Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Stilübungen

…hat Raymond Queneau einen schmalen Band mit kurzen Texten betitelt. Es wird immer dieselbe, alltägliche Begebenheit erzählt. Verändert wird in jedem Kurztext die Erzählperspektive und eben der Stil. Ich nehme das Vorbild auf und übe öffentlich.

Arbeit

Und im großen Buch, von vierflügliegen Göttern umschwirrt, verfasst von drei drußkranken Alten, im Buch, das alle Welten von Anbeginn enthält, laß ich im Traume, und es waren dort angeführt: endlose Kolonnen von Nebensächlichkeiten, die Inventarnummern sinnloser Stunden, hektographierte Notate dessen, was sich irgendein sterbender Stern in seinem Todesfieber zusammengereimt hatte und was bis zur dreiundsiebzigsten Stelle nach dem Komma genau überliefert wurde: damit es irgendwann einmal einen Moment der Zukunft bestimmen könne, am letzten Ende eines öden Feldes, dort, wo nur die Schnecken vertrocknen und sonst gar nichts geschieht; es war der Takt und das Metrum vorgeschrieben für das äonenübergreifende Dahintropfen von Zeitqanten, wie immer sie im einzelnen, im Großen oder Kleinen, gemessen werden: der Takt einer Bewegung, der nichts ändert und von nichts verändert wird. Ich sah wie ein Drucker dem Buch neue Seiten hinzudruckte, schwitzend und zähneknirschend, und wie die drei Alten ihm immer neue Manuskriptseiten auf sein Pult legten und wie dieser Drucker mager war und seine Gestalt sich ausnahm wie Orakelknöchelchen in einem erstaunlich trockenen Lederbeutel. Das, das ist, wozu am Ende das Leben sich immer wieder selbst erschafft: Um im Getriebe der Zeit sich mitzudrehen, schrudig zu werden, leer und irre: bis es zwischen zwei Zahnrädern zermahlen werde zu neuem Schmierstoff.

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Sprchtlchnphysk // Sprachteilchenphysik

Ohne Verben

Ein Mann hungernd. Er aufgebrochen und jetzt bei Schlachterei. In Schlachterei Frau im Cocktailkleid. Für ihn Staunen. Frage nach Aufschnitt von der Kalbszunge, Gedanken über Frau. Mit einem Paket nach Hause zur Sättigung.

Ohne Substantive

hungrig sucht etwas zum essen nach aufstehen. hungrig geht und kommt dorthin, wo man schlachtet. findet dort, wo geschlachtet wird eine, die schlachtet und sich nicht gekleidet hat dazu. trägt vielmehr was man trägt wenn man abends ausgeht. hungrig steht und wundert sich. fragt nach dem, womit gesprochen wird, daß es aufgeschnitten wird zum sättigen. wundert sich dabei und nimmt von falsch gekleideter mit aufgeschnitten womit man spricht.

Ohne Präpositionen

Ein Mann geht. Er kommt an. Es ist eine Schlachterei. Er will Zungenaufschnitt kaufen, denn er will frühstücken. Er sieht eine Frau. Die Frau trägt ein schwarzes Kleid, keinen grünen Kittel und auch keine Plastikstiefel. Der Mann wundert sich.

Ohne Konjunktionen

Ein Mann geht. Er kommt zum Schlachter. Er bestellt Zungenwurst. Er wundert sich über eine Frau, die das Messer in der Hand hat. Sie ist keine Schlachterin. Sie ist eine Ballbesucherin, der Kleidung nach. Sie schneidet ihm die Zunge, ganz wie eine Schlachterin. Er geht zufrieden.

Ohne Vokale

n mnn wll ws zm frhstck hbn. r ght zm schlchtr. ls r grd bstlln wll, wndrt r sch shr. dnn d stht ncht dr dck schlchtr, dn r rwrtt htt, sndrn n jng fr. schnr ls zngnwrst snd hr schltrn, hnd nd hr mnd. br r bkmmt nr zngnwrst. blß hchzrt zngnwrst s wdrkrs mnd.  Ein Mann will was zum Frühstück haben. Er geht zum Schlachter. Als er grade bestellen will, wundert er sich sehr. Denn da steht nicht der dicke Schlachter, den er erwartet hatte, sondern eine junge Frau. Schöner als Zungenwurst sind ihre Schultern, Hände und ihr Mund. Aber er bekommt nur Zungenwurst. Bloß hauchzarte Zungenwurst aus Wiederkäuers Mund.

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Biblisch

1Und es geschah zu dieser Zeit, daß Samson sich erhob. Es war aber früh am Morgen und sein verlangen war groß, seinen Hunger zu stillen, denn in der Nacht war er hart versucht worden. 2Und Samson sprach bei sich: Was hindert’s, daß ich mich erhebe und gehe und suche, meinem Leib sein Bedürfen zu geben? Und er erhob sich und ging. 3Es lag am Wege eine Stätte, die nannten sie: Teilershütte. Denn hier teilte einer die Tiere und bereitete daraus allerlei Speisen. Und Samson freute sich sehr.
4Der da Wohnte, dessen Name war Bar-Tholmai, und er war beliebt bei allen Leuten. Bar-Tholmai hatte aber eine Tochter, die war schön von Gestalt. Und man nannte sie: Noomi (das heißt verdeutscht: die Liebliche).
5Als aber Samson sah, wie Noomi einem Kalb die Zunge herausschnitt, da griff er sich an die Brust und begehrte die Noomi zur Frau. Er sprach zu sich: Ich will ihr nahen und sehen, wie schön sie ist. 6Als aber Samson vor Noomi stand, da entbrannte auch Noomi für Samson. Sie gab ihm die Kalbesszunge, die sie gerade geschnitten hatte und sprach: Nimm dies zum Zeichen, daß ich mich dir verloben will. 7Samson aber und Noomi planten miteinander, wie sie den Bart-Tholmai überreden könnten, daß er Samson seine Tochter zur Frau gebe. Denn sie liebten sich sehr.

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  • Kurzum


    »Allein im Walde weilen einzeln einsam wir,
    Gestutzten Stämmen ähnlich im Gehölz:
    Gar mancher neidet mir so glaues Glück,
    Wie Höllengauch dem Himmelgänger giert.«(20. 11. / 14 Uhr)

    Dem Jüngling aber, welcher frühe
    Durch's Beispiel angesteckt, den rechten Pfad verlor,
    Sein unerfahrnes Herz bethören ließ, sein Ohr...(20. 11. / 14 Uhr)

    »Der Silberblick des Himmels läuft mit zertragenen dunkeln Flocken an.« (Jean Paul) (13. 11. / 10 Uhr)

    ...the concomitant of filthy and impure actions, and proceeded to such a degree of voluptousness and sordid uncleanness,(31. 10. / 13 Uhr)

    Kein Gräslein aller Menschen Fleiß
    nicht aus der Erd zu bringen weiß.(31. 10. / 12 Uhr)

    »Ein müssiger Kopf, ist des Teufels Dopf, in welchem er seine Bosheiten kochet, und denselben mit den Begierdammen ümschieret.« (Siegmund von Birken) (30. 10. / 10 Uhr)

    »Auf solche Weiße gebraucht sich des Redens, allein der Pöbel, welcher nichts bässers noch nützlichers, als der Kunstlehre ermanglend, vorbringen, inzwischen aber nit schweigen, kan.« (1. 10. / 14 Uhr)

    »So passionirt er fürs gute und rechte ist, so wirds ihm doch weniger darinne wohl als im unschicklichen«. (Goethe)(4. 9. / 14 Uhr)

    Jedenfalls solange man es nicht versteht, eignet sich das Gotische und Althochdeutsche gut, um Zaubersprüche auszudenken: »aiva ubilin, ubilê birut, akrana ubila, ubilê gidancha.«(22. 8. / 11 Uhr)

    »sie eileten dem schif zu, jetzund wolt ein jeder mit gewalt hinein, Pelorus liesz nicht zu, schlug viel zu boden, sie erwürgeten einander wie die hund.« (Zitiert nach Grimms Wörterbuch) (15. 8. / 10 Uhr)

    »Ists nicht ein wunderding voran,
    Das die Warheit nirgend bleiben kan?«(14. 8. / 14 Uhr)

    »Pfahl / Mörsel / Spiß / Bley / Beil vnd Stangen /
    Rohr / Säge / Flamm / zuschlitzte Wangen /(14. 8. / 14 Uhr)

    »iebaʒ iebaʒ erkandte sie
    in leide unde ouch in pînen,
    daʒ si ein pilgerînen
    in dirre unstêden werlde was.«(2. 8. / 14 Uhr)

    »Die Geschichte aller Religionen und Philosophien lehrt uns, (2. 7. / 11 Uhr)

    »Bob blutet auf Gary beim Rausschleifen« — die poetischen Höhen abendlicher Fernsehunterhaltung. Auf der Mitte des Satzes »Schluß mit Basteln und Werken« wird leider ausgeschaltet. (29. 6. / 20 Uhr)

    »Allein/ wie viel verführt das Jrrlicht schnöder Lüste?
    Nichts ist/ womit ihr Sinn sich zu vergnügen wüste/
    Sie sagen: Jmmer her.   Man gibt/ so viel man hat; ...« Hans Assmann von Abschatz, Poetische Übersetzungen, »Unvergüngung/ aus dem Horatius.« (18. 6. / 14 Uhr)

    er schaut von oben länder hufen gleichen,
    und städte löchern; in den engen reichen (11. 6. / 14 Uhr)

    Grimms Wörterbuch: »einem den leib mittheilen, in fleischlichem sinne:« (11. 6. / 12 Uhr)

    »Wo viel ist, ist der Teufel, wo nix ist, ist er zweimal.« (Sprichwort) (22. 5. / 10 Uhr)

    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

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