
Mokry träumt. Er steht auf einer leeren Bühne vorne an der Rampe. Über seinem Affenkostüm trägt Mokry einen gestreiften Schlafanzug. Die Affenmaske fehlt nach wie vor. Aber Mokry hat seine Augen nun mit einer geblümten Schlafbrille bedeckt.
Mokry deklamiert schlafwandlerisch: Erstens. Die Welt ist alles, was der Fall ist.
Eklytos betritt die Bühne. Er trägt einen dunkelgrauen Arbeitskittel und zieht einen Reinigungswagen hinter sich her. Er beginnt, die Bühne zu fegen.
Mokry: Zweitens. Das logische Bild der Tatsache ist der Gedanke.
Eklytos (bei sich): Nur daß die Tat meistens recht mager ausfällt.
Mokry: Drittens. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.
Eklytos weist mit einem Kehrbesen, den er gerade aus seinem Wagen gekramt hatte, triumphierend auf Mokry.
Eklytos: Aha! Da haben wir es ja. Und man ›muß‹ nicht nur. Nein, man sollte. Und man sollte auch wollen!
Mokry (nimmt keine Notiz von Eklytos): Daraus folgt: Worüber man nicht schweigt, davon kann man auch sprechen.
Eklytos: Wenn sie träumen, werden die Leute unordentlich. Tagsüber grunzt und knurrt er wie ein anständiger Primat und jagt die Läuse in seinem Fell. Aber sobald er die Augen geschlossen hat, faselt er von Logik.
Mokry (weiterhin deklamierend an der Rampe): Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der Elementarsätze. Der Elementarsatz ist eine Wahrheitsfunktion seiner selbst.
Eklytos hat unterdessen weitergefegt. Jetzt wirft er ärgerlich seinen Besen von sich.
Eklytos: He! Heda!
Mokry: Pe überstrichen Komma Ksi überstrichen Komma En in Klammern Ksi überstrichen.
Eklytos (erbost): Jetzt wird er vermessen! Das lasse ich mir nicht länger bieten.
Eklytos geht entschlossenen Schrittes zu seinem Reinigungswagen zurück. Er holt ein Kehrblech hervor und dann stracks zu Mokry.
Mokry: Alle Sätze lassen sich durch wiederholte Anwendung der Wahrheitsfunktion – nämlich: höchstens eins, nicht beides – auf die Elementarsätze darstellen.
Eklytos (laut): Jetzt reicht mir dieser Unsinn aber!
Er versetzt Mokry mit dem Kehrblech einen Hieb auf den Hinterkopf. Der macht einen Satz nach vorne und stürzt in den Bühnengraben.
Eklytos: Ha! Das hast du nun davon. Mir ist schwindlig von deinem Gerede – und du liegst auf der Nase!
Mokry klettert schnaufend und fluchend mühselig wieder auf die Bühne. Als er sich aufrappelt, ist ihm die Schlafbrille auf das Kinn gerutscht. Als er Eklytos erkennt, droht er ihm mit dem Zeigefinger.
Mokry: Sie! Sie schon wieder. Sie aufdringlicher, bärtiger Kauz. Lassen sie mich in Frieden! Ich schlafe.
Eklytos: Trotzdem ist ihr Gefasel nicht zu ertragen.
Mokry: Was meinen sie?
Eklytos (ahmt Mokrys Tonfall nach): Das logische Bild der Tatsache ist der Gedanke. Unsinn! Schweigen sollten sie allerdings. Das ist der einzige wahre Satz in ihrem Vortrag gewesen, sie Phrasendrescher.
Mokry (drohend): Ach so ist das. Zwischen ihnen und mir verläuft der Schäffer’sche Strich, mein Lieber!
Er unterstreicht seine Worte, indem er sich umständlich von der Schlafbrille befreit und sie dann energisch auf den Boden wirft.
Eklytos: Es ist mir lieber, wenn sie auf ihre Brust trommeln. Das ist immerhin allgemeinverständlich.
Mokry: Sie haben doch keine Ahnung! Es gibt Sätze und es gibt Gedanken. Und sie sind entweder wahr oder falsch. Wollen sie das bestreiten?
Eklytos (hinterhältig): Was sollte man daran in Frage stellen können?
Mokry (unsicher) Na also, da haben wir’s.
Eklytos: Ja, da haben wir es.
Mokry: Und sie werden doch wohl nicht bestreiten, daß alles darauf ankommt, die wahren Sätze zu finden.
Eklytos: Sie meinen so, wie ein vollwertiger Affe mit seinem Finger in einem Termitenbau nach dessen Bewohnern stochern würde?
Mokry: Wollen sie mir unterstellen…
Eklytos: Und wenn er sich mit seinem Finger lange genug abgemüht hat, kommt er darauf, ein Stöckchen zu benutzen.
Mokry: Was wollen sie damit sagen?
Eklytos: Nichts, der Herr, nichts.
Mokry: Jetzt reden sie schon.
Eklytos: Schweigen soll man, wenn andernfalls nur Gerede entsteht.
Mokry: Sie reden allerdings wirr.
Eklytos: Was ich ihnen vermitteln will…
Mokry: Ja?
Eklytos holt mit dem Kehrblech aus und schlägt Mokry geräuschvoll vor die Stirn. Mokry schreit erschreckt auf und weicht zurück.
Mokry (außer sich): Was soll das, sie irrer. Wenn ich sie…
Mokry stürzt sich auf Eklytos, der elegant ausweicht. Mokry verfolgt Eklytos und beide umkreisen sich eine Weile wie Boxer im Ring. Dann baut Mokry sich breitbeinig auf und trommelt nach Affenmanier auf seine Brust.
Eklytos: Na endlich! Sie finden zu ihrer alten Form zurück.
Mokry reißt sich zusammen. Verwirrt: Aber?
Eklytos: Je wortkarger sie werden, desto mehr kann man mit ihnen anfangen.
Mokry: Sie wollen mich in die düstere Sprachlosigkeit zurückschleudern, sie Teufel.
Eklytos: Die Sprache kommt ihnen jedenfalls nur dazwischen.
Mokry (rezitativ): Der Gedanke ist das Bild der Tatsache. – Und von ihnen kann man nur sagen, daß sie nicht im Bilde sind.
Eklytos tritt dicht an Mokry heran.
Eklytos: Halten sie sich an die Tatsachen und faseln sie nicht von irgendwelchen Bildern. Sie produzieren doch nur Kitsch.
Mokry: Was?
Eklytos: Wenn sie zu ihrem Fell stehen könnten, würden sie nicht so eine alberne Figur abgeben.
Mokry blickt an sich herab. Entrüstet: Das ist doch wohl…
Eklytos: Wissen sie, was der Fall ist?
Mokry (herausfordernd): Nun?
Eklytos holt mit seinem Kehrblech aus und schlägt es Mokry noch einmal scheppernd auf den Kopf. Mokry sinkt bewußtlos zusammen.
Eklytos: Das.
Eklytos geht zu seinem Wagen, verstaut das Kehrblech, nimmt den Besen wieder an sich und setzt seine Arbeit fort.
Eklytos (beiläufig): Ob eine geträumte Bewußtlosigkeit wohl als logischer Widerspruch zu gelten hat?







