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	<title>Rauhfasler &#187; Weltbankrott</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Pyroxilin</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Sep 2011 10:41:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Unterderoberfläche]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich meinte in der letzten Nacht Zu sehen wie drei Bewaffnete Am Ende meiner Vorstadtstraße Hinter einer dunklen Hausecke In Stellung gingen, es war Bloß eine Einbildung, ich Habe ruhig geschlafen. Und es war vielleicht, Als ein Paket zugestellt wurde, Daß im Treppenhaus Stiefel hallten Und harte oder angstvolle Stimmen Warnungen oder Befehle Zu rufen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/09/07222-I-P-C-i-e-Iraq-Petroleum-Company-Tank-in-Haifa-terminus-with-plane-in-sky.jpg" class="floatbox" rev="group:15090 caption:`Iraq Petroleum Company: Öltank in Haifa  (aufgenommen zwischen 1934 and 1939; Library of Congress, Prints and Photographs Division, Matson Photograph Collection)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/09/07222-I-P-C-i-e-Iraq-Petroleum-Company-Tank-in-Haifa-terminus-with-plane-in-sky-300x223.jpg" alt="" title="Iraq Petroleum Company: Öltank in Haifa  (aufgenommen zwischen 1934 and 1939; Library of Congress, Prints and Photographs Division, Matson Photograph Collection)" width="300" height="223" class="rand size-medium wp-image-15098" /></a></p>
<p>Ich meinte in der letzten Nacht<br />
Zu sehen wie drei Bewaffnete<br />
Am Ende meiner Vorstadtstraße<br />
Hinter einer dunklen Hausecke<br />
In Stellung gingen, es war<br />
Bloß eine Einbildung, ich<br />
Habe ruhig geschlafen. </p>
<p>Und es war vielleicht,<br />
Als ein Paket zugestellt wurde,<br />
Daß im Treppenhaus Stiefel hallten<br />
Und harte oder angstvolle Stimmen<br />
Warnungen oder Befehle<br />
Zu rufen schienen und</p>
<p>Polizei- oder Militärfunk<br />
Durch die Fenster drang,<br />
Man sollte nicht ohne Not<br />
Auf die offene Straße treten<br />
Und die Dächer im Auge behalten, </p>
<p>Und der Boden schwankt,<br />
Von den schlagenden Wellen,<br />
Ein Wachgänger schlägt Alarm<br />
Piraten längsseits, ich gebe Befehl<br />
Das Feuer zu eröffnen &#8211;</p>
<p>Mein Fernseher,<br />
Der mir an diesem Abend wohl<br />
Das meiste verschweigt,<br />
Ist über den Golf von Aden<br />
Zu mir gekommen, und<br />
Keiner meiner Brüder starb<br />
In Al Fallūjah oder wie<br />
Immer derselbe Ort<br />
Gerade genannt wird:</p>
<p>Aber es ist,<br />
Als wäre da ein Brandschatten<br />
An den Rändern von allem,<br />
Was ich oder was du<br />
Überhaupt sehen kannst und<br />
Als würde der Frieden<br />
Nach einem Schwelbrand<br />
Schmecken.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Unbehagen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 May 2011 10:24:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Axiome]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliches Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Furcht]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[I. Dein Unbehagen Ist nicht unberechtigt, Dein Unbehagen Hat Gründe. Du solltest nicht darauf verzichten Deine Angst zu kultivieren &#8212; Die Dinge sind zu kompliziert, Um bloß zufällig Angst zu haben. Dein Unbehagen Sollte Gründe haben; Freiheit besteht wesentlich In unruhigem Schlaf. Als gegeben läßt sich höchstens noch Die Vergangenheit hinnehmen, Sämtliche Selbstverständlichkeiten Haben sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/05/kuppel.jpg" class="floatbox" rev="group:13465 caption:`Eine Kuppel vor Palmen im Modell`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/05/kuppel-300x200.jpg" alt="" title="Eine Kuppel vor Palmen im Modell" width="300" height="200" class="rand size-medium wp-image-13481" /></a></p>
<p>I.</p>
<p>Dein Unbehagen<br />
Ist nicht unberechtigt,<br />
Dein Unbehagen<br />
Hat Gründe.</p>
<p>Du solltest nicht darauf verzichten<br />
Deine Angst zu kultivieren &#8212;<br />
Die Dinge sind zu kompliziert,<br />
Um bloß zufällig<br />
Angst zu haben.</p>
<p>Dein Unbehagen<br />
Sollte Gründe haben;<br />
Freiheit besteht wesentlich<br />
In unruhigem Schlaf.</p>
<p>Als gegeben läßt sich höchstens noch<br />
Die Vergangenheit hinnehmen,<br />
Sämtliche Selbstverständlichkeiten<br />
Haben sich längst überhitzt.</p>
<p>Zufriedenheit ist<br />
Nicht ungefährlich &#8212;<br />
Dein Unbehagen<br />
Sollte Gründe haben.</p>
<hr />
<ul style="list-style-type:none;margin-left:0;padding-left:0;">
<li><a href="http://www.rauhfasler.de/2011/sag-den-satz-auf">&rarr;&ensp;Der zweite Teil: &raquo;Sag den Satz auf&laquo;</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Death by Tray</title>
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		<pubDate>Sat, 14 May 2011 14:46:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></category>
		<category><![CDATA[Göttinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein sehr beleibter Herr mittleren Alters, geziert mit einem walroßartigen Oberlippenbart, betritt den Aufenthaltsraum. Roßfäller führt das Walroß am Oberarm, während Leimbach eine merkwürdige Konstruktion hintendrein trägt: Ein Lattengestell, das auf einer Seite mit Stoff behangen ist. Das Walroß selbst trägt einen Beutel in seiner freien Hand. Roßfäller schiebt den Patienten auf ein neu aussehendes, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://erinyen.blogspot.com/"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/09/Erinnye-e1285013859487-238x300.jpg" alt="" title="Titelbild des anarcho-feministischen Magazins »Erinyen« (Ausgabe #2)" width="238" height="300" class="rand size-medium wp-image-9203" /></a></p>
<p><em>Ein sehr beleibter Herr mittleren Alters, geziert mit einem walroßartigen Oberlippenbart, betritt den Aufenthaltsraum. Roßfäller führt das Walroß am Oberarm, während Leimbach eine merkwürdige Konstruktion hintendrein trägt: Ein Lattengestell, das auf einer Seite mit Stoff behangen ist. Das Walroß selbst trägt einen Beutel in seiner freien Hand. Roßfäller schiebt den Patienten auf ein neu aussehendes, sehr breites Sofa zu, das auf einem Podest steht. Dort läßt sich der beleibte Herr nieder, neben ihm stellt Leimbach das merkwürdige Lattengestell ab. Unterdessen führen Mokry und Epiglotter eine Unterhaltung.</em></p>
<p>Mokry: Bah!<br />
Epiglotter: Damit haben sie recht!<br />
Mokry: Und die Allgemeinheit&#8230;<br />
Epiglotter: Ach, hören sie auf!<br />
Mokry: Ja, die Allgemeinheit denkt&#8230;<br />
Epiglotter: Denkt sie!<br />
Mokry: Als ob sie das jemals wirklich täte.<br />
Epiglotter: Da ist der Konjunktiv nur angebracht.<br />
Mokry: Wohlsein! <span id="more-9187"></span></p>
<p><em>Er hebt ein bloß eingebildetes Glas. Epiglotter prostet ihm mit leerer Luft freundlich zu.</em></p>
<p>Epiglotter: Wozu sollte man noch destillierte Flüssigkeiten brauchen&#8230;<br />
Mokry: Der hohle Dunst ist dieser Tage weit genug davon entfernt&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;nüchtern zu sein &#8211; sie haben recht&#8230;<br />
Mokry: &#8230;also dann&#8230;<br />
Epiglotter: Prost!</p>
<p><em>Epiglotter und Mokry heben ihre unsichtbaren Gläser an die Lippen und leeren sie mit einem tiefen, kämpferischen Zug.</em></p>
<p>Epiglotter und Mokry (<em>unisono</em>): Aah!<br />
Epiglotter: Das tut gut.</p>
<p><em>Das Walroß lacht prustend aus dem Hintergrund. Epiglotter und Mokry wenden sich um.</em></p>
<p>Epiglotter: Aha!<br />
Mokry: Stör uns nicht, Dickerchen!<br />
Epiglotter: Wo waren wir stehengeblieben?<br />
Mokry: Wir hatten von der vollständigen und abschließenden Beliebigkeit allen Problembewußtseins gesprochen.<br />
Epiglotter: Das ist eine druckreife Zusammenfassung.</p>
<p><em>Die beiden prosten sich wieder zu.</em></p>
<p>Epiglotter: Nachschub ist reichlich vorhanden.</p>
<p><em>Das Walroß wühlt in seinem Beutel. Dann nimmt er das merkwürdige Gestell zur Hand, schraubt und schiebt daran herum. Mokry und Epiglotter sehen kurz zu.</em></p>
<p>Mokry: Am Ende ist es doch so: Wo immer einer sich hinwendet, er kann sich nicht sicher sein, ob er sich nicht doch eigentlich viel eher in die entgegengesetzte Richtung hätte wenden sollen.<br />
Epiglotter: Und Meinungen sind ohnehin Makulatur. Wer könnte schon von sich behaupten, etwas zu <em>meinen?</em></p>
<p><em>Das letzte Wort spuckt Epiglotter wie einen Frosch aus. Mokry und er lachen schallend. Das Wahlroß stimmt mit ein &#8211; und setzt sich daraufhin das Gestell auf die Schultern. Es ist eine kleine Bühne, mit Rampe und Vorhang. Das Walroß sitzt nun mit geschlossenem Vorhang ruhig auf dem Sofa. Die Diskutanten im Vordergrund machen sich nichts daraus.</em></p>
<p>Mokry: Im Grunde ist eine Meinung für uns doch bloß eine Art Kleidungsstück. Man geht ja schließlich nicht nackt vor die Tür&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;und bemüht sich um einen gewissen Stil&#8230;<br />
Mokry: &#8230;aber ob jemand nun das eine oder andere anzieht&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;danach kräht kein Hahn.<br />
Das Walroß (<em>von hinter dem Vorhang vor seinem Gesicht</em>): Kiekeriki!<br />
Epiglotter: Es wird ja ohnehin alles immer unsichtbarer.<br />
Mokry: Ja, so ist es, und da ist Gleichgültigkeit nur folgerichtig.<br />
Epiglotter: Es kann einem ja alles wichtig sein, und also&#8230; (<em>er übergibt Mokry mit einer Geste das Wort</em>)<br />
Mokry: &#8230;ist am Ende nichts wichtig.<br />
Epiglotter: Allein das zu bemerken ist schon albern.<br />
Mokry: Prost!<br />
Epiglotter: Wohl bekomm&apos;s!</p>
<p><em>Das Walroß hat nunmehr seine Vorbereitungen abgeschlossen. Er hat mittlerweile seine Hände beiderseits vor seinem Kopf von unten durch zwei Öffnungen in den Kasten gesteckt. Der Vorhang öffnet sich. Im Hintergrund der kleinen Bühne prangt das Walroßgesicht, allerdings jetzt leuchtend rot geschminkt. Auf seinen Händen stecken zwei nackte und magere androgyne Puppen, eine stehend, die andere kniend. Die knieende Puppe schreit mit der verstellten Stimme des Walrosses:</em> TÖTE MICH! <em>woraufhin die andere Puppe diesen Wunsch mit verschiedenen, vom Walroß anschaulich gemachten Mitteln entspricht.</em></p>
<p><em>Währenddessen machen Mokry und Epiglotter eine Aufzählung, als würden sie ein Gesellschaftsspiel spielen.</em></p>
<p>Epiglotter: Was gäbe es denn da. Hm. Zum Beispiel: Hungersnot.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
Mokry: Wasserknappheit.<br />
<em>Die Puppe wird erstochen.</em><br />
Epiglotter: Atomkraft.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
Mokry (<em>in päpstlichem Singsang</em>): Ein-Computervirus-der-sämtliche-Bankkonten-der-Welt-auf-Null-stellt.<br />
<em>Wird erwürgt.</em><br />
Epiglotter: Das Aussterben der Bienen.<br />
Mokry: Ha, ha &#8211; eine kleine Ursache&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;mit großer Wirkung.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
<em>In der Tür erscheint die Krankenschwester.</em><br />
Mokry: Terroranschläge mit Atomsprengsätzen.<br />
Epiglotter: Aber &#0187;Atom&#0171; hatten wir schon.<br />
Mokry: Na gut, eine Pandemie des schwarzen Todes.<br />
Epiglotter: Das ist aber ziemlich romantisch.<br />
<em>Das Walroß zersägt die knieende Puppe mit einer Motorsäge.</em><br />
Epiglotter: Der Einschlag eines Asteroiden.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
Epiglotter: Ein Rachefeldzug ausgebrochener Versuchs-Schimpansen.<br />
<em>Die Puppe wird auf einem elektrischen Stuhl gebraten.</em><br />
Mokry: Äh&#8230; die Klimaerwärmung.<br />
Epiglotter: Veto! Viel zu allgemein.<br />
Mokry: Na gut&#8230;<br />
<em>Die Krankenschwester hält sich grimmig die Ohren zu und tritt vom einen Bein auf das andere.</em><br />
Mokry: Das globale Zusammenbrechen der landwirtschaftlichen Erträge.<br />
Epiglotter: So wird ein Schuh draus!<br />
Das Walroß (<em>sehr schrill</em>): Bitte, töte mich!<br />
<em>Die Schwester macht ein paar zögerliche Schritte auf das Walroß zu.</em><br />
Epiglotter: Der Zusammenbruch der Demokratie.<br />
<em>Mokry droht Epiglotter ironisch mit dem Zeigefinger.</em><br />
Mokry: Oh-ho, sie wollen weit hinaus.<br />
<em>Geschickt spielt der Dicke die stehende, mordende Puppe derart, daß sie nun ein Seil unter dem Bühnendach verknotet. Es taucht ein Stuhl auf, die knieende Puppe erhebt sich, um, bedrängt von ihrem mehrfachen Mörder, auf den Stuhl zuzuwanken. Ihr wird daraufhin von der anderen Puppe das Seil um den Hals gelegt.</em><br />
Epiglotter: Eine neue Völkerwanderung aus Klimaflüchtlingen! Die Straße von Gibraltar wird, trotz der vehementen Gegenwehr europäischer Grenztuppen, spätestens wenn sie mit Leichen aufgefüllt ist, passierbar werden. Und dann&#8230;<br />
<em>Mokry gibt eine eigenwillige Interpretation von <a href="#trauermarsch">Chopins Trauermarsch</a><a name="retour">&ensp;</a>zum Besten.</em><br />
<em>Die Schwester hat sich hinter das Sofa geschlichen, auf dem das Walroß sitzt. Glutäugig, als wäre sich eine der Erinnyen, rauft sie sich tonlos die Haare und scheint einen inneren Ringkampf auszustehen.</em><br />
Epiglotter: Dann wird das Unrecht, das sich über Generationen jenseits des Wohlstandszauns aufgestaut hat &#8211; es wird durchbrechen und wird die fette Pfründe überschwemmen, daß kein Stein auf dem anderen bleibt.<br />
<em>Die Mörderpuppe im Theaterkasten des Walrosses tritt den Stuhl weg: die Opferpuppe baumelt am Seil und zuckt mit den sterbenden Gliedmaßen.</em><br />
Mokry (<em>verneigt sich vor Epiglotter</em>): Ich habe nichts hinzuzufügen.<br />
<em>Die Schwester zieht aus einer Tasche ihres Kittels einen armlangen, aufgerollten Metalldraht hervor. An seinen Enden befinden sich zwei Griffschlaufen, die die Schwester nun ergreift. Sie wirft dem wohlbeleibten Mann auf dem Sofa diesen Würgedraht mit einem Schwung aus den Handgelenken um den Hals und zieht fest zu.</em><br />
Das Walroß: Aaargh-Roaaa-Grrrch.<br />
<em>Epiglotter und Mokry werden auf das Spektakel aufmerksam.</em><br />
Mokry: Nanu&#8230;<br />
Epiglotter: Es sieht ganz so aus, als würde sein gespielter Wunsch nun Lebenswirklichkeit.<br />
Das Walroß: H-hilfe.<br />
Mokry: Er bestitz offenbar keinen Humor.<br />
Epiglotter: Dabei ist die Ironie ganz offensichtlich.<br />
<em>In seinem Todeskampf führen die Puppen auf den Händen des Walrosses, eine davon weiterhin von dem modellhaften Deckenbalken hängend, wilde Tänze auf.</em><br />
Epiglotter: Was ist nun aber Wirklichkeit&#8230;<br />
Mokry: &#8230;und was ist das Schauspiel?</p>
<p><em>Das Walroß röchelt und stirbt.<br />
Während der füllige Leib auf dem Sofa zusammensinkt, fällt vor der Kastenbühne der Vorhang.</em></p>
<p>Die Schwester (<em>deklamiert zornig-erregt</em>):<br />
&#0187;So ist gestürzt ein Haus; doch nicht war wert zu verderben<br />
Eines allein: wo Erde sich dehnt, herrscht wilde Erinnys.<br />
Jeder, so dächte man, schwor zum Vergehn. Auf alle denn falle<br />
Ohne Verzug &#8211; so steht der Entschluss &#8211; die verwirkete Strafe!&#0171;<br />
Iupiters Worte lobt ein Teil, und des Grollenden Ingrimm<br />
Stacheln sie an; ein Teil stimmt zu durch Zeichen des Beifalls.<br />
Allen jedoch weckt Schmerz der Verlust des Menschengeschlechtes:<br />
Welch Aussehen hinfort, so fragen sie, werde die Erde<br />
Zeigen, von Sterblichen leer? wer Weihrauch auf die Altäre<br />
Streuen? ob reißendes Wild denn solle verheeren die Länder?<br />
Doch den Besorgten verbietet &#8211; er werde des Weiteren walten &#8211;,<br />
Bang zu verzagen, das Haupt der Unsterblichen, und er verheißet<br />
Ungleich früherem Volk ein Geschlecht seltsamer Entstehung. (<a href="#ovid">&lowast;</a>)<a name="retour2"></a></p>
<p><em>Mokry und Epiglotter heben ihre imaginierten Gläser</em></p>
<p>Beide: Sehr zum Wohle, Schwester <em>Teisiphone!</em></p>
<p><em>Die Schwester macht einen Schritt in ihre Richtung, Mokry und Epiglotter schleunigst &#8211; ab.</em></p>
<p>Die Schwester: Laut schreit der Mord<br />
Und auf eiligen Schwingen<br />
Kommt, den er herbeigerufen, der Mord<br />
Mordet den Mörder zuletzt.</p>
<p><em>Die Schwester rollt sorgfältig ihr Würgewerkzeug auf, richtet sich die Haare, zieht den Lippenstift nach, lächelt probeweise &#8211; ab.</em></p>
<hr />
<p><a name="trauermarsch"></a>Chopins &#0187;Trauermarsch&#0171; Op 35, no. 2 kann sich der geneigte Leser, exempli gratia, vor Ohren führen in einer <a href='http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/09/DePachmann_74304.mp3' title="Chopin Op. 35, No. 2">Klavierfassung.</a><br />
Sie wurde eingespielt durch Vladimir de Pachmann (1848-1933), und zwar eine Schellack-Pressung mit einer Aufnahme aus dem Jahre 1912. <a href="#retour">[&uarr; zurück]</a></p>
<p>(&lowast;) <a name="ovid"></a>Die Schwester führt eine <a href="http://www.gottwein.de/Lat/ov/ovmet01151.php#Lycaon" class="floatbox" rev="width:90% height:90% disableScroll:true showNewWindow:true controlsPos:tr">Passage</a> aus Ovids &#0187;Metamorphosen&#0171; im Munde, nämlich den &#0187;Götterbeschluss, die Menschen auszurotten&#0171; (Buch I, 240-252). <a href="#retour2">[&uarr; zurück]</a></p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Herstellung von Sitzpolstern</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Feb 2011 09:06:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliches Leben]]></category>
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		<category><![CDATA[Zufriedenheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Herstellung von Sitzpolstern erfordert Eine neue, gründlich erbrachte Begründung; Das Abspielen klassischer Orgelmusik Sollte man grundsätzlich überdenken; Und die wohlige Zufriedenheit ebenfalls, Jene zum Beispiel Beim Genuß des Morgenkaffees an einem freien Sonntag / Zum Beispiel unter der Dusche des Sportvereins nach der Straffung / Schon überflüssig gewordener Muskeln, zum Beispiel / Nach dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/gaddafiumriss.jpg" class="floatbox" rev="group:12172 caption:`Umriss von  Muammar al-Gaddafi (nach einem Portrait von Doug McKinlay)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/gaddafiumriss-225x300.jpg" alt="" title="Umriss von  Muammar al-Gaddafi (nach einem Portrait von Doug McKinlay)" width="225" height="300" class="rand size-medium wp-image-12193" /></a></p>
<div><span style="font-variant:small-caps;">Die Herstellung von Sitzpolstern erfordert<br />
Eine neue, gründlich erbrachte Begründung;</span></p>
<p>Das Abspielen klassischer Orgelmusik<br />
Sollte man grundsätzlich überdenken;</p>
<p>Und die wohlige Zufriedenheit ebenfalls,<br />
Jene zum Beispiel</p></div>
<div style="width:450px; text-align:justify;margin:1em 0 1.3em 0;font-size:0.95em;">Beim Genuß des Morgenkaffees an einem freien Sonntag / Zum Beispiel unter der Dusche des Sportvereins nach der Straffung / Schon überflüssig gewordener Muskeln, zum Beispiel / Nach dem friedlichen Beischlaf in allergiearmer Bettwäsche / Oder nach getaner Arbeit bei der Erzeugung von Genußgütern, nach der Arbeit, von der wirklich keine Spuren bleiben werden, außer jenen, leicht wie die Abdrücke von Vogelklauen in Karst: Spuren im Gewissen / Wohlige Zufriedenheit also / Die ja so ziemlich das höchste Ziel ist, dem ein aufgeklärt denkender Mensch sich verschreiben könnte, nachdem man den Himmel bereits leergeräumt hat / Den Himmel, der deshalb auch keine Linderung bereithalten wird / Keine Linderung / Zufriedenheit im Kreis der eigenen, halbwegs befriedigten Maßlosigkeit</div>
<p>Derartige Zufriedenheit:<br />
Muß jedem verdächtig werden,<br />
Der Ohren hat, zu hören:</p>
<p>Denn die gedungenen Diktatoren<br />
Gleich hinter unseren Grenzzäunen<br />
Haben sich inzwischen heiser geschrieen &#8212;<br />
Man hört jetzt ihre Stimmen brechen.</p>
<p>Den Kunden unserer Rüstungsfabriken, ihren Generälen,<br />
Brennt der angesparte Munitionsvorrat unter den Nägeln</p>
<p>Aber in den Bäuchen der Kinder, die mehr oder weniger<br />
Zum Verenden in diese käufliche Welt geboren wurden,<br />
Brennt die Wut mittlerweile noch stärker als: die ihnen vererbte Scham,<br />
Ihr Hunger, die vielleicht vollständige Abwesenheit von Hoffnung<br />
(Darüber kann man nur Vermutungen anstellen).</p>
<p>Die gedungenen Diktatoren schimpfen,<br />
Man hört ihre Stimmen brechen und<br />
Albern hohl klingt ihre pochende Faust<br />
Auf dem eilig hingezimmerten Rednerpult.</p>
<p>Ratlos sind sie, die Volksführer, unsere<br />
Geheimen Statthalter, geheimen Commerzienräte,<br />
Über die Welle aus Leibern, die sich selbst<br />
Weniger achtet als ihren Drang nach Gerechtigkeit;<br />
Und die wohlsituierten Generäle müssen<br />
Hohe Beträge aufwenden, weil ihre Soldaten<br />
Nicht wie sie selbst um Brosamen<br />
Von unseren prallen Tischen käuflich sind,<br />
Damit endlich gefeuert wird<br />
Aus dem aufgesparten Vorrat an Kugeln.</p>
<p>Die temperierte Zufriedenheit, mit der einer wie ich<br />
Aufsteht und zu Mittag etwas schreibt, so wie dies &#8212;<br />
Muß einem verdächtig sein,<br />
<span style="margin-left:12.5em;">Denn die Empörung</span><br />
Gleich hinter unseren Grenzzäunen wird allmählich<br />
Lauter noch<br />
Als die Schüsse.</p>
<hr />
<p>Zur Vertiefung des Themas empfohlen: <a href='http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/02/Salven.mp3' title="Salven, abgegeben im libyschen Bürgerkrieg">O-Ton.</a></p>


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		<title>Potemkinsche Stufen</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Feb 2011 15:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></category>
		<category><![CDATA[Gier]]></category>
		<category><![CDATA[Propheten]]></category>
		<category><![CDATA[Untergang]]></category>
		<category><![CDATA[Wahn]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Insassen der Anstalt befinden sich auf einem Ausflug. Das Personal hat sie bis zu einen Platz geführt. Dort lagern nun alle auf einer Freitreppe, die zu einem großen Sandsteingebäude (wahrscheinlich ein Museum, vielleicht auch ein Gericht) hinaufführt. Die Schwester vertreilt Eis am Stiel und Buletten. Mitten auf dem Platz steht das Bronzedenkmal eines Berittenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/07/800px-Potemkinstairs.jpg" class="floatbox" rev="group:8261 caption:`Die Potemkinsche Treppe in Odessa (1834-41 erbaut).  Postkarte, Ende 19. Jh.`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/07/800px-Potemkinstairs-300x219.jpg" alt="" title="Die Potemkinsche Treppe in Odessa (1834-41 erbaut).  Postkarte, Ende 19. Jh." width="300" height="219" class="rand size-medium wp-image-8262" /></a></p>
<p class="regie">Die Insassen der Anstalt befinden sich auf einem Ausflug. Das Personal hat sie bis zu einen Platz geführt. Dort lagern nun alle auf einer Freitreppe, die zu einem großen Sandsteingebäude (wahrscheinlich ein Museum, vielleicht auch ein Gericht) hinaufführt. Die Schwester vertreilt Eis am Stiel und Buletten.</p>
<p class="regie">Mitten auf dem Platz steht das Bronzedenkmal eines Berittenen auf einem weit ausladenden Podest, das wiederum mit einem hüfthohen, schmiedeeisernenen Zaun umfriedet ist. Hier hinauf klettert zu Beginn des Geschehens schnaufend und umständlich ein nicht besonders alter Mann. Er bleibt zunächst unbeachtet von den Passanten. Allein Eklytos kichert beim Anblick des Kletternden derart enthusiastisch in sich hinein, daß er seinen Bart mit Eiscreme verschmiert.</p>
<p class="regie">Als der Mann es bis auf das Podest geschafft hat, blickt er unruhig in alle Richtungen, postiert sich vis à vis zu dem Backsteingebäude vor dem die Anstaltsinsassen lagern, tut einige tiefe Atemzüge und beginnt zur Allgemeinheit zu sprechen. Seine ersten Sätze sind noch unsicher und vage.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Mitmenschen, Mitmenschen!</p>
<p class="regie">Eklytos stößt Mokry mit dem Ellenbogen in die Seite. Der verschluckt sich an seiner Bulette und gestikuliert unwirsch.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Bürger, Landsleute! <span id="more-8261"></span></p>
<p class="regie">Eklytos weist Mokry fingerzeigend auf den Redner hin. Mokry zuckt die Achseln.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Mokry:</span> Leute, die von Statuensokeln herab Reden schwingen, nehmen es der Allgemeinheit übel, daß ihnen selbst keine Statue errichtet worden ist.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos:</span> Schhht! Hören sie doch zu.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Mokry:</span> Nein.</p>
<p class="regie">Mokry stopft sich Krumen aus seiner Bulette in die Ohren und schmollt.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Vernunftwesen, Gierwesen, Mörder!<!--more--></p>
<p class="regie">Eine alte Dame mit Haarnetz und Pudel bleibt kurz vor dem Mann stehen und schüttelt tadelnd den Kopf. Eklytos ist aufgeregt und kann kaum noch stillsitzen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann</span> (<em>jetzt mit einer Donnerstimme</em>): Hört mich an, ihr Sünder!</p>
<p class="regie">Ein Kind beginnt zu weinen, ein Fahrradfahrer stürzt von seinem Fahrrad. Eine kleine Gruppe Schaulustiger versammelt sich zu Füßen der Statue und des Redners.</p>
<p class="regie">Der Mann wirft sein  Jackett von den Schultern. Darunter trägt er ein grobes, sackartiges Leinenhemd, das seine hagere Brust freiläßt und in merkwürdigem Kontrast zu seiner Anzughose steht.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann</span> (<em>kommt in Fahrt</em>): Hört mich an, denn es soll über euch der Stab gebrochen werden. Das Urtheil steht fest vor dem hohen Throne des Richters.</p>
<p class="regie">Aus dem Publikum am Fuße der Statue, das sich stetig vergrößert, sind Hohngeräusche zu hören, vereinzelte Buh-Rufe. Eklytos applaudiert und stibizt sich einen Bulettenkrumen aus Morkys Ohr.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eine schaulustige Frau:</span> Bloß veraltete Begriffe!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Ein junger Mann:</span> Ihre Äußerungen spiegeln eine vordemokratische Sichtweise.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Wisset, mich hat der Ölschlamm am Ende des Flusses zu seinem Gesandten erwählt. Der Heilige Geist des Erstickens führt mir die Zunge.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos:</span> Ein Nachwuchsprophet. Er scheint sich ein romantisches Verhältnis zu den Verhältnissen zu erlauben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Mann:</span> Wisset, ich bin Perhel, und ich bin aufgestanden, daß ihr mich mißverstehet.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Epiglotter:</span> Aber das ist ja nun doch ein recht interessantes Konzept.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Und wenn ihr bis zuletzt mißverstanden habt, wird die Trauer um euch viel geringer sein, denn der Tiger, wenn er zur Jagd geht, läßt nur einmal sein Brüllen hören. Der Wasserbüffel, der dann noch unbekümmert seinen Schweif nach den Fliegen schlägt &#8211; er ist ein verdientes Opfer. Über einen solchen Büffel wird nur kurze Trauer sein unter dem Firmament.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Mokry:</span> Bah. Sein Stil ist unverschämit schwülstig, mehr nicht. (<em>Mokry winkt der Schwester.</em>) Eine Bulette, bitte, rasch.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die schaulustige Frau:</span> Was denn für ein Wasserbüffel? Sieht hier irgendwer einen Wasserbüffel?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der alte Frau:</span> Da oben, auf dem Podest! (<em>Das Publikum lacht.</em>)</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Wißt, daß Perhel euch aufgegeben hat. Deswegen spricht er zu euch. Damit späterhin, wenn die großen Wehen beginnen, Perhel vor sich selbst die Entschuldigung haben wird, nicht geschwiegen zu haben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der junge Mann:</span> Oh Mann, Schweigen ist auf jeden Fall besser!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Also hört und mißversteht&#8230;</p>
<p class="regie">Eklytos entnimmt den nächsten Bulettenbrocken aus Mokrys Ohr und führt ihn sich zu Gemüte, wie man im Kino Popcorn ißt.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos</span> (<em>flüsternd</em>): Ich muß sagen, er steigert sich von Satz zu Satz. Schreiben sie mit Mokry, wir können es als Anhang zu seiner zukünftigen Krankenakte an den Doktor verkaufen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel</span> (<em>dessen Worte man über Eklytos Flüstern hinweg nicht gut verstehen konnte</em>): &#8230;und eure Gier, von der ihr heute nicht wissen wollt, wird bald nackt vor eure Augen treten und wird häßlich sein und schrundig&#8230;</p>
<p class="regie">Nun wird die Krankenschwester auf Perhel aufmerksam.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Wer ist nackt?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Ich wißt aber heute schon, wovon ihr morgen bedauren werdet, es nicht gethan zu haben. Eure Unthätigkeit ist eine Folge der Diktatur. Ihr legt euch vor dem großen Diktator auf den Rücken. Ihr selbst aber, ihr selbst seid&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Epiglotter:</span> Ah, eine fürchterlich klassische Rhetorik.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Wir sind auch nackt. Jedenfalls meistens. Oder nicht? Leimbach &#8211; können wir den nicht mitnehmen?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Leimbach:</span> Nun&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Ich weiß nicht, ob wir noch ein passendes Podest im Lager haben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Leimbach:</span> Oh, die Podeste haben wir doch allesamt verschrottet.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Ob er sich dann wohlfühlt?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Er könnte sich auf den Rücken eines Mitpatienten stellen, wenn er bei uns in der Klinik Reden schwingen will. Also ich finde ihn ganz reizend. Nackt! Sehr gut!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Leimbach:</span> Gute Idee. Ich gehe zum Doktor.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> &#8230;und ihr werdet unter üblen Katarrhen leiden, wenn ihr die Luft verbraucht habt, die über Äonen der Gemeinschaft der Lebenden genug war. Und ihr werdet trocken werden und Geschwülste haben, wenn die Sonne euch brennt.</p>
<p class="regie">Der Doktor ist inzwischen hinzugetreten und berät sich mit Leimbach, Roßfäller und der Schwester. Er kratzt sich nachdenklich am Kinn.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Er scheint ein gewisses medizinisches Interesse zu haben.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos</span> (<em>über die Schulter zum Doktor</em>): Er ist Pathologe im großen Stile.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Die Ungerechtigkeit wird aufstehen und wird die Meerengen durchschwimmen. Sie wird diejenigen vor sich her treiben, die von euch Unrecht erlitten haben. Die Menge der Entrechteten wird an eure Festungsmauern branden. Lange und geduldig, bis die Leichen wie Schlamm sich an euren Mauern und Deichen auftürmen. Dann wird das Fundament nachgeben und ihr werdet ungeschützt dastehen. Und die Ungerechtigkeit, eure Erfindung, wird groß umhehrgehen mitten unter euch, und wird euch gegeneinanderwerfen, daß ihr allesamt in Scherben geht.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die alte Frau im Publikum:</span> Das ist ja wiederlich!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Gut, Schwester, sie können ihn haben. Roßfäller, Leimbach!</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Sehr gern, Herr Doktor.</p>
<p class="regie">Sie machen sich langsam auf den Weg, ohne es offenbar allzu eilig damit zu haben, der Vorstellung ein Ende zu setzen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Er wird ein interessantes Exemplar in unserer Sammlung. Epiglotter hier kann sein Podest werden.</p>
<p class="regie">Eklytos schlägt Epiglotter beglückwünschend auf die Schulter.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Epiglotter:</span> Aber!</p>
<p class="regie">Er will aufspringen. Die Schwester dreht ihm behende den Arm auf den Rücken.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Die Schwester:</span> Na, na. Freuen sie sich, es wird sehr lehrreich. Und amüsant.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Was wird von euch bleiben? Von Perhel wird keine Spur bleiben. Die Geschichtsforscher einer entlegenen Zukunft &#8211; wenn es eine solche Zukunft, trotz eurer gierigen Blindheit, trotz eures blinden Hungers überhaupt noch geben wird! &#8211; zukünftige Geschichtsforscher werden eure Zeitungen, Erklärungen, Beschlüsse und Tagebücher lesen. Und sie werden erkennen, daß ihr schon lange bankrott gewesen seit und das die Lüge die Wurzel eures Daseins und jedes Gedankens geworden war. Einst werden sie es deutlich erkennen, wenn man auf euch zurückblickt. Aber da wird ja kaum einer bleiben, um zurückzublicken. Kaum nur einer!</p>
<p class="regie">Roßfäller und Leimbach sind jetzt am Fuß der Treppe angekommen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos:</span> Ich möchte ihm gerne meine Briefmarkensammlung zeigen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel</span> <em>zeigt auf die beiden Pfleger; feierlich</em>: Sehet, Mitmenschen, Lügner, Mörder: Hier kommen die, die kommen müssen. Perhel hat euch die Zukunft offenbart. Jetzt nimmt man ihn weg, damit ungestört geschehen kann, was geschehen muß.</p>
<p class="regie">Perhel hebt sein Jackett auf und zieht es an, richtet Hose und Hemd und steigt vom Podest herunter. Die Menge weicht zurück und bildet eine Gasse für Roßfäller und Leimbach.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Roßfäller:</span> Ich nehme nicht an, daß sie Gepäck haben?</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span>Sie kommen bei der Patientengruppe an.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Schwester, ein Glas Wasser bitte. Ich bin heiser. Dann können wir gehen.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor:</span> Aber&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel</span> (<em>zum Doktor, sehr würdevoll</em>): Ah, Dr. Ephebrämius, wenn ich nicht irre? Ein passionierter Sammler, wie man hört.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Der Doktor</span> (<em>geschmeichelt</em>): Nun&#8230;</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Aber haben sie auch das Zeug &#8211; zum <em>Jäger</em>?</p>
<p class="regie">Der Doktor schweigt irritiert.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Eklytos</span> (<em>schiebt Epiglotter zu Perhel</em>): Ihr neues Podest, Herr Kollege.</p>
<p class="dialogtext"><span style="font-variant:small-caps;">Perhel:</span> Ich bin gespannt, es auszuprobieren. Gehen wir.</p>
<p class="regie">Die ganze Gruppe folgt Perhel wie eine Entourage, während er zum unweit abgestellten Anstaltsbus vorangeht.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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