schlacke geworden ist die hand ruht dort in kaum spürbarer wärme und löst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a class="bild" href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/08/styroporflieger.jpg" class="floatbox" rev="group:8856 caption:`Styroporflieger`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/08/styroporflieger-300x300.jpg" alt="" title="Styroporflieger" width="300" height="300" class="rand size-medium wp-image-8860" /></a></p>
<p>einen augenblick<br />
im fluß<br />
zu schwimmen<br />
wie styropor<br />
gänzlich frei von<br />
der gefahr unter-<br />
zugehen<br />
im fluß<br />
zu schwimmen<br />
einen, diesen<br />
augenblick<br />
im fluß<br />
verbringen<br />
der auflöst<br />
was drinnen<br />
an den stirn-<br />
und rippengestaden<br />
sich aufgebaut hatte<br />
wie sandburgen<br />
und nunmehr<br />
weiche schlacke<br />
geworden ist<br />
die hand ruht<br />
dort<br />
in kaum<br />
spürbarer wärme<br />
und löst den griff<br />
ums leben, jenes<br />
notwendig erachtete<br />
das ein maßband<br />
zu messen<br />
alles unwesentliche<br />
ist, löst<br />
den griff, den<br />
anhalt einen<br />
augenblick<br />
im fluß<br />
verloren<br />
wie in einem<br />
dunklen gang,<br />
der den gänger<br />
schaudernd<br />
in die erträumte<br />
schwärze führt.</p>


<p>Ähnliche Texte:<ol><li><a href='http://www.rauhfasler.de/2009/am-fluss' rel='bookmark' title='Permanent Link: Am Fluß'>Am Fluß</a> <small>Die Wellen sprechen, Stürzen durch den Fluß Zum Meer und...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2008/zephyrs-spiel' rel='bookmark' title='Permanent Link: Zephyrs Spiel'>Zephyrs Spiel</a> <small>Heute war Frühling in der Luft. Natürlich nur ein erster,...</small></li>
<li><a href='http://www.rauhfasler.de/2011/psalm-3' rel='bookmark' title='Permanent Link: Psalm 3'>Psalm 3</a> <small>Du bist der Schatten hinter dem Rand Der Sandkiste, und...</small></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.rauhfasler.de/2010/panta-rhei/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

