Ich habe einen Broker. Und ich mußte gar nichts dafür tun. Nicht einmal im eigentlichen Sinne Vermögen vorweisen. Wahrscheinlich werde ich auch nichts davon haben, daß ich nun einen Broker habe, aber es hat mich auch nichts gekostet.
Meinem Broker eignet dieselbe Fiktivität, die im Intenet überall vorherrscht (und, daran sei der Leser an dieser Stelle erinnert: ich selbst bin ja eigentlich auch bloß fiktiv, insofern, als daß ich nur eine pseudonyme Verdoppelung eines real eigentlich anderen Menschen bin.) Hinzu kommt noch, daß mein fiktiver Broker gar nicht mit eigentlichen Wirtschaftsgütern umgeht, denn er ist: ein Text-Broker.
Mir wurde von diesem, mir eigentlich ganz unbekannten, textbroker das Angebot gemacht, 0,7ct pro geschriebenem Wort zu verdienen — also ungefähr 3,50 € pro DIN A4-Seite. Das kann man doch unmöglich ausschlagen. Und wenn es sich herausstellen sollte, daß ich nicht bloß für 2 Sterne schreibe («gut«), sondern für 4 Sterne («ausgezeichnet«) oder gar »professionell« für 5 Sterne: dann könnte sich der Verdienst auf 20 € pro Seite steigern.
Ich habe mich also angemeldet. Und habe auch schon meine erste Schreibaufgabe erledigt: Einen Text, minimal 160 Worte, sollte ich schreiben. Entweder über »Partylocations«, einen Ort aus meiner Stadt, irgendetwas, das ich schon vergessen habe, oder eine »objektive Beschreibung eines technischen Gerätes.«
(Ich hätte, unter der Überschrift »Partylocations« vielleicht beschreiben können, wie ich gestern Nacht bei Burger King in einem Rudel viel mehr als ich Besoffener stand, wie ein kleiner, nicht gerade smarter Adoleszenter sich ständig versuchte vor mich zu drängen und dann ein anderer, ebenso adoleszenter und sturzbetrunkener, furchtbar stinkend gefurzt hat. Das habe ich nicht getan.)
Ich habe einen hölzernen Text über Fernbedienungen geschrieben und bin m. E. weit hinter dem Anspruch der »Objektivität« zurückgeblieben. Aber immerhin ist mein Broker naiv und zutraulich genug, von seinen Autoren Objektivität verlangen zu wollen.
Noch bin ich nicht freigeschaltet, weil mein Bewerbungstext über Fernbedienungen noch nicht gesichtet und mit der zutreffenen Anzahl Sterne versehen wurde. In einigen Tagen aber werde ich die Schreibaufträge, die mein neuer Broker zu vermitteln hat, ansehen können — und das wird mir, ich erwarte es fest, eine Offenbarung sein. Und vorher schon werde ich, seit der Grundschule zum ersten Mal, Sternchen für einen Aufsatz erhalten.
Ich kann meinen Broker nur empfehlen.


Ich gewinne die Literatur Top 100 trotz der mitschwingenden Gigantomanie und trotz der sonderbaren Parallelen, die es zu dieser Seite in ganz anderen, sehr viel körperlichen Sparten des Web gibt — ich gewinne die Literatur Top 100, in die ich mich auch eingetragen habe, mit dem Gedanken, daß es mir sowieso egal sei, welche Position ich erreichen würde, einem Gedanken, der, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, nicht zutrifft — ich gewinne also die Literatur Top 100 allmählich lieb.









