Fragmente

Fragment eines Steinkreuzes aus einer Ausgrabung im Kloster von Dacre…oder Fundstücke, die bei Grabungsarbeiten unter der Oberfläche meiner Alltagsgedanken zutagetreten, will ich sammeln. Es hatte mir vorgeschwebt, dabei von ›Axiomen‹ zu reden. Aber wie hätte ich dem Anspruch eines solchen Titels gerecht werden können? Eine maßvolle und ordentliche Aufstellung von Gesetzmäßigkeiten wird es nicht werden – eher noch eine mühselige Arbeit mit Hacke, Spaten, Pinsel und Sieb, bei der ich hoffe,  kleinere und größere Bruchstücke zu finden.

Ein Fisch

Accoleius Lariscolus denarius. Ein Denar mit dem Abbild der Göttin Acca Larentia

Ein sonderbarer Grundbestandteil des Lebens ist – das Schweigen. Daran kann eigentlich kaum ein Zweifel bestehen. Andererseits läßt sich aber nur schwer weiteres sagen als dieser eine, dürre Satz. Schweigen. Wenn man versucht, in das Schweigen einzudringen und an ihm verschiedene Substanzen zu unterscheiden, betritt man schnell den Bereich jener Art von Spekulationen, die einem den Mund verkleben und jedem Zuhörer die Ohren, so daß am Ende nur peinliche Ratlosigkeit übrigbleibt. So ist es mit dem Schweigen – oder auch, wenn man so will, mit der Stille, die ja das außenliegende Produkt von zuviel Schweigen ist.

Vielleicht können wir uns Hilfe von Tacita erhoffen, der Göttin des Schweigens. Man brachte ihr Fische, denen man das Maul zugenäht hatte, als Opfergabe dar. Nur so war überhaupt dem schweigsamen Wesen der Göttin genüge zu tun, die auch den Beinamen ›Muta‹ trug: Tacita Muta, die stumme Schweigende. Die Göttin, die aus eigenem Willen niemals redet, denn sie ist ja die Schweigende; die aber, selbst wenn sie sich äußern wollte – was ganz abwegig ist – es nicht könnte, da sie obendrein noch stumm ist. Ein doppelt stilles, von Grund auf sprachloses Wesen, ein Fisch mit vernähtem Maul. (weiterlesen…)

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  • Richte meine Augen
  • Botschaften, Zeichen, Warnungen (Calvino)
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    • Hintergrundklang

    Botschaften, Zeichen, Warnungen

    Graffiti

    Calvino läßt in einem Roman eine seiner Figuren sagen:

    »Ich gelange zur Überzeugung, daß mir die Welt etwas mitteilen will, durch Botschaften, Zeichen, Warnungen. … An manchen Tagen erscheint mir alles, was ich erblicke, bedeutungsschwanger: voller Botschaften, die zu definieren, in Worte zu fassen und anderen mitzuteilen mir schwerfallen würde, aber die sich mir gerade deswegen als entscheidend darstellen.«

    Wenige Texte kommen mir so regelmäßig bei unterschiedlichen Gelegenheiten in den Sinn, wie diese Passage. Nicht im Wortlaut zwar, sondern in der Form einer symbolisch gewordenen Erinnerung, die ohne Details auskommt. Eine Erinnerung aber, die in ihrer dahingestammelten Form umso mehr Bedeutung an sich gebunden hat. (weiterlesen…)

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  • Die Stille wider uns
  • Zeichen und Wunder
  • Die Anatomie der Qualle
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    Die Stille wider uns

    Die Welt ist aus Stille geformt. Auf den ersten Blick ist das eine nicht besonders einleuchtende Behauptung, insbesondere für Städter, um die es kaum je still ist. Aber es verhält sich doch so. Ebenso, wie der Satz wahr ist, daß wir und alles Leben aus Wasser geformt sind.

    Selbtverständlich kommt es bei der Beziehung des Lebens zum Wasser gerade auf die Stoffe an, die zum Wasser hinzutreten und es in eine bestimmte Form bringen: die Form eines Menschen beispielsweise. Wir brauchen uns meistens nicht darum zu kümmern, daß wir eigentlich nur ein System von chemischen Reaktionen in wässriger Lösung sind, nur selten wird unsere Herkunft aus dem Wasser augenscheinlich, bei einer Geburt zum Beispiel oder wenn einer Schnupfen hat. Aber wir können sogar auf Nahrung für eine lange Zeit verzichten, nur auf Wasser nicht, weil das Wasser in hinsicht auf den Körper eben unser Grundstoff ist. (weiterlesen…)

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