Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Fragmente

Fragment eines Steinkreuzes aus einer Ausgrabung im Kloster von Dacre…oder Fundstücke, die bei Grabungsarbeiten unter der Oberfläche meiner Alltagsgedanken zutagetreten, will ich sammeln. Es hatte mir vorgeschwebt, dabei von ›Axiomen‹ zu reden. Aber wie hätte ich dem Anspruch eines solchen Titels gerecht werden können? Eine maßvolle und ordentliche Aufstellung von Gesetzmäßigkeiten wird es nicht werden – eher noch eine mühselige Arbeit mit Hacke, Spaten, Pinsel und Sieb, bei der ich hoffe,  kleinere und größere Bruchstücke zu finden.

Desiderate

Tomate. Aus: TOMATO CULTURE. A PRACTICAL TREATISE ON THE TOMATO, ITS HISTORY, CHARACTERISTICS, PLANTING, FERTILIZATION, CULTIVATION IN FIELD, GARDEN, AND GREENHOUSE, HARVESTING, PACKING, STORING, MARKETING, INSECT ENEMIES AND DISEASES, WITH METHODS OF CONTROL AND REMEDIES, ETC., ETC.  By WILL W. TRACY, New York 1907

Was ich gerne verstehen würde:

  • Die String-Theorie.
  • Die Differenz zwischen der Schwachen Kraft, der Starken Kraft und der Gravitation — und mehr noch ihren gemeinsamen Ursprung.
  • Den Dissens zwischen Darwin und Lamarck.
  • Den Unterschied zwischen der hinterhältigen Wiederholung der eigenen Angewohnheiten und Nietzsches ewiger Wiederkehr des Gleichen.
  • Das Gefühlswetter und die Aerodynamik der inneren Segelfliegerei.
  • Die Hintergedanken der Evolution, beispielsweise bei der Entwicklung von lithotrophen Organismen.
Veröffentlicht in Fragmente | Getagged , , | Kommentieren

Ein Fisch

Accoleius Lariscolus denarius. Ein Denar mit dem Abbild der Göttin Acca Larentia

Ein sonderbarer Grundbestandteil des Lebens ist – das Schweigen. Daran kann eigentlich kaum ein Zweifel bestehen. Andererseits läßt sich aber nur schwer weiteres sagen als dieser eine, dürre Satz. Schweigen. Wenn man versucht, in das Schweigen einzudringen und an ihm verschiedene Substanzen zu unterscheiden, betritt man schnell den Bereich jener Art von Spekulationen, die einem den Mund verkleben und jedem Zuhörer die Ohren, so daß am Ende nur peinliche Ratlosigkeit übrigbleibt. So ist es mit dem Schweigen – oder auch, wenn man so will, mit der Stille, die ja das außenliegende Produkt von zuviel Schweigen ist.

Vielleicht können wir uns Hilfe von Tacita erhoffen, der Göttin des Schweigens. Man brachte ihr Fische, denen man das Maul zugenäht hatte, als Opfergabe dar. Nur so war überhaupt dem schweigsamen Wesen der Göttin genüge zu tun, die auch den Beinamen ›Muta‹ trug: Tacita Muta, die stumme Schweigende. Die Göttin, die aus eigenem Willen niemals redet, denn sie ist ja die Schweigende; die aber, selbst wenn sie sich äußern wollte – was ganz abwegig ist – es nicht könnte, da sie obendrein noch stumm ist. Ein doppelt stilles, von Grund auf sprachloses Wesen, ein Fisch mit vernähtem Maul. (weiterlesen …)

Veröffentlicht in Fragmente | Getagged , , , | 1 Kommentar

Botschaften, Zeichen, Warnungen

Graffiti

Calvino läßt in einem Roman eine seiner Figuren sagen:

»Ich gelange zur Überzeugung, daß mir die Welt etwas mitteilen will, durch Botschaften, Zeichen, Warnungen. … An manchen Tagen erscheint mir alles, was ich erblicke, bedeutungsschwanger: voller Botschaften, die zu definieren, in Worte zu fassen und anderen mitzuteilen mir schwerfallen würde, aber die sich mir gerade deswegen als entscheidend darstellen.«

Wenige Texte kommen mir so regelmäßig bei unterschiedlichen Gelegenheiten in den Sinn, wie diese Passage. Nicht im Wortlaut zwar, sondern in der Form einer symbolisch gewordenen Erinnerung, die ohne Details auskommt. Eine Erinnerung aber, die in ihrer dahingestammelten Form umso mehr Bedeutung an sich gebunden hat. (weiterlesen …)

Veröffentlicht in Fragmente | Getagged , , , , , , , | Kommentieren
  • Kurzum


    »Allein im Walde weilen einzeln einsam wir,
    Gestutzten Stämmen ähnlich im Gehölz:
    Gar mancher neidet mir so glaues Glück,
    Wie Höllengauch dem Himmelgänger giert.«(20. 11. / 14 Uhr)

    Dem Jüngling aber, welcher frühe
    Durch's Beispiel angesteckt, den rechten Pfad verlor,
    Sein unerfahrnes Herz bethören ließ, sein Ohr...(20. 11. / 14 Uhr)

    »Der Silberblick des Himmels läuft mit zertragenen dunkeln Flocken an.« (Jean Paul) (13. 11. / 10 Uhr)

    ...the concomitant of filthy and impure actions, and proceeded to such a degree of voluptousness and sordid uncleanness,(31. 10. / 13 Uhr)

    Kein Gräslein aller Menschen Fleiß
    nicht aus der Erd zu bringen weiß.(31. 10. / 12 Uhr)

    »Ein müssiger Kopf, ist des Teufels Dopf, in welchem er seine Bosheiten kochet, und denselben mit den Begierdammen ümschieret.« (Siegmund von Birken) (30. 10. / 10 Uhr)

    »Auf solche Weiße gebraucht sich des Redens, allein der Pöbel, welcher nichts bässers noch nützlichers, als der Kunstlehre ermanglend, vorbringen, inzwischen aber nit schweigen, kan.« (1. 10. / 14 Uhr)

    »So passionirt er fürs gute und rechte ist, so wirds ihm doch weniger darinne wohl als im unschicklichen«. (Goethe)(4. 9. / 14 Uhr)

    Jedenfalls solange man es nicht versteht, eignet sich das Gotische und Althochdeutsche gut, um Zaubersprüche auszudenken: »aiva ubilin, ubilê birut, akrana ubila, ubilê gidancha.«(22. 8. / 11 Uhr)

    »sie eileten dem schif zu, jetzund wolt ein jeder mit gewalt hinein, Pelorus liesz nicht zu, schlug viel zu boden, sie erwürgeten einander wie die hund.« (Zitiert nach Grimms Wörterbuch) (15. 8. / 10 Uhr)

    »Ists nicht ein wunderding voran,
    Das die Warheit nirgend bleiben kan?«(14. 8. / 14 Uhr)

    »Pfahl / Mörsel / Spiß / Bley / Beil vnd Stangen /
    Rohr / Säge / Flamm / zuschlitzte Wangen /(14. 8. / 14 Uhr)

    »iebaʒ iebaʒ erkandte sie
    in leide unde ouch in pînen,
    daʒ si ein pilgerînen
    in dirre unstêden werlde was.«(2. 8. / 14 Uhr)

    »Die Geschichte aller Religionen und Philosophien lehrt uns, (2. 7. / 11 Uhr)

    »Bob blutet auf Gary beim Rausschleifen« — die poetischen Höhen abendlicher Fernsehunterhaltung. Auf der Mitte des Satzes »Schluß mit Basteln und Werken« wird leider ausgeschaltet. (29. 6. / 20 Uhr)

    »Allein/ wie viel verführt das Jrrlicht schnöder Lüste?
    Nichts ist/ womit ihr Sinn sich zu vergnügen wüste/
    Sie sagen: Jmmer her.   Man gibt/ so viel man hat; ...« Hans Assmann von Abschatz, Poetische Übersetzungen, »Unvergüngung/ aus dem Horatius.« (18. 6. / 14 Uhr)

    er schaut von oben länder hufen gleichen,
    und städte löchern; in den engen reichen (11. 6. / 14 Uhr)

    Grimms Wörterbuch: »einem den leib mittheilen, in fleischlichem sinne:« (11. 6. / 12 Uhr)

    »Wo viel ist, ist der Teufel, wo nix ist, ist er zweimal.« (Sprichwort) (22. 5. / 10 Uhr)

    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

  • Tags

  • Pressalbum

    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog

  • Rubriken

  • Energiestand

    Das Geräusch des Lastenaufzugs

  • Alles in allem…

    • Texte 1.736
    • Wörter 390.764
    • Rubriken 41
  • Statistischer Schlußstrich

    • in 34 Jahre, 4 Monaten, 6 Tagen, 7 Stunden, 43 Minuten, 37 Sekunden