Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Theatralisch


Verkaufsraum einer Schlachterei. Boden und Wände sind gekachelt Es hängen Würste an den Wänden, in einem Regal steht Teewurst und Senf. Das hintere Drittel des Raumes ist durch einen Kühltresen abgeteilt, in dem Fleischstücke ausliegen, an einem Ende steht eine Kasse. An der Rückwand hinter dem Tresen eine stählerne Arbeitsfläche. Hinter dem Tresen liegt rechts ein Durchgang, der in den Schlachtraum führt. Im Vordergrund links der Eingang zur Schlachterei, durch den ein Mann im Trenchcoat eintritt.

Der Verkaufsraum ist leer. Man hört von den hinteren Räumen eine Frauenstimme, die vergnügt trällert.

Mann (geht zögernd in Richtung Tresen, lauscht): Entschuldigung?

Die Frau trällert unverändert weiter.

Der Mann kratzt sich unentschlossen am Kopf. Er steckt die Hand in eine Tasche seines Trenchcoats und wühlt eine weile darin. Er zieht schließlich ein rosafarbenes Stoffschwein hervor und hält es sich vor das Gesicht.

Mann (zum Schwein): Sie hört mich nicht, Oswald. (Lauscht. In den Raum:) Hallo, entschuldigung? (Wieder zum Schwein:) Nichts. Scheint aber ein fröhlicher Ort zu sein, hier.

Durch leichten Druck auf das Schwein kann der Mann quietschende Töne hervorbringen. Schwein (zustimmend): Quiik.

Aus dem Durchgang hinter dem Tresen taucht plötzlich die trällernde Frau auf. Sie trägt ein knappes, figurbetontes Cocktailkleid. In der Hand hält sie ein Messer. Sie dreht hinter dem Tresen Pirouetten, hat dabei das Messer hoch über den Kopf erhoben.

Frau (singend): Warm ist das Blut,
heiß ist das Sterben
Und bald singt die Säge,
Es soll nichts verderben
In Kehlen und Mägen
Schneide ich Klüften
Ja, das ist mein Leben
Und so lebt sich’s gut!

Sie hält inne, entdeckt den Mann und verstummt. Sie blickt ihn eindringlich-forschend an.

Mann (unsicher): Gibt es hier Fleisch?

Die Frau kiechert. Dann beschwörend: Filet aus dem Nacken und Steak aus der Schulter, Tafelspitz und auch Tartar, Herz für die Pfanne, Lunge haschiert, Wurst deren Pelle den Inhalt kaschiert.

Schwein (ängstlich): Qw-qw-quik.

Frau (blickt interessiert auf das Schwein): Aha.

Mann (unsicher): Ich hätte, ich würde, ich bitte…

Frau: Ich sehe, sie brauchen noch Zeit. (Geht nach hinten, im gehen:) Zeit, ein wenig noch. Und dann zum Schluß besonders lieb, besonders teuer.

Mann (zum Schwein): Was wollte ich haben? Wohin ist der Fleischer verschwunden, der hier sonst am Tresen stand? Diese Frau bringt mich ganz durcheinander. Was will sie. Was tut sie. Und was wollte ich haben?

Schwein (eindringlich): Quieek.

Mann (ungeduldig): Nein, ich brauche etwas für’s Frühstück. Dir wird schon nichts passieren. Soll ich denn mein Brot nur mit Butter essen? (Hat das Regal entdeckt.) Vielleicht Teewurst, ich könnte das Geld auf den Tresen. Und dann schnell hier raus – –

Die Frau kommt zurück, energisch ausschreitend. Ihre Arme sind bis zu den Schultern blutverschmiert, auch im Gesicht sind Spritzer. Sie trägt jetzt hohe, weiße Gummistiefel, an denen Blut klebt.

Frau (beschwörend): Rippen knacken, wenn sie springen und ins dunkel fällt das Licht. Aus der Höhle grab das Herze, grab es aus und mach es frei!

Mit einem Herz in der Hand entdeckt sie den Mann.

Frau: Ach, da sind sie ja noch. Was wollen sie haben? Heraus mit der Sprache!

Mann: Ich, ach, also. (In seiner Hand zittert quietschend das Schwein.) Ich, Corne-Koch-Räucher… (Die Frau macht anstalten, hinter dem Tresen hervorzukommen.) Roast-Roß-Ziege-Zunge! Zungenwurst! Ich will unbedingt Zunge! Aufschnitt. Ja! Scheiden sie, schneiden sie eine Zunge. Schneiden sie Scheiben ab, zarte Scheiben. Das will ich!

Frau (sehr freundlich): Gern, der Herr.

Sie greift in die Theke, wendet dem Mann den Rücken zu und man hört, wie sie mit dem Messer hantiert.

Das Schwein macht sehr aufgeregte Geräusche.

Mann (zum Schwein): Jetzt gib Ruhe! Ruhe sag ich! Hab dich nicht so. Ich bekomme jetzt Zunge, Zunge habe ich noch nie gegessen. Jetzt werde ich sehen, wie Zunge auf der Zunge zergeht. (Er lacht schallend – die Frau stimmt mit ein.)

Die Frau ist fertig und hat den Aufschnitt schon eingepackt.

Frau (gezuckert): Also, der Herr, ihre Zunge, bittesehr!

Sie geht zur Kasse und beugt sich aufreizend etwas vor.

Mann: Ja, danke, dankesehr. Wissen sie, es ist das erste mal, das erste mal, daß ich Zunge – –

Frau: Das geht jedem so. Es wird ihnen gefallen. Das kann ich ihnen versprechen, oh ja.

Mann: Nun gut. Also was kann ich ihnen geben. Ich meine, was macht das?

Frau (sachlich): Das Schwein!

Schwein (erstickt): Quiek!

Mann: Nein!

Frau (streicht ihm mit einem blutigen Finger zärtlich über die Wange): Das ist mein Lohn,
Das ist mein Verlangen,
Ich weiß, es ist schwer,
Doch geb es nur her,
Du wirst es mir geben,
Das sehe ich schon.

Der Mann steht reglos. Nur die Hand, in der das Schwein steckt, zittert. Nach einer Weile streckt er mechanisch den Arm vor und hält der Frau das Schwein auf seiner Handfläche hin. Die Frau schnappt das Schwein und lächelt ihn mädchenhaft-schelmisch an. Sie hält sich das Schwein vor’s Gesicht.

Frau (zum Schwein): Sch-sch-sch. Brauchst keine Angst zu haben.

Sie fängt an zu trällern und geht tanzend nach hinten ab.

Der Mann steht noch einen Moment am Tresen. Er nimmt sein blutverschmiertes Paket an sich, geht langsam zur Ladentür.

Mann: Aufschnitt von der Zunge, sehr zart. (In den leeren Raum:) Leb wohl!

Er verläßt den Laden schweigend.

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Unter Albdruck

Es ist später Abend. Cornelius setzt einen Fuß auf die Treppe, zieht den anderen nach vorn. Klammert sich an die Stange, an der Stange irgendein zäher Schmutz, ein üppiger Tropfen, der so langsam herabläuft, daß man es nicht sehen kann. Beeilen sie sich, ich will aussteigen! durchschneidet einer die Beobachtung. Cornelius setzt seinen Fuß auf den Bahnsteig. Die Nacht ist kalt und ein Windstoß verursacht, daß Cornelius seinen Mantel schließt. Und nun, wohin? Es braucht immer eine Richtung, immer, auch jetzt, auch hier. Aber Cornelius hat sich entschlossen zu fallen und ist gesegnet wegen seines Entschlusses, das Stolpern nicht fürchten zu müssen. Also geht Cornelius am Bahnhofsgebäude vorbei, hinein in die breiteste Straße und geradeaus, denn immer kommt man irgendwo an. Denn leider ist die Welt eine Kugel und es gibt keinen Rand und mich vom Haus zu stürzen habe ich nicht die Unverfrorenheit, denkt Cornelius.

Langsam wechseln die Häuser an der Straße die Plätze, ein Spiel, sich über ihn Lustig zu machen. Häuser, die sie zu einem ärmlichen Landstrich gehören. Eine Kreissäge auf dem Hof, ein gewaltiger Hammer und dort, eine Egge abgestellt, der Mond hat sein Licht auf die Dolche gegossen, die Pflöcke aus Stahl, die scharfen Zähne. Der Wanderer kann seinen Blick nicht lassen vom Silberglanz und stellt sich vor, wie die Egge den Schoß der Erde zerreißt, wie sie sich hineinwühlt in den Boden mit ihren tausend Klauenfingern.

Und da ist auch dieser Hof vorbeigezogen und es wird immer einsamer um ihn, noch ein Licht dort hinten. Jetzt neben ihm und nun ist schon sein Schatten vor ihn hingestreckt und hebt zugleich mit Cornelius schlurfend die Füße. Die Straße macht eine Biegung und dahinter verschwindet das letzte Licht. Es ist über seiner Wanderung tiefe Nacht geworden und der Asphalt vor ihm ist vom Himmel nur durch die Abwesenheit von Sternen unterschieden. So schwarz ist alles, aber man ist ja erwachsen, denkt Cornelius und gibt dem letzten Wort einen galligen Klang.

Er zieht sich weiter vorwärts, er, der Esel und der Treiber zugleich, und findet Genugtuung, sich zu schinden, sich am Rand der Klippe gehen zu lassen, genießt es, an sich die Zeichen der Furcht zu entdecken. Noch weiter will er hinaus, an den Rand, auf den Grat, an den Abgrund, um sich selbst zittern zu sehen. Solches erwägt Cornelius und, als sich ein Waldweg zur rechten auftut, treibt er sich hinein. Hier machen seine Füße kein Geräusch. Der Wanderer freut sich darüber, wie sich der Waldboden an ihn schmiegt, hinterhältig zärtlich. Moos und Holzfasern, Nadeln und Asseln federn seinen Schritt und nach drei mal dreihundert Schritten steht er tief im Wald. Cornelius bestaunt mit angehaltenem Atem die Stille. Er hat seinen Kopf bis zum äußersten nach hinten gebogen und starrt ohne Fassung an den Stämmen empor. Über ihm ein Meer aus Dunkelheiten und nur dort hinten sticht der Mond hinein, er hat die Farbe frischer Knochen.

Und um den Wanderer erstreckt sich eine Kathedrale mit verschlungenen Seitenschiffen und Kreuzgängen, die einander überlagern und umzingeln, die durcheinandergehen in der Absicht, unentdeckt zu bleiben. Wohin er den Kopf dreht, verwirrt sich Cornelius Blick zwischen den Stämmen im Labyrith der Gänge. Und da ist eine dunkle Wand, ein Umriß bloß, dessen Grenze in die Dunkelheit verschwimmt, ein Altar vielleicht, wenn dies eine Kathedrale ist. Der Wind fährt unter das Gewölbe und von überallher flüstert es dem Wanderer zu: Falscher Weg. Irrtum. Du versinkst. Du kommst nicht heraus. So klingt es ihm in den Ohren und er spricht mit lauter Stimme darüber hinweg, er mahnt sich zur Ruhe, er geht hart ins Gericht mit sich, das ist nur der Wind.

Eine zarte Hand fährt Cornelius über den Nacken mit spitzen Fingern. Es ist eine bleiche Erinnerung, die ihn nach langer Zeit hier wiederfindet, er ist hier leicht zu finden. Er denkt an die Ängste eines längst vergangenen Kindes. Er stellt sich vor: dort hinten ist ein Schatten, der sich bewegt. Und der Wanderer sieht, weit hinten in einem der Gänge, dort, wo er gerade nichts mehr sehen kann, er sieht den Schatten, der noch reglos steht. Aber dort ist nichts, nur Dunkelheit. Aber doch: dunkler an einer Stelle, weiter links nun und es kommt auf ihn zu. Aber war da nicht hinter ihm ein Knurren? Cornelius will es nicht glauben, aber er rennt. Und hält sich an mit Gewalt. Das Kind bin ich nicht mehr und hier ist nichts als ein Wald. Aber Cornelius hat gespürt: wie die bleiche Hand in seinen Nacken gelegt ist, wie sie die Nägel ihm, zurückhaltend noch, in die Haut gräbt. Wenn er nachgibt, dann wird ihn hier nichts retten. Die Mutter ist längst tot. Und er ist weiter gegangen, als ein Kind es könnte. Da hinten ist der Schatten, er springt von Baum zu Baum. Und in den Beinen, den Beinen des Wanderers, ist plötzlich ein Rennen und auf seiner Haut ist die Angst.

Cornelius hört ein Schluchzen, das ihm aus dem Halse dringt. Er hört, wie jeder Atemzug ihm schrill in die Lungen springt. Und die Schatten springen hinter jedem Stumpf hervor. Cornelius wird am Fuß gepackt und niedergerissen. Bevor er es weiß, steht er wieder und rennt, rennt an Bäume, rennt in Büsche und ritzt sich die Haut. Er hört an der Grenze seiner Sicht ein Heulen und er ist es selbst, der heult. Es ist niemand bei ihm als bloß das Kind, das er war und das ihm jetzt von der Dunkelheit flüstert und ihm eingibt, was sie enthält. So geht seine Flucht bis irgendwann der Schatten ihn stellt. Er sieht ihn vor sich, eine Umarmung entfernt. Der Schatten springt und Cornelius verliert sich selbst.

Am Morgen dann, als er auf dem klammen Moos erwacht: sieht er die Sonne. Und findet sich selbst doch nicht wieder. Und von seinem Weinen hört er nichts.

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Dialog

»Guten Morgen, Herr Strasser«, begrüßte ihn die Sprechstundenhilfe und Edwin war angenehm überrascht. Sonst war sie viel weniger freundlich. Es lag wohl daran, daß er so häufig in die Praxis gekommen war in den letzten Wochen. Er hatte hier wohl endlich einen Eindruck hinterlassen, sogar bei dieser sonst so barschen Person. Edwin beeielte sich, sehr artig mit dem Kopf zu nicken. »Ja, guten Morgen, guten Morgen ihnen auch!«
»Wenn sie bitte noch im Wartezimmer Platz nehmen würden.«
Da war doch wieder diese Ungeduld bei der dicken, pockennarbigen Frau hinterm Tresen. Ihre fleischige Hand, vor der sich Edwin ekelte, wies in Richtung des Wartezimmers. Gut nur, daß sie nicht bei den Untersuchungen dabei war.

Edwin öffnete die Tür zum Wartezimmer. Sie war verzogen und Edwin versuchte bei jedem neuen Arzttermin wieder, sie geräuschlos zu öffnen. Das war schlichtweg nicht möglich. Auch heute gab es ein Knirschen, als er die Klinke drückte und dann ein Knallen, als die durchgebogene Tür aufsprang. Edwin hatte sich schon sein »Guten Morgen« zurechtgelegt, kam aber nicht dazu. Die zwei Patienten, die auf den braunen Plastikstühlen saßen, waren mitten im Gespräch. Edwin wagte nur zu nicken; es gehörte sich schließlich nicht, ein Gespräch zu stören.

»Und wissen sie«, sagte eine magere, weißhaarige und offenbar sehr alte Frau, »dann ist da immer dieser Schwindel.«
»Oh, oh!« Ein sehr kleiner Mann, der seinen Hut aufbehalten hatte, nickte sehr eifirg, als er diese Geräusche produzierte. »Das ist eine schlimme Sache, das kenne ich,« fuhr er mit krächzender Stimme fort.
»Und sie?«, war nun die Frage, von der Alten an das Männchen gerichtet. Edwin setzte sich ganz langsam, um keine störenden Geräusche zu machen, auch wenn er sich wünschte, jemand würde den beiden den Mund verbieten.
»Ach, wissen sie, das ist ja so ein Männerproblem…«, das Männchen schwieg und fummelte an seinen Fingern, unschlüssig, ob er weitererzählen dürfe. Edwin räusperte sich. Solche Distanzlosigkeiten waren ihm verhaßt. Soetwas kann man doch mit dem Arzt besprechen, dachte er und knirschte ein bißchen mit den Zähnen, das muß man doch nicht allen ins Gesicht sagen. Aber keiner der beiden laß seine Gedanken oder die sparsam dosierte Verstimmung in seinem Gesicht.
Das Männchen hatte sich ein Herz gefaßt und erzählte von seiner Vorsteherdrüse. Edwin wollte gerade nervös nach irgendeinem Magazin greifen, als der Arzt persönlich mit Knirschen und Knallen in der Tür des Warteraums auftauchte.
»Herr Strasser bitte!«
Edwin lächelte dem Männchen und der Alten giftig seinen Triumpf entgegen. Er war zuerst dran. Tja, wenn man immer pünktlich war. Und ich werde von Doktor Tobler persönlich abgeholt. Das will ich auch meinen, der Mann weiß ein angenehmes Gegenüber zu schätzen.

Der Arzt führte Ediwn in sein Sprechzimmer und Edwin nahm vor dem schwarzen Schreibtisch platz. Er mochte diesen Schreibtisch: er war immer vorbildlich aufgeräumt. Doktor Tobler ließ sich in seinen Ledersessel fallen und erzeugte dabei ein organisches Zischen, das aus den Polstern drang und Edwin jedesmal wieder unangenehm war.
»Nun, Herr Strasser.«
Edwin faßte sich ein Herz. »Also, Herr Doktor, nochmal wegen der Tabletten.«
»Herr Strasser…«
»Ich wollte ja nur sagen, meistens geht es mir ja ganz prächtig.« Edwin lachte verlegen. »Vielleicht nur für die Tage, an denen mein Kopf mir solche Beschwerden macht – es gibt doch bestimmt etwas stärkere Kopfschmerztabletten. Sowas wie Aspirin vielleicht? Wenn sie mir sowas verscheiben würden?« Der Arzt machte ein abweisendes Gesicht und Edwin verstummte.
»Herr Strasser, wir haben ja schon einige Untersuchungen gemacht…«
»Ja, ich danke ihnen auch sehr für ihre Bemühungen, Herr Doktor.«
»Es ist doch besorgniserregend.«
Edwin fühlte es wie eine Welle durch seinen Körper gehen. Was machte dieser Arzt für ein unnötiges Aufsehen um Kopfschmerzen? Das konnte doch mal vorkommen.
»Ja, Herr Doktor, man muß ja nicht gleich.«
Der Arzt machte eine ungeduldige Handbewegung und Edwin wurde wieder still.
»Mit ihren Symptomen sollte man keine Scherze machen.«
»Aber ich mache keinen Scherz, Herr Doktor, niemals. Aber es waren doch jetzt schon so viele Untersuchungen.«
»Ich versuche ihnen ja gerade zu sagen, daß…« hatte der Arzt begonnen, davor hatte er tief Luft geholt. Er hatte Edwin damit eine leichte Übelkeit verursacht.
»Also machen wir noch eine Untersuchung?«, beeilte sich Edwin vorzuschlagen.
Nun trat eine Pause ein. Der Arzt starrte Edwin an und trommelte dabei mit seinem Bleistift auf den Schreibitsch. Edwin hatte etwas Schmutz unter einem Fingernagel entdeckt und widmete sich ganz seiner Entdeckung.
»Ja, wie sie meinen,« brach der Arzt das Schweigen. Ihn hatte der Mut verlassen. »Dafür müssen sie aber ins Krankenhaus.«
»Ja, Herr Doktor, wie sie meinen. Sie sind ja der Arzt. Ich will da gar nichts sagen.«
»Herr Strasser, wollen sie denn gar nichts über die Ergebnisse erfahren?«
»Nein!« kam es aus Edwin hervor mit einer Heftigkeit, die ihn überraschte. Der Arzt beobachtete Edwin. Edwin hielt dem Blick einen Herzschlag stand, starrte dann auf seinen Fingernagel und setzte seine Säuberung fort. So vergingen einige Sekunden. Edwin bemerkte ein sonderbares Zucken in seinem Augenwinkel.
»Wissen sie, ich habe gar keine Kopfschmerzen,« sagte Edwin wie ein Schüler, der gerade in einer Prüfung durchgefallen ist. »Vielleicht gibt es sich ja von selbst.«
Doktor Tobler seufzte bloß geschlagen. Mit einem Knacken zog er die Kappe von seinem Füller und kratzte etwas auf ein Formular.
»Hier«, lassen sie sich von Frau Warnke einen Stempel geben, »das ist eine Einweisung für eine Fachklinik.«
Edwin erhob sich halb, verharrte in dieser Position, starrte dem Arzt ins Gesicht, klappte den Mund auf.
»Nun?«, fragte der Arzt plötzlich unwirsch.
»Zu Frau Warnke, danke, sicherlich. Danke. Guten Tag auch.«

Als Edwin vor der Praxis auf dem Bürgersteig stand, bemerkte er, daß er seinen Mantel im Wartezimmer vergessen hatte. Er hatte sich schon umgedreht und den Finger auf zum Klingelbrett gehoben. Dann aber drehte ihn etwas wieder fort von der Tür. Seine Beine gingen los, ohne das er es recht wollte, etwas schneller als es seine Gewohnheit war, und schlugen den Weg ins Büro ein. Dort wenigstens würde er sicher sein.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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