Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Mokrys Peripatien

Aus dem Leben eines vielfältig Verwirrten. In Form von Skizzen für ein Schauspiel.

Anker 2709
1 | 23/02/09

Paula Modersohn-Becker: Stillleben mit Goldfischglas, um 1906

Mokry und Gärtner, alte Freunde, die sich fremd geworden sind, in einem Café.

Mokry: Angst ist eine leichte Bitterkeit auf der Zunge. Sie schmeckt eigentlich wie Kaffee. Und wer wollte darauf verzichten?
Gärtner: Mit klarem Wasser lebt es sich gesünder.
Mokry: Aber von Kaffee wird man wach. Was sie da draußen sehen – ich sehe es klarer.
Gärtner: Ach was. Eine eingebildete Wachheit ist das. Und sie, Mokry, sind fahrig geworden. Ihre Hände Zittern von ihrem bitteren Getränk. Sie brauen es maßlos in ihrem verqueren Inneren und halten sich das noch zugute.
Mokry: Seine Vorlieben kann ein Mensch nicht ändern. Und ihr klares Wasser taugt doch höchstens für Goldfische.

Gärtner lächelt ironisch, zahlt und geht. Mokry bleibt alleine zurück, blickt mit nervösem Gesicht aus dem Fenster. Seine Hände sind in andauernder Bewegung.
Eine Frau, die allein am Nachbartisch sitzt, dreht sich nach einer Weile zu Mokry um.

Die Frau: Der Goldfisch ist ausgeschwommen. Und sie sitzen allein im Glas. Das heißt: Ihr Gedanke ist Spiegelverkehrt gewesen.
Mokry: Ach, das ist doch bloß Haarspalterei. Sie sehen doch, daß auch sie nicht an mir vorbeikommen.
Die Frau: So, wie man nicht an einem Unfall vorbeigehen kann, ohne hinzusehen.
Mokry: Das ist so, weil im Unfall die Wahrheit des Lebens zum Ausdruck kommt. Sie sehen in einen ungetrübten Spiegel, wenn sie auf den Unfall starren.
Mokry lehnt sich zurück, um eine Pose satter Selbstgefälligkeit einzunehmen. Er findet allerdings für seine Hände keinen Halt. Die Frau greift schon wieder nach ihrer Zeitung.
Die Frau: Ich vermute, daß es ihnen ganz unmöglich ist, an irgendetwas nahe heranzukommen. Sie befingern alles mit ihren ruhelosen Händen und sofort entgleitet es ihnen.
Mokry: Nähe ist ein bequemer Irrtum.

Die Frau schüttelt den Kopf und setzt ihre Zeitungslektüre fort. Mokry stiert aus dem Fenster und beginnt, auf einem Fingernagel zu kauen.
Ein Kind geht vorbei, bemerkt Mokry im Fenster des Cafés. Das Kind bleibt stehen, starrt Mokry verwundert an. Dann streckt das Kind Mokry die Zunge heraus und geht weiter.
Mokry (hitzig): Was kann ich denn dafür…?
Er blickt sich hecktisch um, niemand ist mehr da. Er schlägt mit flachen Händen auf den Cafétisch, bis alles heruntergestürzt und in Scherben gegangen ist. Bei jedem Schlag schreit Mokry heiser: Was?

Ein würdiger Kellner in schwarzen Hosen und Weste kommt dazu. Mit Besen und Kehrblech fegt er wortlos die Scherben zusammen. Als er fertig ist, steht er ungerührt vor Mokry.

Der Kellner: Sie wollen zahlen?
Mokry (feindselig): Ja, das will ich. Zahlen, zahlen. Was wollte ich eigentlich hier?
Der Kellner: Es gab schon als sie gekommen sind keinen Grund, warum sie hier sein sollten. Das war mir gleich deutlich. Aber unsereins drängt sich nicht auf, der Herr.
Mokry: Was wissen sie schon von Gründen?
Der Kellner: Ich weiß etwas von Gesichtern. Sie haben ein Zechergesicht, der Herr, von einem, der sich aufspielt und jammert. Oder das von einem gezierten Niedergeschlagenen. Nicht schwer zu erkennen. Solche Leute kommen oft und denken sonst etwas von sich. Stecken die Brust heraus und zucken zusammen, wenn die Tür knallt. Das Trinkgeld ist immer schlecht.
Mokry: Und sie haben das Gesicht eines Dackels.
Der Kellner: Verwenden sie keinen Strick.
Mokry: Was?
Der Kellner: Der letzte Gast, der in mir den Dackel erkannt hat, war ein aufgeplusterter, ins unerbittliche geschminkte Feigling, ganz wie sie. Der kam eines Tages mit einer kreisrunden Schürfwunde am Hals. Und hatte dann große Mühe, sie unter einem Seidentuch zu verstecken. Ich meine also, daß ein Strick sehr unpraktisch ist. Verwenden sie für’s erste Tabletten, das wäre passend für sie.
Mokry schweigt und betrachtet seinen abgekauten Fingernagel. Er fährt mit einer Fingerkuppe darüber.
Mokry (hohl): Ich möchte dann also zahlen.
Der Kellner (dienstbar): Sehr wohl!

Anker 2968
2 | 06/03/09

Kremser Schmidt, Der Zahnbrecher (Foto: F. Krestan/Stift Geras)

Mokry begegnet auf einem öffnetlichen Platz Küpperschmidt, einem weitläufigen Bekannten aus früheren Tagen.

Küpperschmidt: Guten Tag Mokry!
Mokry: Oh. Ja, vielleicht.
Küpperschmidt: Ich hoffe, Sie erfreuen sich guter Gesundheit?
Mokry: Gesundheit ist ein lebensferner Zustand.
Küpperschmidt (nach kurzem Schweigen): Das heißt wohl, sie erfreuen sich guter Gesundheit?
Mokry: Was irgendetwas heißen könnte oder auch nicht – das ist keine Frage zwischen ihnen und mir. Ich für meinen Teil war jedenfalls eben noch gesünder als jetzt.
Küpperschmidt (nach erneutem Schweigen, listig): Also sind sie nun weniger lebensfern als vordem? Sie sind dann wohl zu beglückwünschen.
Mokry: Ich denke, es ist eine Unterscheidung zwischen Gesundheit und Gesundheit, Krankheit und Krankheit notwendig. Fieber zum Beispiel ist im Grunde angenehm – Übelkeit ist jedoch nichts anderes als übel. Wenn es auch richtig ist, was sie sagen, oder vielleicht sagen, ohne es eigentlich sagen zu wollen – dennoch bin ich nur im Sinne der letzeren Krankheit jetzt weniger lebensfern als vordem.
Küpperschmidt: Sie reden allerdings eher fiebrig.
Mokry (schroff): Ob ich nun so oder so rede, was geht es denn sie an?
Küpperschmidt (zieht grüßend den Hut): Ich schätze mich glücklich, sagen zu können: Nichts. Guten Tag!
Mokry (wendet sich ab und murmelt bei sich): Gut ist ein Tag nur, wenn es ihm nicht durch schale Wünsche ausgetrieben wird!

Mokry geht weiter. Am Rand des Bürgersteigs steht ein kleiner Junge und pustet Löwenzahnsamen in die Herbstluft. Mokry wird von der Wolke eingschlossen und muß mehrmals zu niesen.
Ein Passant: Gesundheit!
Mokry (in Gedanken): Gesundheit ist ein lebensferner…
Als er sieht, daß der Passant stehengeblieben ist, um das Gespräch aufzunehmen, unterbricht Mokry sich.
Mokry: Herrjeh, vergessen sie es. Bitte.
Der Passant (unbekümmert): Aber nein, aber nein. Wollten sie vielleicht, wenn ich richtig gehört habe, sagen: Gesundheit ist ein lebensferner Zustand. Das habe ich neulich auch gedacht.
Mokry: Sie sollten auf ihr Denken besser achtgeben.
Der Passant: Oh nein! Das kommt mit dem Beruf, wissen sie. Ich bin nämlich Arzt, Dr. Breitner, sehr erfreut.
Breitner streckt Mokry die Hand hin, der sie mißmutig ergreift.
Breitner (interessiert): Wissen sie, daß man gemeinhin das Kranksein so verächtlich ansieht, entspricht dem Menschen nicht.
Mokry: Das ist ihre Sache.
Breitner: Aber ihre doch wohl auch?
Mokry: Ich wende weniger starre Begriffe an.
Breitner (nach kurzer Pause, nachforschend): Dabei scheinen sie gerade unter einem gewissen rigor zu leiden – wenn sie erlauben.
Mokry (abweisend): Ich kann mich nicht erinnern, sie konsultiert zu haben.
Er wendet sich grußlos ab.

Mokry geht weiter und gelangt unversehens auf einen Markt. Er kommt an einem mit bunten Tüchern behangenen Stand vorbei.
Marktschreier: Fehlbinders Blütenessenzen! Verbreiten sie ätherische Leichtigkeit um sich. Erlangen sie höhere Gesundheit mit Fehlbinders Blütenessenzen.
Der Marktschreier wird auf Mokry aufmerksam und tritt ihm in den Weg.
Marktschreier: Oho, der Herr! Nehmen sie sich einen Moment Zeit. Für eine wichtige Entdeckung. Vielleicht für den entscheidenden Durchbruch, der Herr.
Mokry ignoriert ihn. Der Marktschreier faßt ihn aber gespielt freundschaftlich an der Schulter.
Marktschreier: Ich erkenne gleich, womit ich dem werten Herrn behilflich sein kann. Vielleicht darf ich ihnen eine Tinktur aus Bärlapp, Engelwurz und dem Kraut, das nach dem Heiligen Johannes benannt ist, empfehlen? Sie werden sehen, es läßt sie die Weite des Himmels erkennen.
Mokry: Sie sind ein Aufschneider, ein Scharlatan – und der Himmel interessiert mich weitestgehend überhaupt nicht.
Marktschreier: Oh, oh, oh. Der Herr, das sind Symptome, sämtlich sind es Symptome. Ich habe es so vermutet. Alles ist ernstzunehmen für den kundigen Blick, wissen sie. Und ich habe gleich geahnt, daß es sich um sie verhält, wie es sich tatsächlich verhält. Fehlbinders Blütenessenzen könnten sehr hilfreich für sie sein.
Mokry (wütend): Jetzt lassen sie mich endlich, sie Essenzenpanscher! Ich will von ihren Ausdehnungstinkturen nichts wissen.
Der Marktschreier greift Mokry, als der sich vorbeidrängen will, hart am Oberarm. Mokry ist konsterniert und glotzt den Marktschreier an.
Marktschreier: Nein, das kann ich nicht geschehen lassen. Es ist die Pflicht des Heilers, den Kranken vor seinem Unglück zu bewahren. Sie sind das Opfer einer üblen Verdickung der Körpersäfte; einer Anreicherung aromatischer Gifte; einer Gleichgewichtsverschiebung in den kommunizierenden Röhren in ihrem Innern. So ist es, ich kann es deutlich an ihnen ablesen.
Mokry (mit überschlagender Stimme): So lassen sie mich doch!
Er versucht, sich loszureißen. – Ein Polizist kommt dazu.
Polizist: Was geht hier vor?
Mokry: Dem Himmel sei dank! Herr Wachtmeister, retten sie mich. Ich werde festgehalten. Von diesem Sonderling.
Der Polizist wendet sich an den Marktschreier: Aha, Herr Fehlbinder, also wieder ein Uneinsichtiger, ja?
Fehlbinder: Ja, und ein schwerer Fall ganz offenbar. Man kann ihn so nicht herumlaufenlassen.
Polizist: Ich vertraue auf ihr Gespür.
Mokry: Aber…
Der Polizist schneidet Mokry mit einer Geste das Wort ab.
Polizist: Wissen sie, Fehlbinder, ich habe aber doch eine andere Meinung. Ich denke seit einiger Zeit, bei den schwierigeren Erkrankungen muß die Heilung auf freier Einsicht fußen. Sonst ist wenig Aussicht auf Erfolg.
Fehlbinder (der den zappelnden Mokry achtlos am Arm hält): Ich habe auch unter wohlmeindem Zwang schon gute Resultate erzielt.
Polizist: Das will ich nicht unter Abrede stellen. Aber diesen hier (er zeigt auf Mokry) beobachte ich schon eine Weile. Ich habe den begründeten Verdacht, daß die Krankheit sich noch nicht weit genug hervorgearbeitet hat, um einer Behandlung zugänglich zu sein.
Fehlbinder (nachdenklich): Nun, ihre Menschenkenntnis, verehrter Twardowski, kann ich nicht in Abrede stellen. Aber kann man es verantworten, den armen Tropf sich selbst zu überlassen?
Twardowski: Man muß wohl, denke ich, man muß.
Fehlbinder wiegt den Kopf nachdenklich, kratzt sich an der Nase und läßt Mokry dann los, mit bedauerndem, sorgenvollen Gesicht.
Fehlbinder (väterlich): Lassen sie es nicht zu weit kommen, hören sie?
Mokry: Nun – also – was, wie soll – daß sie!

Fehlbinder und Twardowski setzen ihr Gespräch am Marktstand fort und beachten Mokry nicht weiter. – Mokry steht einen Augenblick ratlos da und geht dann gesenkten Hauptes ab.

Anker 2991
3 | 11/03/09

Ein Bild, über dessen nähere Umstände leider nichts zu erfahren war

Mokry sitzt auf einem öffentlichen Platz, auf einer Bank für sich allein. In seinem Rücken ein Brunnen. Er hat sich einen altmodischen Gehstock mit einem silbernen Entenkopf als Knauf zugelegt, den er träumerisch betrachtet. Mokry summt und der Brunnen plätschert. Mokry sieht zufrieden aus.

Mokry (in Kopfstimme singend):
Lautlos die Stille, sie singt
Zum Takt des Tigers der trinkt
Dem Opfer die Tränen vom Angesicht
Bis durch Opferfurcht ein Lächeln bricht:
Bett′, Tiger, mein Herz mir zur Ruh,
Bett′, Tiger, mein Herz mir zur Ruh.

Auf Mokrys Bank schlendern von links und rechts zwei Männer zu. Beide sind weiß gekleidet, muskulös und untersetzt und haben völlig haarlose Köpfe.

Mokry summt weiter und bemerkt die Männer erst, als sie sich zu beiden Seiten neben ihn auf die Bank setzten. Er schreckt aus seinen Träumereien auf und mustert erstaunt, dann feindselig die beiden Männer, Roßfäller und Leimbach, die ihn nur schweigend anlächeln.

Mokry: Was…
Roßfäller: Was wir von ihnen wollen, wollen sie wohl fragen?
Mokry: Das ist…
Leimbach: …eine Frechheit? Eine Unverschämtheit? Die meisten dieser Worte sind ja ohnehin austauschbar.
Roßfäller: Das ist ein interessanter Gedanke.
Leimbach: Ich denke überhaupt, daß es nur eine ganz kleine Zahl eigentlicher, bedeutsamer Wörter gibt.
Roßfäller: Du meinst…
Mokry (hat sich unterdessen einigermaßen gefaßt, zornig): Verschwinden sie von meiner Bank und tauschen sie ihren Unsinn gefälligst anderswo aus!
Leimbach und Roßfäller sind überrascht. Sie mustern Mokry von links und rechts mit erstaunten Mienen.
Roßfäller: Das ist aber sehr unhöflich von ihnen.
Leimbach: Den armen Roßfäller so mitten im Gedanken zu unterbrechen.
Mokry: Jetzt…
Roßfäller (macht Mokrys Tonfall nach): …scheren sie sich zum Teufel?
Leimbach (ebenso): Lassen sie mich in Ruhe?
Roßfäller: Weder das eine noch das andere. – Nicht wahr, Leimbach?
Leimbach: Das wäre verantwortungslos und pflichtvergessen. Wir werden sie in die Mitte nehmen und in Sicherheit bringen.
Mokry: Sie werden sich irgendeinen anderen für ihre Mitte suchen müssen. Und sie können sicher sein, daß ich sie nirgendwohin begleiten werde.
Leimbach: Nun, da haben sie gewissermaßen recht.
Roßfäller: Sie wollen sagen, es sei ein ›Nirgendwo‹, wohin wir ihn bringen?
Leimbach: Warum nicht? Immerhin soll es ja die Insassen von ihrem abträglichen Da-und-dort befreien.
Roßfäller: Leimbach, ein glücklicher Gedanke.
Mokry verliert die Geduld und will kopfschüttelnd aufstehen. – Da wird er von den Männern an den Oberarmen gegriffen und die Arme werden ihm auf den Rücken gedreht.
Roßfäller: Nun, nun, nicht so hastig.
Mokry (panisch): Hilfe! Hilfe!
Leimbach: Sehr richtig.
Es kommt ein Straßenfeger dazu, der sich, auf seinen Besen gestützt, den dreien zugesellt.
Straßenfeger: Hat jemand gerufen?
Mokry: Ja, ja doch, diese Männer…
Leimbach: …halten mich gegen meinen Willen fest? – Das ist ja gerade das Problem.
Mokry: Hilfe!
Straßenfeger: Zu Diensten. Es sieht wirklich so aus, als würde sie einiger Unrat belasten. Aber für derart metaphysische Arbeiten bin ich leider nicht ausgerüstet. Ein bedauerliches Mißverständnis.
Roßfäller: Nur interessehalber: Passiert ihnen soetwas häufiger?
Straßenfeger: Bedauerlicherweise: Ja. Was sie quält würden die Leute gern wie eine angeschmutzte Papiertüte von sich werfen. Aber ich kann nur wenig helfen dabei.
Roßfäller: Dann haben wir einiges Gemein. Selbst wir können nur selten Helfen, jedenfalls nicht so, wie die Mühseligen es sich naiverweise vorstellen.
Leimbach: Aber immerhin können wir erreichen, daß sich die Betreffenden irgendwann selbst kaum noch auffallen, denke ich. – Aber nun müssen wir gehen.
Roßfäller: Guten Tag!
Mokry: Ich will nicht mit!
Leimbach: Das wird sich ändern.

Roßfäller und Leimbach gehen mit dem strampelnden Mokry in der Mitte ab.

Anker 2995
4 | 12/03/09

Michelangelo, Moses (Statue in der Kirche San Pietro in Vincoli)

Mokry wurde zur Behandlung einer psychiatrischen Anstalt zugewiesen. Anstatt des unauffälligen Anzugs, den er gewöhnlich trägt, steckt er nun in eine hellblauer Anstaltskleidung, die wie ein Schlafanzug aussieht. Dazu gehören Latschen, auf die jeweils eine große Nummer, die 32, aufgedruckt ist.

Mokry sitzt auf einem abgewetzten Sessel, der Kopf ist über die Rückenlehne nach hinten gesunken. Er ist nicht bei Bewußtsein. Aus seinem offenstehenden Mund dringt mit jedem Atemzug ein formloses Gurgeln und Schnarchen.
Es stehen noch ein halbes Dutzend andere Sesssel gleich Mokrys unordentlich verstreut im Raum.

Leimbach kommt mit einer Krankenschwester an Mokrys Sessel.
Leimbach: Das ist also Mokry. Eingewiesen nach polizeilichem Ermessen und laut eingehender Beobachtung. Er ist womöglich schwerwiegend.
Schwester (kichernd): Entzückend.
Leimbach: Wir sollten ihn aufwecken.
Schwester: Sofort.
Sie geht zu einem Schrank und kommt mit einem Käfig zurück, in dem eine Ratte sitzt und an einer Mohrrübe nagt. Die Schwester krault die Ratte mit einem Finger, den sie durch die Gitterstäbe gesteckt hat.
Schwester (zur Ratte): Paracelsus, das ist Mo-kry. Dein neuer Patient, Paracelsus. Kannst du ihn aufwecken, bitte?
Die Schwester öffnet die Tür des Käfigs. Die Ratte springt heraus, schießt über den Boden auf Mokry zu und verschwindet in dessen Hosenbein.
Einen Augenblick später wacht Mokry mit einem Schmerzensschrei auf. Er sitzt kerzengerade und faßt an seinen Schenkel. Dann, panische Geräusche ausstoßend, schlägt er mit der Flachen Hand auf Bauch, Brust und Schulter, bis die Ratte aus seinem Kragen springt und sich auf der Armlehne niederläßt. Mokry versucht, aus dem Sessel aufzuspringen, fällt aber kraftlos wieder zurück. Er rückt, stöhnend wie ein Tier, auf die andere Seite des breiten Sessels.
Leimbach: Herzlich willkommen, Mokry!
Mokry schreckt zusammen und starrt Leimbach an.
Leimbach: Es dauert eine Weile, bis das Mittel nachläßt. Dann wird ein anderes zum Einsatz kommen. Seien sie insgesamt unbesorgt.
Leimbach bedeutet der Schwester, weiterzugehen. Beide ab.

Mokry sitzt zitternd und desorientert auf seinem Sessel und starrt die Ratte an. Die Ratte redet quikend auf ihn ein.
Ein alter Mann betritt den Raum. Er hat eine Halbglatze, energisch abstehende Haare, einen umfangreichen Bart. Er trägt den gleichen Schlafanzug wie Mokry, auf seinen Schuhen eine andere Nummer. Er stüzt sich auf Mokrys Gehstock. Er sieht sich um und setzt sich dann auf einen Sessel neben Mokry.

Der Alte sieht Mokry eine Weile schweigend an und kratzt sich am Kopf. Dann, unvermittelt, predigt er mit donnernder Stimme auf Mokry ein.
Der Alte: Belauere, mein Freund, das Tier, das in dir wohnt. Denn sei gewiß: es lauert auf deine Schwäche und braucht nur wenig Schlaf. Wisse, ich habe viele Gesehen, die wurden Opfer.
Mokry ist bei den ersten Worten schreckhaft aufgesprungen; die Arme sind abwehrend erhoben.
Mokry (mit überschlagender Stimme): Hilfe, hilfe!
Der Alte: Wehe, Hilfe ist Fern. Gnädig ist allein der Untergang, er nährt sich an uns. Rufe nicht, fliehe deine Stimme, sie verrät dich. Rufe nicht, denn nur als Stummer wirst du entrinnen.
Der Alte steht auf und geht, schwer auf den Gehstock gestützt, schlurfend auf Mokry zu, der bis an die Wand zurückweicht. Als der Alte dich bei ihm ist, redet er Mokry wieder an, mit ganz veränderter, beiläufig freundlicher Stimme.
Der Alte: Und Mittag gibt es erst um eins.
Mokry wischt sich Schweiß von der Stirn. Schließlich, heiser: Wo bin ich hier?
Der Alte: Auf dem Pfad des Lichts, mein Sohn.
Mokry (ärgerlich): Unsinn.
Mokry erkennt seinen Gehstock und reißt ihn dem Alten aus der Hand.
Mokry: Geben sie her, sie irrer.
Der Alte: Schade, ich hatte die Ente am Ende doch liebgewonnen. Aber sie haben recht, sie ähnelt ihnen sehr.
Mokry: Wie kommen sie zu meinem Gehstock? Sie sind wohl ein Dieb?
Der Alte: Lassen sie das meine Sorge sein – sie haben genug eigene.
Mokry: Irre, es sind bloß Irre hier!
Der Alte (unvermittelt wieder mit Donnerstimme): Den anderen siehst du in die Irre gehen. Doch selbst bist du schon mit dem Dickicht verwachsen. Die Schlingplfanzen nähren sich an deinen Zehen. Wehe über dich! Den, der in die Irre geht, nimm dir zum Vorbild!

Der Alte entreißt Mokry den Gehstock und schlägt ihm mit dem Knauf an die Stirn. Mokry bricht bewußtlos zusammen. Der Alte geht, kopfschüttelnd, ab. Bei Mokry verbleibt die Ratte Paracelsus, die sich ihm auf die Stirne hockt und mit seinen Haaren spielt.

Anker 3109
5 | 17/03/09

Eine historische Zwangsjacke

Mokry liegt bäuchlings in einem aus groben Seilen geknüpften Netz, das zwischen einer Wand und einem zurechtgesägten Baumstamm wie eine große Hängematte über den Boden gespannt ist. Er trägt einen Affenpelz, allerdings ohne die dazugehörige Maske. Mit ihm im Netz kauert eine wie er verkleidete, allerdings zudem maskierte Äffin. Sie ist damit beschäftigt, Mokrys künstlichen Pelz zu lausen. Eine Schaukel, einige auf dem Boden verteilte Äste und Steine, Pappkartons und anderes Affenspielzeug vervollständigen die Einrichtung des Käfigs.

Mokry erwacht aus seiner Ohnmacht. Er stöhnt ein wenig, regt die Glieder, liegt dann wieder still im Netz. Er besinnt sich.

Mokry (zu sich selbst, schwerfällig): Ich trage jedenfalls keinen Schlafanzug. – Ein Seil an meiner Wange, es sticht mich. – Ein Betonfußboden. – Und man zupft an mir, mit spitzen Fingern offenbar.

Mokry stemmt sich hoch und dreht sich zu der Äffin um. Er stößt einen erschreckten Schrei aus.

Die Äffin: Huh?
Mokry faßt sich wieder. Schwer atmend: Lassen sie ihre Finger von mir.
Die Äffin besieht ihre Finger. Sie bewegt sich unsicher auf Mokry zu.
Mokry: Nein!
Die Äffin schreckt zurück.
Mokry: Wo bin ich hier?
Aus einem Lautsprecher kommt die Stimme der Krankenschwester: Das sollten sie selbst am besten wissen.
Mokry dreht sich herum, in die Richtung der Stimme. Das nutzt die Äffin, um mit einigen Sprüngen zu ihm zu gelangen. Sie drückt ihn an sich und krallt sich in Mokrys Brustfell. Mokry windet sich, kann sich aber nicht befreien. Nach einer Weile gibt er seine Abwehr auf und beginnt hysterisch zu lachen.
Stimme der Krankenschwester: Das hätte ich ihnen gar nicht zugetraut!
Mokry verstummt. Die Äffin betastet Mokrys Gesicht, Mokry entwickelt Interesse an ihr.
Stimme der Krankenschwester: Mokry, sie machen schnelle Fortschritte, sehr brav.
Mokry (den ersten Laut nach Affenart kehlig): U-u-und wenn schon. Wa-wa-was geht es sie an?
Die Stimme der Krankenschwester kichert mädchenhaft.
Die Äffin (zärtlich): Ah-uh-uh?
Mokry (unsicher) Nun, also…
Die Äffin (bestärkend): Uh. U-Uh!
Mokry: Aber ich denke, daß… Da-da-daß…
Die Äffin legt fragend den Kopf schief.
Mokry: Also: ich… (Mokry kratzt sich am Kopf, spielt mit seiner Unterlippe.) Also, a-a-a-a-a-also.
Mokry stürzt sich knurrend auf die Äffin, die ihn kehlig aufjubelnd empfängt. Sie rollen sich durch die Matte.
Eine männliche Stimme aus dem Lautsprecher: Ja, Schwester, es scheint sich eine günstige Entwicklung anzubahnen.

Eine Metalltür schwingt mit Quietschen und Knallen auf. Der bärtige Alte kommt hereingestürmt. Er trägt einen Reisigbesen und einen Eimer und ist gekleidet wie ein Tierpfleger.
Der Alte (streng): Schluß da! Hier werden keine Affen gezüchtet.
Mokry und die Äffin unterbrechen ihr Spiel.
Der Alte (droht mit seinem Besen): Auseinander, ihr. Wehe euch, wehe!
Mokry und die Äffin lassen voneinander ab und hocken sich an gegenüberliegende Enden der Hängematte.
Der Alte: Gerade noch rechtzeitig bin ich gekommen. Daß man sich so in seinem Fell verlieren kann.
Kopfschüttelnd macht er sich daran, den Käfigboden zu fegen. Mokry und die Äffin machen ratlose Gesten.
Mokry: A-a-a-a-aber. (Er räuspert sich.) Aber was wollen sie denn, sie Nacktling?
Der Alte (feierlich): Selig ist der Löwe, den der Mensch ißt, und der Löwe wird Mensch.
Mokry: Lassen sie doch bloß die Löwen aus dem Spiel!
Der Alte: Aber abscheulich ist der Mensch, den der Löwe frißt – und der Löwe wird Mensch.
Mokry und die Äffin sind wieder zueinander gekrochen und sehen sich jetzt amüsiert an.
Die Äffin: Uh-hu!
Mokry: Lassen sie uns doch mit ihrer Unverunft in Ruhe! Sie gehen zu aufrecht: Ihr Kopf hat die zugige Luft nicht vertragen.
Der Alte: Ja, so war es immer. Die Gestalten ändern sich, die Affen bleiben dieselben.
Mokry klettert auf allen vieren zum Rand des Netzes und springt herunter. Er kauert auf Händen und Füßen vor dem Alten und fletscht die Zähne.
Mokry: Ihr Geräde ist unerträglich. Und es ist auch ganz unnötig, daß sie saubermachen. Hinaus also!
Mokry stellt sich auf die Hinterbeine und trommelt etwas ungeschickt auf seine Brust.
Der Alte (unbeeindruckt): Ihr künstlicher Pelz dämft das Geräusch.
Mokry: Und aus dem bißchen Pelz, das ihnen am Kinn geblieben ist, kommt nur Gestammel.
Die männliche Stimme: Unterlassen sie unverzüglich ihre Einmischungen.
Der Alte (flüsternd): Da haben sie es. Ihre störrische Klügelei. Jetzt ist es zu spät.
Der Alte steckt Mokry einen Apfel zu, den Mokry sich kurz besieht um ihn dann unter seinen künstlichen Pelz zu stecken.
Der Alte (im alltäglichen Ton): So, jetzt sei ein guter Junge und geh wieder spielen. Sonst macht man aus deinen Füßen Aschenbecher.

Die Metalltür schwingt erneut quietschend und knallend auf. Roßfäller und Leimbach treten ein. Roßfäller trägt ein Bündel unter dem Arm.
Leimbach (gespielt freundlich): Na, na, Herr Zagler. Sie haben hier eigentlich keinen Zutritt.
Roßfäller: Und sehen sie nur, wie sie den guten Mokry und sein Weibchen verunsichert haben.
Mokry ist inzwischen wieder zu der Äffin in das Netz geklettert. Beide halten sich umschlungen. Die Äffin streckt dem Alten die Zunge heraus.
Der Alte: Eklytos.
Leimbach: Wie bitte?
Der Alte: Wie ich ihnen schon sagte, heiße ich Eklytos.
Leimbach: Ach ja. Aber das ist ja nun eine Nebensache, Herr Zagler.
Roßfäller: Wenn sie uns also bitte hinausbegleiten würden?
Zagler (nach seiner Gewohnheit donnernd): Ihr, die ihr blind seid und die Blinden führt, werdet in den Graben fallen und die Schlangen werden sich an eurer Brust nähren. Und siehe, der Tag ist schon da, und es wird…
Mokry und die Äffin springen im Netz auf und ab und stoßen Schreie aus.
Leimbach holt aus seiner Tasche ein Glöckchen hervor und klingelt damit. Alle verstummen.
Leimbach: Ein sicheres Mittel.
Roßfäller: Wenn sie nun bitte die Arme ausstrecken würden, Herr Zagler.
Zagler (wieder im Plauderton):  Oh, wie bitte? Ja, natürlich.
Er streckt die Arme nach vorne und Roßfäller legt ihm die Zwangsjacke an, die er unter dem Arm getragen hatte.
Leimbach (beiläufig): Roßfäller?
Roßfäller: Ja?
Leimbach: Wo waren wir stehengeblieben?
Roßfäller arbeitet weiter, wendet sich aber Leimbach zu.
Roßfäller (zitierend): Es sei der in Frage stehende Begriff dadurch bestimmt, daß er das in allen denkbaren Welten wahre meine. – Soweit waren wir gekommen.
Leimbach: Ach ja.
Zagler: Sie leiden offensichtlich unter einer Zwangsneurose. Sie sollten das behandeln lassen.
Leimbach: Ach ja.
Roßfäller: So, Herr Zagler, jetzt sind sie fertig angekleidet. Nach ihnen.
Er stößt Zagler grob in Richtung der Tür. Zagler geht mit schlurfenden Schritten.
Zagler (singt leise):
Der Fluß fließt sehr trübe
Der Fisch frißt das seine,
Es ist eine Scheibe,
Die Erde, die Schwere
Die Sonne ist müde
Der Blick geht ins Leere
Was dann wohl wäre,
Was dann wohl wäre?
Leimbach (beim gehen, zu Mokry): Entschuldigen sie die Störung. Ich wünsche ihnen angenehmen Aufenthalt.
Die Äffin: U-u-u. A-a-a-a.

Anker 3640
6 | 19/05/09

Kugel in chromatischer Aberration (Jens Garstka/webart-factory.de)

Mokry und seine äffische Gefährtin sitzen einträchtig in ihrem Netz. Mokry dreht verstohlen den Apfel zwischen seinen Fingern, den der Alte ihm zugesteckt hat. Die verkleidete Äffin spielt mit einem verknoteten Seil. Unerwartet bricht sie die Stille, indem sie zum ersten Mal in Mokrys Gegenwart spricht.

Die Äffin (gelehrig): Zufriedenheit ist nur eine Frage der Willensanstrengung.
Mokry zuckt zusammen. Der Apfel springt ihm aus der Hand und landet im Stroh, daß unter dem Netz auf den Käfigboden gestreut ist.
Mokry (überrascht): Was? Was war das?
Die Äffin bekommt einen Hustenanfall, weil sie das Sprechen nicht mehr gewohnt ist.
Mokry: Du! Du hast was gesagt!
Die Äffin (atemlos): Zufriedenheit…
Mokry (mißtrauisch): Wer hat dir das Sprechen beigebracht?
Die Äffin lacht.
Mokry: Rede! Was willst du mit der Sprache?
Die Äffin (neckisch): Willst du sie für dich alleine haben?
Mokry: Laß die Sophismen. Es gibt hier nichts zu sagen.
Die Äffin hangelt sich aus dem Netz und wühlt im Stroh nach dem Apfel, den Mokry verloren hat. Allerdings nur sehr beiläufig.
Mokry: Insistiere nicht so dickköpfig auf dein Schweigen. Ich will wissen, woher du die Worte hast. Ich habe sie gehört, du kannst es nicht leugnen.
Die Äffin: So? Was hast du gehört?
Mokry: Das tut nichts zur Sache.
Die Äffin (langsam und überdeutlich): Wil-lens-an-streng-ung.
Mokry überlegt; dann sehr bestimmt: Mein Wille ist frei, niemand nötigt mir eine Anstrengung auf.
Die Äffin: Dein Kopf ist zu wenig behaart. Deine Gedanken haben sich erkältet.
Mokry: Und was soll das Gefasel von irgendeiner Zufriedenheit. Eine leere Hülse ist das. Aber das weißt du natürlich nicht. Du redest, wie du mit glitzernden Scherben spielen würdest.
Die Äffin hat den Apfel gefunden und hält ihn triumphierend hoch. Mokry klettert aus dem Netz, läuft auf allen Vieren zur Äffin und grapscht nach dem Apfel.
Mokry: Er gehört mir!
Die Äffin: Na und!
Mokry (beleidigt): Dann behalt ihn! Er ist sowieso völlig unnütz.
Mokry erhebt sich mühsam auf die Füße. Er hält sich den schmerzenden Rücken. Dann geht er schwerfällig zur Käfigtür aus Stahlblech. Er schlägt mit den Fäusten dagegen.
Mokry: Macht auf! Ich habe genug! Zieht mir den Pelz aus! Man darf mich hier nicht einsperren!
Die Äffin spielt mit dem Apfel und lacht Mokry aus.
Die Äffin: Die Tür war noch nie besonders gesprächig.
Mokry: Du halt den Mund!
Die Äffin: Oho. Willst die Sprache für dich? Um leblose Gegenstände anzuschreien? Um haltlose Forderungen aufzustellen?
Mokry: Laß mich zufrieden mit deinem Gerede.
Die Äffin: Du bist es, der große Worte macht.
Mokry: Zu groß für dich.
Die Äffin: Du verstehst die einfachen Dinge nicht und maskierst dich mit den kompliziertesten.
Mokry: Ruhe jetzt.
Er wendet sich wieder der Tür zu und schlägt darauf ein. Nichts geschieht. Da hockt Mokry sich an der Tür auf den Boden und schluchzt kindisch. Die Äffin läuft auf allen Vieren zu ihm.
Die Äffin: Na, na, mein kleiner. Lassen wir das. Du gerätst nur in Verwirrung.
Mokry: Ich will, ich will…
Die Äffin beginnt Mokry zu lausen.
Die Äffin (tröstend): Uh, uh, uh!
Mokry: Ich…
Die Äffin: Schhh…

Mokry läßt sich seitwärts in das Stroh fallen und schläft ein. Die Äffin kramt den Apfel hervor, betrachtet ihn eine Weile und legt ihn dann Mokry in seine geöffnete Hand. Im Schlaf drückt Mokry den Apfel zärtlich an seine Brust.