Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Zeitreisen

Man wird früher oder später unweigerlich mit den Schwierigkeiten der Zeitlichkeit konfrontiert. ↓ mehr…

Ich werde an dieser Stelle in lockerer Folge verschiedene Journaleintragungen Riehtbiels zur allgemeinen Kenntnis geben. Ich hoffe, daß auf diesem Wege sowohl der große Riehtbiel einiges von der Aufmerksamkeit erlangen werde, die er immer schon verdient hat – und daß so die heutige Zeitreiseforschung von Riehtbiel erneut einen wichtigen Impuls erhalten möge.

Der Herausgeber   
Guntram Mokry

Der obenstehende Satz gilt schon für jedes normale Alltagsleben, in dem die Grundregel der Folgerichtigkeit nur selten offen­sichtlich verletzt wird. Im Alltagsleben ergibt sich das meiste ziemlich ordentlich aus dem Vorherigen. Aber dennoch passiert es manchmal, daß ein Ereignis, das sich den Anschein gibt, eine Folge zu sein, zu keiner erkennbaren Ursache passt; oder daß sich plötzlich eine Folge einstellt, auf die keine der vorhandenen Ursachen hingewiesen hatte. Oder es widerfährt einem, daß man auf die vorhandenen Ursachen zurückblickt und sie derart verschoben vorfindet, daß man sich selbst nicht mehr als deren Folge verstehen kann.

Der Inbegriff solcher auch im kontinuierlichsten Alltag vorkommenden Probleme ist schließlich das Ableben, das den Zeitstrang gänzlich abreißen läßt. – Aber auch weniger dramatische Erlebnisse vergegenwärtigen im kontinuierlichen Alltag das Diskontinuum: z.B. jenes Phänomen, das eigentlich unpassend als ›Zufall‹ bezeichnet wird; auch jede wirkliche Entscheidung, d.h. eine Veränderung der eigenen Selbstfestlegung auf eine ganz bestimmte Zukunftsvariante, durchbricht die Folgerichtigkeit des Zeitablaufs. Zeitreisende ahnen schon lange, daß ›Entscheidungen‹ in diesem Sinne mit einer im psychischen Apparat des Menschen verankerten Zeitmaschine zu tun haben.

Der Zeitreisende seinerseits steht ständig vor schwierigen Problemen, die mit dem Scheitern des Vorher und Nachher zusammenhängen, mit der Brüchigkeit der Kausalkette und dem Beharrungsvermögen der Materie gegenüber der Frage ihrer Möglichkeit oder Unmöglichkeit.

Die Zeit ist das Medium der Möglichkeit – die Körper haben aber eine eigene Wirklichkeit, die auch noch dort weiterbesteht, wo sich die Unmöglichkeit verdichtet hat, z.B. durch einen unvorsichtigen Zeitsprung: woraus sich am Ende ein Paradox ergibt.

Das Paradox – so kann man sowohl aus der Sicht des Konstrukteurs von Zeitreisemaschinen als auch aus der Praxis des Zeitreisenden sagen –: das Paradox begegnet einem ständig, wenn man sich mit der »Plastizität«, der Um-Gestaltbarkeit der Zeitabfolge auseinandersetzt.

Die »Plastizität der Zeit« – so lautet einer der zentralen Begriffe aus der Grundlagenforschung Josef Ignacio Riehtbiels, jenes deutschstämmigen Uruguayers, der als Begründer der modernen Zeitreiseforschung zu gelten hat. Dieser Rang gebührt ihm, unbenommen dessen, daß er heute nur selten öffentliche Würdigung erfährt.

Riehtbiels Nachleben in der Temporalwissenchaft ist ähnlich glücklos, wie es die Disziplin selbst seit dem internationalen Verbot der Zeitreiseforschung 1942 insgesamt gewesen ist. Zwar ist das Verbot mittlerweile, nämlich im Zuge der Umbrüche, die sich mit dem Ende des Kalten Krieges ergeben haben, stillschweigend aufgehoben worden. Aber auch nach ihrer erneuten Legalisierung hat die Zeitreiseforschung nicht zu öffentlichem Interesse oder gar zu Anerkennung gefunden. Daß es zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine sehr erfolgreiche Blütezeit dieser Wissenschaft gegeben hat, ist weitestgehend unbekannt.

Man wird die Zeitmaschine letztlich als die einzige »fast vollständig ignorierte Großerfindung der Moderne« (Krusenkopf) bezeichnen müssen, die dazugehörige Wissenschaft als eine nahezu verlorene – und ebenso ist Josef Ignacio Riehtbiel vergessen worden.

Was das zuletzt genannte Unrecht anbelangt, das Vergessensein des großen Riehtbiels, möchte ich nun mit meinen bescheidenen Mitteln, und nicht ohne ein lebendiges eigenes Interesse zu hegen, Abhilfe schaffen.

Riehtbiel war als praktischer Experimentator sehr erfolgreich. Er hat seine Kenntnisse einem kleinen Schülerkreis mitgeteilt, hat aber auch eine bahnbrechende Abhandlung verfasst: De motione transtemporalis. – Von diesem Werk wird man mit einigem Glück noch einzelne verstaubte Exemplare in besseren (oder sehr schlecht besuchten) Antiquariaten finden. – Daneben sind irgendwann zwischen 1931 und 1940 Auszüge aus Riehtbiels Arbeitstagebuch erschienen. Die kleine Auflage dieses Drucks scheint inzwischen auch vom antiquarischen Markt restlos verschwunden zu sein.

Allerdings befindet sich ein Exemplar davon in meinem Besitz. Weiterhin bin ich mittlerweile in der glücklichen Lage, sogar im Besitz des größten Teils der originalen Riehtbiel'schen Journalhefte zu sein. Der Grund hierfür ist das weitläufige Desinteresse seiner Nacherben, das sie zu einer freundlichen Schenkung veranlasst hat. Ich erhoffe mir für meine eigenen Forschungen aus diesem Fundus wichtige Impulse.

Über den Charakter der Tagebuchaufzeichnungen aus der Feder Riehtbiels läßt sich viel oder wenig sagen. Der geneigte Leser wird sich selbst ein Bild machen wollen. Keineswegs sind diese Aufzeichnungen bloß wissenschaftlich; ihr »unwissenschaftlicher« Teil scheint mir sogar noch der interessantere zu sein. Die Zeitreiseforschung war ja überhaupt schon immer mehr eine Geistes- als eine Ingenieurswissenschaft.

Ich werde an dieser Stelle also in lockerer Folge verschiedene Journaleintragungen Riehtbiels zur allgemeinen Kenntnis geben. Ich hoffe, daß auf diesem Wege sowohl der große Riehtbiel einiges von der Aufmerksamkeit erlangen werde, die er immer schon verdient hat – und daß so die heutige Zeitreiseforschung von Riehtbiel erneut einen wichtigen Impuls erhalten möge.

Der Herausgeber   
Guntram Mokry

Anker 13665
1 | 30/05/11

Eintrag aus Riehtbiels Tagebuch mit der Nr. 13; nicht in der gedruckten Ausgabe enthalten. Der Eintrag ist nicht datiert, folgt aber auf einen Eintrag vom 12. Februar 1917.

Ein Problem ist nur so lange schwierig, bis man die richtige Vorstellung gefunden hat. Es ist die richtige Vorstellung, die mit aller Selbstverständlichkeit zu einer Lösung führt. Es kommt alles bloß darauf an. Das Denken wirft dann, wenn die richtige Vorstellung da ist, mit schöner Leichtigkeit seine gesamte Schwierigkeit ab, es braucht nur eine solche zutreffende, schlichte, und wahre Vorstellung als Fundament.

Diesen Prozeß, in dem sich das Denken vom Falschen befreit, zu beobachten (auch während man selbst oder der eigene Kopf es ist, der das Denken erledigt) ist ungefähr so, wie einem hinreichend schönen und geübten Menschen beim Tanzen zuzusehen: der Fluß der Bewegungen ist mühelos und heiter, da ist Anstrengung, aber bloß schöne Anstrengung. Die Figuren schließen sich ohne zu Stocken aneinander, und am Ende ist das Ergebnis da, man atmet schwer – aber zufrieden.

Ich möchte betonen, gerade als Naturwissenschaftler, und eben weil man es von mir anders erwartet, daß es sich bei diesem Prozeß vor allem um eine seelische Tätigkeit handelt. Vorstellungen (richtige wie falsche) befinden sich zwar in unserem Kopf; aber an ihnen hängt viel mehr als bloß die Gültigkeit von abstrakten Denkinhalten.

Das beste Beispiel sind die ersten Vertreter des Heliozentrismus. Sie brauchten bloß mit ihren optischen Instrumenten den Lauf der Gestirne am Himmel zu beobachten, wie Generation um Generation vor ihnen getan hatte. Keine schwierige Arbeit. Aber sich zur der richtigen Vorstellung durchzuarbeiten, daß die Erde gar nicht den Mittelpunkt des Universums ausmachen kann – das hieß doch vor allem, ein umfassendes Privileg aufzugeben. Der Mensch konnte sich auf seinem Erdklumpen nicht mehr als das ultimative Zentrum alles Seienden empfinden. An dieser Stelle war nun die Sonne. Wie schwer ein solcher Übergang, ein »Paradigmenwechsel« wie manche sagen, zu meistern ist, zeigt ja das Schicksal Galileos, obwohl er überhaupt nicht der originellste der Neuerer gewesen ist.

Nachdem aber die richtige Vorstellung der kosmischen Umlaufbahnen gefunden war, als man also mutig die Sonne in die Mitte gerückt hatte, und als dann schließlich auch die Sonne sich bloß als ein Punkt unter vielen wiederum beweglichen Punkten herausstellte etc. etc. – nach diesen vielen Umbrüchen war es nun möglich geworden, klar zu sehen. Und darin besteht am Ende alle Wissenschaft. Aber man mußte etwas verlorengeben: die Geborgenheit in der Mitte des Universums wie gesagt, die Meinung im selbstverständlichen Brennpunkt göttlichen Interesses zu sthen. Am Rand ist es einsamer, kühler – an einer falschen Vorstellung hängt mitunter vieles.

Ich sage: Aller Anfang ist die richtige Vorstellung. Und mehr noch: sie, die richtige Vorstellung, ist im Grunde schon der größte Teil des Ergebnisses. Was man sonst noch herausfindet, ist bloß eine Reihe mehr oder weniger komplizierter Anwendungen und Ableitungen.

So ist es auch bei meiner Entdeckung, der Temporalplastizität, oder einfach: der Formbarkeit der Zeit, gewesen. Ich habe gelernt, mir das Fließen der Zeit richtig vorzustellen. Und sobald die Zeit für mich kein rätselhafter Äther mehr war, ist es mir nicht besonders schwer gefallen und hat überhaupt keine technischen Wundertaten erfordert, die Zeitmaschine zu bauen. – Es ist ja auch nicht schwer, eine Glühlampe zu bauen: man braucht bloß etwas Kohledraht und eine einigermaßen taugliche Vakuumpumpe. Und doch würden vorneuzeitliche Menschen vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie eine Glühlampe brennen sähen. Das Konstruktionsprinzip der Zeitmaschine ist – wenn man, wohlgemerkt, über die richtige Vorstellung von Zeit verfügt – ähnlich simpel.

Und jetzt, da der erste Prototyp dieser Maschine sich als weitgehend funktionstüchtig erwiesen hat, werde ich mit den praktischen Versuchen beginnen. Man wird schnell Ergebnisse zu verzeichnen haben. Es ist alles sehr aufregend. Ich bin nicht bereit, mich mit wenig zufriedenzugeben. Ich bin darauf aus, mir die Zeit zu unterwerfen, wie die prähistorischen Einbaumfahrer sich das Meer unterworfen haben.

Anker 13774
2 | 02/06/11

Eintrag aus Riehtbiels Tagebuch mit der Nr. 14 vom 2. März 1917.

Gestern habe ich den Bau des Prototypen abgeschlossen. Und heute habe ich nichts getan. Ich hätte den Apparat einschalten können, es war alles vorbereitet; aber die Furcht vor einer Enttäuschung oder einem noch weitaus schlimmeren Ausgang des Experiments war zu groß: ich wollte die Dinge noch eine Weile in der Schwebe halten. Aber den Tag hinzuwarten, hat keine Erleichterung gebracht, ich war ununterbrochen angespannt und nervös, bin es auch jetzt. Morgen muß es geschehen. Ich werde mir einen Zeitpunkt für den Testlauf setzen und nicht weiter nachgrübeln.

Wenn ich also morgen den Apparat zum ersten Mal einschalten werde – um 10.32 Uhr, da ist Elisabet geboren1 – wird hoffentlich nichts völlig unvorhergesehenes passieren. Die Zeit-‹Substanz‹, die ich morgen zum ersten Mal zu einem Medium der Fortbewegung machen werde, ist wohl soetwas wie ein feines Gewebe, das an jeder Stelle gleichmäßig unter Spannung steht: wie ein Seidentuch vielleicht. Wenn ich durch die Inbetriebnahme des Apparats quasi ein Loch in das Zeitgewebe brennen sollte: dann würde sich das Loch vielleicht zu einem Riß ausweiten. Was würde passieren, wenn sich der Riß immer weiter fortsetzen würde? Womöglich nichts. Aber vielleicht nur deshalb ›nichts‹, weil dann mit einem Schlag alles zuende wäre.

Der Prototyp sollte in der Lage sein, ein stabiles Feld mit einer Ausdehnung von rund 1 m³ zu erzeugen. Wenn die Katastrophe ausbleibt (und davon wollen wir ausgehen), dann sollte der Prototyp eine Zeittransversale erzeugen können, die für eine ca. fünfminütige Versetzung ausreicht. – Die Versetzung in die Zukunft ist technisch viel schwieriger: ich werde also in meinem ersten Versuch eine retrostate Versetzung durchführen.

Um hierbei die Gefahr einer Selbstkollision des Apparates zu vermeiden, werde ich ihn erst unmittelbar vor der Zeitversetzung an seine Startposition bewegen. Dazu dient eine Schienenkonstruktion. Ich werde mit Hilfe einer automatischen Steuerung das Zeitfeld auslösen, noch während der Apparat auf den Schienen gleitet.

In Bewegungsrichtung des Apparates habe ich zur Sicherheit eine Art Sperrzone eingerichtet, wie bei einem Manövergelände für die Artillerie. (Es ist ein Glück, daß mein Labor mitten in der Einöde liegt.) Ich sehe die Zusammenhänge noch nicht ganz klar, aber ich vermute, daß es eine Phase geben wird, während der sich der Apparat zugleich im Raum und in der Zeit bewegt, und zwar wenn das Feld sich aufbaut und der Apparat aus der Zeit heraustritt, dabei aber noch auf der Schienenkonstruktion weitergleitet. Ich vermute, daß aus dem Zusammentreffen beider Größen (Raum- und Zeitbewegung) ein kurzfristiger Anstieg der räumlichen Bewegungsgeschwindigkeit resultieren wird. Der Apparat könnte also am Ende des Zeitsprungs zugleich eine ziemliche Raumstrecke zurückgelegt haben.

Allerdings ist die Vorsichtsmaßnahme, die ich mit Installation der Schienen ergriffen habe, notwendig. Ich habe heute alles noch und noch einmal durchdacht: Wenn ich den Prototypen der Zeitmaschine morgen ca. 5 Minuten in die Vergangenheit versetze, wird sich ihre Existenz von ihrem Wiedereintrittspunkt in das Zeitkontinuum ausgehend in Richtung der Gegenwart ausbreiten. Wenn also ein ruhender Körper in negative Zeitrichtung2 versetzt werden würde, dann wäre letztendlich derselbe Körper zweimal an der gleichen Stelle.3

Das ist aber nur die abstrakte Variante des Problems. Die eigentliche Schwierigkeit ergibt sich aus den ›psychischen‹ Konsequenzen. Die Versetzung einer ruhenden Zeitmaschine würde für die ›Psyche‹ folgendes bedeuten:

Daß ich in mein Labor gekommen wäre, um den Versuch durchzuführen. Ich hätte geplant, die Zeitmaschine erst kurz vor der Inbetriebnahme auf ihren Startplatz zu setzen. Aber da würde ich bemerken, daß sie schon dort steht – bzw. daß eine zweite Zeitmaschine ungefähr 5 Minuten vor dem Start aus dem Nichts auftaucht. Dann würde ich den Versuch nicht mehr durchführen müssen, weil der Beweis für das Funktionieren der Zeitmaschine mir ja bereits vor Augen läge. Wenn ich den Versuch aber nicht durchführen würde, könnte die Zeitmaschine, die ich erst noch in die Vergangenheit versetzen will, nicht aus dem Nichts auftauchen, und mich von der Durchführung des Versuchs abbringen…

Die größte Gefahr bei der Zeitforschung ist also vielleicht gar keine technische oder materielle: vielleicht sind es die Aporien, die im Beobachter enstehen könnten, von denen die Gefahr ausgeht. Eine nicht aufzulösende Rückkopplung aus transtemporalen Zirkelschlüssen, zwar nur vorhanden in den Gedanken eines einzigen Beobachters. Aber vielleicht wäre gerade das der Riß im Zeitgewebe.

Morgen wird es soweit sein. Morgen werde ich Klarheit haben. Ich stehe unmittelbar dazwischen, es nicht mehr erwarten zu können und zu hoffen, es möge nie morgen werden. Daß ist immerhin auch schon soetwas wie eine Zeitreiseerfahrung. – Werde jetzt darüber nachdenken und dann hoffentlich schlafen können.


Anmerkungen des Herausgebers:

  1. Eine Nichte Riehtbiels.
  2. Also in die Vergangenheit.
  3. Wenn eine unbewegte Zeitmaschine von ›jetzt‹ nach ›vor fünf Minuten‹ versetzt wird, ergibt sich bei Nutzung der konventionellen Technik immer eine, wenn auch noch so geringe, Überlappung, da die Maschine als Resultat der Versetzung auch vor Aufbau des Zeitreisefeldes schon dort ›war‹, von wo aus sie in die Vergangenheit versetzt wurde.
Anker 13834
3 | 03/06/11

Erläuterungen des Herausgebers:

Die Aufmerksamkeit des Lesers damit zu strapazieren, daß eine ausführliche technische Einleitung vorausgeschickt würde, noch bevor irgendein Text Riehtbiels dargeboten wäre, erschien dem Herausgeber unangemessen. Allerdings möchte ich es nicht unterlassen, demjenigen Leser, dem es hinsichtlich der Einzelheiten der Zeitreiseforschung an Beschlagenheit mangelt, eine Einführung in einige ihrer Grundbegriffe zu geben. Ich werde wie jetzt so auch im weiteren verfahren: es sollen immer diejenigen technischen Probleme bündig erleutert werden, ohne deren Kenntnis ein Verständnis der Riehtbiel’schen Abhandlungen ziemlich erschwert wäre.

Riehtbiel stand vor seinem ersten praktischen Versuch mit dem Prototypen der Zeitmaschine. Er schien zu diesem Augenblick in einiger Sorge über die spezifischen Probleme der rückwärtsgerichteten oder retrograden Zeitversetzung zu sein. Das schwierige Problem der Zeitreise in die Vergangenheit, das Riehtbiel sehr plastisch als »Selbstkollision« beschreibt, hat die spätere Zeitreiseforschung insgesamt unter dem Begriff der »Diplosistenz«, also des »Doppelt-Seins« verhandelt. Gemeint ist die potentielle Verdopplung einer in die Vergangenheit gesprungenen Sache oder Person an ein- und demselben Ort.

Man stelle sich einen Würfel in der Größe einer Faust vor, der eine geraume Zeit auf einem Tisch liegt. In diesem Würfel befindet sich ein Zeitreiseapparat, der diesen Würfel für eine Zeitspanne in die Vergangenheit versetzt, die geringer ist als jene Zeit, die der Würfel unbewegt gelegen hat. Der Würfel würde dann gewissermaßen auf sich selbst zurückkehren (einige Autoren sprechen von einer »Ipsokontraktion« oder »Autoinkurvation«).

Wenn man sich nun den Würfel theoretisch als vergangenheitslos vorstellt, würde ein in der Gegenwart verweilender Beobachter die Zeitversetzung des Würfels visuell überhaupt nicht bemerken. Er wäre nach einer 5 Minütigen Versetzung in die Vergangenheit aus seinem bloß punktuell gedachten Jetzt lediglich schon 5 Minuten dort gelegen haben, wo er nun immernoch liegt.

Jedoch gibt es niemals vergangenheitslose Objekte. Jedes Objekt hat neben einer räumlichen auch eine zeitliche Ausdehnung. Deshalb muß es bei Zeitversetzungen in Ruhe zu jenen »Selbstkollisionen« kommen, die Riehtbiel in seinem Tagebucheintrag vor dem ersten Versuchslauf zu Recht befürchtet hat.

Selbstkollisionen innerhalb der Diplosistenzzone eines Objektes können durch räumliches Ausweichen (das sog. »gleitende Kaschieren«) vermieden werden. In unserem Gedankenexperiment müsste dafür sichergestellt werden, daß der Würfel nach seiner Rückversetzung räumlich neben seinem »früheren« Abbild (seiner sog. »retrosubsistenten Version«) zu liegen kommt. Für den Beobachter in der Gegenwart würde sich dabei unter Umständen ein Ortswechsel, nicht aber der Zeitsprung beobachten lassen.

Oder aber der Ein- und Austrittspunkt der zeitlichen Rückversetzung würden so gewählt, daß sie außerhalb der Diplosistenzzone liegen: es würde damit vermieden, daß der zeitlich rückversetzte Würfel überhaupt gleichzeitig mit seiner retrosubsistenten Version werden könnte. Eine solche »Diplosevermeidung« ließe sich zum Beispiel dadurch erreichen, daß man den Würfel 3 Minuten vor der Zeitversetzung an seinen Platz legt und daraufhin eine Versetzung nach »vor 6 Minuten« vornimmt, dabei jedoch eine automatische Steuerung in der Zeitmaschine des Würfels so einstellt, daß nach Ablauf von höchstens weniger als 3 Minuten ein Zukunftssprung um mindestens 3 Minuten durchgeführt wird.

Diese kurzen Andeutungen müssen an der gegebenen Stelle genügen. Der Herausgeber will den Riehtbiel’schen Aufzeichnungen nicht den Platz streitig machen. Für eine intensivere Auseinandersetzung mit den Problemen der Zeitreise sei auf das Einführungswerk William Alred Sutcliffe-Blankleys verwiesen: Retrograde und prograde temporale Bewegungen, Fribourg 1992.

Guntram Mokry

Anker 13860
4 | 05/06/11

Eintrag aus Riehtbiels Tagebuch mit der Nr. 15 vom 3. März 1917.

Ich muß den Versuch um einen weiteren Tag verschieben! Das ist sehr ärgerlich, aber ich halte es für notwendig. Ich habe die ganze Nacht damit zugebracht, noch einmal alles zu überdenken. Dabei erschienen mir zwei Faktoren immer beunruhigender.

Erstens: daß ich vor dem Start der Zeitmaschine sehen könnte, daß mein zukünftiges Ich die Maschine bereits erfolgreich in jene Vergangenheit zurückversetzt hat, die meine Gegenwart sein wird, wenn ich den Versuch machen werde. Diese Rückkopplung erzeugt mir schon beim Nachdenken einen gewissen Schwindel. Eine Gedankenschleife, die ich immer wieder durchlaufen habe.

Zweitens: daß die (rämliche) Geschwindigekit der Zeitmaschine durch den Zeitsprung exponentiell zunehmen könnte; die Maschine könnte so zu einem äußerst gefährlichen Geschoß werden. Ich habe einen ausreichend großen Bereich abgesperrt. Ich werde jetzt noch den Schlitten, auf dem die Maschine gleitet, verstärken. So wird sie hoffentlich ausreichend geschützt sein, um nicht beim Aufprall zu zerbrechen. Ich habe den Schlitten so konstruiert, daß er tatsächlich ein wenig wie jene Schlitten aussieht, die Kinder auf verschneiten Hängen benutzen. Die Kufen sind allerdings viel breiter, weil sie ja womöglich mit hoher Geschwindigkeit auf dem Erdreich zu gleiten in der Lage sein müssen. Neben den Kufen befinden sich noch die Rollen, mit denen der Schlitten in der Schienenkonstruktion der Startrampe sitzt.

Ich werde heute nochmals das Gelände auf Unebenheiten untersuchen lassen. Auf einer Länge von 500 Metern ist vor der Rampe auf weichem Mutterboden eine derart ebene Rasenfläche angepflanzt worden, daß man sie mit einigem recht als »englisch« bezeichnen könnte.

Um dem ersten Problem zu begegnen, habe ich gerade Bartolomé beauftragt, an der Rampe eine Sichtsperre zu errichten. Er hat mir versichert, alles daranzusetzen, um bis morgen fertigzuwerden. Der Versuchsablauf wird so, wie ich es für nötig halte, um meine Wahrnehmung und Erinnerung als Einflußfaktoren auszuschalten, fast wie ein religiöses Ritual aussehen:

Ich werde das ganze Gelände räumen lassen. Bartolomé wird am Haupttor Wache halten. Ich werde einen Gehörschutz aufsetzen und mir meine Nase mit einer Klammer verschließen, um auch meinen Gehör- und Geruchssinn auszuschalten.

Dann werde ich die Maschine nehmen und zur Startrampe tragen. Die Wände, die Bartolomé errichtet, werden mir die Sicht auf das Testgelände verperren. Ich steige zügig die Stufen zur Startrampe hinauf und bringe den Prototypen mit seinem in Position. Ich betätige eine Kurbel, um die Feder zu spannen, die den Schlitten abstoßen soll. Dann ziehe ich den Haltehebel, der Schlitten wird abgestoßen und gleitet auf den Schinen der Rampe in einer nicht zu steilen Parabelbahn abwärts. Er nimmt dabei genug Fahrt auf, um die notwendige Geschwindigkeit von 1,5 Meter pro Sekunde zu erreichen. Dann gleitet er noch ein Stück waagerecht, so daß auf- und abwärtsgerichtete Kräfte ausgeglichen werden; er passiert den Auslöser, der an der Schiene angebracht ist; der Feldaufbau wird ausgelöst und dauert 0.95 Sekunden. Währenddessen wird die Maschine noch etwas weniger als anderthalb Meter auf den Schienen weitergleiten. Wahrscheinlich wird ihre Geschwindigkeit zunehmen, während sie in die Zeittransversale übergeht. Das Feld wird bei geringer Stärke 3 Sekunden aufrechterhalten. Dann wird der Energievorrat der Zeitmaschine aufgebraucht sein (die Betriebsdauer so quasi »absolut« zu begrenzen und nicht durch eine vielleicht versagende automatische Abschaltung, erscheint mir sicherer).

Ich werde, nachdem ich den Starthebel gezogen habe und die Maschine durch einen Vorhang aus Gummistreifen geglitten ist, meine Uhr zur Hand nehmen und zur Sicherheit genau 1 Minute abwarten, bis ich hinter der Sichtsperre hervortrete. Was ich dann vorfinden werde, kann ich heute zwar begründet vermuten – aber wissen kann ich es nicht. Aber morgen werde ich es endlich, endlich erfahren.


Die Illustration zeigt eine Potentialgrafik des Tempotronenflusses, wie er beim Aufbau eines ›klimaktischen‹ Zeitfeldes hervorgerufen wird. Diese Art von Feld wurde durch Riehtbiel verwendet, bis es ihm möglich war, die heute noch gebräuchlichen instantanen Felder zu erzeugen. — Der Hrsg.

Anker 13898
5 | 08/06/11

Eintrag aus Riehtbiels Tagebuch mit der Nr. 16 vom 4. März 1917.

Habe nun also den ersten Versuchslauf mit der Zeitmaschine abgeschlossen. – Wie durchaus Merkwürdig die Zeit ist.

Als physikalische Größe wird sie für mich demnächst vielleicht annähernd berechenbar sein; aber als wahrnehmbares Phänomen ist die Zeit ziemlich rätselhaft. Normalerweise nimmt man ja kaum kaum Notiz davon, daß (und auf welche Weise) Zeit vergeht. Darin ist die Zeit dem anderen großen Umgebungsphänomen ähnlich: dem Wetter. – Nur, wenn etwas außergewöhnliches den ruhigen Fortgang der Dinge stört, nimmt man Zeit und Wetter wahr.

Ich mußte das von der zurückliegenden schlaflosen Nacht bis jetzt erleben. Die Dehnung und Kontraktion von Zeitspannen. In zahllosen Durchgängen habe ich das Experiment bis in die kleinsten Details in Gedanken durchgespielt, inklusive aller möglichen schrecklichen Ausgänge. Stunden habe ich immer wieder die Halle, die Rampe, die Aufbauten und Armaturen vior mir gesehen. Ein schlafloser Kopf zerdehnt die Zeit weit über ihr Normalmaß hinaus – Gedanken sind sozusagen ein Zeitakkumulator. Und wie flüchtig schnell dagegen alles in Wirklichkeit vorbeigegangen ist. Aber dann doch wieder: wie voller Zittern und Bangen jene eine Minute war, nachdem ich die Zeitmaschine auf ihren Weg die Startrampe hinunter geschickt hatte.

Im Vergleich mit meinen wüsten Erwartungen war das, was ich, als ich hinter dem Sichtschirm hervortrat, vorgefunden habe, beinahe enttäuschend. Die Maschine stand ganz friedlich und unscheinbar da, sogar noch auf dem Betonboden der Halle, ein Stück weit hinter dem Ende der Startrampe. Sie ist nicht beschädigt, steckte auch nicht im Boden oder irgendetwas derartiges. Aber so bieder gehört es sich wohl für einen anständigen Versuchsaufbau.1

Ich habe nachgemessen: die Maschine ist acht Meter hinter den Schienen der Rampe zum Stehen gekommen. Auf der Rampe konnte sie nach ihrer Aktivierung noch vier Meter abrollen – sie hat sich während des Versuchs also ingesamt rund 8 Meter bewegt. Die Zeitversetzung hatte dabei eine Dauer von 3,95 Sekunden.

Nach diesen Ergebnissen war eine Gegenprobe erforderlich; dazu habe ich den Schlitten mit einem Sandsack bestückt, der genauso viel wiegt wie die Zeitmaschine. Die Gummirollen bewegen sich auf den Schienen der Startrampe sehr gut, sobald der Schlitten aber auf den Hallenboden gerät, bremsen sie schnell ab. Der Sandsack hat es nur auf 2 Meter gebracht. Die Zeitversetzung hat also tatsächlich die Bewegungsenergie des Schlittens erhöht, was sich in den zusätzlichen 6 Metern ausdrückt. 6 Meter! Das ist angesichts der ziemlich geringen Ausgangskräfte ein doch recht erstaunlicher Zuwachs.

Während ich über meinem Bericht gesessen habe, ist mir eine Idee für einen Versuchsaufbau mit mehr Potential gekommen. Ich werde ein Katapult bauen lassen. Die Zeitmaschine werde ich in eine Stahlkugel einbauen, man könnte Flüssigkeit als Dämpfer nehmen, wie zum Beispiel in den Schädeln von Spechten (so habe ich irgendwo gehört, wahrscheinlich in der Akademie).2 Das Katapult wird die Maschine in eine ballistische Kurve schießen; man könnte zwei sehr starke Federn mit einem Lederriemen dazwischen benutzen, oder irgendetwas dergleichen. Das Zeitfeld wird automatisch im Flug ausgelöst. Dann könnte man an der Flugbahn sehr einfach die entstandenen Kräfte ablesen. Ich werde Bartolomé sofort instruieren. Es reicht, wenn während der Bauarbeiten die Einzelheiten festgelegt werden.

P.S. Bartolomé hat mir versprochen, die Arbeiten in einer Woche zum Abschluß zu bringen. Er soll Hilfskräfte heuern, so viele er braucht!


  1. Man wird diesen Satz als einen ersten Hinweis auf jene Ungeduld ansehen dürfen, mit der Riehtbiel seine Versuche später in immer entschlossenerer, unerschrockenerer Form vorangetrieben hat. Kritiker werfen Riehtbiel vor, er sei tollkühn verfahren; es war dies allerdings jene Tollkühnheit, die einen Entdecker erst zum Entdecker macht. – Der Hrsg.
  2. Es ist unwahrscheinlich, daß Riehtbiel diese Information auf einer Sitzung der Asociación de Ingenieros del Uruguay erlangt haben sollte. Für 1911 ist ein längerer Aufenthalt in Deutschland belegt. Vielleicht wurde der junge Riehtbiel von Max Born während dieser Zeit in einer Wissenschaftsakademie eingeführt.
Anker 13964
6 | 11/06/11

Erläuterungen des Herausgebers:

Riehtbiel hat bekanntlich nicht wenige Kritiker gefunden. Aber sogar Anhänger und Mitstreiter haben sich darüber gewundert, daß er, angetreten, die Durchquerung der Zeit zu ermöglichen, »schon nach dem ersten, vielversprechenden Schritt auf den Bau eines mittelalterlichen Katapults verfallen ist« (Kraushaar).1

In der Tat hat Riehtbiel für seine Katapultexperimente viel Zeit aufgewendet. Sie waren aber keinesfalls überflüssig und – so muß man heute sachlich urteilen: sie waren wichtig für Riehtbiels Erkenntnisfortschritt. Riehtbiel schoß in seinen Katapultexperimenten nämlich Zeitmaschinen – d.h. Zeitfelderzeuger, die, eingeschlossen in Stahlkugeln und in einer Flüssigkeit lagernd, die als Stoßdämpfer diente – in einer ballistischen Kurve über den »Schießplatz«, der zu seinem Laborgelände gehörte. Indem Riehtbiel die dabei entstehenden Einschlagskrater aufsuchte und die Entfernung vermaß, die die Zeitmaschine zurückgelegt hatte, gewann Riehtbiel einen Anhaltspunkt, um die während der Zeitversetzung entstehenden Kräfte immer exakter zu bestimmen.

Im Verlauf seiner Katapultexperimente, die er für mindestens 4 Monate intensiv betrieb, gelang es Riehtbiel, seine Zeitfelder zu verbessern. Er führte im Zuge dessen die Maßeinheit für die chronobare Masse χΒ ein.2

Daß tatsächlich eine Zeitversetzung erreicht wurde, bewies Riehtbiel ebenfalls in einem Katapultexperiment. Dabei verfuhr er wie folgt: Er legte am voraussichtlichen Einschlagsort einer katapultierten Zeitmaschine einen speziellen Chronographen nieder; das Ziffernblatt dieser Uhr war sehr stabil ausgelegt und lag auf dem Erdboden, das Uhrwerk war nach oben gekehrt. Auf dieses Ziel schoß Riehtbiel nun ein Zeitmaschinen-Projektil ab. Beim Aufprall wurde das Uhrwerk zerstört, die Zeiger blieben stehen. So konnte Riehtbiel auf dem Ziffernblatt den Einschlagszeitpunkt und damit auch das Ausmaß der Zeitversetzung ablesen.

Aus den Daten seiner Experimente, insbesondere aus den Flugbahnen seiner Zeitmaschinen, konnte Riehtbiel ableiten, wie temporale Versetzung und Geschwindigkeit der räumlichen Bewegung sich zueinander verhalten.

Um sich dezidierter den entscheidenden Paradoxien der Zeitversetzung im engeren Sinne widmen zu können, konstruierte Riehtbiel nach Abschluß der Katapultexperimente einen sehr viel kompakteren Versuchsaufbau. Die Zeitmaschine war hierbei in einem magnetischen Feld gelagert, daß in einem ca. 5 Meter langen Käfig erzeugt wurde. Im Magnetfeld konnte die Zeitmaschine über eine kurze Strecke sehr exakt räumlich beschleunigt und gebremst werden; so wurde die zur Vermeidung einer Selbstkollision notwendige Bewegungsenergie minimiert. Die Zeitmaschine war im Magnetfeld sicher gelagert und wurde nicht beschädigt, es war keine abgesperrte Schußbahn erforderlich etc. Riehtbiel hat mit diesem neuen Versuchsaufbau eine Reihe sehr wichtiger Experimente gemacht: u.a. das erste Experiment mit bewußtem Beobachter und die ersten Zeitversetzungen von Lebewesen.


  1. Émile Kraushaars große Biographie über Riehtbiel: »À travers les temps«, Paris 1972, ist während der Verbotszeit entstanden und schon deshalb genötigt, Riehtbiel in einem sehr zweifelhaften Licht darzustellen. Unter dem aufgenötigt distanzierten Ton spürt man gelegentlich die Sympathien. Allerdings hat Kraushaar Riehtbiel meistens mißverstanden. — Der Hrsg.
  2. Von griech. χρόνος = Zeit und βάρος = Gewicht.