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	<title>Rauhfasler &#187; Wilde Tiere</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Sarcoramphus</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 19:57:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Beute]]></category>
		<category><![CDATA[Jagd]]></category>
		<category><![CDATA[Omnia vincit amor]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachlosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Geier bei uns Einer bei dir Einer bei mir Sie haben nackte Hälse Und ihr Appetit ist grau. Sie schlagen hitzig Mit ihren Flügeln Während wir noch Darum bemüht sind Die leere Mitte Abzustecken Mit leeren Worten. Und als dann der Geier Auf meinem Kopf Nach deiner Brust schlug Wollte ich dich Schützen, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/08/John-James-Audubon-Black-Vulture-Carrion-Crow-1831.jpg" class="floatbox" rev="group:14660 caption:`John James Audubon: &raquo;Black Vulture Carrion Crow&laquo; (1831)`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/08/John-James-Audubon-Black-Vulture-Carrion-Crow-1831-300x192.jpg" alt="" title="John James Audubon: &raquo;Black Vulture Carrion Crow&laquo; (1831)" width="300" height="192" class="rand size-medium wp-image-14661" /></a></p>
<p>Zwei Geier bei uns<br />
Einer bei dir<br />
Einer bei mir<br />
Sie haben nackte Hälse<br />
Und ihr Appetit ist grau.</p>
<p>Sie schlagen hitzig<br />
Mit ihren Flügeln<br />
Während wir noch<br />
Darum bemüht sind<br />
Die leere Mitte<br />
Abzustecken<br />
Mit leeren Worten. </p>
<p>Und als dann der Geier<br />
Auf meinem Kopf<br />
Nach deiner Brust schlug<br />
Wollte ich dich<br />
Schützen, aber brauchte<br />
Meine Arme für mich selbst:<br />
Zwei Geier bei uns<br />
Einer bei mir<br />
Einer bei dir.</p>
<p>Und wenn sie fliegen<br />
Bleiben wir zurück<br />
Schartig und zerschnitten<br />
Und jeder wird staunend<br />
Bei sich die Sätze zählen<br />
Und den Schmerz betasten<br />
Der in den Wunden geblieben ist<br />
Wie Schotter.</p>
<p>Und wenn wir einander<br />
Wieder ansehen, werden wir<br />
Den Widerschein eines<br />
Fremden Blicks<br />
Je bei uns finden:</p>
<p>Laß uns dann also<br />
Jagen gehen: Geier<br />
Sind schwerfällig und sind&#8212;<br />
Wenn man nur will &#8212;<br />
Leicht zu schießen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Tigerin</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 08:35:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Beute]]></category>
		<category><![CDATA[Blut]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Jagd]]></category>
		<category><![CDATA[weiß]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein feiner Ton Schwebt unter den Fingern Klingt zwischen den Zähnen Die Luft holt Atem Der Frühling kriecht Unter den Hecken hervor Die Gehsteige trocknen Im Licht von Neonreklamen Und im Glas klingt metallisch Die Kohlensäure. Ich stelle mir den Blick Einer schneeweißen Tigerin vor Die Haltung ihrer Pfoten Für jetzt noch leer und ledig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/Orchidee.jpg" class="floatbox" rev="group:12510 caption:`Eine Orchidee`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/03/Orchidee-300x225.jpg" alt="" title="Eine Orchidee" width="300" height="225" class="rand size-medium wp-image-12513" /></a></p>
<p>Ein feiner Ton<br />
Schwebt unter den Fingern<br />
Klingt zwischen den Zähnen<br />
Die Luft holt Atem<br />
Der Frühling kriecht<br />
Unter den Hecken hervor<br />
Die Gehsteige trocknen<br />
Im Licht von Neonreklamen<br />
Und im Glas klingt metallisch<br />
Die Kohlensäure.</p>
<p>Ich stelle mir den Blick<br />
Einer schneeweißen Tigerin vor<br />
Die Haltung ihrer Pfoten<br />
Für jetzt noch leer und ledig<br />
Und in ihrem Blick<br />
Die Unterwerfung<br />
Der kommenden Beute.</p>
<p>Wie weit spannt sich der Äther<br />
Zwischen den Wähnungen<br />
Und schmeckt  der Schatten<br />
Von Blut auf der Zunge<br />
Metallisch und wie<br />
Schwebt unter den Fingern<br />
Ein feiner Ton &#8211;</p>
<p>Die Beute hat Freude an der Jagd<br />
An dem Leuchten im Blick<br />
Der schneeweißen Tigerin<br />
An dem Widerschein, in dem<br />
Die Unterwerfung festeht &#8211;</p>
<p>Die Beute hat Freude an der Jagd<br />
Denn es gilt alles ihr<br />
Und sie wird ihre Umklammerung<br />
Eine Weile ganz allein besitzen<br />
Und den Geschmack von Blut<br />
Klingend auf den<br />
Eigenen Lippen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>anzünden</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/anzuenden</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 20:36:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Dämmerlicht]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Jagd]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstähnlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Unterderoberfläche]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[und die&#160;zweihundert&#160;freiheiten dunkeln&#160;an&#160;ihren&#160;rändern wie&#160;äpfel&#160;an&#160;den&#160;bloßen schnittflächen. und die&#160;dämmerung&#160;verwittert, während&#160;ich&#160;die&#160;türen&#160;zu- und&#160;aufklappe,&#160;mehr&#160;mit jedem mal. und was&#160;sich&#160;in&#160;mir&#160;ausdenkt, umkreist&#160;dieselbe&#160;nabe wie&#160;immer,&#160;die&#160;speichen schlagen&#160;muster in den&#160;glänzend&#160;leeren&#160;raum, man&#160;wetzt&#160;lange&#160;an&#160;seiner klinge,&#160;seiner&#160;eigenen,&#160;es bleibt&#160;der&#160;geschmack von metall&#160;auf&#160;den&#160;lippen,&#160;ich erkenne&#160;dein&#160;lächeln,&#160;ich werde&#160;den&#160;schatz&#160;finden, der&#160;im&#160;beinhaus&#160;wartet und werde&#160;der&#160;wolf&#160;sein,&#160;der dir&#160;am&#160;hals&#160;liegt,&#160;und&#160;du wirst&#160;meinen&#160;atem&#160;lesen und&#160;darüber&#160;vergehen. und wer&#160;dann&#160;noch&#160;schlaflos wartet,&#160;wird&#160;hören,&#160;wie&#160;ich schritte&#160;mache,&#160;und&#160;zu spät&#160;das&#160;licht&#160;löschen denn die&#160;zukunft&#160;ist&#160;ja&#160;eine sammlung&#160;von&#160;vögeln, gestopft,&#160;vernäht&#160;und aufgereiht man muß&#160;feuer&#160;nehmen&#160;und in&#160;den&#160;bälgern&#160;den&#160;flug wieder&#160;neu&#160;anzünden,&#160;den flug&#160;in&#160;die&#160;dächer. Ähnliche Texte:Gethsemane In der Heizung fließt es zäh Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="margin-left:85px;">
<a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/07/einschiff.jpg" class="floatbox" rev="group:14444 caption:`Ein Schiff`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/07/einschiff-300x226.jpg" alt="" title="Ein Schiff" width="270" class="rand size-medium wp-image-14461" /></a></p>
<div style="width:180px;text-align:justify;margin-left:45px;">
<p style="text-align:right;margin:0;">und</p>
<p style="margin:0;">die&nbsp;zweihundert&nbsp;freiheiten dunkeln&nbsp;an&nbsp;ihren&nbsp;rändern wie&nbsp;äpfel&nbsp;an&nbsp;den&nbsp;bloßen schnittflächen.</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">und</p>
<p style="margin:0;">die&nbsp;dämmerung&nbsp;verwittert, während&nbsp;ich&nbsp;die&nbsp;türen&nbsp;zu- und&nbsp;aufklappe,&nbsp;mehr&nbsp;mit jedem mal.</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">und</p>
<p style="margin:0;">was&nbsp;sich&nbsp;in&nbsp;mir&nbsp;ausdenkt, umkreist&nbsp;dieselbe&nbsp;nabe wie&nbsp;immer,&nbsp;die&nbsp;speichen schlagen&nbsp;muster</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">in</p>
<p style="margin:0;">den&nbsp;glänzend&nbsp;leeren&nbsp;raum, man&nbsp;wetzt&nbsp;lange&nbsp;an&nbsp;seiner klinge,&nbsp;seiner&nbsp;eigenen,&nbsp;es bleibt&nbsp;der&nbsp;geschmack</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">von</p>
<p style="margin:0;">metall&nbsp;auf&nbsp;den&nbsp;lippen,&nbsp;ich erkenne&nbsp;dein&nbsp;lächeln,&nbsp;ich werde&nbsp;den&nbsp;schatz&nbsp;finden, der&nbsp;im&nbsp;beinhaus&nbsp;wartet</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">und</p>
<p style="margin:0;">werde&nbsp;der&nbsp;wolf&nbsp;sein,&nbsp;der dir&nbsp;am&nbsp;hals&nbsp;liegt,&nbsp;und&nbsp;du wirst&nbsp;meinen&nbsp;atem&nbsp;lesen und&nbsp;darüber&nbsp;vergehen.</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">und</p>
<p style="margin:0;">wer&nbsp;dann&nbsp;noch&nbsp;schlaflos wartet,&nbsp;wird&nbsp;hören,&nbsp;wie&nbsp;ich schritte&nbsp;mache,&nbsp;und&nbsp;zu spät&nbsp;das&nbsp;licht&nbsp;löschen</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">denn</p>
<p style="margin:0;">die&nbsp;zukunft&nbsp;ist&nbsp;ja&nbsp;eine sammlung&nbsp;von&nbsp;vögeln, gestopft,&nbsp;vernäht&nbsp;und aufgereiht</p>
<p style="text-align:right;margin:0;">man</p>
<p style="margin:0;">muß&nbsp;feuer&nbsp;nehmen&nbsp;und in&nbsp;den&nbsp;bälgern&nbsp;den&nbsp;flug wieder&nbsp;neu&nbsp;anzünden,&nbsp;den flug&nbsp;in&nbsp;die&nbsp;dächer.</p>
</div>
</div>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Death by Tray</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2011/death-by-tray</link>
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		<pubDate>Sat, 14 May 2011 14:46:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Mokrys Peripatien]]></category>
		<category><![CDATA[Göttinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein sehr beleibter Herr mittleren Alters, geziert mit einem walroßartigen Oberlippenbart, betritt den Aufenthaltsraum. Roßfäller führt das Walroß am Oberarm, während Leimbach eine merkwürdige Konstruktion hintendrein trägt: Ein Lattengestell, das auf einer Seite mit Stoff behangen ist. Das Walroß selbst trägt einen Beutel in seiner freien Hand. Roßfäller schiebt den Patienten auf ein neu aussehendes, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://erinyen.blogspot.com/"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/09/Erinnye-e1285013859487-238x300.jpg" alt="" title="Titelbild des anarcho-feministischen Magazins »Erinyen« (Ausgabe #2)" width="238" height="300" class="rand size-medium wp-image-9203" /></a></p>
<p><em>Ein sehr beleibter Herr mittleren Alters, geziert mit einem walroßartigen Oberlippenbart, betritt den Aufenthaltsraum. Roßfäller führt das Walroß am Oberarm, während Leimbach eine merkwürdige Konstruktion hintendrein trägt: Ein Lattengestell, das auf einer Seite mit Stoff behangen ist. Das Walroß selbst trägt einen Beutel in seiner freien Hand. Roßfäller schiebt den Patienten auf ein neu aussehendes, sehr breites Sofa zu, das auf einem Podest steht. Dort läßt sich der beleibte Herr nieder, neben ihm stellt Leimbach das merkwürdige Lattengestell ab. Unterdessen führen Mokry und Epiglotter eine Unterhaltung.</em></p>
<p>Mokry: Bah!<br />
Epiglotter: Damit haben sie recht!<br />
Mokry: Und die Allgemeinheit&#8230;<br />
Epiglotter: Ach, hören sie auf!<br />
Mokry: Ja, die Allgemeinheit denkt&#8230;<br />
Epiglotter: Denkt sie!<br />
Mokry: Als ob sie das jemals wirklich täte.<br />
Epiglotter: Da ist der Konjunktiv nur angebracht.<br />
Mokry: Wohlsein! <span id="more-9187"></span></p>
<p><em>Er hebt ein bloß eingebildetes Glas. Epiglotter prostet ihm mit leerer Luft freundlich zu.</em></p>
<p>Epiglotter: Wozu sollte man noch destillierte Flüssigkeiten brauchen&#8230;<br />
Mokry: Der hohle Dunst ist dieser Tage weit genug davon entfernt&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;nüchtern zu sein &#8211; sie haben recht&#8230;<br />
Mokry: &#8230;also dann&#8230;<br />
Epiglotter: Prost!</p>
<p><em>Epiglotter und Mokry heben ihre unsichtbaren Gläser an die Lippen und leeren sie mit einem tiefen, kämpferischen Zug.</em></p>
<p>Epiglotter und Mokry (<em>unisono</em>): Aah!<br />
Epiglotter: Das tut gut.</p>
<p><em>Das Walroß lacht prustend aus dem Hintergrund. Epiglotter und Mokry wenden sich um.</em></p>
<p>Epiglotter: Aha!<br />
Mokry: Stör uns nicht, Dickerchen!<br />
Epiglotter: Wo waren wir stehengeblieben?<br />
Mokry: Wir hatten von der vollständigen und abschließenden Beliebigkeit allen Problembewußtseins gesprochen.<br />
Epiglotter: Das ist eine druckreife Zusammenfassung.</p>
<p><em>Die beiden prosten sich wieder zu.</em></p>
<p>Epiglotter: Nachschub ist reichlich vorhanden.</p>
<p><em>Das Walroß wühlt in seinem Beutel. Dann nimmt er das merkwürdige Gestell zur Hand, schraubt und schiebt daran herum. Mokry und Epiglotter sehen kurz zu.</em></p>
<p>Mokry: Am Ende ist es doch so: Wo immer einer sich hinwendet, er kann sich nicht sicher sein, ob er sich nicht doch eigentlich viel eher in die entgegengesetzte Richtung hätte wenden sollen.<br />
Epiglotter: Und Meinungen sind ohnehin Makulatur. Wer könnte schon von sich behaupten, etwas zu <em>meinen?</em></p>
<p><em>Das letzte Wort spuckt Epiglotter wie einen Frosch aus. Mokry und er lachen schallend. Das Wahlroß stimmt mit ein &#8211; und setzt sich daraufhin das Gestell auf die Schultern. Es ist eine kleine Bühne, mit Rampe und Vorhang. Das Walroß sitzt nun mit geschlossenem Vorhang ruhig auf dem Sofa. Die Diskutanten im Vordergrund machen sich nichts daraus.</em></p>
<p>Mokry: Im Grunde ist eine Meinung für uns doch bloß eine Art Kleidungsstück. Man geht ja schließlich nicht nackt vor die Tür&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;und bemüht sich um einen gewissen Stil&#8230;<br />
Mokry: &#8230;aber ob jemand nun das eine oder andere anzieht&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;danach kräht kein Hahn.<br />
Das Walroß (<em>von hinter dem Vorhang vor seinem Gesicht</em>): Kiekeriki!<br />
Epiglotter: Es wird ja ohnehin alles immer unsichtbarer.<br />
Mokry: Ja, so ist es, und da ist Gleichgültigkeit nur folgerichtig.<br />
Epiglotter: Es kann einem ja alles wichtig sein, und also&#8230; (<em>er übergibt Mokry mit einer Geste das Wort</em>)<br />
Mokry: &#8230;ist am Ende nichts wichtig.<br />
Epiglotter: Allein das zu bemerken ist schon albern.<br />
Mokry: Prost!<br />
Epiglotter: Wohl bekomm&apos;s!</p>
<p><em>Das Walroß hat nunmehr seine Vorbereitungen abgeschlossen. Er hat mittlerweile seine Hände beiderseits vor seinem Kopf von unten durch zwei Öffnungen in den Kasten gesteckt. Der Vorhang öffnet sich. Im Hintergrund der kleinen Bühne prangt das Walroßgesicht, allerdings jetzt leuchtend rot geschminkt. Auf seinen Händen stecken zwei nackte und magere androgyne Puppen, eine stehend, die andere kniend. Die knieende Puppe schreit mit der verstellten Stimme des Walrosses:</em> TÖTE MICH! <em>woraufhin die andere Puppe diesen Wunsch mit verschiedenen, vom Walroß anschaulich gemachten Mitteln entspricht.</em></p>
<p><em>Währenddessen machen Mokry und Epiglotter eine Aufzählung, als würden sie ein Gesellschaftsspiel spielen.</em></p>
<p>Epiglotter: Was gäbe es denn da. Hm. Zum Beispiel: Hungersnot.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
Mokry: Wasserknappheit.<br />
<em>Die Puppe wird erstochen.</em><br />
Epiglotter: Atomkraft.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
Mokry (<em>in päpstlichem Singsang</em>): Ein-Computervirus-der-sämtliche-Bankkonten-der-Welt-auf-Null-stellt.<br />
<em>Wird erwürgt.</em><br />
Epiglotter: Das Aussterben der Bienen.<br />
Mokry: Ha, ha &#8211; eine kleine Ursache&#8230;<br />
Epiglotter: &#8230;mit großer Wirkung.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
<em>In der Tür erscheint die Krankenschwester.</em><br />
Mokry: Terroranschläge mit Atomsprengsätzen.<br />
Epiglotter: Aber &#0187;Atom&#0171; hatten wir schon.<br />
Mokry: Na gut, eine Pandemie des schwarzen Todes.<br />
Epiglotter: Das ist aber ziemlich romantisch.<br />
<em>Das Walroß zersägt die knieende Puppe mit einer Motorsäge.</em><br />
Epiglotter: Der Einschlag eines Asteroiden.<br />
Walroß: Töte mich!<br />
Epiglotter: Ein Rachefeldzug ausgebrochener Versuchs-Schimpansen.<br />
<em>Die Puppe wird auf einem elektrischen Stuhl gebraten.</em><br />
Mokry: Äh&#8230; die Klimaerwärmung.<br />
Epiglotter: Veto! Viel zu allgemein.<br />
Mokry: Na gut&#8230;<br />
<em>Die Krankenschwester hält sich grimmig die Ohren zu und tritt vom einen Bein auf das andere.</em><br />
Mokry: Das globale Zusammenbrechen der landwirtschaftlichen Erträge.<br />
Epiglotter: So wird ein Schuh draus!<br />
Das Walroß (<em>sehr schrill</em>): Bitte, töte mich!<br />
<em>Die Schwester macht ein paar zögerliche Schritte auf das Walroß zu.</em><br />
Epiglotter: Der Zusammenbruch der Demokratie.<br />
<em>Mokry droht Epiglotter ironisch mit dem Zeigefinger.</em><br />
Mokry: Oh-ho, sie wollen weit hinaus.<br />
<em>Geschickt spielt der Dicke die stehende, mordende Puppe derart, daß sie nun ein Seil unter dem Bühnendach verknotet. Es taucht ein Stuhl auf, die knieende Puppe erhebt sich, um, bedrängt von ihrem mehrfachen Mörder, auf den Stuhl zuzuwanken. Ihr wird daraufhin von der anderen Puppe das Seil um den Hals gelegt.</em><br />
Epiglotter: Eine neue Völkerwanderung aus Klimaflüchtlingen! Die Straße von Gibraltar wird, trotz der vehementen Gegenwehr europäischer Grenztuppen, spätestens wenn sie mit Leichen aufgefüllt ist, passierbar werden. Und dann&#8230;<br />
<em>Mokry gibt eine eigenwillige Interpretation von <a href="#trauermarsch">Chopins Trauermarsch</a><a name="retour">&ensp;</a>zum Besten.</em><br />
<em>Die Schwester hat sich hinter das Sofa geschlichen, auf dem das Walroß sitzt. Glutäugig, als wäre sich eine der Erinnyen, rauft sie sich tonlos die Haare und scheint einen inneren Ringkampf auszustehen.</em><br />
Epiglotter: Dann wird das Unrecht, das sich über Generationen jenseits des Wohlstandszauns aufgestaut hat &#8211; es wird durchbrechen und wird die fette Pfründe überschwemmen, daß kein Stein auf dem anderen bleibt.<br />
<em>Die Mörderpuppe im Theaterkasten des Walrosses tritt den Stuhl weg: die Opferpuppe baumelt am Seil und zuckt mit den sterbenden Gliedmaßen.</em><br />
Mokry (<em>verneigt sich vor Epiglotter</em>): Ich habe nichts hinzuzufügen.<br />
<em>Die Schwester zieht aus einer Tasche ihres Kittels einen armlangen, aufgerollten Metalldraht hervor. An seinen Enden befinden sich zwei Griffschlaufen, die die Schwester nun ergreift. Sie wirft dem wohlbeleibten Mann auf dem Sofa diesen Würgedraht mit einem Schwung aus den Handgelenken um den Hals und zieht fest zu.</em><br />
Das Walroß: Aaargh-Roaaa-Grrrch.<br />
<em>Epiglotter und Mokry werden auf das Spektakel aufmerksam.</em><br />
Mokry: Nanu&#8230;<br />
Epiglotter: Es sieht ganz so aus, als würde sein gespielter Wunsch nun Lebenswirklichkeit.<br />
Das Walroß: H-hilfe.<br />
Mokry: Er bestitz offenbar keinen Humor.<br />
Epiglotter: Dabei ist die Ironie ganz offensichtlich.<br />
<em>In seinem Todeskampf führen die Puppen auf den Händen des Walrosses, eine davon weiterhin von dem modellhaften Deckenbalken hängend, wilde Tänze auf.</em><br />
Epiglotter: Was ist nun aber Wirklichkeit&#8230;<br />
Mokry: &#8230;und was ist das Schauspiel?</p>
<p><em>Das Walroß röchelt und stirbt.<br />
Während der füllige Leib auf dem Sofa zusammensinkt, fällt vor der Kastenbühne der Vorhang.</em></p>
<p>Die Schwester (<em>deklamiert zornig-erregt</em>):<br />
&#0187;So ist gestürzt ein Haus; doch nicht war wert zu verderben<br />
Eines allein: wo Erde sich dehnt, herrscht wilde Erinnys.<br />
Jeder, so dächte man, schwor zum Vergehn. Auf alle denn falle<br />
Ohne Verzug &#8211; so steht der Entschluss &#8211; die verwirkete Strafe!&#0171;<br />
Iupiters Worte lobt ein Teil, und des Grollenden Ingrimm<br />
Stacheln sie an; ein Teil stimmt zu durch Zeichen des Beifalls.<br />
Allen jedoch weckt Schmerz der Verlust des Menschengeschlechtes:<br />
Welch Aussehen hinfort, so fragen sie, werde die Erde<br />
Zeigen, von Sterblichen leer? wer Weihrauch auf die Altäre<br />
Streuen? ob reißendes Wild denn solle verheeren die Länder?<br />
Doch den Besorgten verbietet &#8211; er werde des Weiteren walten &#8211;,<br />
Bang zu verzagen, das Haupt der Unsterblichen, und er verheißet<br />
Ungleich früherem Volk ein Geschlecht seltsamer Entstehung. (<a href="#ovid">&lowast;</a>)<a name="retour2"></a></p>
<p><em>Mokry und Epiglotter heben ihre imaginierten Gläser</em></p>
<p>Beide: Sehr zum Wohle, Schwester <em>Teisiphone!</em></p>
<p><em>Die Schwester macht einen Schritt in ihre Richtung, Mokry und Epiglotter schleunigst &#8211; ab.</em></p>
<p>Die Schwester: Laut schreit der Mord<br />
Und auf eiligen Schwingen<br />
Kommt, den er herbeigerufen, der Mord<br />
Mordet den Mörder zuletzt.</p>
<p><em>Die Schwester rollt sorgfältig ihr Würgewerkzeug auf, richtet sich die Haare, zieht den Lippenstift nach, lächelt probeweise &#8211; ab.</em></p>
<hr />
<p><a name="trauermarsch"></a>Chopins &#0187;Trauermarsch&#0171; Op 35, no. 2 kann sich der geneigte Leser, exempli gratia, vor Ohren führen in einer <a href='http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/09/DePachmann_74304.mp3' title="Chopin Op. 35, No. 2">Klavierfassung.</a><br />
Sie wurde eingespielt durch Vladimir de Pachmann (1848-1933), und zwar eine Schellack-Pressung mit einer Aufnahme aus dem Jahre 1912. <a href="#retour">[&uarr; zurück]</a></p>
<p>(&lowast;) <a name="ovid"></a>Die Schwester führt eine <a href="http://www.gottwein.de/Lat/ov/ovmet01151.php#Lycaon" class="floatbox" rev="width:90% height:90% disableScroll:true showNewWindow:true controlsPos:tr">Passage</a> aus Ovids &#0187;Metamorphosen&#0171; im Munde, nämlich den &#0187;Götterbeschluss, die Menschen auszurotten&#0171; (Buch I, 240-252). <a href="#retour2">[&uarr; zurück]</a></p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schneid ab!</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 08:16:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Beute]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliches Leben]]></category>
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		<category><![CDATA[Wilde Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Schneid rasch die Trossen ab! Dieser Landstrich ist verbraucht Und ganz verpachtet, und die Pächter Reihen sich mit spitzen Fingern auf Am Ufer, und ihr fauliges Gezeter Stinkt schon bis ins Orlopdeck. Und es wird bald höher Steigen: Knochen alter, toter Tiere trägt es Und die ausgeleerten Häute solcher, Die diese Rotte unter glatten Fettgetünchten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/04/hackbeil.jpg" class="floatbox" rev="group:12871 caption:`Theodor de Bry, Kannibale mit Hackbeil`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2011/04/hackbeil-300x286.jpg" alt="" title="Theodor de Bry, Kannibale mit Hackbeil" width="300" height="286" class="rand size-medium wp-image-12872" /></a></p>
<p>Schneid rasch die Trossen ab!<br />
Dieser Landstrich ist verbraucht<br />
Und ganz verpachtet, und die Pächter<br />
Reihen sich mit spitzen Fingern auf<br />
Am Ufer, und ihr fauliges Gezeter<br />
Stinkt schon bis ins Orlopdeck.</p>
<p>Und es wird bald höher Steigen:<br />
Knochen alter, toter Tiere trägt es<br />
Und die ausgeleerten Häute solcher,<br />
Die diese Rotte unter glatten<br />
Fettgetünchten Plastikmasken<br />
Harmlos nannten: und ihr Inhalt</p>
<p>Ziert jetzt deren Dielen. &#8211; Nimm<br />
Also eine Axt und kapp die Trossen;<br />
Vergiss das Haus, das wir uns heimlich<br />
Mit der Hacke stehlen mußten, aus<br />
Ihren weißen Gartenmauern; und vergiß<br />
Den Zwetschgenbaum, den Hund, was du</p>
<p>An Federn dir gesammelt hast:<br />
Ich habe alles schon in Brand gesteckt,<br />
Von uns soll niemand auch nur einen Zettel<br />
Mit drei Punkten darauf finden, nicht von denen,<br />
Von denen niemand  &#8212;. Uns gehört das Meer,<br />
Der Durst, den wir mit Salz uns stillen werden,</p>
<p>Noch drei Tage, und dann tauchen wir<br />
Kielunter nach dem Bild der Sonne,<br />
Das wir am Abend fiebernd<br />
Vor uns finden werden, und<br />
Das uns nichts verstellen wird.<br />
Kielunter &#8211; und dann finden wir</p>
<p>Das schöne Schweben<br />
Bei den Haien.</p>


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