Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Googledada

Googles Hoommage an Chaarles Daarwin

Stolz darf ich dem geneigten Leser mitteilen, daß ich die Google-Suchergebnisse anführe. Und zwar bei der keinesfalls nebensächlichen Suche nach dem Begriff »Schaltschrankverpackung«! Andere Suchende werden auch fündig. Zum Beispiel mit diesen klangvollen Kombinationen:

Mich läßt der Verdacht nicht los, daß das Internet vor allem als eine dadaistische Dichtmaschine gemeint ist.

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  • Hintergrundklang

Die bleibende Flüchtigkeit des Internets

pro-backup_80x15Ich habe eine Erfahrung mit falschen Grundbegriffen gemacht. Dadurch nämlich, daß ich mir offenbar einen falschen Begriff vom Internet gemacht habe. Mein Gedanke muß ungefähr gelautet haben: Das Internet ist immateriell und deshalb unangreifbar. So formuliere ich bloß versuchsweise – wer könnte schon mit völliger Sicherheit sagen, was für Grundannahmen er über die Dinge hat; desto grundsätzlicher, desto verschwommener für das Bewußte denken, so gilt es jedenfalls für mich.

Nun, ich wurde eines besseren belehrt.

Vor einem Monat mußte ich schon einen herben Verlust befürchten, als ich plözlich nicht mehr auf meinen Blog zugreifen konnte und dann erfuhr, daß bei meinem Provider ein Server in Bausch und Bogen untergegangen war. Diesen Verlust konnte ich dann doch noch, sonderbar und zufällig genug, durch den »Cache« wieder ausgleichen, den Google vorhält (sozusagen ein halbbewußtes mittelfristiges Gedächtnis des Internets). – Jetzt war, von gestern auf heute, schon wieder die Verbindung in die virtuelle Sphäre meiner Texte unterbrochen und ich mußte das schlimmste befürchten. Ich war also zum zweiten Mal dabei, Googles »Cache« anzuzapfen, eine mühselige Prozedur, bei der man sich so vorkommt, als würde man fremder Leute Eigentum zusammenklauben. Heute ist, aus unerfindlichen Gründen, alles wieder da.

Meine Grundannahme ist also falsch: Das Internet ist nicht unangreifbar. Denn es ist, wie alles, womit Menschen umgehen, an Materie gebunden. Es gibt sich bloß, als sei es körperlos und überall zugleich. Das Internet ist sogar noch viel angreifbarer, als andere Medien. Ein Buch ist ein Buch und wird höchstens brüchig und spakig. Bis die Maden es zerfressen, dauert es lang, bei guter Pflege Jahrhunderte. Aber alles, womit das Internet aufwartet, liegt irgendwo auf rotierenden magnetischen Platten, die nur eine sehr kurze Lebensdauer haben und irgendwann in sich selbst stürzen: das heißt dann »Plattencrash«.

Ich mache jetzt Backups, regelmäßig und automatisch. Meine gesamte Datenbank maile ich mir selbst zu (Datenbank, d.i. meine auf engstem Raum versammelten Texte). Und zwar auf ein Konto bei Google, denn Google ist bei mir nach alledem zum Fels in der unsteten und gefräßigen digitalen Brandung geworden.

Aber es bleibt doch das Gefühl eines unangenehmen Zirkelschlusses: Von einer Form der vorgetäuschten Immaterialität in eine andere geht es bloß. Ich werde demnächst alles, was hier steht, ausdrucken und in einen Ordner heften. Dann stehen meine Texte im Regal, trocken und sicher, und können in Ruhe vergilben.

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Aus dem Netzfermenter

Märchenbild

Ich schreibe hier auch deswegen, weil ich mir großen Mehrwert davon erhoffe, daß ich meine Einfälle in einen elektronischen Kasten tippe. Und ja nicht nur in einen elektronischen Kasten, sondern vielmehr noch in das dialektische Gegenteil dazu, ein elektronischer Nicht-Kasten, der durch irgendwelche Schwingungen und Drähte mit dem Rechner vor mir und mit unzählbaren weiteren Kästen und Nicht-Kästen verbunden ist. Davon verspreche ich mir einigen Mehrwert, denn wie sollten bei all diesen Umwandlungs- und Transportvorgängen meine Texte so bleiben, wie sie waren, als meine leibhaftigen Finger sie auf den realen Tasten tippten?

Und außerdem werden Texte, wenn man sie ersteinmal digitalisiert hat, zählbar, vermessbar, taxierbar. Das ist das eigentlich Schöne. Warum? Weil ich so in entblößten Fakten mir selbst gegenüberstehe und an den Fingern abzählen kann, was so in mir vorgeht. Darüber sollte später einmal etwas mehr geschrieben werden.

Aber jetzt: Unter den digitalen Erstaunlichkeiten, mit denen mich meine Internet-Schriftstellerei konfrontiert, ist die Rubrik »letzte Suchvorgänge« in den Statistiken, die mir geliefert werden, eine Quelle immer neuer schöner Entdeckungen. Durch das, was andere Leute in den unendlichen Weiten der Information gesucht haben, werden immer wieder erstaunliche Zusammenhänge offenbar.

Was steht wohl hinter einer Suche nach der Wortkombination »kotzen Vorhang«? Jedenfalls doch ein Interesse an den Düsterheiten der menschlichen Natur. Dagegen scheint jemand, der eine Phrase wie »Tiefe Hintergründe der Gassen« sucht, eher ein träumerischer Schöngeist oder ein Sozialrealist zu sein.

Aber ich möchte doch vor allem einen sehr sonderbaren Satz hervorheben: »du musst mir einen blassen«. Was soll das nun heißen? Der Satz beginnt mit einem Modalverb und endet mit einem Adjektiv. Ach herrje, wie sollte man umhin kommen, nach den notwendigen Ergänzungen zu suchen. Es fehlt doch ganz offensichtlich ein Verb und ein Substantiv. »Du mußt mir einen blassen Knaben trösten«, zum Beispiel, oder: »Du mußt mir einen blassen Zug / um meine Nase, meinen Mund / mit deiner so vertrauten Hand / sobald du kannst wegstreichen.«

Aber vielleicht hat man in »du musst mir einen blassen« nur ein Produkt von Rechtschreibschwäche zu erblicken, vielleicht, weil das Bedürfen, ach, so brannte und das Herz so heftig schlug. Das muß dahingestellt bleiben.

Was bekam der Suchende nun also vor Augen? Zuoberst: Schwanensee. Ein Prinz sagt da, zuoberst auf der Seite mit den Suchergebnissen: Aber du musst mir folgen.« Und seufzt ein zweites Mal. — Sodann, unter der Überschrift »Krafttierreisen«, d.i. Reisen zu den »Krafttieren in den Chakren« die wieder sehr theatralische Aussage: »Du musst nicht unbedingt umziehen. Ziehe einfach Deine Kreise«. Da klingt antiker Ernst mit.

Und es gibt noch mehr: Eichendorff, selbstgemachte Liebesgedichte, Fusballfans, Himmelsgeschichten und die Bösewichte der »Finsterblut-Quests«. Das ist der Mehrwert, den ich erhofft hatte.

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2. Im Fernsehen
3. Gastfrei
4. Sauhatz
5. Kalte Nudeln
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