Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Mein virtueller Agent

AnzugschattenIch habe einen Broker. Und ich mußte gar nichts dafür tun. Nicht einmal im eigentlichen Sinne Vermögen vorweisen. Wahrscheinlich werde ich auch nichts davon haben, daß ich nun einen Broker habe, aber es hat mich auch nichts gekostet.

Meinem Broker eignet dieselbe Fiktivität, die im Intenet überall vorherrscht (und, daran sei der Leser an dieser Stelle erinnert: ich selbst bin ja eigentlich auch bloß fiktiv, insofern, als daß ich nur eine pseudonyme Verdoppelung eines real eigentlich anderen Menschen bin.) Hinzu kommt noch, daß mein fiktiver Broker gar nicht mit eigentlichen Wirtschaftsgütern umgeht, denn er ist: ein Text-Broker.

Mir wurde von diesem, mir eigentlich ganz unbekannten, textbroker das Angebot gemacht, 0,7ct pro geschriebenem Wort zu verdienen — also ungefähr 3,50 € pro DIN A4-Seite. Das kann man doch unmöglich ausschlagen. Und wenn es sich herausstellen sollte, daß ich nicht bloß für 2 Sterne schreibe («gut«), sondern für 4 Sterne («ausgezeichnet«) oder gar »professionell« für 5 Sterne: dann könnte sich der Verdienst auf 20 € pro Seite steigern.

Ich habe mich also angemeldet. Und habe auch schon meine erste Schreibaufgabe erledigt: Einen Text, minimal 160 Worte, sollte ich schreiben. Entweder über »Partylocations«, einen Ort aus meiner Stadt, irgendetwas, das ich schon vergessen habe, oder eine »objektive Beschreibung eines technischen Gerätes.«

(Ich hätte, unter der Überschrift »Partylocations« vielleicht beschreiben können, wie ich gestern Nacht bei Burger King in einem Rudel viel mehr als ich Besoffener stand, wie ein kleiner, nicht gerade smarter Adoleszenter sich ständig versuchte vor mich zu drängen und dann ein anderer, ebenso adoleszenter und sturzbetrunkener, furchtbar stinkend gefurzt hat. Das habe ich nicht getan.)

Ich habe einen hölzernen Text über Fernbedienungen geschrieben und bin m. E. weit hinter dem Anspruch der »Objektivität« zurückgeblieben. Aber immerhin ist mein Broker naiv und zutraulich genug, von seinen Autoren Objektivität verlangen zu wollen.

Noch bin ich nicht freigeschaltet, weil mein Bewerbungstext über Fernbedienungen noch nicht gesichtet und mit der zutreffenen Anzahl Sterne versehen wurde. In einigen Tagen aber werde ich die Schreibaufträge, die mein neuer Broker zu vermitteln hat, ansehen können — und das wird mir, ich erwarte es fest, eine Offenbarung sein. Und vorher schon werde ich, seit der Grundschule zum ersten Mal, Sternchen für einen Aufsatz erhalten.

Ich kann meinen Broker nur empfehlen.

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Nachbarschaften auf dem Billboard

top100nIch gewinne die Literatur Top 100 trotz der mitschwingenden Gigantomanie und trotz der sonderbaren Parallelen, die es zu dieser Seite in ganz anderen, sehr viel körperlichen Sparten des Web gibt — ich gewinne die Literatur Top 100, in die ich mich auch eingetragen habe, mit dem Gedanken, daß es mir sowieso egal sei, welche Position ich erreichen würde, einem Gedanken, der, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, nicht zutrifft — ich gewinne also die Literatur Top 100 allmählich lieb.

Neulich schon ist mir das Literatur-Forum »Worttümpel« aufgefallen. Es hat einen interessanten Namen und verdient anscheinden auch, beachtet zu werden. (Zur Zeit Platz 38. – Und inzwischen 1 verschwunden.)

Und dann ergeben sich durch Zufall oder durch den höheren Willen der Lesergunst in dieser Liste immer wieder interessante Konstellationen. So steht zum Beispiel zwischen meinem unbedeutenden Rang 68 und einer weiteren, sehr interessanten Seite »Fetischaudio.de« und bietet qualitativ hochwertige Erotik-Hörbücher an. (Was ist das Maß für Qualität bei Erotik-Hörbüchern, frage ich mich. Und schrecke zitternd vor weiteren Erwägungen zurück.)

Also: Jenseits der Hochwertigen Audiofetische steht ein sehr interessantes Projekt: Ein Online-Buch soll es werden, das Tag für Tag um ein Kapitel wächst. Der Titel Lautet: Das Saulus Theorem. Eine literarische Suche nach der Wahrheit. Vor dem Versuch habe ich höchsten Respekt und empfehle die Seite dem geneigten Leser auf’s Wärmste. Jedenfalls ab dem 1.12. 2008, dann nämlich soll das erste Kapitel zu lesen sein.

P.S. Ich komme nicht umhin, die Dürrezeit, die Momentan in dem Hirnzentrum heraufgezogen ist, das für literarische Ideen zuständig ist, damit zu überbrücken, daß ich Sachwissen kaue wie der Hungernde einen trockenen Span.

Deshalb bekenne ich mich nun also dazu, daß ich über Kenntnisse des Altgriechischen verfüge, sonderbarerweise und ohne wirklichen Nutzen. Der Autor des Saulus-Theorems erhält also nun von mir unerbetene Nachbarschaftshilfe hinsichtlich der griechischen Sprache. (Vgl. seine Webseite, dort das Bild im Titel, das Ortsschild, der griechische Schriftzug am oberen Rand desselben.) Altgriechisch müßte dort stehen:

Ο ΘΕΩΡΗΜΑ ΣΑΥΛΟΥ

Aber das ist nur eine Nebensächlichkeit.

PPS. Saulus / Σαυλος wurde bekanntlich durch ein einschneidendes Erlebnis vor Damaskus zu Paulus. Paulus können wir uns neuerdings eindrücklich vor Augen stellen. Der Arbeitsbereich „Visuelle Fahndungshilfen“ des Landeskriminalamtes Nordreinwestfahlen hat ein Phantombild des Apostels erstellt.

Phantombild des Apostels Paulus

Vielleicht erfahren wir demnächst noch mehr über diesen Herrn und seine Theoreme?

  1. 1. 2010
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Literaturpornographie

Die Währung des Internets ist Aufmerksamkeit. Gelegentlich werden auch Kreditkarten akzeptiert, aber gerade das Marktsegment, in dem der Rauhfasler mit vielen anderen konkurriert, ist völlig losgelöst von den Niederungen des Materiellen (abgesehen davon vielleicht, daß die Rechnungen der Provider bezahlt werden müssen). Das, was einzig zählt, ist Aufmerksamkeit.

Aber wie kann Aufmerksamkeit bemessen werden? 2,50 € sind, was sie sind, aber was ist ein Maß für mehr oder weniger Aufmerksamkeit. Oder für qualitativ hoch- oder minderwertige Aufmerksamkeit? Man könnte als Arbeitshypothese formulieren: Aufmerksamkeit, Interesse, Anteilnahme – das sind Äußerungen des menschlichen Geistes und deshalb nicht fest und eindeutig zu bestimmen. Man könnte – aber das hält dem harten Geschäft nicht stand.

Page Impressions (Seitenaufrufe) sind eine einigermaßen feste Währung, und vor allem etwas, das man zählen kann. Wichtiger noch vielleicht die Kennzahl »Unique visitors« (also sowas wie »echte Besuche« oder »eindeutige Besuche«). Sie, falls Sie diesen Text gerade lesen, bedeuten »Unique visitors plus 1″ und wenn Sie rechts auf einen Link klicken und weiterlesen, steigt PI gleich nochmal um eins. So ist das. Das ist Aufmerksamkeit, die Währung, mit in der im Internet die Lohntüte gefüllt wird.

Immer, wenn Zählbares im Spiel ist, lassen sich Menschen zu sonderbaren Handlungen bewegen. Ich bin ein gutes Beispiel. Ich habe vor einigen Tagen diesen Button auf meine Seite gestellt:

Die Top 100 Literatur-Seiten im NetzWer wollte auch nicht zu den »Literatur Top 100″ gehören? Also stehe ich mit meinen Texten jetzt in einer Liste.

Ich kannte solche Listen bislang nur von jenen prekären Augenblicken, wenn mich ein unvorsichtiger Mausklick in die schäbigeren und zwielichtigen Ecken des Internets getragen hatte. Wenn der geneigte Leser den Selbstversuch wagen will: hier entlang.

Sonderbarerweise funktionieren Listen, die sich »Porno Top 100″ oder ähnlich nennen, ganz genau so, wie die unverdächtig schöngeistige Einrichtung, der ich vor einigen Tagen beigetreten bin. Es geht hier und dort um das Rein und Raus. Und wer am meisten Rein und Raus erzeugt (die genaue Formel ist mir unklar), der steigt immer weiter auf der Bestenliste. Der Beste kann momentan ein Rein/Raus-Verhältnis von 484 zu 1080 aufweisen. Er garantiert nicht für angenehme Träume; dafür kann man bei ihm eine Ratte Namens »Max« kennenlernen. (Ratten Übrigens sind auch Meister des hier in Frage stehenden Metiers: Sechs bis acht Würfe à 5-18 Jungtiere im Jahr. Ein Weibchen, das Bereitschaft signalisiert, kann im Rattenrudel, so geht das Gerücht, zweihundert- bis fünfhundertmal gedeckt werden. Max hat also auch viel Konkurrenz zu verkraften, aber das nur am Rande.)

Ich fühle mich, muß ich skrupulöserweise gestehen, leicht angeschmutzt dadurch, daß ich in so einem Rein-Raus-Club Mitglied bin, um Aufmerksamkeits-Profit zu haben. Aber es ist doch auch erhellend. Ich stehe zum Beispiel im Moment zwischen der Wallander-Fanpage (ich habe in meinem Leben noch keinen Krimi zuendelesen können) und einer Seite mit Reiseberichten (warum nicht?). Der Blick nach unten ist erbaulich für das Selbstbewußtsein: Ich habe eine Seite mit »plakativen Wortmalereien« hinter mir gelassen1. Weit unter mir, schon auf der nächsten Seite, liegt das gesamte »Autorenforum Bremen«. Ha! niemand wird mich aufhalten können, eine ganze Stadt liegt schon unter meinen Füßen!

Ich hatte mir vorgenommen, die Position 126 (die nehme ich paradoxerweise momentan in den »Literatur Top 100″ ein), meinen Nachbarn aus dem Pornogeschäft also, zu Wort kommen zu lassen. Aber der Titel ist mir zu brachial. Aus der klebrigen Beschreibung des Angebots von Nr. 126 kann ich eigentlich nur das Wort »schüchtern« guten Gewissens zitieren. Da sind mir »Solarias eigene naturhafte Werke der Lyrik« am Ende doch lieber. Für’s Pornogeschäft wäre ich wohl, da beißt die Maus keinen Faden ab, doch nicht geeignet.

  1. Die es inzwischen (Januar 2010) nicht mehr gibt.
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  • Kurzum


    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

    »Die meisten Luxusgüter und viele der sogenannten Bedürfnisse des täglichen Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern sogar Hindernisse für die Entwicklung des Menschen. Ein Mensch ist so reich wie die Anzahl der Dinge, auf die er verzichten kann.« (Henry David Thoreau) (6. 5. / 16 Uhr)

    »Gebärden und äußerer Anstand verkündigen einen Mann, den die Welt ausgebildet hat.« (Schiller) (2. 5. / 14 Uhr)

    »One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.« (Henry Miller)(10. 4. / 17 Uhr)

    da seh ich wundernd das erschrockne thier
    zu einer nonne füszen zitternd liegen [...]
    sie aber blickt mit groszen augen flehend
    mich an. so stehn wir schweigend gegen einander (10. 4. / 15 Uhr)

    »Tissot erzählt von einem Kranken, der im Anfang der Krankheit schwarze Galle brach, und noch einige Stunden vor seinem Tode faselnd und mit Heftigkeit eine Aderläß verlangte, (4. 4. / 15 Uhr)

    »der hungir wart also gross dar czu,
    das sy frossin er aldin schu,
    spru, trebir, unde waz sy mochtin gehan.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »wer sein selbst kan seyn, der diene kaim.« — Aber die Sprichwortsphäre scheint sich dieser Unbeugsamkeit nicht ganz sicher zu sein, denn: »wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »...dass der Mensch an sich als universell kriminelles Wesen auf die Welt kommt, aber durch die Erziehung sozialisiert wird und dann sich in der Regel normal verhält. « (Reinhard Haller)(2. 4. / 19 Uhr)

    »Es ist eine Zeit für die Muße,
    es ist eine Zeit für den Streit,
    es ist eine Zeit für die Buße,
    für alles die richtige Zeit.(24. 3. / 15 Uhr)

    自動思考 (Jidō shikō) bedeutet »Gedankenautomat« oder »automatische Gedanken«. (23. 3. / 10 Uhr)

    Die Wasseraffen-Theorie (oder die »Litoraltheorie der Hominisation«), die evolutionäre Psychologie (die »Modularität des Geistes«) und daß die Angst vor Krokodilen vielleicht die älteste ist. (22. 3. / 23 Uhr)

    Identitätsmanagement, die Work-Life-Balance, rollende Soundpanzer, Finanzvehikel und die »Hydra-Logik« (21. 3. / 15 Uhr)

    Das eigentliche sind nie die Einzelheiten — sondern das, wie sich alles Einzelne zu einer großen Gestimmtheit verwebt.(21. 3. / 14 Uhr)

    »Klötßze« scheint mir, auch wenn es lediglich das homunkulöse Ergebnis eines Computerlesefehlers ist, ein urteutonisches Wort zu sein. (29. 2. / 20 Uhr)

    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

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