
Schwefelsäure ist ein Grundstoff moderner industrieller Produktion. Derart vielseitig ist das Dihydrogensulfat H2SO4, daß Glauber von dieser Substanz einen Gutteil von »Teutschlands Wolfart« erwartete, die er chemisch durch gleichlautende Veröffentlichung aus dem Jahre 1656 nach dem 30jährigen Krieg neu zu propagieren trachtete.
Glauber war in der Lage, geradezu spirituelle Worte für die Abkunft der Schwefelsäure aus dem Vitirol zu finden: Sie ist der in Wasser geschlossene spiritus vitrioli; allerdings ist die solchermaßen dingfest gemachte Geistsubstanz durchaus zäh, weshalb man H2SO4 auch oleum vitiroli nannte: Vitriolöl.
Dieses Öl ist nun seinerseits in der Lage, vermeindlich geistlosen Stoffen ihre Geister zu entlocken, nämlich dem Salz den spiritus salis (mit Wasser wird daraus Salzsäure); dem Salpeter den spiritus nitri, der, wenn er in Wasser eingeht, es zum »Scheidewasser« macht, in dem Silber verlorengeht, nicht aber Gold.

Am Anfang dieser ganzen vielfachen Vergeistigung stand aber das Vitirol, also ein erdenschweres Metall. Das ledige Metall, den Bodensatz, der in der Destille bleibt, wenn der Vitriolgeist entfleucht ist, nennt man passenderweise: caput mortuum, das Haupt der Toten (oder, freier übertragen: wertloses Zeug).
Man siehe nur Samuel Hahnemanns »Apothekerlexikon« zum Stichwort:
»Die Masse, welche nach geendigter Destillation oder Sublimation in den Gefäsen zurückbleibet, nannten die Alten Todenkopf, oder caput mortuum, da sie sie für unnütz, kraftlos und erstorben hielten, das ist, des Geistes beraubt, den sie in verschiednen chemischen Körpern vermutheten.«
Dieses bei der Gewinnung von Nordhäuser oleum vitrioli anfallende Eisenoxid war von intensiv braun-violetter Farbe. Es fand eine Verwendung als Pigment in der Malerei.
Die schönste Herleitung des Begriffes »Totenhaupt« stammt dann wohl auch aus diesem Abnehmerkreis der chemischen Industrieproduktion. Es sei nämlich die Farbe des entgeisterten Vitriols zu vergleichen mit dem geronnenen Blut an den Schnittstellen jener Köpfe, die ein Henker vom Rumpf getrennt hatte.