Anatomische Zeichnung des Hirnstamms (aus »Gray’s Anatomy«)
Im Hirnstamm, dem zuunterst liegenden Bereich unseres Gehirns, der sich mit der Medulla oblongata unmittelbar an das Rückenmark anschließt, befinden sich die entwicklungsgeschichtlich ältesten Bestandteile unseres Zentralen Nervensystems. Die verschiedenen Strukturen des Hirnstamms haben sich in der Evolution lange nicht mehr verändert – so daß wir Menschen und die Krokodile zum Beispiel oder andere respektabel urwüchsige Lebewesen uns, jedenfalls was den Hirnstamm anbelangt, nicht wesentlich unterscheiden.
Zum Hirnstamm (dem »Truncus cerebri«) gehören, in aufsteigender Reihenfolge vom Rückenmark aus:
- Die besagte Medulla oblongata (das verlängerte Rückenmark),
- die Pons (d.i. Brücke; Brückenhirn),
- das Mittel- und Zwischenhirn (das wiederum in verschiedene thalamoi [griech. für Kammer] aufgeteilt ist, u. a. der Thalamus und Hypothalamus),
- sowie der »Streifenkörper« des Groß- bzw. Endhirns.
Der Hirnstamm steuert, anatomisch meistenteils recht weit von unserer bewußten Teilhabe entfernt, die besonders Grundlegenden Körperfunktionen. Er ist also insgesamt ein Bereich wunderbarer Primitivität. Die Atmung, der Herzschlag, der Nies-, Husten-, Schluck- und Saugreflex, sowie der Reflex, der das Erbrechen bewirkt, haben im Hirnstamm ihren Ausgangspunkt.
Der Thalamus fungiert zudem als eine Art Vorzimmer zum Großhirn, in dem Sinneseindrücke daraufhin geprüft werden, ob sie der Großhirnrinde zu einer genaueren, jetzt erst mit Bewußtsein verbundenen Begutachtung, vorgelegt werden sollen. Alles, was der Thalamus als unter den gegebenen Umständen unwichtig ansieht, bleibt für uns hinter einer neuronalen Milchglasscheibe verborgen.