Die Magnetschiene ist fertig. – Erkenntnis ist ein zweischneidiges Schwert.
Mir kommen die Versuche mit dem Katapult jetzt, während ich darauf zurückblicke, unglaublich plump vor. Sie erscheinen mir so, als wären sie von einem Urwaldwilden erdacht worden. Aber unweigerlich ist gerade das wohl Wissenschaft: Man muß sich immer wieder selbst in seiner eigenen Beschränktheit überführen; man kann, wenn der nächste Schritt gemacht ist, kaum glauben, in welcher Unwissenheit man vordem gehandelt hat.
Ich mußte in den zurückliegenden Tagen häufig an meinen Vater denken. – Wie erstaunt er in den letzten Wochen seines Lebens manchmal ausgesehen hat. Er war hartnäckig schweigend wie immer und in seine übliche Grübelei versunken, in seinem altmodischen Sessel hockend, dunkel, ernst. Aber ein tiefes, frisches, ganz unbekanntes Erstaunen, ich sehe es deutlich vor mir, war in seinem Gesicht. Und wie dann Mutter später erzählt hat, ihr Mann, mein Vater habe vieles, das geschehen war, noch einmal überdacht; er habe ihr mitten in der Nacht Fragen gestellt wie ein kleines, maßlos verwundertes, erschüttertes Kind. Mein Vater hat vor seinem Tod irgendeine Erkenntnis gehabt – und diese Erkenntnis hat ihn vor sich selbst entblößt.
Jedenfalls bin ich jetzt in der Lage, die Versuche mit der Zeitmaschine ernsthafter, fortschrittlicher, erwachsener zu betreiben. Alles dank des Magnetkäfigs. Heute wundere ich mich, daß ich nicht schon früher darauf gekommen bin. (Und ich frage mich, wann ich mich das nächste Mal auf solche Weise verwundert sein werde.)
Im neuen Versuchsaufbau ist die Zeitmaschine also in einer Magnetschine gelagert. Sie ist fixiert zwischen den Feldern von vier langen Magneten, die in einem Quadrat von 1,20 Metern Kantenlänge angeordnet sind. Diese Technik nennen heute manche romantische Schwärmer »Magnetische Levitation«. Ich kann den Apparat auf diese Weise, während er im Magnetfeld frei aber ortssicher schwebt, ganz exakt im Raum fixieren. Magnet- und Zeitfeld werden sich nicht in die Quere kommen – die jeweils wirkenden Kräfte sind ganz unterschiedlich.
Über einen magnetischen Linearantrieb kann ich den Felderzeuger dabei ganz einfach mit der nötigen Bewegungsenergie versehen und nach dem Zeitsprung auf einer sehr kurzen Strecke abbremsen. Daß ist die wichtigste Neuerung in diesem Aufbau. Keine unübersichtlichen Flugbahnen mehr, keine abgesperrte Wiese etc. Zudem kann die Zeitmaschine unmöglich aus der Magnetschiene ausbrechen: alle wirkenden Kräfte sind hinlänglich bekannt (Ignacio und ich nennen die Magnetschiene den »Käfig«). Ich brauche mich nicht mehr mit lästigen Sicherheitserwägungen herumschlagen und kann mich um die eigentliche Aufgabe kümmern.
Ich weiß inzwischen sehr deutlich, welche Kräfte bei Zeitsprüngen entstehen. Jetzt werde ich also darangehen, diese Kräfte zu beherrschen und gezielt einzusetzen. Und da es nicht mehr nötig ist, blödsinnige Projektile durch die Luft zu schießen, werde ich den Neuanfang zur Gänze ausschöpfen und in einem Zuge noch jene zweite Beschränkung hinter mir lassen, die ich mir bislang auferlegt hatte: Ich will jetzt wissen, wie ein bewußter Beobachter sich auf einen Zeitsprung auswirkt. Ich werde die Zeitmaschine im Magnetkäfig in die Vergangenheit schicken – und dabei auf einen Sichtschutz und dergleichen verzichten. Ich werde mich absichtlich selbst mit Wiedereintritt der Maschine in der Vergangenheit konfrontieren. Ich will jetzt wissen, was geschehen wird, wenn ich das sehe und daraufhin – den Versuch gar nicht machen werde? Die Vorstellung dieses Paradoxes ist wie ein Geschmack: ein metallischer Geschmack auf der Zungenspitze. Wenn die Technik der Zeitreise berherrschbar werden soll, muß man über solche Scheu hinauskommen.




… Einen solchen Kurbelwiderstand mit Parallelschaltung zeigt Fig. 2. Die Enden der Drahtspiralen sind einerseits mit einer Metallschiene M, anderseits mit einer Reihe voneinander isolierten Doppelfedern verbunden. Zwischen diese Doppelfedern kann durch Drehung einer Kurbel eine beilförmig gestaltete Metallscheibe S geschoben werden. Diese steht mit der einen Klemmschraube, die Metallschiene M mit der zweiten in Verbindung. Drückt man die drehbare Metallscheibe zwischen das erste Federpaar, so ist nur die erste Spirale eingeschaltet, der Widerstand ist jetzt am größten. (Lueger: Lexikon der gesamten Technik, Stuttgart/Leipzig 1910.)