Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Redundant

Ein Mann. Ein Mann geht. Er geht um einzukaufen. Ein Mann erreicht nach einiger Zeit des Gehens einen Laden, in dem er einkaufen möchte. Ein Mann betritt eine Fleischerei, um einzukaufen, ein kurzer Fußweg liegt hinter ihm. In einer Fleischerei tritt ein Mann vor den Ladentresen, in dem die Waren ausliegen, auf die das Kaufinteresse des Mannes gerichtet ist. Ein Mann, der schon auf dem Weg seinen Kaufentschluss gefasst hatte, will Zungenwurst kaufen und steht vor dem Tresen. Ein Mann, mit dem Sinn auf Zungenfleisch gerichtet, sieht eine Frau. Der Mann sieht hinter den Wurstwaren, über die er bislang nachgedacht hatte, eine Frau in einem schwarzen Kleid. Der Mann sieht, weil das Kleid sehr kurz ist, die Beine der Frau hinter den Würsten. Der Mann bestellt, obwohl er nun anderes im Sinn hat, Aufschnitt von der Zunge. Der Mann beobachtet die Frau, die nur mit einem schwarzen Cocktailkleid bekleidet ist, wie sie mit einem langen Messer Scheiben von einer Kalbszunge abtrennt, die der Mann kaufen wollte und deshalb einen Fußweg bis zur Fleischerei gemacht hat. Dem Mann, der Zungenaufschnitt kaufen wollte, wird ein Paket mit über den Tresen gereicht von einer schmalen Frauenhand. Ein Mann, den Blick auf einen bloßen Frauenarm gerichtet, steckt die Zungenwurst ein. Ein Mann, der nur schnell Zungenwurst kaufen wollte, steht unschlüssig in einer Fleischerei, in der eine wenig bekleidete Frau hinter einer Ecke verschwindet. Ein Mann, der an eine Frau im Cocktailkleid denkt, trägt Zungenwurst nach Hause.

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Ausgangstext, Variante b

Ein Mann geht morgens zum Fleischer. Er betritt den Laden und wartet auf Bedienung. Hinter dem Tresen erscheint eine Frau im Cocktailkleid.

Der Mann bestellt Aufschnitt von der Kalbszunge. Die Frau greift zum Messer und erfüllt seinen Wunsch. Der Mann verläßt den Laden mit seinem Paket, um sich zu Hause sein Frühstück zu bereiten.

Am Abend wird zur Fleischerei ein Taxi bestellt. Das Taxi hält vor dem Laden und wartet auf den Fahrgast. Heraus kommt die Frau im selben Cocktailkleid wie heute morgen. Das Taxi wird vom Mann gefahren, der Zungenwurst gefrühstückt hat. Die Frau gibt als Fahrziel ein teures Hotel in der Altstadt an.

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Refugium, sachlich

Wir sehen einen Mann auf einem Stuhl in einer Küche. Die Küche ist geräumig, im Schachbrettmuster gekachelt, aufgeräumt, sauber, die Arbeitsflächen aus Stahl. Teure Messer liegen auf einem Handtuch in einer flachen Schale, Messer, über die Wellen laufen, dort, wo sich die dünnen Stahlhäutchen übereinanderlagern. Wir sehen in einer solchen Küche einen Mann auf einem Stuhl sitzen, an einem Tisch aus dunklem Holz, allein, sein Frühstücksbrett vor sich, aus dem Fenster blickend. Die Küche liegt im Dämmer, das Morgenlicht reicht gerade aus, das Gesicht des Mannes aus dem Schatten zu schälen, daß es aussieht, als trüge er eine bleiche Maske. Wir sehen: Der Mann trinkt Kaffee. Er atmet ruhig, sitzt ganz aufrecht und reglos. Nur eine Uhr durchbricht die Stille und, von Zeit zu Zeit, ein Geräusch aus der Kehle des Mannes, beim Herunterschlucken des Kaffees.

Er sitzt lange auf diese Weise in seiner aufgeräumten Küche. Dann steht er auf, frisch rasiert, geduscht, sauber, steigt über eine Holztreppe in den ersten Stock. Die Stufen knarren unter seinen Tritten, aber es ist niemand da, der davon aufgeschreckt worden wäre. Er sitzt nun an einem Schreibtisch, Lampe, Papier, ein Füllfederhalter. Etwas altmodisch. Der Stift wird zur Hand genommen. Der Blick geht aus dem Fenster. Als die Hand sich zum ersten Mal sehr zögerlich zum Papier senkt, ist die Tinte auf der Feder bereits eingetrocknet. Der Mann kratzt ärgerlich über das Papier, das Papier bleibt leer.

Zweiter Tag. Wir sehen denselben Mann. Es ist früher Morgen, er sitzt in seiner Küche, er sitzt an einem dunklen, schlichten, teuren Tisch, sein Blick geht aus dem Fenster, die Küche liegt im Dämmer, er trinkt Kaffee. Auf dem Tisch, mitten auf der Platte, steht eine leere Tasse, auf ihrem Boden eine eingetrocknete Kaffeepfütze. Auf den Wangen des Mannes, die Wangen sind ganz bleich vom Morgenlicht, liegt ein Schatten, es sind die Spitzen der Barthaare, über die an diesem Morgen keine Klinge gegangen ist.

Der Mann steigt eine knarrende Holztreppe hinauf, es ist niemand da, der darüber erschreckte. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Füllfederhalter, auf der Feder ist dunkel und krustig die Tinte eingetrocknet wie geronnenes Blut. Die Feder ist krummgebogen, Tinte ist dabei ausgelaufen und bildet einen tiefblauen Fleck auf einem Blatt Papier das abseits des Stapels liegt. Der Mann hat einen Kugelschreiber in der Hand, die Hand schwebt reglos über dem Papier, der Mann blickt aus dem Fenster.

Dritter Tag. Wir sehen einen Mann in einer Küche, die Küche ist stählern. Der Mann sitzt an einem Küchentisch, in seiner Hand liegt ein Messer, auf der Klinge feine Wellen. In der reglosen Hand schwebt das Messer über der Tischplatte, in der Mitte des Tisches stehen zwei unsaubere Tassen. Die Küche ist still, nur das klicken einer großen, bleichen Uhr, sie sticht aus dem Schatten. Durch die Tür dringt von der Treppe ein knarren, aber niemand ist da, außer dem Mann, die Treppe knarrt grundlos. Da stürzt das Messer herab und schlägt in Kante der Platte aus dunklem Holz. Danach ist es still, nur ein Schlucken aus der Kehle des Mannes.

Vierter Tag. Im dämmerlicht eine Küche. Eben ist ein Vogel aufgeflogen vor dem Fenster als ein Knallen zu hören war. Gleichzeitig haben in einem Schrank die Tassen geklirrt, außer ihnen niemand da, der sich hätte erschrecken können. Das Licht scheint auf einen Tisch, ein teurer Tisch aus Holz, und an der Kante sammeln sich Schatten in einem Band aus Kerben. Viele gleichmäßige Kerben, die dann aber kippen und ineinander gehen, die immer tiefer geschnitten sind in das dunkle Holz. Auf dem Tisch liegt zerschlagenes Porzellan und ein schartiges Messer mit Wellen auf der Klinge, wellen von den Schlägen, mit denen es geschmiedet wurde. Im ersten Stock ein Schreibtisch, auf ihm zerbrochen Kugelschreiber, Füllfederhalter und feine Löcher, immer mehrere beienander zuhauf, in den Schreibtisch gestanzt, durch unbeschriebenes Papier hindurch.

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  • Kurzum


    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

    »Die meisten Luxusgüter und viele der sogenannten Bedürfnisse des täglichen Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern sogar Hindernisse für die Entwicklung des Menschen. Ein Mensch ist so reich wie die Anzahl der Dinge, auf die er verzichten kann.« (Henry David Thoreau) (6. 5. / 16 Uhr)

    »Gebärden und äußerer Anstand verkündigen einen Mann, den die Welt ausgebildet hat.« (Schiller) (2. 5. / 14 Uhr)

    »One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.« (Henry Miller)(10. 4. / 17 Uhr)

    da seh ich wundernd das erschrockne thier
    zu einer nonne füszen zitternd liegen [...]
    sie aber blickt mit groszen augen flehend
    mich an. so stehn wir schweigend gegen einander (10. 4. / 15 Uhr)

    »Tissot erzählt von einem Kranken, der im Anfang der Krankheit schwarze Galle brach, und noch einige Stunden vor seinem Tode faselnd und mit Heftigkeit eine Aderläß verlangte, (4. 4. / 15 Uhr)

    »der hungir wart also gross dar czu,
    das sy frossin er aldin schu,
    spru, trebir, unde waz sy mochtin gehan.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »wer sein selbst kan seyn, der diene kaim.« — Aber die Sprichwortsphäre scheint sich dieser Unbeugsamkeit nicht ganz sicher zu sein, denn: »wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »...dass der Mensch an sich als universell kriminelles Wesen auf die Welt kommt, aber durch die Erziehung sozialisiert wird und dann sich in der Regel normal verhält. « (Reinhard Haller)(2. 4. / 19 Uhr)

    »Es ist eine Zeit für die Muße,
    es ist eine Zeit für den Streit,
    es ist eine Zeit für die Buße,
    für alles die richtige Zeit.(24. 3. / 15 Uhr)

    自動思考 (Jidō shikō) bedeutet »Gedankenautomat« oder »automatische Gedanken«. (23. 3. / 10 Uhr)

    Die Wasseraffen-Theorie (oder die »Litoraltheorie der Hominisation«), die evolutionäre Psychologie (die »Modularität des Geistes«) und daß die Angst vor Krokodilen vielleicht die älteste ist. (22. 3. / 23 Uhr)

    Identitätsmanagement, die Work-Life-Balance, rollende Soundpanzer, Finanzvehikel und die »Hydra-Logik« (21. 3. / 15 Uhr)

    Das eigentliche sind nie die Einzelheiten — sondern das, wie sich alles Einzelne zu einer großen Gestimmtheit verwebt.(21. 3. / 14 Uhr)

    »Klötßze« scheint mir, auch wenn es lediglich das homunkulöse Ergebnis eines Computerlesefehlers ist, ein urteutonisches Wort zu sein. (29. 2. / 20 Uhr)

    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

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