Ein sonderbarer Grundbestandteil des Lebens ist – das Schweigen. Daran kann eigentlich kaum ein Zweifel bestehen. Andererseits läßt sich aber nur schwer weiteres sagen als dieser eine, dürre Satz. Schweigen. Wenn man versucht, in das Schweigen einzudringen und an ihm verschiedene Substanzen zu unterscheiden, betritt man schnell den Bereich jener Art von Spekulationen, die einem den Mund verkleben und jedem Zuhörer die Ohren, so daß am Ende nur peinliche Ratlosigkeit übrigbleibt. So ist es mit dem Schweigen – oder auch, wenn man so will, mit der Stille, die ja das außenliegende Produkt von zuviel Schweigen ist.
Vielleicht können wir uns Hilfe von Tacita erhoffen, der Göttin des Schweigens. Man brachte ihr Fische, denen man das Maul zugenäht hatte, als Opfergabe dar. Nur so war überhaupt dem schweigsamen Wesen der Göttin genüge zu tun, die auch den Beinamen ›Muta‹ trug: Tacita Muta, die stumme Schweigende. Die Göttin, die aus eigenem Willen niemals redet, denn sie ist ja die Schweigende; die aber, selbst wenn sie sich äußern wollte – was ganz abwegig ist – es nicht könnte, da sie obendrein noch stumm ist. Ein doppelt stilles, von Grund auf sprachloses Wesen, ein Fisch mit vernähtem Maul. (weiterlesen…)





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