Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Axiome

Eine kurzgefasste Sammlung grundsätzlicher Überzeugungen. – Nicht für jedermann sichtbar.

Das wirkliche, notwendige Thema finden

A) Das wirkliche Thema ist nicht als kostenlos geschenkte Idee zu erwarten. Vielmehr wird man es dort ausgraben müssen, wo die eigenen Wurzeln am schwierigsten verknotet sind.

B) Es hängt zusammen mit dem Gefühl der Unlust, der Furcht, des Unbehagens. Damit vor allem, aber es wird auch eine vom Sensationshaften geklärte Lust einschließen.

C) Es zu finden setzt eine selbst-pychologische Methode voraus: Sich in die Situation der Anfechtung, des Schmerzes hineinbegeben zu können und dort noch so viel Atem zu haben, daß man suchen kann.

D) Anderer Ansatz: Das wirkliche Thema findet sich in dem stillen, unbewegten Bereich der Abwesenheit von Ablenkungen, von willkürlichem Interesse. Es ist diejenige Auseinandersetzung, die man führen muß, um sich selbst wirklich mit einem Inhalt zu füllen, der nicht sofort wieder entweicht.

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Miscellanea technica

Du schreibst selten von Dir. Meistens von einer nicht näher eingegrenzten Allgemeinheit: von irgendeinem man. – Ist der Grund dafür, daß du hoffst, Erkenntnisse zu haben, die über dich hinausgehen? Oder möchtest du auf Abstand halten, was du schreibst?

(Das Persönlichste ist ein Tagebuch. Aber welchen Sinn hat es, Tagebuch zu schreiben? Man schließt sich mit sich selbst in einem bequemen Käfig ein. Das Abenteuer beginnt dort, wo die eigenen Grenzen überschritten werden.)

Du nimmst Wahrnehmungen, bewußt erlebte Augenblicke vor allem als Material, als einen Rohstoff, der verwertet werden soll. In einem Augenblick selbst liegt nicht seine Verwertbarkeit. Das Ziel eines bewußten Lebens ist nicht notwendig die Produktivität. Auch eine rein passive, empfängliche Haltung mag ins Sein bringen, wonach die aus bist. (Und vielleicht ist es gerade diese Haltung?)

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Zur Sprache

Schreiben und sprechen sind unterschiedliche Vollzüge.

Es kann auf unterschiedliche Weise geschrieben werden. Zum Beispiel Aufschreiben oder Umschreiben. (Zwei Begriffe als Gegensatzpaar herausgegriffen. Die Begriffe selbst sind mehr oder weniger beliebig; der Gegensatz jedoch nicht.)

Wer Worte aufschreibt macht etwas haltbar, das schon vorher vorhanden war: Ein abgeschlossener Gedanke wird konserviert.

Bei der Tätigkeit des Umschreibens wird der gemeinte Gegenstand lauernd umkreist. Das Ergebnis des Schreibprozesses ist noch nicht klar, während der Schreibprozess abläuft.

Ein Text, der dadurch entstanden ist, das ein Experimentator das Feld seiner Untersuchung umschreiben hat, enthält selbst immer ein Rätsel. Bei jedem Lesen kann dieses Rätsel eine Mutation unterlaufen; bei jedem Schreiben verändert sich der Text. Überarbeitungen an einem solchen Text sind prekär: dadurch kann das ganze Gefüge auseinanderbrechen und in einen neuen Zustand eintreten.

»…dass Vorstellungen nicht informativ sind, während Wahrnehmungen sehr wohl informativ sind. Und der Grund dafür liegt darin, dass eine Vorstellung nur enthält, was ich selbst in sie hineingelegt habe. So kann ich beispielsweise beschließen, mir einen roten Würfel vorzustellen, und dies dann tun. Die Vorstellung enthält dann genau das, womit ich sie auszustatten beabsichtigt habe. Ich lerne von Vorstellungen nicht mehr als von den Sätzen, die ich niederschreibe; denn in beiden Fällen bringe ich nur meine vorausgehende Intention zum Ausdruck. Doch wenn ich äußere Objekte sehe, werde ich von Informationen überflutet, deren kausaler Ursprung nicht in mir und meinen Intentionen liegt, sondern in einer eigenständigen objektiven Welt, deren Eigenschaften mir eröffnet werden. …. Perzeption ist ein Informationskanal, und Wahrnehmungen sind seine Vehikel.« (Quelle: Colin McGinn, Das geistige Auge. Von der Macht der Vorstellungskraft, Darmstadt 2007, S. 27)

Dagegen aber die Vertreter der Ecriture Automatique: »Versetzen Sie sich in den passivsten oder den rezeptivsten Zustand, dessen Sie fähig sind. Sehen Sie ganz ab von Ihrer Genialität, von Ihren Talenten und denen aller anderen. Machen Sie sich klar, daß die Schriftstellerei einer der kläglichsten Wege ist, die zu allem und jedem führen. Schreiben Sie schnell, ohne vorgefaßtes Thema, schnell genug, um nichts zu behalten, oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen. Der erste Satz wird ganz von allein kommen, denn es stimmt wirklich, daß in jedem Augenblick in unserem Bewußtsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden. (…) Fahren Sie so lange fort, wie Sie Lust haben. Verlassen Sie sich auf die Unerschöpflichkeit des Raunens.« (André Breton: Die Manifeste des Surrealismus [„Manifestes du surréalisme“], Rowohlt, Reinbek 2004)

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  • Kurzum


    »Allein im Walde weilen einzeln einsam wir,
    Gestutzten Stämmen ähnlich im Gehölz:
    Gar mancher neidet mir so glaues Glück,
    Wie Höllengauch dem Himmelgänger giert.«(20. 11. / 14 Uhr)

    Dem Jüngling aber, welcher frühe
    Durch's Beispiel angesteckt, den rechten Pfad verlor,
    Sein unerfahrnes Herz bethören ließ, sein Ohr...(20. 11. / 14 Uhr)

    »Der Silberblick des Himmels läuft mit zertragenen dunkeln Flocken an.« (Jean Paul) (13. 11. / 10 Uhr)

    ...the concomitant of filthy and impure actions, and proceeded to such a degree of voluptousness and sordid uncleanness,(31. 10. / 13 Uhr)

    Kein Gräslein aller Menschen Fleiß
    nicht aus der Erd zu bringen weiß.(31. 10. / 12 Uhr)

    »Ein müssiger Kopf, ist des Teufels Dopf, in welchem er seine Bosheiten kochet, und denselben mit den Begierdammen ümschieret.« (Siegmund von Birken) (30. 10. / 10 Uhr)

    »Auf solche Weiße gebraucht sich des Redens, allein der Pöbel, welcher nichts bässers noch nützlichers, als der Kunstlehre ermanglend, vorbringen, inzwischen aber nit schweigen, kan.« (1. 10. / 14 Uhr)

    »So passionirt er fürs gute und rechte ist, so wirds ihm doch weniger darinne wohl als im unschicklichen«. (Goethe)(4. 9. / 14 Uhr)

    Jedenfalls solange man es nicht versteht, eignet sich das Gotische und Althochdeutsche gut, um Zaubersprüche auszudenken: »aiva ubilin, ubilê birut, akrana ubila, ubilê gidancha.«(22. 8. / 11 Uhr)

    »sie eileten dem schif zu, jetzund wolt ein jeder mit gewalt hinein, Pelorus liesz nicht zu, schlug viel zu boden, sie erwürgeten einander wie die hund.« (Zitiert nach Grimms Wörterbuch) (15. 8. / 10 Uhr)

    »Ists nicht ein wunderding voran,
    Das die Warheit nirgend bleiben kan?«(14. 8. / 14 Uhr)

    »Pfahl / Mörsel / Spiß / Bley / Beil vnd Stangen /
    Rohr / Säge / Flamm / zuschlitzte Wangen /(14. 8. / 14 Uhr)

    »iebaʒ iebaʒ erkandte sie
    in leide unde ouch in pînen,
    daʒ si ein pilgerînen
    in dirre unstêden werlde was.«(2. 8. / 14 Uhr)

    »Die Geschichte aller Religionen und Philosophien lehrt uns, (2. 7. / 11 Uhr)

    »Bob blutet auf Gary beim Rausschleifen« — die poetischen Höhen abendlicher Fernsehunterhaltung. Auf der Mitte des Satzes »Schluß mit Basteln und Werken« wird leider ausgeschaltet. (29. 6. / 20 Uhr)

    »Allein/ wie viel verführt das Jrrlicht schnöder Lüste?
    Nichts ist/ womit ihr Sinn sich zu vergnügen wüste/
    Sie sagen: Jmmer her.   Man gibt/ so viel man hat; ...« Hans Assmann von Abschatz, Poetische Übersetzungen, »Unvergüngung/ aus dem Horatius.« (18. 6. / 14 Uhr)

    er schaut von oben länder hufen gleichen,
    und städte löchern; in den engen reichen (11. 6. / 14 Uhr)

    Grimms Wörterbuch: »einem den leib mittheilen, in fleischlichem sinne:« (11. 6. / 12 Uhr)

    »Wo viel ist, ist der Teufel, wo nix ist, ist er zweimal.« (Sprichwort) (22. 5. / 10 Uhr)

    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

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